Nürnberg - Rekonstruktion des Pellerhauses

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    • "MODERNE" schrieb:

      Natürlich waren meine 5% nur aus der Luft gegriffen, aber damit waren die Bürger gemeint, die sich aktiv an diesem Aufbau beteiligen würden. Der Rest sagt macht nur oder lasst es. Ich meine nur, dass nicht jeder der bei einer Umfrage ja sagt, gleich ein großer Unterstützer ist. Ich denke der Anteil der Nürnbergerbevölkerung der das Pellerschloß am Herzen liegt ist hier im Forum.


      Und jetzt offenbar auch der Anteil, dem das Pellerhaus nicht am Herzen liegt.:zwinkern: (Übrigens steht das Pellerschloß in Fischbach, bitte um Verzeihung für diese kleine Besserwisserei.) Aber spielt es überhaupt eine Rolle? Schließlich wird die Meinung ja im Stadtrat gebildet. Und für die Frage nach der öffentlichen Meinung ist es doch egal, in welchem Maße zwischen innerer Einstellung und Schaufel-in-die-Hand-nehmen man etwas befürwortet oder ablehnt.

      Ein abschließender Satz, der auch hauptsächlich an die sture Meinung der Altstadtfreunde gerichtet ist. Ein Stadtbild verändert sich mit der Zeit - altes wird abgerissen und neues erbaut. Unsere Vorfahren haben sich beim Umbau/der Erweiterung von Gebäuden nicht immer auf den richtigen Stil oder so geachtet. Es war zweckdienlich und in ihren Augen vielleicht auch schön. Also nicht immer an Altem festhalten auch eine moderne Umgestaltung kann zu einem schönen Stadtbild führen. (und in 100 Jahren ist das auch wieder alt - und dann schützen wir es).


      Ich bin nicht der Meinung man soll in Nürnberg nichts aufbauen. Es gibt viel schützen wertes. Dies hebt Nürnberg auch von anderen Großstädten ab. Ich bin nicht der Meinung man solle es wie in Rotterdam machen, dass auch völlig vom Krieg zerstört war und jetzt den Charme einer Plattenbausiedlung hat.


      Ich denke es ist sehr schwer in Nürnberg einen Weg zu finden der Alle zufrieden stellt. Denn wenn eine Entscheidung ansteht bleibt jeder fest bei seiner Meinung. Wiederaufbau vs. Abriss/Neubau


      Das mit der Sturheit ist ein Mißverständnis. Daß sich die Altstadtfreunde für Schutz und Wiederaufbau der Nürnberger Altstadt einsetzen, bedeutet nicht, daß sie schlichtweg jedes Bauprojekt in der Altstadt bekämpfen, wenn es keine Rekonstruktion des Vorkriegszustandes darstellt. Vielmehr wird die von keinem gebildeten Menschen bestrittene historische, kulturelle, künstlerische usw. Bedeutung der Nürnberger Altstadt fast ausschließlich durch das Stadtbild einschließlich der wenigen Gebäude, die den Krieg überstanden haben, und die wiederaufgebaut wurden, geprägt. Damit ist die Nürnberger Altstadt, deren Bewahrung im Interesse der Allgemeinheit steht, sehr verletzlich, weshalb bei Neubauten innerhalb der Altstadt ein hohes Maß an Rücksichtnahme erforderlich ist. Eben diese Rücksichtnahme wurde jedoch nach der ersten Phase des Wiederaufbaus aufgegeben und zum einen maßstabslose Großbauten in die Altstadt hineingesetzt, sowie andererseits noch historische Substanz und Strukturen der Entstehung belangloser Neubauten geopfert.

      Denn ebenso, wie es gute neue Entwürfe gibt, gibt es auch schlechte neue Entwürfe. Und weil es aus nachvollziehbaren Gründen praktisch nur neue Entwürfe gibt, ist die Gefahr stets gegeben, daß einer der nicht so günstigen Entwürfe sich in der Altstadt verwirklicht. Und leider ist es auch so, daß man teils erst nach einiger Zeit die Qualität eines Gebäudes beurteilen kann. Meine Forderung nach Neubauten in der Altstadt ist daher diejenige, daß die entsprechenden Entwürfe einen so hohen Grad an Qualität aufweisen müßten, daß sie sich kongenial mit dem Unikat Nürnberger Altstadt ergänzen würden, aber sich nicht so wichtig nehmen, daß das Altstadtbild beeinträchtigt wird. Ohne eine primäre Stilvorschrift setzen zu wollen, ergeben sich daraus trotzdem starke Einschränkungen, die es Architekten zugegebenermaßen sehr schwer machen, etwas Zufriedenstellendes zu entwerfen. Daraus folgt deren Flucht nach vorne, und sie möchten plötzlich extreme Kontraste setzen, weil die Orientierung am Alten zu anstrengend ist und die künstlerische Freiheit zu sehr einengt. Das wiederum würde die Altstadt zu sehr verletzen, jedoch im kleinen Maßstab könnte es durchaus funktionieren - nicht aber, wenn das Neue die Hauptrolle spielen möchte.

