Berlin in alten Bildern

  • Schönes Bild der Wohn und Geschäftshäuser am Neuer Markt. Gehören perfekt zu einander. Wie Hackischer Markt, wäre ein guter Aufenthaltsgebiet für Touristen gewesen, die neben Einkaufstrassen (wie der Friedrichstrasse) auch eine gewisse intimität suchen. So etwas rekonstruieren könnte das neuen Herz Berlins sein, aber nicht wenn neue Bausubstanz kein intimität zulässt. Diese Bauten im Bild bieten dass, wie im Stadtmitte Aachens, Antwerpens, Rouans, Amiens, von Utrecht, Groningen, Leiden, Haarlem, Amsterdam, Halle, Erfurt, Görlitz, Heidelberg, Wiesbaden, Metz, Nancy, Strassbourg, Basel usw.
    In Würzburg, Nürnberg und Freiburg ist schon bedeutend weniger Intimität wegen die vielen glatten nüchterne Fassaden. Schade dass die meiste Häuser im Bild von der DDR der abgeräumten Mitte, heute nicht mehr da sind. Es hätte eine Wiederaufbau der Mitte einen Erfolg machen können. Nun können nur moderne Bauten dort entstehen, ohne Chance auf jeder Intimität oder schönen Mix Alt-Neu wie zum Beispiel in der Friedrichstrasse.


    Kennt einer von euch ein Wohnhaus in Berlin (abgesehen von Riehmers
    Hofgarten) mit Haupteingang bekronnt von 2 Klassike Statuen die ihre
    Ärme hochheben?

  • Hast Du auch noch etwas über den Neuen Markt in Mitte?


    Hallo Konstantin, tja der Alte Markt...sooo viel gibt es da - glaube ich - zwischen Rosenberg und 1945 gar nicht. Auf die Schnelle vorerst nur Folgendes:


    Eine alte Zeichnung von 1750; die Marienkirche noch mit barockem Turmhelm. Man beachte den sehr schmalen Durchlass zum Kirchhof.

    Bildquelle: bildindex der Kunst und Architektur


    Zur Veranschaulichung des historischen Straßennetzes in Alt-Berlin:


    Digitale Modelldarstellung des Alten Marktes um 1800:
    http://www.f4.fhtw-berlin.de/~tj/b18/b18_4.jpg


    Der Meydenbauer'sche Panoramablick vom baufrischen Rathausturm 1868:


    Während der Freilegung der Nordseite der Marienkirche 1886:

    Bildquelle: bildindex der Kunst und Architektur


    Luftbild um 1910 nach der vollständigen Freilegung der Kirche.


    Und schließlich eine Ansicht von der westlichen Kaiser-Wilhelm-Straße (ebenfalls ca. 1910).

    Letztere Bilder sind gemeinfrei, da ihre urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist.


    Noch zwei Ansichtskarten:
    http://www.ak-ansichtskarten.de/shop/ak/28/2841576.jpg
    http://www.ak-ansichtskarten.de/shop/ak/28/2896946.jpg


    Sehr schön auch noch folgender Eintrag:
    Luther-Denkmal « Neue Kunstspaziergänge
    Im letzteren Bild ist auch nochmals das erhaltene Eckhaus Spandauer Straße/K-W-Straße zu sehen, welches u.a. auch auf deinem oben eingestellten Luftbild (welches beeindruckend und - obwohl es ja alles bekannt ist - dennoch immer wieder zum aus der Haut fahren ist) zu sehen ist.


    Na, ja - und diese umfangreiche Darstellung solltest du wohl kennen...
    Berliner Historische Mitte


    Weitere Bilder müsste ich erst mühsam herausblättern und scannen - vielleicht irgendwann mal.

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • Danke, Palantir!


    Achtung: der "Alte Markt" ist der Vorgängername des Molkenmarktes, der Neue Markt hiess nie so.

    „Kreativität entsteht nicht durch Überfluß sondern durch Mangel.“
    Richard David Precht

  • PALANTIR läßt jeden Betrachter seiner tollen Fotosammlung geradezu genussvoll Anteil nehmen, an den verlorenen Gebäuden des Historismus in Berlin.
    Erst diese Dokumentation macht die irreparablen Verluste an Architektur in der Stadt deutlich.
    Berlin kann sich von diesem ungeheuren "Aderlass" an Bausubstanz sicher niemals wieder erholen.


    Vielen Dank für diese aufschlussreiche Präsentation. Vielleicht darf man wieder mal "stöbern" ?


    Nein, dass hatte ich niemals erwartet: eine solch überbordende Palette an teilweise "spielerischen" Einfällen der Architekten.
    Versiert verstanden sie, Neostile aller Art einzusetzen. Mit Stilmischungen hatten sie offenbar gar keine Probleme.
    Dies hatte mitunter zu kritischen Bemerkungen von Zeitgenossen geführt.


