Denkmalpflege versus Baukultur

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  • Es war in den Siebzigerjahren, als ein Vertreter der Berliner Denkmalpflege die Empörung einer kritischer gewordenen Fachöffentlichkeit auf sich zog, indem er sich in einer Diskussionsveranstaltung durchaus einverstanden zeigte mit den Wohngebirgen der südlichen Friedrichstadt, da sie das eben restaurierte barocke Berlin-Museum (heute Jüdisches Museum) als “Juwel” umso heller erstrahlen lassen würden.


    Vierzig Jahre später zeigt es sich. dass die deutsche Denkmalpflege wenig dazugelernt hat. Forumsmitglied Palantir weist uns auf einen Fall in Papenburg an der Ems, wo ein Unternehmer mit einem architektonisch wie städtebaulich ambitionierten Projekt an der Denkmalpflege zu scheitern droht. Der Bürgermeister: “Die Denkmalschützer haben von Beginn deutlich gemacht, dass es für das Rathaus und die Kirche einen sogenannten denkmalschutzrechtlichen Umgebungsschutz gibt. Damit ist gemeint, dass im Umfeld von denkmalgeschützten Gebäuden nichts Neues gebaut werden darf, was die Aufmerksamkeit von den historischen Gebäuden ablenkt.”


    Aha, nun wird klar: der Architekturschrott aus sechzig Jahren Nachkriegs-Bauwerkelei hatte stets den Segen der Denkmalpflege, denn er lenkte den Blick nicht ab von den wenigen Kostbarkeiten historischer Architektur, die der Krieg übriggelassen hatte. So viel geistige Kirchturmpolitik, so viel Desinteresse an dem, was sich um die zu hätschelnden Baudenkmäler herum abspielt, so viel engstirnige Rückwärtsgewandtheit hätte man der deutschen Denkmalpflege nun doch nicht zugetraut. Dann lieber keine Denkmalpflege als eine, die systematisch eine bessere Architektur zu verhindern sucht.


    Wie weit ist es von Papenburg zur niederländischen Grenze? Ist es so schwer, einen Blick über den Gartenzaun in ein Land mit wahrer Baukultur zu werfen?


    Papenburger Projekt


    (Philoik.)

    57 times read

Comments 2

  • Doris Willingham -

    Nun, Herr Wendel, so scharf wuerde ich das nicht sehen. Zugegeben, auch in den Niederlanden wird ohne Zweifel Bauschrott hingestellt der auch durch Klinkerverkleidung nicht zu Edelbauten wird. Dennoch sehe ich in Deutschland zu viele Neubauten die, bar jeder Verbindung zum Bauort, 1.) nahezu ueberall auf der Welt gebaut werden koennten und 2.), abgesehen von dem "gruenen" Aspekt, in erster Linie als Buergerschreck konzipiert zu sein scheinen.

  • Ralf Wendel -

    So schön manche niederländischen Neubauprojekte auch immer sein mögen. In unserem Nachbarland steht auch reichlich viel Bauschrott herum. Und einzig die Tatsache, daß neue Häuser mit hollandüblichem Klinker versehen werden, macht sie auch nicht immer zu Schmuckstücken. Das Lob an die Niederlande sollte nicht übertrieben werden.