Artikel aus der Kategorie „Denkmalpflege“ 9

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Die Abstimmung für das Gebäude des Jahres 2018 ist geöffnet! Abstimmungsende ist am 15. November 2018. Bitte gebt bis dahin Eure Stimme ab.

  • Es mag Ausnahmen geben, im Osten Deutschlands, in Oberbayern, an den Küsten, aber generell ist das deutsche Dorf dabei, in einem Meer von Trivialitäten zu versinken, für das Stadtplaner den Begriff „Zwischenstadt“ bereithalten.


    Ich nahm die Jahreshauptversammlung 2016 unseres Vereins zum Anlass, nach langer Zeit das Dorf meiner Kindheit wieder einmal zu besuchen, ein Dorf, das aufgrund von Eingemeindung und Verschmelzung mit anderen Dörfern weder Dorf geblieben noch Stadt geworden ist. Ich erwartete nicht viel, und so hielt sich mein Entsetzen in Grenzen. Genaues Hinsehen offenbarte, dass das Schlimmste nicht darin zu sehen ist, dass Dorfbäche seit langem verrohrt und durch Asphaltflächen ersetzt wurden, dass Bauernhäuser Wohngebäuden und Gewerbebauten weichen mussten, - das Entsetzlichste ist das durchgängige Fehlen jedes Gespürs bei den Planern für den Charakter eines Dorfes, für dorftypische Raumbildungen, für dorftypische Bautypen, Architekturelemente und Materialien.

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    Den Kulturverlust im deutschen Bauwesen seit 1945 zu beklagen, ist in unseren Kreisen längst zum Gemeinplatz geworden. Weniger gängig ist der Hinweis auf die Rolle, welche die frühere Deutsche Bundesbahn, die heutige Deutsche Bahn AG in diesem kulturellen Zerfallsprozess spielt. Zwar konnten in den großen deutschen Städten erstaunlich viele Bahnhofsbauten durch Krieg und Wirtschaftswunderjahre hindurch einigermaßen robust ihre Gestalt bewahren, umso verheerender ist der Befund in der „Fläche“, in der Provinz.


    Wie viele Bahnhofsgebäude, die einstmals mit viel Gespür für regionale Traditionen in die Landschaft gesetzt worden waren, wurden in der Nachkriegszeit abgerissen und durch funktionale Gebilde in konsequenter Nicht-Architektur ersetzt, zumeist durch einstöckige Kisten mit Standard-Flachdach, die in kürzester Zeit verwahrlosten und zur Zielscheibe wandalistischer Akte verkamen!


    Wie viele stählerne Bahnsteighallen, „Kathedralen“ neuzeitlicher Verkehrskultur, wurden aufgrund

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  • Wieder einmal zeigte sich die Denkmalpflege willfährig gegenüber den Wünschen eines Investors, dem der Sinn nach Abriss eines Baudenkmals und profitablerer Grundstücksnutzung stand. Betroffen war eine Villa der zwanziger Jahre in München-Bogenhausen im Nobelviertel Herzogpark. Die Tilgung aus der Denkmalliste wurde vollzogen und mit dem Befund gerechtfertigt, dass irgendwann im Innern der Villa die eine oder andere Wand entfernt worden und damit „denkmalwerte Substanz“ vernichtet worden sei.


    Unser Münchner Mitglied, Stadtrat Rudolf Brannekämper konfrontierte das Amt für Denkmalpflege mit dem Einwand, dass bei nicht wenigen anderen Münchner Baudenkmälern auch schwerer wiegende Eingriffe nicht zum Entzug des Denkmalstatus geführt hätten. Er organisierte am 25. Juni eine Protestdemonstration, bei der Stephan Riedel unseren Münchner Ortsverband repräsentierte. Das Denkmalamt sah sich daraufhin nicht mehr im Stande, seine Entscheidung aufrecht zu erhalten. Die Villa wurde

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  • Noch ehe die Faschingszeit richtig anhebt, macht sich dieser Impuls in Münchner Straßen bemerkbar - zumindest bei Gebäuden.                                                                                            
    Während man den Abertausenden von entstuckten Berliner Mietshäusern bei aller architektonischen Jämmerlichkeit noch immer ansieht, aus welcher Zeit sie eigentlich stammen, gingen ähnliche „Modernisierungs“-Bestrebungen der Nachkriegszeit in München noch einen Schritt weiter.


    Die besonderen Proportionen Münchner Etagenhäuser erlaubten es, ein entstucktes Vorkriegsgebäude perfekt dem Erscheinungsbild eines 50/60er-Jahre-Neubaus anzupassen. So verstand es der Zeitgeist jener Jahre, just durch das Herunterschlagen des angeblich Überflüssigen ein altes Gebäude als einen Neubau jener Jahre zu maskieren. Wer weiß, hinter wie vielen trostlosen Münchner Nachkriegsfassaden sich noch eine kostbare Innenausstattung vielleicht von 1865 verbirgt!


    Wie schon in dem Blog-Eintrag vom

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  • In welchem Ausmaß der Kotau vor der Wissenschaft heutzutage die Stelle einstiger Ehrfurcht vor dem Göttlichen eingenommen hat, ist bekannt. Peinlich aber wird diese Wissenschaftsgläubigkeit, wo sie von Pseudowissenschaften eingesetzt wird, um Machtanspruch und Deutungshoheit gegen die Öffentlichkeit durchzusetzen. Gerne übten wir Nachsicht mit den Willkürlichkeiten einer Denkmalbehörde, die sich als eine mit Irrtum und Scheitern vertraute Verwaltungsbehörde verstand; seitdem jedoch die Denkmalpflege als (angeblich von Georg Dehio begründete) „wissenschaftliche Denkmalpflege“ einen Unfehlbarkeitsanspruch vor sich herträgt, ist Wachheit und Widerstand geboten.