      Du schreibst selbst: eine moderne Umgestaltung kann zu einem schönen Stadtbild führen. Das erhebliche Risiko, daß es mißlingt, mit der Folge weiterer unersetzlichen Verluste, verbietet hier aber einen allzu freien Umgang mit dem Ortsbild.

      Dagegen würde die Steigerung der Bildhaftigkeit der Nürnberger Altstadt und damit ihre Funktion durch Rekonstruktionen zweifellos gesteigert werden, da diese jedenfalls ohne Zweifel in die Altstadt passen und die Nachvollziehbarkeit des historischen Charakters der Stadt unterstützen würden. Weil die Stadt fast nur aus Nachkriegs-Neubauten besteht, und Rekonstruktionen gegen die Masse des nach dem Krieg Gebauten einen verschwindend geringen Anteil bedeuten würden, kann dies auch keine Gefährdung der Leistungen der Wiederaufbauzeit bedeuten.

      Die Öffentlichkeit - und auch Skeptiker - sind den Altstadtfreunden heute dankbar, diese Gefahr sehr bald erkannt zu haben. Es ist (was nicht wenige bedauern) kein Ziel der Altstadtfreunde, die Neubauten abzureißen und dafür die ganze Altstadt wieder wie vor dem Krieg aufzubauen. Die Altstadtfreunde halten den Wiederaufbau der Nürnberger Altstadt nach dem Krieg für geglückt. Die wichtige Aufgabe der Altstadtfreunde ist es, dafür zu sorgen, daß das auch weiterhin beherzigt wird, kein weiterer Verlust historischer Aussagen eintritt, sondern das gerettete Leben dieser Altstadt, die schon klinisch tot war, zu pflegen und keine neuen Narben hinzuzufügen und die Annäherung an das verlorene Schöne zu fördern. Bei einem Menschen, dessen Gesicht entstellt war, würde man auch kein Metallventil mit Handrad anstelle der Nase sichtbar lassen, nur weil eine äußere Nasenprothese eine Lüge ist. Soweit man bei einer Stadt überhaupt von Würde sprechen kann, dann muß man diese achten und darf sich nicht in der seit der mit oberflächlich verstandenem Fortschritt eingehenden Freßwellenüberheblichkeit populär gewordenen Einstellung anmaßen, daß per se jeder neue Entwurf besser und schöner ist als das Gewesene. Schließlich hatten sich ja auch die Erbauer und Veränderer der früheren Zeiten Gedanken gemacht, wie man die gewünschte Funktion am konkreten Bauplatz ideal verwirklicht. Sie würden sich im Grabe herumdrehen, wenn sie wüßten, wie sie heute als Dilletanten verspottet werden; aber sie können sich ja nicht mehr wehren.

      Ich bin nur gegen den Wiederaufbau des Pellerhauses so wie er geplant ist.


      Hältst du die Situation des Pellerhauses wirklich für glücklich? Ich meine jetzt nicht den Mayerbau, sondern das ganze Umfeld? Es ist doch ein Desaster, wenn man sich das mal anschaut. Selbst wenn man keinerlei Rekonstruktionen machen wollte, stößt einem der scheußliche Anblick im Hof, abgesehen von der Großartigkeit der Reste, bei einem Mindestmaß an Sensibilität übel auf. Was ist dein Konzept für den Pellerhof? Wie würdest du die überragende kunstgeschichtliche Bedeutung des Pellerhauses in angemessener Weise veranschaulichen?
      http://www.baukunst-nuernberg.de/ - Architektur in Nürnberg vom Mittelalter bis zur Gegenwart
      Nürnberger Bauernhausfreunde e. V.
    • @ Baukunst-nbg: Ich wollte keinen weiteren Streit vom Zaun brechen so wie es Du wohl verstanden hast. Sondern nur sagen, dass beide Seiten zusammen ein schönes Stadtbild erreichen können. Nur wird diese Zusammenarbeit nicht zur Normalität werden.