    Was muss doch u. a. die Leipziger Straße mal für ein abwechslungsreiches Flair gezeigt haben und wie sehr wünschte man sich, dass das eine oder andere Gebäude die Vernichtung überlebt hätte.


    Gelder schienen bei der Errichtung dieser Häuser eher eine untergeordnete Rolle gespielt zu haben.
    Nahezu unglaublich das "Eckhaus" Cafe Friedrichshof. Nicht vorstellbar, dass gegenwärtig solche überbordenden Dekorationen überhaupt geplant, geschweige denn umgesetzt werden könnten.
    Wie arm sind wir doch geworden . . .


    Den hier geäußerten Ansichten zum Karstadthaus, Hermannplatz möchte ich nicht zustimmen.
    Nicht nur, dass es ein repräsentativer Vertreter von intern. Warenhausarchitektur war, auch sonst stellt es sich als ein bemerkenswerter Solitär dar.


    Was j e t z t dort zu sehen ist, kann man im Vergleich zum Vorgängerbau nur als jämmerlich abtun.

  • Bernd Ludwig.


    Ganz einig mit fast alles was Sie, Bernd da schreiben. Das einige Eckhäuser in der Mitte (sehe das Photo mit abgeräumte Mitte, aber doch noch viele erhaltene Bauten die es heute nicht mehr gibt) den Krieg schon aber DDR nicht überlebt habe finde ich unverträglich. Die Wissenschaft dass kein einziger Gründerzeitler eine Chance macht um rekonstruiert zu werden, ebenfals.


    Die Serien Leipzig Heldenstadt (am Deutsches Architektur Forum) gibt eine ungeheure Eindruck der Kraft und spielerische Schönheit der Gründerzeit.
    Es kommt niemals mehr, auch die Reformstill nicht.


    Fühle mich leer wenn ich dann denke an was Sie andeuten mit "Flair" der ehemalige Leipziger Strasse". Die Formenvielfältigkeit, Bauten mit Plastiken, Statuen, Fahnen, Balkons: eine wunderschöne Welt der Harmonie!!! Ich hasse die heutige Kuben und Klotzen die nichts besitzen was das Ansehen wert ist. Die langweilige Reihe von Rasterfassaden ohne Abwechslung. Die monotone Flachdächer...... greuel!!!


    Nur Karstadt am Hermman Platz wünsche ich wäre wieder so impossant wie vor 1945.
    Es ist fast ein Stückchen New York in das damalige von Gründerzeit Schluchten geprägte Berlin. In dieser Setting war Karstadt doch einmalig. In der heutige Stadt (zusammen mit zum Beispiel das Polizeipräsidium in der Keibelstrasse) aber keine Besonderheit mehr, weil die Umgebung rund Alex voll mit modernen Gebäuden belegt ist. An der Hermann Platz aber könnte Karstadt von 1945 wieder Eindruck machen. Leider hat Karstadt keine Pläne oder Geld zur Rekonstruktion. Die Dachterasse des Karstadt Gebäude war damals noch ein richtiges Ausflugsziel. Aber das waren die viele Strassen und Plätze damals mit Flair und grossen Dekor auch!!


    Nein, die Modernen schaffen nur Kisten und Klotzen ohne jede Flair und Aufenthaltsqualität.
    Was dann höchstens noch gemacht werden kann, sind Terassen, Arkaden, Grünanlagen, Laden, usw. Wenn es die nicht gibt ist de Qualität gleich NULL.

  • Bild 1: Wohnhaus P. Meyerheim in Berlin, Hildebrandtstr. 22, Umbau von 1891
    Bild 2: Landhaus in Grunewald, Wissmannstr. 13, erbaut 1892

  • weitere Bilder:

    Das erste der nun eingestellten Fotos zeigt eine Turmecke des Reichstagsgebäudes während des Baues, aufgenommen im November 1893. Es stellt den damaligen Bundestaat, Königreich Württemberg dar. Deshalb wohl die Krone darüber und die Inschrift: Wttbg. Interssant auch der Arbeiter, der auf dem Balkengerüst in luftiger Höh arbeitet, und der Blick des Betrachters schweift auch in die Ferne und zu den Gebäuden im Hintergrund.

  • alfred: Danke für die schönen Bilder, sie zeigen die Häuser noch in ihrem ursprünglichen Zustand genau wie sie geplant waren. Die Blätter für Architektur und Kunsthandwerk kannte ich bisher noch nicht, ich stöbere gerne in Antiquariaten, um 1900 gab es eine große Vielfalt solcher Zeitschriften und Bücher.

  • Möchte jemand das einstmals kleinste Haus Berlins kennenlernen?


    Es stand in der Gipsstraße 19a in der Spandauer Vorstadt kurz vor der Einmündung in die Rosenthaler Straße.



    Die angegebenen Maße können wohl nicht ganz stimmen; eher 5x3 Meter, würde ich schätzen...


