Nürnberg - Rekonstruktion des Pellerhauses

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    • Heute (31.12.2005) gibt es in der NZ eine ganze Seite mit Leserbriefen zum Thema Pellerhaus. Alle Schreiber - es sind insgesamt zehn - äußern sich positiv zur vorgeschlagenen Rekonstruktion. Vier Briefe sind aus Nürnberg, zwei aus dem Umland, zwei aus weiter entfernten Orten in Deutschland (Mainhausen und Oberhausen), einer aus Berkeley und ein in Englisch verfaßter Brief ist ohne Ortsangabe, nur mit E-Mail-Adresse.
    • Das meinte ich: es ist die Tendenz, die wichtig ist. Und davon abgesehen bin ich davon überzeugt, dass bei einer reinen Frage Reko ja/nein Ähnliches herauskäme. Wochenlange Anti-Reko-Propaganda a la "Lieber Schulen und Lehrer statt Pellerhaus" oder "Kampf gegen Armut statt teure Prestige-Projekte" würde allerdings bestimmt die Anteile verschieben.
      Eine der vorzüglichsten Eigenschaften von Gebäuden ist historische Tiefe.
      Die Quelle aller Geschichte ist Tradition. (Schiller)
      Eine Stadt muss ihren Bürgern gefallen, nicht den Architekten.
    • Könnte mir jemand von den Nürnbergern eine Kopie der Leserbriefseite in der NZ schicken?


      Bitte nicht alle auf einmal... :gg:

      Okay, könnte vielleicht jemand einfach die Zeitungsseite auf den Scanner legen und mir das dann als Email schicken?

      Heute habe ich auch den Rundbrief von Harald Pollmann bekommen, wie vermutlich einige andere hier im Forum auch. Interessant, dass der Marburger Architekturgeschichte-Prof Pablo de la Riestra sich für die Hofrekonstruktion ausgesprochen hat... :D
      http://www.menschenrechtsfundamentalisten.de
    • Genial war auch der kurze, in Englisch abgedruckte Leserbrief am Ende der Seite:

      "In any other country in the world, a war-destroyed Pellerhaus would have been restored fifty years ago. For God's sake get on with it."

      Da ist wohl nichts mehr hinzuzufügen.
      http://www.baukunst-nuernberg.de/ - Architektur in Nürnberg vom Mittelalter bis zur Gegenwart
      Nürnberger Bauernhausfreunde e. V.
    • Aus der NZ vom 13.01.2006

      Stellungnahme einiger Nürnberger Politiker zum Thema
      Die Aussagen kurz zusammengefaßt:
      • Utz Ulrich (einziger FDP-Stadtrat) befürwortet die Rekonstruktion der Fassade des Rückgebäudes und will dahinter evtl. Räume zur Mittagsversorgung der Schulkinder unterbringen. Die Seitenwände des Innenhofes hält er für relativ unbedeutend und der eigentliche Mayer-Bau zum Egidienplatz hin steht für ihn nicht zur Disposition
      • Jürgen Wolff (Kulturpolitischer Sprecher der Stadtratsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen) ist strikt gegen jegliche Rekonstruktionen. Zitat: Wir sollten Denkmäler und auch das, was nach dem Krieg entstanden ist, nicht wieder verhunzen.
      • Julia Lehner (Kulturreferentin, CSU) befürwortet eine Teilrekonstruktion. Den Denkmalschutz für den eigentlichen Mayer-Bau will sie nicht antasten.
      • Britta Bungartz (Kulturpolitische Sprecherin der CSU-Fraktion) befürwortet die Teilrekonstruktion. Besonders wichtig ist ihr die Fassade des Hinterhauses (wegen des Scharrer-Gymnasiums). Die Rekonstruktion des Vorderhauses schließt sie nicht aus, hält sie aber aus wirtschaftlichen Gründen für unrealistisch.
      • Gebhard Schönfelder (Fraktionsvorsitzender SPD) hält Teilrekonstruktion des Innenhofs und v. a. der Hinterhausfassade für möglich. Eine Rekonstruktion des Vorderhauses schließt er aus.
      • Oskar Schneider (Bauminister im ersten Kabinett Kohl, CSU) ist einer kompletten Rekonstruktion sehr zugetan, wenngleich er Bedenken wegen der Finanzen hat. Er war Stadtrat, als die Entscheidung für den Mayer-Bau fiel, hält es aber für legitim, in heutiger Zeit die unter den damaligen Umständen getroffenen Entscheidungen zu korrigieren. Mit einer Teilrekonstruktion kann er sich aber nicht anfreunden: entweder ganz oder gar nicht.