      Ich wünsche Euch und besonders Harald Pollmann viel Erfolg bei Eurem Vorhaben - auch wenn ich anderer Meinung bin. Aber es sollte nicht zu einem Eklat im Stadtrat führen :zwinkern:

      Viele Grüsse die MODERNE
    • @MODERNE
      Nur wird diese Zusammenarbeit nicht zur Normalität werden.


      Da magst Du recht haben, aber ich frage mich gelegentlich, warum eigentlich nicht? Ich bin mit all den älteren Scharmützeln nicht vertraut (*1971), aber sollte man dass nicht alles mal hinter sich lassen können? Und gemeinsam sozusagen da weiter machen, wo man irgendwann den Faden verloren hat? Gerade im Nachkriegswiederaufbau herrschte doch ein großes Miteinander - wäre das nicht um der Altstadt willen, ein Ziel? :?:
    • @MODERNE

      @ Philon: wieso müssen wir das Alte aufbauen, um einen Schritt in die Zukunft zu gehen??? Kann man diesen Weg nicht auch von der Gegenwart ausgehen, dass bedeutet hier von dem Stadtbild Nürnbergs das durch den Krieg zertört wurde.


      Nur eine ganz kurze Antwort darauf: Ganz einfach deshalb, weil "das Alte", wie du es nennst, also die über Jahrhunderte und Jahrtausende gewachsenen alten deutschen Städte vor ihrer Zerstörung, Gebilde von einmaliger Schönheit und geschichtlicher Tiefe waren, ohne die wir ohne Geschichte und ohne Kultur als dumpfe Sklaven der bloßen Gegenwärtigkeit dahinvegetieren müssen. Dieser ungeheure Verlust an geschichtlicher Tiefe macht die Mehrzahl der Deutschen heute zu leeren Zombies der Kulturindustrie.

      Das, was diese Städte vor ihrer verbrecherischen Zerstörung waren, ist es, was ihr eigentliches Wesen ausmacht. Die Städte, die heute dort stehen, sind nur noch dem Namen nach Frankfurt, Köln, Dresden oder Nürnberg. So wie Venedig, wäre es zerstört und nur einige Häuser gerettet oder wiederaufgebaut worden, nicht mehr Venedig wäre, sondern nur irgendeine Stadt gleichen Namens, die zufällig am selben Ort steht.
      Darum müssen wir ihnen ihre Vergangenheit und damit ihr Wesen zurückgewinnen, bevor sie wieder eine Zukunft haben können.
      Darum können wir nicht von der bloßen Gegenwart - dem Zustand der Abwesenheit der steingewordenen Vergangenheit - ausgehen, sondern müssen von der Stadt als der Gegenwart ihrer steingewordenen Vergangenheit ausgehen, und das heißt im Fall einer zerstörten Stadt wie Nürnberg eben, ausgehen von der Stadt, wie sie vor der Zerstörung war, die mithin wiedergewonnen werden muß, die für die Gegenwart und die Zukunft der Zerstörung wieder abgerungen werden muß.
    • "MODERNE" schrieb:

      @ Baukunst-nbg: Ich wollte keinen weiteren Streit vom Zaun brechen so wie es Du wohl verstanden hast.


      Das wollte ich nicht unterstellen und habe es auch nicht so verstanden - es ging mir nur um die Sachargumente.

      Sondern nur sagen, dass beide Seiten zusammen ein schönes Stadtbild erreichen können. Nur wird diese Zusammenarbeit nicht zur Normalität werden.


      Mehr Miteinander und weniger Gegeneinander hat noch nie geschadet. Doch man gerät eben oft an einen Punkt, wo sich die Meinungen gegenüberstehen, ohne daß eine Seite nachgeben will. Selbst der Versuch, die andere Seite zu verstehen, wird leider oft (fälschlich) als Schwäche angesehen.

      Ich wünsche Euch und besonders Harald Pollmann viel Erfolg bei Eurem Vorhaben - auch wenn ich anderer Meinung bin.


      Wenn Du dem Vorhaben Erfolg wünschst, bist Du dann trotz Deiner Meinung dafür, daß der Pellerhof wiederaufgebaut wird?? :?
      http://www.baukunst-nuernberg.de/ - Architektur in Nürnberg vom Mittelalter bis zur Gegenwart
      Nürnberger Bauernhausfreunde e. V.
    • Heute in der NZ:

      Diskussion über die Zukunft des Pellerhauses
      Wiedergeburt oder bleibende Wunde?

