Artikel aus der Kategorie „Architektur“ 25

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    Den Kulturverlust im deutschen Bauwesen seit 1945 zu beklagen, ist in unseren Kreisen längst zum Gemeinplatz geworden. Weniger gängig ist der Hinweis auf die Rolle, welche die frühere Deutsche Bundesbahn, die heutige Deutsche Bahn AG in diesem kulturellen Zerfallsprozess spielt. Zwar konnten in den großen deutschen Städten erstaunlich viele Bahnhofsbauten durch Krieg und Wirtschaftswunderjahre hindurch einigermaßen robust ihre Gestalt bewahren, umso verheerender ist der Befund in der „Fläche“, in der Provinz.


    Wie viele Bahnhofsgebäude, die einstmals mit viel Gespür für regionale Traditionen in die Landschaft gesetzt worden waren, wurden in der Nachkriegszeit abgerissen und durch funktionale Gebilde in konsequenter Nicht-Architektur ersetzt, zumeist durch einstöckige Kisten mit Standard-Flachdach, die in kürzester Zeit verwahrlosten und zur Zielscheibe wandalistischer Akte verkamen!


    Wie viele stählerne Bahnsteighallen, „Kathedralen“ neuzeitlicher Verkehrskultur, wurden aufgrund

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  • Ist es der genius loci der „Hauptstadt des deutschen Historismus“ (so – allerdings mit einem Fragezeichen versehen – wurde Leipzig im Jahr der Wiedervereinigung von dem Kunstwissenschaftler Wolfgang Hocquél tituliert), der anscheinend bislang nur in dieser Stadt unspektakuläre, aber dennoch bemerkenswerte Überschreitungen der ungeschriebenen Gesetze deutscher Nachkriegsarchitektur erlaubt, Grenzüberschreitungen, von denen zu hoffen ist, dass sie heilend, lockernd, bereichernd auf die gesamte deutsche Baupraxis ausstrahlen werden?

    Als im letzten Jahr in der Leipziger Kongresshalle der große Saal als Jugendstilsaal rekonstruiert wurde (eine Pioniertat im Umgang mit dem Jugendstil, der nur die frühere Rekonstruktion der Münchner Kammerspiele an die Seite zu stellen ist), erwies sich, dass dieser Geist des spielerischen Durchbrechens von Tabuschranken auch den Umgang mit der „Moderne“ erreicht hat. Eben diese Kongresshalle wurde durch zwei Neubauten ergänzt, den Telemannsaal und… [Weiterlesen]
  • Dass das Architektonische in Deutschland seit 70 Jahren als quantité négligeable, als eine zu vernachlässigende Größe im zivilisatorischen Prozess gehandelt wird, ist hinreichend bekannt. Dass es aber niemanden kümmert und dass selbst die Standesvertretung der Architekten darüber hinwegdöst, wenn sogar die deutsche Regierung uns immer aufs Neue eine solche Einschätzung unter die Nase reibt, das kann einen schon ins Grübeln bringen. Das jüngst verabschiedete „Klimaschutzpaket“ der Bundesregierung unterstreicht wieder einmal die Zielsetzung, landauf landab möglichst jedes Gebäude in einen Dämmmantel zu hüllen, um so die anvisierten Eckdaten für eine bundesweite Energieeinnsparung auf Biegen und Brechen zu erreichen.


    Kein Wort darüber, dass diese Vorgabe, würde sie auch nur annähernd in die Tat umgesetzt, die Vernichtung der gesamten Baukultur unserer Nation bedeuten würde. Aber, so beeilt man sich zu versichern, denkmalgeschützte Baudenkmäler wären natürlich ausgenommen. Aha

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  • Vielleicht ist es ja naiv, von einer Diskussionsrunde, wie sie der Sender SWR 2 jeden Spätnachmittag unter dem Titel „Forum“ ausstrahlt, erhellende Einsichten oder gar umsetzbare Ergebnisse zu erwarten. Es handelt sich um Unterhaltung auf hohem Niveau, um den Austausch von Fachleuten in gewählter Diktion, genussvoll kredenzt nicht weniger für die Diskutanten selbst als für die Hörer.