      „Dieser Erfolg ist nicht wiederholbar“
      Gespräch mit dem Dresdner Publizisten Reinhard Delau, der den Wiederaufbau der Frauenkirche von Anfang an begleitete, über Parallelen und Unterschiede zwischen Pellerhaus und Frauenkirche
    • Jürgen Wolffs (Grüne) Stellungnahme ist ja wohl wirklich der Abschuss :augenrollen: :

      Ich bin strikt und ganz klar gegen eine Rekonstruktion. Wir sollten Denkmäler und auch das, was nach dem Krieg entstanden ist, nicht wieder verhunzen. Die Frauenkirche in Dresden ist so ein einmaliges Projekt, dass man wohl nichts damit vergleichen kann. Ich bin immer für Qualität — und ich finde, dass der Bau Pellerhaus für die damaligen Verhältnisse architektonisch großartig gelöst wurde. Architektur ist immer ein Dokument der jeweiligen Zeit. Dass etliche Bürger eine Rekonstruktion wollen, ist klar. Wenn man sagen würde, Nürnberg soll aufgebaut werden, wie es vor dem Krieg war, würden vermutlich auch 50 Prozent sagen: Ja! Der Schritt zurück ist keinesfalls immer ein guter. Der Römerberg in Frankfurt ist dafür ein grässliches Beispiel.
      http://www.menschenrechtsfundamentalisten.de
    • "Die Frauenkirche in Dresden ist so ein einmaliges Projekt, dass man wohl nichts damit vergleichen kann."

      Wenn ich mich recht entsinne, waren damals fast alle "Experten" gegen den Wiederaufbau der Frauenkirche, mit den üblichen "Argumenten". Erst nach Jahren verstummten die kritischen Stimmen - weil sich eben gegen so ein großes Engagement und so ein großes Besucherinteresse irgendwann nichts mehr sagen läßt. Obwohl man manchen "Experten" schon anmerkt, daß sie sich über diesen Erfolg richtig ärgern LOL

      So einmalig ist das Frauenkirchenprojekt aber auch nicht - das Berliner Schloß ist doch von Bedeutung und Volumen vergleichbar. Es ließen sich sicherlich noch weitere Beispiele finden...

      "Ich bin immer für Qualität — und ich finde, dass der Bau Pellerhaus für die damaligen Verhältnisse architektonisch großartig gelöst wurde. Architektur ist immer ein Dokument der jeweiligen Zeit."

      Stimmt, aber Gebäude sind immer auch etwas statisches und werden häufig umgebaut oder verändert. Weshalb also nicht als Ausdruck der heutigen Zeit nochmals und besser umbauen, um den Ursprungszustand wiederherzustellen? Das wäre dann in einigen Jahrzehnten doch auch wieder geschichtliches Handeln.

      Die heutigen Denkmalschützer konservieren immer nur irgendeine Momentaufnahme, wobei mitunter sogar irgendwelche 50er Jahre-Provisorien konserviert werden (wurde nicht beim Schloß Bellevue sogar irgendeine nicht funktionierende Elektroinstallation aus den 50ern erhalten?). Vielleicht sollte man sich eher mal mit dem Gebäude selbst auseinandersetzen und nachdenken, welches Handeln dem Gebäude selbst gerecht wird, anstatt immer nur mechanisch irgendwelche Umbauten der Vergangenheit zu erhalten...
    • wobei mitunter sogar irgendwelche 50er Jahre-Provisorien konserviert werden


      Richtig: Wer Provisorien konserviert, hat ja gerade keinen Respekt vor den Entscheidungen der unmittelbaren Nachkriegszeit. Denn die Entscheidung lautete dann ja damals: Das machen wir jetzt nur provisorisch, das soll später richtig gemacht werden.
      Respekt vor den damaligen Entscheidungen zeigt man also, indem man diesen "Auftrag" ausführt und das Provisorium beseitigt.