      Als im vergangenen Sommer Steinmetz Harald Pollmann vorschlug, Teile der Sandsteinfassade des Pellerhofes zu komplettieren, um andeutungsweise an die einstige Pracht des 1602/1607 errichteten und im Zweiten Weltkrieg zerstörten Pellerhauses zu erinnern, stieß er im Rathaus nicht gleich auf Ablehnung. Sein Anliegen sollte wohlwollend geprüft werden. Inzwischen werden sich einige Stadtpolitiker vorwerfen, die Brisanz des Vorschlags nicht erkannt zu haben...

      nz-online.de/artikel.asp?art=458446&kat=11&man=2
      http://www.baukunst-nuernberg.de/ - Architektur in Nürnberg vom Mittelalter bis zur Gegenwart
      Nürnberger Bauernhausfreunde e. V.
    • Schöner Artikel, zeigt er doch die Motivation der Gegner in der Politik. Ein Argument, das ständig von Gegnern bei Reko-Vorhaben auftaucht, ist die "Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg". Als ob ein rekonstruiertes Pellerhaus weniger an den WK erinnern würde als ein halbherzig-misslungener Nachkriegsbau. Ich könnte mir gut vorstellen, dass viele jüngere Nürnberger das alte Pellerhaus gar nicht kennen, demzufolge kann die Nicht-Reko auch gar kein Mahnmal gegen das Vergessen sein.

      Was hat es denn mit dem Argument der Lichtverhältnisse des Gymnasiums auf sich? Ist da etwas wahres dran oder bloßes Vorschieben von abstrusen Scheinargumenten?
    • Angesichts der häufigen Abrisse denkmalgeschützter Gebäude momentan ist es doch ein Treppenwitz, dass sich der Denkmalschutz gerade bei solchen Nachkriegsbauten unnachgiebig zeigt.
      Was der Artikel nicht aufführt ist der Punkt, dass etliche private Geldgeber im Falle der Rekonstruktion in den Startlöchern stehen. Auch eine Art der öffentlichen Meinungsbildung...
    • Ich weiss nicht.....es ist eigentlich nicht zu fassen. Fast ausnahmslos JEDER in meinem Freundeskreis ist von Städten wie Görlitz oder Bamberg begeistert. Von Städten im Ausland ganz zu schweigen. Ebenso viele finden Berlin, Stuttgart oder Frankfurt hässlich. Ich bin mir ziemlich sicher, dass wirklich die Mehrheit der Bevölkerung sich schönere Städte wünscht. Nur leider sind die meisten Menschen dann doch zu bequem sich wirklich zu engagieren, um gemeinsam etwas bewegen zu können. Viele wissen nicht einmal wie wunderschön die deutschen Städte früher waren, und können deswegen kein Bewusstsein dafür entwickeln was unsere Stadtbilder heute für Zumutungen darstellen.
      Wenn ich die Diskussion um den Pellerhaus-Hof mitverfolge wird mir wirklich ganz anders. Ein paar Herrschaften wie der Bürgermeister, der "Denkmalschutz" und ein paar pseudo-intellektuelle Architekten stemmen sich mit aller Macht gegen den Wiederaufbau. Der Wille der Bürger interessiert nicht. Diese Machtlosigkeit macht mich total fertig. :(
      Das musste ich mal loswerden.
    • Schöner Artikel, zeigt er doch die Motivation der Gegner in der Politik. Ein Argument, das ständig von Gegnern bei Reko-Vorhaben auftaucht, ist die "Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg". Als ob ein rekonstruiertes Pellerhaus weniger an den WK erinnern würde als ein halbherzig-misslungener Nachkriegsbau. Ich könnte mir gut vorstellen, dass viele jüngere Nürnberger das alte Pellerhaus gar nicht kennen, demzufolge kann die Nicht-Reko auch gar kein Mahnmal gegen das Vergessen sein.


      Ich kann Harmonica nur völlig recht geben.

      In dem Artikel heißt es:
      Oberbürgermeister Ulrich Maly möchte die Wunde „Pellerhaus“, die seiner Meinung nach dauerhaft an den Zweiten Weltkrieg erinnern soll, nicht durch eine Rekonstruktion des Hofs schließen.