    Am gestrigen Freitag ging es um das Thema „Platz da! Wem gehört die Stadt“, und neben dem Architekten und Stadtplaner Prof. Dr. Wulf Daseking, dem Stadtforscher und Planer Julian Petrin, und der Moderatorin Ursula Nusser war auch der uns wohlbekannte Dr. Dankwart Guratzsch am Gespräch beteiligt. Besprochen wurde die rasante Umwandlung der Innenstädte und der intakten urbanen Zentren zu Hochburgen des Kommerzes, aber auch der wachsende Drang der Bevölkerung in eben jene innerstädtischen Quartiere, die noch eine Generation früher zu verslumen drohten und zum Abriss vorgesehen waren, und vor allem

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  • Mag auch die Misere deutscher Architektur seit dem 2. Weltkrieg im wesentlichen als gemeindeutsch erlebt werden, so haben doch die Küsten- wie Gebirgsregionen den übrigen Landschaften eines voraus: sie haben Leitbilder vorzuweisen, an denen sich einheimische Architekten nicht selten mehr oder weniger glückhaft abarbeiten, im Idealfall sogar eine hinreichend überzeugende Variante zwar modernen, aber regionalistisch inspirierten Bauens zuwege bringen. Im Schwarzwald und im bayrischen Voralpenland ist dies die heimische Holzbautradition mit unglaublich charaktervollen Bauernhaus- und Bürgerhaustypen, an Nord- und Ostsee erlebt man eine Fülle landschaftsbezogener Bauformen aus rotem oder weißgetünchtem Backstein, oftmals mit Reetdach, oftmals niederländisch inspiriert, und natürlich die besonders delikate Bäderarchitektur der Ostseeküste.
    Gerade diese letztgenannte hat es als einzige unter allen deutschen Bautraditionen geschafft, der doktrinär unterfütterten und flächendeckend

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  • Sechs Nachkriegsjahrzehnte brauchte die deutsche Architektur, um mit Meinhard von Gerkans Berliner Hauptbahnhof erstmals wieder ein respektables Bahnhofsgebäude zuwege zu bringen. Zwar hatte schon die Wiederaufbauzeit mit lichtdurchfluteten gläsernen Empfangsgebäuden biederer Machart versucht, an die glorreichen Vorkriegszeiten der Bahnhofsarchitektur anzuknüpfen, so vor allem in Heidelberg, Köln und München, aber danach rutschte alle Verkehrsarchitektur in primitivste Funktionalität ab, Bahnhofsgebäude versteckten sich geradezu zwischen Verkehrsanlagen (Beispiel Ludwigshafen), wichen Kaufhaus- oder Bürogebäuden (Beispiel Hamburg-Altona) oder gerieten ausnahmslos zu Containern mit den immer gleichen brettartigen Standard-Flachdächern, die sich auch als Bahnsteigüberdachungen eigneten, mit denen die Bahnhöfe der alten Bundesrepublik flächendeckend bestückt wurden. Der Bahnhof verschwand als Bauaufgabe aus dem Bewusstsein der automobilen Gesellschaft, und die Preisgabe… [Weiterlesen]
  • wird STADTBILD DEUTSCHLAND – zumindest schon mal in München. Wieder hat sich Stephan Riedel im Namen unseres Vereins mit einem Zeitungsartikel Gehör verschafft:


    Debatte um den Königshof: "Nur hässliche Entwürfe!"


    Es geht um den geplanten Umbau des Hotels Königshof am Stachus, für den drei belanglos-modische Entwürfe zur Auswahl stehen, die, wie in Deutschland nicht anders zu erwarten, sich so wenig  um den Münchner genius loci scheren, wie die ganze südlich anschließende 50er-Jahre-Bebauung.


