Erhaltungswürdigkeit – „wissenschaftlich bewiesen!“

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  • In welchem Ausmaß der Kotau vor der Wissenschaft heutzutage die Stelle einstiger Ehrfurcht vor dem Göttlichen eingenommen hat, ist bekannt. Peinlich aber wird diese Wissenschaftsgläubigkeit, wo sie von Pseudowissenschaften eingesetzt wird, um Machtanspruch und Deutungshoheit gegen die Öffentlichkeit durchzusetzen. Gerne übten wir Nachsicht mit den Willkürlichkeiten einer Denkmalbehörde, die sich als eine mit Irrtum und Scheitern vertraute Verwaltungsbehörde verstand; seitdem jedoch die Denkmalpflege als (angeblich von Georg Dehio begründete) „wissenschaftliche Denkmalpflege“ einen Unfehlbarkeitsanspruch vor sich herträgt, ist Wachheit und Widerstand geboten.

    Stephan Riedel verweist uns auf einen Artikel in der „Fuldaer Zeitung“ von gestern, wonach das Landesamt für Denkmalpflege nach gründlicher Prüfung einem Bürocontainer der Wiederaufbauzeit in der Fuldaer Innenstadt schließlich doch den Denkmalstatus zuerkannte. Stadtbevölkerung und potentielle Käufer sind in Aufruhr, wenn auch aus gegensätzlichen Gründen, und die Stadtbaurätin, die den Kasten keineswegs als ein „Gebäude zum Liebhaben und Schönfinden“ wertet, lässt sich so vernehmen: „Wenn es wissenschaftlich bewiesen ist, dass die Immobilie ein Denkmal ist, dann muss man das akzeptieren.“

    Ja, warum streiten wir uns überhaupt noch über Fragen der Stadtentwicklung, wo es doch eine Behörde gibt, in der kompetente Wissenschaftler die Prüfinstrumente bereithalten, um den Wert eines jeden Bauwerks, jeder Platzanlage, jeder Straßenführung festzusetzen? Das mag zwar nach Selbstentmündigung aussehen, aber wenn selbst Stadtbauräte ihre Urteilskompetenz bei der Denkmalbehörde in den Briefschlitz werfen….  Nun, Ironie beiseite! Die Denkmalpflege läuft Gefahr, ihre Reputation endgültig zu verspielen, und wir sind aufgerufen, den von den Leserkommentaren schon angefachten Proteststurm am Toben zu halten.

    Der Artikel: Das Telekom-Gebäude ist ein Denkmal

    (Philoik.)

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