    1935 (frisch geweißelt und die Vase entfernt - könnte glatt als ein Modellwerk von Walter Gropius durchgehen):


    1936:

    Sämtlicher Bilder Quelle: http://www.bildindex.de


    Ob in diesem Pförtnerhäuschen tatsächlich jemand wohnte, bezweifele ich aber sehr, heute stehen an dieser Stelle Plattenbauten.
    Das heutzutage kleinste Berliner Haus soll angeblich in der Oranienstraße 46 stehen.

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • Hier könnten es mal wieder einige Bilder sein, finde ich. Daher habe ich einige solche beim Bildindex herausgesucht.


    Sämtliche Gebäude stehen nicht mehr. Alle bis auf eines wurden im Krieg vernichtet oder schwer beschädigt und danach abgerissen.


    Wilhelmstraße 135 (?), im Kreuzberger Abschnitt.


    Wilhelmstraße 102, Prinz-Albrecht-Palais, Hofseite


    Wilhelmstraße 70 , Alte Britische Botschaft, Palais Strousberg


    Burgstraße/Königstraße, Alte Post, "Palais Wartenberg" nach Andreas Schlüter

    Das Gebäude wurde leider bereits 1889 abgerissen, hätte den Krieg aber wie sein Nachfolgebau wohl nicht überstanden.


    Alte Schützenstraße 3/4, Exerzierhaus

    Das Gebäude stammte vermutlich von David Gilly.
    http://www.tagesspiegel.de/ber…exanderplatz/1183372.html


    Schützenstraße 26/Jerusalemer Straße, Konsistorium der Provinz Brandenburg


    Mauerstraße, Hauptgebäude der Deutschen Bank


    Regentenstraße 1/Tiergartenstraße

    :weinen:

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  • Danke Palantir für die Bilder... es ist immer wieder überraschend, was in Berlin so alles herumgestanden hat.


    Allerdings steht der Gebäudekomplex der Deutschen Bank noch komplett (bis auf eine Brücke soweit ich weiß) - wäre jedoch ein Kandidat für eine großangelegte Fassadenreko. Was mich wundert ist, dass das Gebäude trotz der Lage immer noch teilweise leersteht.


    Viele Grüße
    Michael

    Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten
    Karl Kraus (1874-1936)

  • @ Palantir


    danke für die Bilder. Ich hatte vor einigen Monaten mal nach Bildern rund um den Friedrich-Wilhelm-Platz, Wiesbadener Straße, Schillerplatz, Bundesallee (südlicher Abschnitt), Schwalbacher Straße etc. gefragt. Konntest du dort bereits einige Bilder schießen?


    Beste Grüße


    wissen.de

    APH - am Puls der Zeit

  • Booni:
    Stimmt, da habe ich den Text wohl ohne nochmalige Nachprüfung der Bilder verfasst.
    Siehe zum Deutsche-Bank-Komplex auch hier: Berlin - vorher, nachher, heute


    @wissen.de:
    Sieht zur Zeit nicht so gut aus, habe dafür zu wenig Zeit und die Tage werden gerade auch mal wieder kürzer.



    Zur jeweiligen "Abbitte" diese beiden Ansichten von Osten entlang der Kaiser-Wilhelm-Straße Richtung Berliner Dom und Unter den Linden.


    Geschätzt 1905, da an der Domlaterne noch gewerkelt wird.


    Ca. 1935, vorne rechts das moderne Dierig-Haus an der Ecke Spandauer Straße.

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    (Immanuel Kant)

  • @ Palantir


    dann ja vielleicht nächstes Jahr :smile:


    Auf den Bildern fällt schon auf, welch anderen Charakter der Berliner Dom heute hat. Ich hoffe, dass die Kuppeln irgendwann ihre historische Gestalt als Sinnbild des Wilhelminischen Berlins wieder erhalten. Die Monumentalität hat der Dom zumindest teilweise verloren.

    APH - am Puls der Zeit

  • Dieses Dierig-Haus ist ja hochinteressant. Offensichtlich handelt es sich um einen gelungenen Umbau des auf der vorherigen Aufnahme zu sehenden Historismusbaues von ca. 1895.

    Wahre Baukunst ist immer objektiv und Ausdruck der inneren Struktur der Epoche, aus der sie wächst. Ludwig Mies van der Rohe

  • Central-Hotel am Bhf. Friedrichstraße

    Der Bau wurde in der Zwischenkriegszeit noch deftig gerupft.


    Potsdamer Platz



    Eine eher seltene Ansicht der Kreuzung UdL/Friedrichstraße

    v.r.n.l. Café Kranzler, Café Bauer, Bierpalast Kaiserhallen, Gebr. Friedländer, UdL 29, Weinhandlung Habel usw.



    Wallstraße 72, sog. Krosigk'sches Haus


    Viktoria-Luise-Platz


    Ebertstraße mit Brandenburger Tor Richtung Reichstag

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)