Nürnberg - Rekonstruktion des Pellerhauses

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    • Aus der Printausgabe der NN vom 08.08:

      Plane mit dem Renaissancebau ist nicht genehmigungsfähig

      "Aus Sicht von Baureferent Daniel Ulrich hat der CSU-Plan, einen Großdruck der historischen Fassade ans Pellerhaus zu hängen, keine Chancen."

      Die Altstadtfreunde hatten vorgeschlagen, für sechs Wochen eine Plane mit einem großformatigen Foto des alten Pellerhauses vor den Neubau zu hängen. Die CSU unterstütze das Vorhaben.

      Laut Baureferent Daniel Ulrich ist der Plan den 50er-Jahre-Bau zu verhüllen aber "genehmigungsrechtlich nicht möglich". Ohne ein Baugerüst dürfe es in Nürnberg keine Plane geben, so der Referent. Und ein Gerüst brauche es nicht, denn die denkmalgeschützte Fassade sei völlig in Ordnung. Ein Baudenkmal für eine Rekonstruktion abzubrechen, ist für Ulrich generell problematisch.

      Aus dem Artikel geht leider nicht hervor, ob Idee mit der Plane damit schon tot ist oder ob noch ein Gremium wie der Bauausschuss darüber abstimmen muss.
    • Mendelbruder schrieb:

      Laut Baureferent Daniel Ulrich ist der Plan den 50er-Jahre-Bau zu verhüllen aber "genehmigungsrechtlich nicht möglich". Ohne ein Baugerüst dürfe es in Nürnberg keine Plane geben, so der Referent.
      Tja... auch in Nürnberg weiß man die Strippen zu ziehen um weitere Rekos zu verhindern...

      So leid es mir tut, aber bei dem aktuellen Geist der dort weht, sehe ich für die Vorderhausfassadenreko keinerlei Chance. Die werden einem Abbruch des 50er Jahres Baues niemals zustimmen....
      Hannover ist eine mittelmäßige Stadt, aber dort sind viele, die sich große Mühe geben, etwas Besonderes daraus zu machen.
      Dresden ist eine besondere Stadt, aber hier sind leider viele, die alles versuchen, etwas Mittelmäßiges daraus zu machen (M. Roth)
    • Das ist die pure Angst eingestehen zu müssen nicht mit der Zeit zu gehen.
      Der OB ist strikt gegen die Rekonstruktion und hat seine Helferlein an seiner Seite.
      Vielleicht gibt es eine leichte Entspannung nach der Landtagswahl, obwohl Landespolitik und Kommunalpolitik nicht eins sein müssen.
      Aber ich sehe die Zeiten kommen in denen nicht nur das Pellerhaus wieder zu erleben ist, sondern auch das Künstlerhaus vervollständigt wird, und ohnehin mit viel mehr Sensibilität nicht nur in Nürnbergs Altstadt gebaut werden wird.
      Ich bin sicher kein Verfechter der "Traditionelle um jeden Preis", aber ich bin gegen die "Trostlosigkeit und Langeweile im zeitgenössischen Bauen". dto.
    • Das ist natürlich ärgerlich, wenn das das letzte Wort sein soll bei der Posteridee. Wenn man das Poster erst aufhängt wenn die Gerüste stehen um die heutige Fassade zu sanieren, wäre das natürlich blöd. Dann wäre Geld und Image für Nürnberg verloren. Denn alle Besucher, und dabei sind nicht wenige Auswärtige, erwarten selbstverständlich den Wiederaufbau des Pellerhauses. Wie groß wäre erst die Enttäuschung bei allen Nürnbergern und auch internationalen Fans, wenn klar würde dass man den Behelfsbau saniert.

      Aber ich bin nur mäßig geschockt, bis vor 6 Wochen hat niemand von dieser Posteraktion gesprochen, wenn sie nun zu Grabe getragen würde wäre das kein großer Rückschlag. Es kommt erst dann Bewegung in die Sache, wenn die Sanierungskosten für das Lagerhaus klar werden, und was davon auf die Fassade entfallen würde. Wenn dann klar wird was allein die Fassade verschlingt, und dass im Rekofall die AF die Kosten hierfür tragen würden (ich stehe als Spender bereit), dann wird die Diskussion hier in der Stadt erst anfangen.

