Artikel aus der Kategorie „Städte“ 34

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  • Es mag Ausnahmen geben, im Osten Deutschlands, in Oberbayern, an den Küsten, aber generell ist das deutsche Dorf dabei, in einem Meer von Trivialitäten zu versinken, für das Stadtplaner den Begriff „Zwischenstadt“ bereithalten.


    Ich nahm die Jahreshauptversammlung 2016 unseres Vereins zum Anlass, nach langer Zeit das Dorf meiner Kindheit wieder einmal zu besuchen, ein Dorf, das aufgrund von Eingemeindung und Verschmelzung mit anderen Dörfern weder Dorf geblieben noch Stadt geworden ist. Ich erwartete nicht viel, und so hielt sich mein Entsetzen in Grenzen. Genaues Hinsehen offenbarte, dass das Schlimmste nicht darin zu sehen ist, dass Dorfbäche seit langem verrohrt und durch Asphaltflächen ersetzt wurden, dass Bauernhäuser Wohngebäuden und Gewerbebauten weichen mussten, - das Entsetzlichste ist das durchgängige Fehlen jedes Gespürs bei den Planern für den Charakter eines Dorfes, für dorftypische Raumbildungen, für dorftypische Bautypen, Architekturelemente und Materialien.

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  • Ist es der genius loci der „Hauptstadt des deutschen Historismus“ (so – allerdings mit einem Fragezeichen versehen – wurde Leipzig im Jahr der Wiedervereinigung von dem Kunstwissenschaftler Wolfgang Hocquél tituliert), der anscheinend bislang nur in dieser Stadt unspektakuläre, aber dennoch bemerkenswerte Überschreitungen der ungeschriebenen Gesetze deutscher Nachkriegsarchitektur erlaubt, Grenzüberschreitungen, von denen zu hoffen ist, dass sie heilend, lockernd, bereichernd auf die gesamte deutsche Baupraxis ausstrahlen werden?

    Als im letzten Jahr in der Leipziger Kongresshalle der große Saal als Jugendstilsaal rekonstruiert wurde (eine Pioniertat im Umgang mit dem Jugendstil, der nur die frühere Rekonstruktion der Münchner Kammerspiele an die Seite zu stellen ist), erwies sich, dass dieser Geist des spielerischen Durchbrechens von Tabuschranken auch den Umgang mit der „Moderne“ erreicht hat. Eben diese Kongresshalle wurde durch zwei Neubauten ergänzt, den Telemannsaal und… [Weiterlesen]
  • Manch einem von uns stellen sich beim Betrachten der Riesenbaustelle am Berliner Schlossplatz Fragen über Fragen. Wann haben sich heutige Bauschaffende schon mal vor die Aufgabe gestellt gesehen, ein komplettes Barockschloss von den Dimensionen des untergegangenen Zentralbaus des alten Berlin zumindest in seiner äußeren Gestalt neu zu errichten? Wer es einrichten kann, hat am 27. März in Düsseldorf Gelegenheit, einen der maßgeblich mit dieser Aufgabe betrauten Fachleute zu hören. Hier die Einladung:


    Vortrag Marco Rollert


    (Philoik.)

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  • Die Nachricht ist nicht mehr ganz frisch, das ernüchternde Faktum dafür umso gegenwärtiger. Ein Rekonstruktionsprojekt in der Freiburger Altstadt wird auf Eis gelegt, weil der Bauträger fürchtet, eine Realisierung könnte vor allem mediale Irritationen auslösen; denn der Bauherr ist die Katholische Kirche in Gestalt der Erzdiözese Freiburg, das wiederaufzubauende Gebäude indessen, das ursprünglich 1787 als aristokratisches Wohngebäude errichtete Andlausche Haus, würde eine z. Zt. von einem Parkplatz besetzte Baulücke gleich hinter dem Münster schließen und damit das Freiburger Stadtbild an entscheidender Stelle komplettieren.



    Wie man auch zur Katholischen Kirche stehen mag – dass sie durch die Jahrhunderte hin gewaltige Geldmittel zur baulichen Repräsentation eingesetzt hat, verdient höchstes Lob. Solches Tun ist Bestandteil der Menschheitsgeschichte, der Kunstgeschichte wie auch der conditio humana und steht über allen gesellschaftskritischen und kirchenkritischen Positionen.