      Da wäre nun erstmal zu fragen, was an dem Schließen von Wunden eigentlich schlecht ist. Einem Arzt, der bewußt Wunden offenhalten möchte, würde man zurecht einen Tritt in den Hintern geben. Was soll also gut daran sein, Wunden offen zu halten.
      Wenn es nur darum geht, die Erinnerung an den 2. Weltkrieg wachzuhalten, nun ja: dazu sind Schule und Medien dar. Man kann wahrlich nicht behaupten, man würde derzeit über den 2. Weltkrieg zu wenig informiert. Vielmehr ist das Gegenteil der Fall. So auch bei den deutschen Städten. Die sind seit ihrem verweigerten Wiederaufbau gar nichts anderes mehr als eine einzige Erinnerung an den 2. Weltkrieg.
      Um im Stadtbild an den 2. Weltkrieg zu erinnern, würde allerdings auch eine Kriegsruine pro Stadt genügen. Wenn man beispielsweise in Nürnberg die ganze Altstadt Haus für Haus, Erker für Erker, Balken für Balken rekonstruieren würde, könnte das dann im Gegenzug auch meinetwegen gerne das Pellerhaus sein.
      Leute wie dieser Maly wollen aber offenbar, daß unsere Städte gar nichts anderes mehr sind als "Erinnerungen an den 2. Weltkrieg". Sie sollen quasi bis in alle Ewigkeit als Mahnmale für den Krieg dienen. Nichts von dem, was vorher war, soll mehr in ihnen präsent sein.
      So was kann man nur damit erklären, daß die Geschichtslosigkeit unserer Städte, daß ihre Festlegung auf den 2. Weltkrieg als einzig relevante Geschichte im Sinne einer Art Kollektivstrafe für alle Deutschen jetzt und in der Zukunft verstanden wird. Anders ist dieser Unsinn nicht erklärbar.

      Ich jedenfalls will in Städten leben, die von der Erinnerung an das geprägt sind, was sie wesentlich ausmacht: nämlich von Erinnerung an ihre mittelalterlich-frühneuzeitliche Geschichte. An den 2. Weltkrieg darf dann meinetwegen auch was erinnern, eine oder zwei Ruinen pro Stadt. Das reicht dann aber auch. Es geht doch nicht an, daß die Erinnerung an ein einziges Ereignis in einer jahrtausendelangen Geschichte alle anderen Erinnerungen für immer verdrängen soll. Ein bis zwei Kriegsruinen pro Stadt und ansonsten alles andere rekonstruiert, würden das angemessen wiedergeben: daß die Stadt eine jahrunderte- oder jahrtausendealte Geschichte hat und daß dazu als ein Ereignis auch ihre barbarische Zerstörung gehörte.

      Aber man kann doch nicht ganz Deutschland bis in alle Ewigkeit in ein Mahnmal verwandeln.
      Zudem: für was stehen die zerstörten Städte denn als Mahnmal? Was hat sie denn zerstört?: doch nichts anderes als das von der damaligen britischen Führung veranlaßte Kriegsverbrechen eines Bombenkriegs, der vorsätzlich auf den Massenmord an Zivilisten und die Zerstörung von Kulturgütern abzielte. Wieso sollen bitte schön die Deutschen ihr Land in ein großes Mahnmal an Kriegsverbrechen der britischen Führung verwandeln? Mahnmale an dieses Verbrechen gehören, wenn überhaupt ja wohl nach Großbritannien. Dort sollte an diese Verbrechen erinnert werden. Wir dagegen sollten unsere Städte, die durch dieses Verbrechen vernichtet wurden, wiederaufbauen.
      Oder soll Deutschland dafür, daß es zum Opfer von Churchills, Harris' und Portals Kriegsverbrechen geworden ist, auch noch bis in alle Ewigkeit durch den Verzicht auf die Geschichtstiefe und die Schönheit seiner Städte büßen?
    • Ja, sehr schön geschrieben. Ich weiß auch nicht, wovor ausgerechnet Politiker Angst haben, dass sie den Mehrheitswillen der Bevölkerung mit fadenscheinigen Begründungen ignorieren. Vor wem oder was haben die Angst???

      Die Rekonstruktion des Pellerhauses wäre ein Riesengewinn für Nürnberg, ähnlich wie bei der Frauenkirche zu Dresden, wenn die Wellen im Ausland vermutlich auch nicht so hochschlagen werden. Dass die Stadtoberhäupter dies nicht erkennen / erkennen wollen, ist mir ein Rätsel.