    Stephan Riedel verweist uns auf einen Artikel in der „Fuldaer Zeitung“ von gestern, wonach das Landesamt für Denkmalpflege nach gründlicher Prüfung einem Bürocontainer der Wiederaufbauzeit in der Fuldaer Innenstadt schließlich doch den Denkmalstatus zuerkannte. Stadtbevölkerung und potentielle Käufer sind in Aufruhr,… [Weiterlesen]
  • Was vor einem halben Jahrhundert in westdeutschen Städten und Dörfern bedenkenlos praktiziert wurde, Abriss, Modernisierung, Durchgrünung, passiert heute, von der Öffentlichkeit kaum registriert, inmitten des kulturgetränkten sächsisch-anhaltisch-thüringischen Kernlandes.

    Ein Bürger aus der Region hat uns einen Film des MDR über die Mittelstadt Zeitz übermittelt, wo eine schrumpfende Stadtbürgerschaft anscheinend keine andere Methode städtebaulicher Problembewältigung mehr sieht als die zunehmende Perforierung einer geschlossen erhaltenen Altstadt voller Baudenkmäler aus Barockzeit und Renaissance. In wachsendem Ausmaß werden leerstehende und sanierungsbedürftige Häuser einfach niedergelegt, werden Lücken zwischen Brandmauern begrünt, und der Bürgermeister spricht allen Ernstes von “grünen Oasen”, welche die baulichen Verluste kompensieren sollen.

    Natürlich bringen Bevölkerungsschwund und demographischer Wandel gewaltige Anpassungsprobleme vor allem über ländlich geprägte… [Weiterlesen]
  • Herr Nicolas Schall hat uns per Link davon in Kenntnis gesetzt, dass in der Mannheimer Hauptgeschäftsstraße “Die Planken” das letzte Barockgebäude für den Abriss vorgesehen ist. Da dieses Gebäude bereits in den siebziger Jahren entkernt wurde, steht es nicht unter Denkmalschutz. Aber es gibt eine Möglichkeit, Einspruch geltend zu machen.

    Der Fall ist exemplarisch für den baukulturellen Befund westdeutscher Großstädte. Die “Planken” in Mannheim gehören wie die “Zeil” in Frankfurt oder die “Berliner Allee” in Düsseldorf zu den Vorzeigeleistungen in der Anlage von Nachkriegs-Einkaufsstraßen, bei denen die Planer praktisch keine Rücksicht auf historische Bausubstanz zu nehmen brauchten (oder nehmen wollten) –  im Gegensatz etwa zu Hamburger oder Münchner Hauptgeschäftsstraßen. Hier konnte und kann sich die Moderne austoben, hier ist alles gegenwärtig und –  obwohl die Verankerung in der Historie fehlt –  auch nicht durchweg schlecht, aber eindimensional;… [Weiterlesen]
  • Es war in den Siebzigerjahren, als ein Vertreter der Berliner Denkmalpflege die Empörung einer kritischer gewordenen Fachöffentlichkeit auf sich zog, indem er sich in einer Diskussionsveranstaltung durchaus einverstanden zeigte mit den Wohngebirgen der südlichen Friedrichstadt, da sie das eben restaurierte barocke Berlin-Museum (heute Jüdisches Museum) als “Juwel” umso heller erstrahlen lassen würden.


    Vierzig Jahre später zeigt es sich. dass die deutsche Denkmalpflege wenig dazugelernt hat. Forumsmitglied Palantir weist uns auf einen Fall in Papenburg an der Ems, wo ein Unternehmer mit einem architektonisch wie städtebaulich ambitionierten Projekt an der Denkmalpflege zu scheitern droht. Der Bürgermeister: “Die Denkmalschützer haben von Beginn deutlich gemacht, dass es für das Rathaus und die Kirche einen sogenannten denkmalschutzrechtlichen Umgebungsschutz gibt. Damit ist gemeint, dass im Umfeld von denkmalgeschützten Gebäuden nichts Neues gebaut werden darf, was die

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  • Der Architekt Ekkehard Hofmann hat uns dieser Tage auf das schon eingeleitete Vorhaben der Stadt Kulmbach in Oberfranken aufmerksam gemacht, den Nordflügel des historischen Rathauses durch ein durchgehendes modernes Fensterband unter flach geneigtem Dach aufzustocken, d.h. das  überkommene Satteldach durch einen modernistischen “Sargdeckel” zu ersetzen, und dies im geschlossen historischen Ambiente des Marktplatzes. (Info unter www.kulmbach.de)


    Es geht nicht nur um die Stadt Kulmbach, die durchaus mehr aus sich machen könnte; auch um einen exemplarischen Fall von Stadtbild-Verluderung aufzugreifen, hat STADTBILD DEUTSCHLAND in dieser Sache einen gleichlautenden Brief an den OB und alle Ratsfraktionen geschickt und ihn auch der örtlichen Presse bekannt gegeben. Ein Abschnitt daraus:


    “Sechzig Nachkriegsjahre hindurch hat man sich in Deutschland daran gewöhnt, in Architektur und Städtebau Historisches mit Modernem zu durchmischen, auf Schritt und Tritt harte Kontraste einzufügen,

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