Eine Rekonstruktion für Freiburg?

Die Nachricht ist nicht mehr ganz frisch, das ernüchternde Faktum dafür umso gegenwärtiger. Ein Rekonstruktionsprojekt in der Freiburger Altstadt wird auf Eis gelegt, weil der Bauträger fürchtet, eine Realisierung könnte vor allem mediale Irritationen auslösen; denn der Bauherr ist die Katholische Kirche in Gestalt der Erzdiözese Freiburg, das wiederaufzubauende Gebäude indessen, das ursprünglich 1787 als aristokratisches Wohngebäude errichtete Andlausche Haus, würde eine z. Zt. von einem Parkplatz besetzte Baulücke gleich hinter dem Münster schließen und damit das Freiburger Stadtbild an entscheidender Stelle komplettieren.


Wie man auch zur Katholischen Kirche stehen mag – dass sie durch die Jahrhunderte hin gewaltige Geldmittel zur baulichen Repräsentation eingesetzt hat, verdient höchstes Lob. Solches Tun ist Bestandteil der Menschheitsgeschichte, der Kunstgeschichte wie auch der conditio humana und steht über allen gesellschaftskritischen und kirchenkritischen Positionen. Was wäre beispielsweise München ohne seine triumphalen Innenstadtkirchen (St. Michael, St. Peter usw.)? Was wären Länder wie Italien oder Österreich ohne den ungeheuren Bestand an Sakralbauten des 13. bis 18. Jahrhunderts? Wenn sich nun die heutige Kirche wenigstens zum Wiederaufbau eines dem Stadtbild dienlichen Wohnhauses durchringt, will man darüber die Nase rümpfen?

Indessen – vielleicht dient eine weitere Verzögerung des Vorhabens doch eher einer Entwicklung, wie sie sich die Bürger wünschen. Denn „wie das Gebäude aussehen wird, hängt davon ab, ob und welche Teile im zweigeschossigen Keller gefunden werden“, heißt es. Jedenfalls wird man sich an den Häusern der Umgebung orientieren, „allerdings in der Architektursprache des Jahres 2013“. Verschiedene Entwürfe sollen diskutiert werden. Man wird also keinem Steinmetz zumuten, ein profiliertes Fenstergewände nachzuarbeiten oder Teile des Portals zu ergänzen. Es ist demnach ohnehin noch einige Bewusstseinsarbeit zu leisten, bis eine ideologiefreie, lockere, an Bürgerwünschen orientierte Rekonstruktionspraxis auch den Südwesten Deutschlands erreicht.


Der Artikel in der „Badischen Zeitung“: Erzdiözese rekonstruiert für 4 Millionen ein historisches Bürgerhaus

(Philoik.)