      Wenn man sagen würde, Nürnberg soll aufgebaut werden, wie es vor dem Krieg war, würden vermutlich auch 50 Prozent sagen: Ja!


      Ich vermute, erheblich mehr als 50% würden das sagen!
      http://www.menschenrechtsfundamentalisten.de
    • Wer Provisorien konserviert, hat ja gerade keinen Respekt vor den Entscheidungen der unmittelbaren Nachkriegszeit. Denn die Entscheidung lautete dann ja damals: Das machen wir jetzt nur provisorisch, das soll später richtig gemacht werden.


      Das Argument finde ich gut. Voraussetzung für seine Wirkung ist aber, daß eine entsprechende Entscheidung der Nachkriegszeit nachweisbar ist. Wenn die Entscheidung der Nachkriegszeit eindeutig war, das Pellerhaus genau bis zu dem Punkt zu rekonstruieren, wie es heute dasteht, dann möchte ich die Entscheidung ungern respektieren.
      Oscar Schneider war bei der Entscheidung der Nachkriegszeit im Stadtrat. Er erwähnte jedoch, daß man damals andere Prioritäten hatte, wie Kindergärten, Wohnungen usw. Dies könnte einerseits dafür sprechen, daß man man bewußt keine Rekonstruktion wollte, weil man andere Prioritäten hatte, aber es könnte auch daraus geschlossen werden, daß man aus Zeit- und Geldmangel die einfachere Variante als Notlösung wählte, wie sie heute noch besteht. Daß diese Notlösung auch nur provisorisch sein sollte, ist dann auch noch nicht bewiesen, aber es spricht eher dafür.
      Wenn die Stadt die Rekonstruktion will, greift der Denkmalschutz in ihr Recht der Baufreiheit ein. Daher muß der Denkmalschutz bzw. die Denkmalpflege als Fachbehörde meines Erachtens nachweisen, daß hier eine entsprechende Entscheidung vorgelegen hat, nach der es den Entscheidenden gerade auf den heute noch bestehenden Zustand als Endzustand angekommen war.
      Man könnte das noch weiter spinnen. Wenn weder das eine noch das andere nachweisbar ist, zwingt dies nach ultra-orthodoxer Denkmaltheorie auch und gerade dazu, nichts zu verändern, bis spätere Generationen herausgefunden haben, was gewollt war...

      Vielleicht sollte man sich eher mal mit dem Gebäude selbst auseinandersetzen und nachdenken, welches Handeln dem Gebäude selbst gerecht wird, anstatt immer nur mechanisch irgendwelche Umbauten der Vergangenheit zu erhalten...


      Denkmalschutz und Denkmalpflege sollten nicht überschätzt werden. Es handelt sich um nüchterne, "mechanische" Gesetzesausführung unter Anwendung der geltenden Dogmen. Weil die Denkmalpflege wissenschaftlich ist, neigt sie gelegentlich dazu, ihre Positionen innerhalb eines komplexen Prozesses zu wichtig zu nehmen, und dies steckt manche Meinungsbildner an.

      Was bei einem Vergleich von Frauenkirche und Pellerhaus herauskommt, ist im übrigen natürlich immer eine Frage der Grundeinstellung. Dutzende kleine und große Rekonstruktionen können nicht auf ein einziges, herausragendes Projekt reduziert werden. Sonst dürfte nach der Schaffung von irgend etwas Großem kein Mensch mehr einen Finger rühren.

      Ich bin zwar der Meinung, daß Abriß immer ultima ratio bleiben sollte. Aber angesichts der Kompromisse, die die praktische Denkmalpflege im oft eklatanten Widerspruch zu ihren theoretischen Grundlagen tagtäglich eingeht bis hin zu Abrißgenehmigungen für fragwürdige Projekte, ist die dokumentierte Demontage des Mayerbaus zum Zwecke der Rekonstruktion des dokumentierten Vorkriegszustandes des Pellerhauses vertretbar. Selbst wenn es zurzeit gar nicht zur Debatte steht und wir nur die Hoffassade aufbauen wollen.
      http://www.baukunst-nuernberg.de/ - Architektur in Nürnberg vom Mittelalter bis zur Gegenwart
      Nürnberger Bauernhausfreunde e. V.
    • Wenn man sagen würde, Nürnberg soll aufgebaut werden, wie es vor dem Krieg war, würden vermutlich auch 50 Prozent sagen: Ja!