      Ich habe übrigens einen 2. Brief von Harald Pollmann erhalten. Mensch, was muss der Mann leiden, angesichts der Ignoranz seitens der Politik. Sein ganzes Herzblut gehört dem Pellerhof. Ich hoffe, die Altstadtfreunde unterstützen ihn sogut sie können...
    • Ein Grund für das üble Aussehen Deutscher Grossstädte ist neben der fehlenden Verbindung zur Kultur auch die Tatsache, dass man in Deutschland nicht erkennt, dass ein gutgestaltetes Stadtbild (z.B. Prag, Bologna) ein Wirtschaftsfaktor ist (und zwar der einzige, der sich nicht ins Ausland verlagern lässt). In Sachen Tourismus sind wir ein Entwicklungsland der untersten Kategorie. Als ich Nürnberger Lokalpolitikern im Jahre 1999 vorschlug, das Thema Tourismus nicht zu vernachlässigen, waren die Reaktionen erstaunt und verblüfft, man scheint dieses Thema systematisch verschlafen zu haben.
    • Bei uns undenkbar, so bei Wikipedia gefunden:

      [...] wurde der Beschluss gefasst Warschau detailgetreu wieder aufzubauen. 1945 wurde ein Fonds für den Wiederaufbau Warschaus gegründet. Bereits im Februar 1945 nahm eine Kommission unter der Leitung von Roman Piotrowski die ersten Rekonstruktionsarbeiten auf. Die Altstadt, die Neustadt und die Krakauer Vorstadt wurden ab 1946 bis 1953 in einer als Meisterleistung gewürdigten historischen Rekonstruktion wieder aufgebaut und dafür als Weltkulturerbe der UNESCO ausgezeichnet. Die Aufbauarbeiten stellen bis heute weltweit die größte geplante Rekonstruktion einer Bebauung dar. Gleichzeitig wurde auch die Bebauung der Straßenzüge Ulica Miodowa, Ulica D?uga und Ulica Senatorska sowie der Plätze Plac Teatralny i Plac Bankowy rekonstruiert. Die Arbeiten orientierten sich dabei zu einem großen Teil an Gemälden des italienischen Malers Bernardo Bellotto (Canaletto), der im 18. Jahrhundert viele Stadtpanoramen Warschaus geschaffen hatte.
    • Zur gestrigen Veranstaltung werde ich noch etwas mehr berichten, aber kurz vorweg: Die Meinungen waren erwartungsgemäß gegen jegliche Wiederaufbaumaßnahme eingestellt; dabei gab es teils praktische Einwände und teils grundsätzliche (Rückwärtsgewandtheit von Rekonstruktionen; Wiederaufbauten nach dem Krieg waren spontane Reaktionen, die man nicht mit heutiger Zeit vergleichen könnte). Es gab Applaus für beide Seiten; Emotionen waren deutlich spürbar (Zwischenruf "Einfalt!" für Wiederaufbau).

      Jürgen war auch da, wir beide haben uns zu Wort gemeldet.

      Näheres folgt, wenn ich Zeit habe, vielleicht erzählt Jürgen auch etwas.
      http://www.baukunst-nuernberg.de/ - Architektur in Nürnberg vom Mittelalter bis zur Gegenwart
      Nürnberger Bauernhausfreunde e. V.
    • Ja, ich werde auf alle Fälle noch eine Zusammenfassung aus meiner Sicht geben. Es war sehr interessant und aufschlussreich, eine solche Podiumsdiskussion mitzuverfolgen. Kann ich nur jedem empfehlen. Auch die aktive Beteiligung ist nach Überwindung der anfänglichen Hemmschwelle eine recht befriedigende Sache. Kann die Ausführungen von @baukunst nur bekräftigen, aber mehr sobald wie möglich.

      Nur eine kurze Frage noch an @senator:
      Als ich Nürnberger Lokalpolitikern im Jahre 1999 vorschlug, das Thema Tourismus nicht zu vernachlässigen, waren die Reaktionen erstaunt und verblüfft, man scheint dieses Thema systematisch verschlafen zu haben.

      Wie ergab sich das?
    • Diskussion über die Zukunft des Pellerhauses
      Ein Mahnmal ohne neue Nutzer?

      nz-online.de/artikel.asp?art=459446&kat=11&man=2

      Pellerhof als Geschenk: Der Stadt kommt’s auf den Inhalt an
      Im Pellerhaus selbst diskutierten Befürworter und Gegner einer originalgetreuen Wiederherstellung des Arkadenhofs

      nn-online.de/artikel.asp?art=459410&kat=10&man=2
      http://www.baukunst-nuernberg.de/ - Architektur in Nürnberg vom Mittelalter bis zur Gegenwart
      Nürnberger Bauernhausfreunde e. V.