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  • Es waren nicht nur die kriegszerstörten deutschen Städte, in denen die Trümmerlandschaft zum willkommenen Vorwand geriet, eine jahrhundertealte Stadtbaukultur beiseite zu räumen. Auch nicht oder wenig Zerstörtes in Stadt und Land galt als hinderlich und überholt in einem Zeitalter veräußerlichter Komfortansprüche und ignoranter Gleichgültigkeit gegenüber der gebauten Historie. Ein jeder kann sich davon überzeugen, dass nach gut sechzig Jahren oftmals nur noch vage auszumachen ist, wie weit die unendliche Banalität deutscher Stadt- und Dorfbilder wirklich durch Kriegszerstörungen mitverursacht wurde. Automobilismus und expansive, aber reflexionsarme Bautätigkeit vernichteten in wenigen Jahren, was in Jahrhunderten gewachsen war. Mangel an Kenntnis und Wertschätzung tradierter Bauformen, das Bedürfnis, alle „Heimattümelei“ zu überwinden und sich modern/international darzustellen, schließlich die in Deutschland dahinschwindende Sensibilität für Architektur… [Weiterlesen]
  • Sechs Nachkriegsjahrzehnte brauchte die deutsche Architektur, um mit Meinhard von Gerkans Berliner Hauptbahnhof erstmals wieder ein respektables Bahnhofsgebäude zuwege zu bringen. Zwar hatte schon die Wiederaufbauzeit mit lichtdurchfluteten gläsernen Empfangsgebäuden biederer Machart versucht, an die glorreichen Vorkriegszeiten der Bahnhofsarchitektur anzuknüpfen, so vor allem in Heidelberg, Köln und München, aber danach rutschte alle Verkehrsarchitektur in primitivste Funktionalität ab, Bahnhofsgebäude versteckten sich geradezu zwischen Verkehrsanlagen (Beispiel Ludwigshafen), wichen Kaufhaus- oder Bürogebäuden (Beispiel Hamburg-Altona) oder gerieten ausnahmslos zu Containern mit den immer gleichen brettartigen Standard-Flachdächern, die sich auch als Bahnsteigüberdachungen eigneten, mit denen die Bahnhöfe der alten Bundesrepublik flächendeckend bestückt wurden. Der Bahnhof verschwand als Bauaufgabe aus dem Bewusstsein der automobilen Gesellschaft, und die Preisgabe… [Weiterlesen]
  • Wieder einmal zeigte sich die Denkmalpflege willfährig gegenüber den Wünschen eines Investors, dem der Sinn nach Abriss eines Baudenkmals und profitablerer Grundstücksnutzung stand. Betroffen war eine Villa der zwanziger Jahre in München-Bogenhausen im Nobelviertel Herzogpark. Die Tilgung aus der Denkmalliste wurde vollzogen und mit dem Befund gerechtfertigt, dass irgendwann im Innern der Villa die eine oder andere Wand entfernt worden und damit „denkmalwerte Substanz“ vernichtet worden sei.


    Unser Münchner Mitglied, Stadtrat Rudolf Brannekämper konfrontierte das Amt für Denkmalpflege mit dem Einwand, dass bei nicht wenigen anderen Münchner Baudenkmälern auch schwerer wiegende Eingriffe nicht zum Entzug des Denkmalstatus geführt hätten. Er organisierte am 25. Juni eine Protestdemonstration, bei der Stephan Riedel unseren Münchner Ortsverband repräsentierte. Das Denkmalamt sah sich daraufhin nicht mehr im Stande, seine Entscheidung aufrecht zu erhalten. Die Villa wurde

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  • So lautete der Titel eines aufrüttelnden Buches eines gewissen Rolf Keller aus den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts. Schon damals war jedem Zeitgenossen hinreichend klar, dass mit diesem Titel natürlich nicht die unvermeidliche Naturbeeinträchtigung angeprangert wurde, die der Mensch mit seiner Ausbreitung auf der Erdoberfläche verursacht, sondern das zerstörerische Vorgehen der Moderne, die aus einer gewalttätigen und technizistischen Geisteshaltung heraus weltweit Stadt und Landschaft expansiv überzieht.


    Wir wissen, dass kein „grüner“ Protest seither dieses Vorgehen dämpfen konnte – im Gegenteil. Wo nicht Gewerbebauten, Kraftwerke, Verladeanlagen und dergleichen die Landschaft unter sich begraben, da sorgt inzwischen eine sich funktionalistisch-technizistisch gebärdende Architektur dafür, dass in Deutschland tendenziell auch das letzte landschaftliche Idyll brutal mit einer Kistenbauweise konfrontiert wird, die so rigide durchgezogen wird, als würde sie von den

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  • So lautet der Titel einer lesenswerten Abhandlung über die Kriegszerstörungen deutscher Städte am Beispiel Hamburg von Jörn Düwel und Niels Gutschow, die hier erhältlich ist.


    Hier wird wieder einmal herausgearbeitet, wie sehr die an sich schon gigantischen Zerstörungen durch alliierte Bomberflotten ins Unfassbare ausgeweitet wurden durch eine schon im Nazideutschland vorherrschende und nach 1945 gefestigte Bewusstseinslage in der deutschen Bevölkerung und zumal in Planerkreisen, wonach dieser Krieg  als ein letztlich willkommener Vernichtungsschlag gegen die alte Stadt mit ihren Fehlentwicklungen und eine Freisetzung des Neuen zu werten war. Die Deutschen hatten sich nicht nur „anästhesiert“ (W. G. Sebald) gegen den Anblick der Trümmerlandschaften, in tieferer Seelenlage wurde dieser Schicksalseingriff in die deutsche Stadtkultur sogar begrüßt, und umso bedenkenloser wurden die stehengebliebenen Torsi und Erinnerungen an die gewesene Stadt in einem gewaltigen Aufräumakt beseitigt.


    Mag

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  • In welchem Ausmaß der Kotau vor der Wissenschaft heutzutage die Stelle einstiger Ehrfurcht vor dem Göttlichen eingenommen hat, ist bekannt. Peinlich aber wird diese Wissenschaftsgläubigkeit, wo sie von Pseudowissenschaften eingesetzt wird, um Machtanspruch und Deutungshoheit gegen die Öffentlichkeit durchzusetzen. Gerne übten wir Nachsicht mit den Willkürlichkeiten einer Denkmalbehörde, die sich als eine mit Irrtum und Scheitern vertraute Verwaltungsbehörde verstand; seitdem jedoch die Denkmalpflege als (angeblich von Georg Dehio begründete) „wissenschaftliche Denkmalpflege“ einen Unfehlbarkeitsanspruch vor sich herträgt, ist Wachheit und Widerstand geboten.

    Stephan Riedel verweist uns auf einen Artikel in der „Fuldaer Zeitung“ von gestern, wonach das Landesamt für Denkmalpflege nach gründlicher Prüfung einem Bürocontainer der Wiederaufbauzeit in der Fuldaer Innenstadt schließlich doch den Denkmalstatus zuerkannte. Stadtbevölkerung und potentielle Käufer sind in Aufruhr,… [Weiterlesen]