      Was hat dieser Mann denn für ein Demokratieverständnis?? Erstens denke ich auch, dass sicher noch viel mehr Menschen dafür wären, und zweitens finde ich es ungeheuerlich sich dermaßen arrogant über die Meinung der Bürger hinwegzusetzen. Aber das ist man ja mittlerweile von unseren sogenannten "Volksvertretern" gewohnt.
      Gibt es eigenlich irgendwas neues zum Innenhof?
      Langfristiges Ziel kann es ohnehin nur sein dem Gebäude auch die Fassade zurückzugeben, die es verdient!!
    • Aus der NZ vom 28.01.2006

      Altstadtfreunde zum Pellerhof: „Speerspitze für den Wiederaufbau“

      Mit einer derart großen Zustimmung der Bevölkerung zu der Idee, den einst prachtvollen Hof des Pellerhauses wiedererstehen zu lassen, hatten zunächst wohl nicht einmal die Altstadtfreunde gerechnet. Nun wollen sie das Ganze aber voranbringen und haben zu diesem Zweck einen „Arbeitskreis Pellerhaus“ gegründet.

      „Die Altstadtfreunde wollen Speerspitze für den Wiederaufbau des Hofes sein“, sagt der Sprecher des AK, Karl-Heinz Enderle. Der AK hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Gespräche mit Vertretern aus Politik, Verwaltung und Denkmalschutz voranzutreiben, um „den Nürnbergern den Pellerhof zurückgeben“ zu können.

      [...]

      Wenn man die seitlichen Hofgalerien bis einschließlich zweites Obergeschoss und die Fassade des Rückgebäudes inklusive Giebel wieder hochziehen würde, wäre das nach Meinung von Lauterbach und Enderle kein Eingriff in die Belange des Denkmalschutzes, denn das Vorderhaus bliebe davon unberührt. Sie widersprechen außerdem den Kritikern der Wiederaufbau-Pläne, die einwenden, man würde mit der Ergänzung des Hofes lediglich eine schöne Kulisse vor die umliegenden Zweckbauten blenden: „Das hat Martin Peller auch schon gemacht. Er hat vor ein unscheinbares mittelalterliches Haus eine Prunkfassade setzen lassen“, stellt Enderle klar.

      [...]


      Anmerkung: Mit dem "Weberhof" (im nicht von mir zitierten Teil des Artikels) ist sicher der "Welserhof" gemeint - Schreibfehler


      Kommentar: Wiederaufbau des Pellerhofes: Eindeutiger Bürgerwille

      [...]

      Die Einwände von Denkmalschützern aus München und auch aus der Stadt selbst gegen den Wiederaufbau der Hofgalerien und der Fassade des Rückgebäudes - die im Übrigen noch niemals etwas anderes war als eine Kulisse - greifen ins Leere.

      [...]

      Würde man die Argumentation der obersten Denkmalschützer konsequent weiter führen, hätte im Grunde ganz Nürnberg nach dem Krieg nicht wieder aufgebaut werden dürfen. Nicht die einmalige Stadtmauer, nicht die berühmte Burg, nicht eine einzige Kirche sind streng genommen noch Originale. Warum sollten da ausgerechnet für das Pellerhaus andere Grundsätze gelten?


      Frage: Hat jemand den im Kommentar erwähnten FAZ-Artikel?
    • Das sind ja mal sehr gute Nachrichten. Da hätte ich gar nicht mit gerechnet, dass die Altstadtfreunde sich so stark engagieren werden.

      Wie sieht denn der Zeitplan aus. Wann könnte die politische Entscheidung fallen. Wann beginnt die Spendensammlung und wann evtl. der Wiederaufbau?


      Auch wenn die Altstadtfreunde dies wohl ablehnen: Ich hoffe durch den Wiederaufbau des Innenhofes kommt auch die Vorderfront wieder in die Diskussion.