      Ich bin auch gar nicht so sicher, ob es nicht gut ist wenn sich das Thema noch etwas hinzieht. Für diejenigen, die an dem Nachkriegsbau festhalten wird die Luft immerhin stets dünner. Die Bau- und Sanierungskosten für Projekte in der Stadt explodieren regelmäßig und der aktuelle Pellerhausbau ist eh schon ein Millionengrab, allein wegen des fehlenden Treppenhauses. Ich war übrigens vor einigen Monaten unter der Woche mal dort, im "Haus des Spielens". "Einladend" ist was anderes, ein paar vereinzelte Menschen in trostlosen Büros harren der Dinge oder spielen in riesigen, kargen Räumlichkeiten wortlos Brettspiele...also richtig Leben kommt nur durch die AF und ihre massive Öffentlichkeitsarbeit dort hinein, und die besuchen allesamt den sensationellen Pellerhof!
    • erbse schrieb:

      Unbedingt braucht's eine Fassadensimulation am Pellerhaus! Dann kann sich Ottonormalbürger das viel besser vorstellen - und sicher auch der ein oder andere Politiker und Entscheider oder potenzielle Spender. :)
      Hallo, diese Fassaden-Simulationen gibt es schon. Unter rekonquista.de gestaltete ich als Künstler und Galerist verschiedene Motive. Gruß Michael Sabadi
    • Vor der (nicht mehr so nahen) Kommunalwahl 2020 in Nürnberg wird die SPD und Maly alles zum Pellerhaus weiter blockieren. Beide haben ein "modernes" Nürnberg vor Augen. In dieses Weltbild passt keine rekonstruierte bzw. wiederaufgebaute historischen Fassade. Dass die Stadt Nürnberg keinen Cent für die Rekonstruktion des Hofes gab, nicht einmal einen symbolischen "Anstandsbetrag", ist Ausdruck dieser Geisteshaltung.
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      Wenn man im Hof des Pellerhauses steht, bekommt man ein Gefühl dafür, was am 2.1.1945 an Hofarchitektur in der Nürnberger Altstadt verloren ging.
    • Ich habe mich vor geraumer Zeit, per Post, an den Oberbürgermeister gewandt und nochmal darauf hingewiesen, das der Egidienplatz einer der schönsten Plätze Europas werden könnte wenn man eine Rekonstruktion zulassen würde.

      Nun erhielt ich ein paar Tage später die Antwort des Oberbürgermeisters, der eine Rekonstruktion der Pellerhausfassade abgelehnt hat. Er verwies darauf das die Nachkriegsarchitektur der 50er-60er Jahre inzwischen wieder sehr beliebt ist und der Nachfolgerbau von Fritz Mayer inzwischen unter Denkmalschutz steht.
    • Keine Sorge, Politiker wie Maly sind Ausläufer, denn sie haben zum Glück eine Halbwertszeit! Das Pellerhaus hat noch schlimmere Politiker überlebt. Der Hof ist wieder da und die Straßenfassade ist nur eine Frage der Zeit bis sie wieder kommt! So viel positive Prostimmung gab es noch nie und die Politik wird nachziehen, sobald die Zeit reif ist - wie immer!
      "Man kann einen gesellschaftlichen Diskurs darüber haben, was Meinungsfreiheit darf. Oder man hat Meinungsfreiheit!"
    • Nun ja, laut einer aktuellen Forsa-Umfrage ist Maly der beliebteste Oberbürgermeister in Deutschland, mit ca. 70% Zustimmung. Offenbar sind die Nürnberger zufrieden mit der Stadt so wie sie ist, und sehen keinen Handlungsbedarf. Eher ungünstige Voraussetzungen für von breitem Bürgerwillen getragene Rekonstruktions-Initiativen.
      In dubio pro reko
    • Das habe ich gestern auch gelesen. Ich kenne das Stimmungsbild des durchschnittlichen Nürnbergers da nicht, aber wahrscheinlich ist das Thema Rekonstruktion nur ein nebensächliches für die meisten Bewohner. Da geht es mehr um Kindergartenplätze, sozialen Wohnungsbau etc. Es ist ja auch einzusehen, daß dies für Otto Normalo Prirität besitzt.
      Ob der Maly sonst gut oder schlecht als OB ist, kann ich nicht beurteilen, schade ist nur, daß er sich so apodiktisch gegen Rekonstruktionen wehrt - mit den üblichen Blödsinnsargumenten, wie die 50er Fassaden würden wieder [?] beliebter.
    • Nürnberg gehört zu den Städten, die traditionell sehr lange dienende Oberbürgermeister hatten. Die Stadt profitierte auch in der Vergangenheit davon. Immerhin hat sie die Transformation von einem Standort mit Schwerindustrie zum Dienstleistungssektor geschafft, besitzt einen guten Wohnwert und einen sehr gut funktionierenden Nahverkehr in einem großen Verkehrsverbund.
      Trotzdem wäre es schön, wenn Herr OB Maly als weiterer länger dienender Oberbürgermeister unabhängig von seinem persönlich favorisierten Architekturstil (sachlich-modern?) ausnahmsweise mal hinsichtlich des Ägidienplatzes und des Pellerhauses über seinen Tellerrand hinwegsehen könnte.
      Das Antwortschreiben an Meister Lampe habe ich zwei Monate früher nach meiner Anfrage zum Pellerhaus übrigens in ähnlichem Wortlaut zugesandt bekommen.
      Ich bin sicher kein Verfechter der "Traditionelle um jeden Preis", aber ich bin gegen die "Trostlosigkeit und Langeweile im zeitgenössischen Bauen". dto.
    • Dass für die Plane - unter welchem Vorwand auch immer - keine Genehmigung erteilt wird, ist symptomatisch für das derzeitige Juste Milieu in ganz Deutschland. Man will keine unliebsamen Diskussionen, die den Status Quo der Funktionseliten und ihre Deutungshoheit über die Geschichte gefährden. Alternatives Denken ist unerwünscht. Letztlich eine Art Zensur.
    • In der Galerie hat unser Niederländer dankenswerter Weise unter: Nürnberg in alten Ansichten (Galerie) unter Datum vom 29.05.2015 u. A. auch Innenaufnahmen des möblierten "Schönen Zimmers" im Pellerhaus eingestellt, wobei diese Fotos wohl aus dem späten 19. Jahrhunderts entstanden sein dürften. Die auf den Fotos zu sehenden Möbel dürften Fabrikate der o. g. Fa. J. A. Eysser sein, während die wandfeste Ausstattung samt Öfen, Vertäfelung nebst der prachtvollen Decke aus dem Pellerhaus stammen.
    • Berkowitz schrieb:

      Trotzdem wäre es schön, wenn Herr OB Maly als weiterer länger dienender Oberbürgermeister unabhängig von seinem persönlich favorisierten Architekturstil (sachlich-modern?) ausnahmsweise mal hinsichtlich des Ägidienplatzes und des Pellerhauses über seinen Tellerrand hinwegsehen könnte.
      Äh nein, Malys Ablehnung von Rekonstruktionen hat nichts mit persönlichen Vorlieben und Nicht-über-den-Tellerrand-sehen-können zu tun. Sondern mit der Trüby-Linie

      Ich hatte vor Jahren die Gelegenheit, ein Schreiben Malys an einen Kunsthistoriker im Zug der Pellerhofdebatte einzusehen und dort stand sinngemäß, dass die Zerstörung Nürnbergs die gerechte Folge des Nationalsozialismus gewesen sei und eine Rekonstruktion daher ein Versuch, sich aus der "deutschen Schuld" zu stehlen. Das ist die Denkweise von Maly und deshalb ist er gegen Rekonstruktionen (das Beispiel zeigt auch: Trüby hat nur explizit gemacht, was hinter der Reko-Ablehnung vieler Mitglieder des "juste milieu" eigentlich steht und von ihnen schon seit Jahren und Jahrzehnten gedacht wird).

      Wenn 70% der Nürnberger so jemanden - d.h. jemanden, der die kulturelle Identität seiner eigene Stadt offenbar hasst - auch noch für einen guten OB halten, dann zeigt das einmal mehr, dass Nürnberg verloren ist.
    • Coup der Altstadtfreunde beim Pellerhaus


      Ansichtskarte von 1904, Privatsammlung

      Das dürfte Bewegung in die Sache bringen: Die Altstadtfreunde schlagen der Stadt Nürnberg heute in der Presse hochoffiziell vor, die kompletten Rekonstruktionskosten des Pellerhauses zu übernehmen, und dazu gleich noch das Peststadel nebenan wieder aufzubauen! Während, so verstehe ich das, das Pellerhaus weitgehend originalgetreu wiedererstehen soll, wäre man beim Peststadel auch mit einem angepasst-modernen Wiederaufbau einverstanden. Das halte ich garnichtmal für unklug, denn so erspart man sich Fragen der Barrierefreiheit mit Aufzug usw. im Pellerhaus, weil man das nebenan im Neubau unterbringen könnte.
      Vor allem wenn man sich vergegenwärtigt, dass einige der Veranwortlichen das marode Pellerlagerhaus als Ikone der Architektur gilt, obwohl sich dafür seit vielen Jahren nichteinmal theoretisch eine Nutzung finden lässt, die nicht einen Abriss im Innern gleichkommt.