                                                                                                                     
    Im Blick auf solchen Münchner Architektur-Alltag haben sich unsere Münchner Mitglieder Robert Brannekämper und Stephan Riedel auch dem Übelstand gewidmet, dass bei Architekturwettbewerben nur Preisrichter einer streng modernistischen Ausrichtung Entwürfe eben derselben Machart zu beurteilen haben. Um Pluralität sowohl in der Besetzung der Preisgerichte als auch bei den

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  • So lautete der Titel eines aufrüttelnden Buches eines gewissen Rolf Keller aus den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts. Schon damals war jedem Zeitgenossen hinreichend klar, dass mit diesem Titel natürlich nicht die unvermeidliche Naturbeeinträchtigung angeprangert wurde, die der Mensch mit seiner Ausbreitung auf der Erdoberfläche verursacht, sondern das zerstörerische Vorgehen der Moderne, die aus einer gewalttätigen und technizistischen Geisteshaltung heraus weltweit Stadt und Landschaft expansiv überzieht.


    Wir wissen, dass kein „grüner“ Protest seither dieses Vorgehen dämpfen konnte – im Gegenteil. Wo nicht Gewerbebauten, Kraftwerke, Verladeanlagen und dergleichen die Landschaft unter sich begraben, da sorgt inzwischen eine sich funktionalistisch-technizistisch gebärdende Architektur dafür, dass in Deutschland tendenziell auch das letzte landschaftliche Idyll brutal mit einer Kistenbauweise konfrontiert wird, die so rigide durchgezogen wird, als würde sie von den

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  • Braucht eine Metropole – und eine solche möchte Berlin doch werden – wirklich einen Plan?

    Etta Ehlers empfiehlt uns einen Artikel in der WELT von heute, in dem Dankwart Guratzsch aufs Korn nimmt, wie sich die Berliner Planungsbehörde 23 Jahre nach der Wiedervereinigung noch immer so tumb gebärdet wie in den ersten Jahren des hauptstädtischen Laufen-Lernens. „Berlin braucht einen Plan“ ist die neueste Devise des Stadtentwicklungssenators Michael Müller, und die Diskutanten stehen schon in den Startlöchern, um in Workshop-Marathons sich aufs neue die Köpfe heiß zu reden über Zukunftsmodelle dieser Stadt, die sich als Hauptstadt der Deutschen herausgefordert fühlt, jenes von Hölderlin dem Deutschen zuerkannte Charakteristikum „tatenarm aber gedankenvoll“ peinlich genau zu erfüllen.

    Das hat Berlin gerade noch gefehlt, ein weiteres Jahrzehnt, in dem Kongresse, Workshops, Arbeitsgruppen, ein neues „Stadtforum“ gar sich gegenseitig mit wohlformulierten Arbeitspapieren und elitärer… [Weiterlesen]
  • “Zum zweiten Mal innerhalb eines guten halben Jahrhunderts lässt sich die Stuttgarter Stadtbaupolitik dazu hinreißen, die Flucht nach vorn anzutreten, jede Menge unerledigte Geschichte(n) als städtebaulichen Abraum liegen zu lassen und einer verheißungsvoll schillernden neuen Identität nachzujagen.”

    Dies bezieht sich auf die Stuttgart-21–Problematik, und mit diesen Worten beginnt mein Beitrag in dem Sammelband “Die entzauberte Stadt –  Plädoyer gegen die Selbstzerstörung”, den der streitbare Architekt Roland Ostertag vor drei Jahren im Peter-Grohmann-Verlag herausgebracht hat.

    Dieser Tage machte uns Forumsmitglied “Zeitlos” auf einen aktuellen Artikel von Roland Ostertag in der Tageszeitung “Schwarzwälder Bote” aufmerksam, der wiederum die Stuttgart-Problematik umreißt und uns das Exemplarische der Grundsatzfragen über die Entwicklung dieser Stadt zum Bewusstsein bringt:

    Roland Ostertag, "Die Stadt als Spiegel der Welt"

    Da dieser Artikel teilweise in Duktus und Formulierungen auf… [Weiterlesen]