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Deutsche Dörfer haben keinen Anwalt
Es mag Ausnahmen geben, im Osten Deutschlands, in Oberbayern, an den Küsten, aber generell ist das deutsche Dorf dabei, in einem Meer von Trivialitäten zu versinken, für das Stadtplaner den Begriff „Zwischenstadt“ bereithalten.


Ich nahm die Jahreshauptversammlung 2016 unseres Vereins zum Anlass, nach langer Zeit das Dorf meiner Kindheit wieder einmal zu besuchen, ein Dorf, das aufgrund von Eingemeindung und Verschmelzung mit anderen Dörfern weder Dorf geblieben noch Stadt geworden ist. Ich erwartete nicht viel, und so hielt sich mein Entsetzen in Grenzen. Genaues Hinsehen offenbarte, dass das Schlimmste nicht darin zu sehen ist, dass Dorfbäche seit langem verrohrt und durch Asphaltflächen ersetzt wurden, dass Bauernhäuser Wohngebäuden und Gewerbebauten weichen mussten, - das Entsetzlichste ist das durchgängige Fehlen jedes Gespürs bei den Planern für den Charakter eines Dorfes, für dorftypische Raumbildungen, für dorftypische Bautypen, Architekturelemente und Materialien.…


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silesien
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Architektur zu verstehen,
dürfte sich als eine herausragende geistige Zukunftsaufgabe erweisen. Noch sind wir gewohnt, der Abfolge architektonischer Moden nicht mehr Bedeutung zuzumessen als den Launen des Wetters oder den Willkürlichkeiten der Haute Couture. Sie helfen uns, mit einiger Treffsicherheit das Entstehungsjahr eines Gebäudes zu bestimmen, mehr nicht. Alle die rational und funktional nicht erklärbaren Gestaltungsdiktate, wie sie das Bauen der letzten Jahrzehnte aufgeblasen hat, sind angeblich über uns gekommen wie die unergründlichen Einfälle eines architektonischen Weltgeistes – aber eigentlich eher eines Nationalgeistes, denn so international, wie die Bauschaffenden es gerne hätten, sind diese Entwicklungen keineswegs. Ja, das Nationalspezifische sucht sich unter der Oberfläche gleichgültigen Nicht-Hinsehen-Wollens zur Geltung zu bringen und lässt uns ahnen, dass auch in der Architektur nichts von ungefähr kommt.


An dieser Stelle ist auf eine neu erschienene vorbildliche Untersuchung…


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silesien
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Zerfallende Baukultur – das Beispiel deutscher Bahnhöfe
Den Kulturverlust im deutschen Bauwesen seit 1945 zu beklagen, ist in unseren Kreisen längst zum Gemeinplatz geworden. Weniger gängig ist der Hinweis auf die Rolle, welche die frühere Deutsche Bundesbahn, die heutige Deutsche Bahn AG in diesem kulturellen Zerfallsprozess spielt. Zwar konnten in den großen deutschen Städten erstaunlich viele Bahnhofsbauten durch Krieg und Wirtschaftswunderjahre hindurch einigermaßen robust ihre Gestalt bewahren, umso verheerender ist der Befund in der „Fläche“, in der Provinz.

Wie viele Bahnhofsgebäude, die einstmals mit viel Gespür für regionale Traditionen in die Landschaft gesetzt worden waren, wurden in der Nachkriegszeit abgerissen und durch funktionale Gebilde in konsequenter Nicht-Architektur ersetzt, zumeist durch einstöckige Kisten mit Standard-Flachdach, die in kürzester Zeit verwahrlosten und zur Zielscheibe wandalistischer Akte verkamen!

Wie viele stählerne Bahnsteighallen, „Kathedralen“ neuzeitlicher Verkehrskultur, wurden aufgrund…


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silesien
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Vortrag "Abgerissenes Freiburg: Perspektiven heute & Früher"
Liebe Freunde,

der Regionalverband Südbaden lädt gemeinsam mit Vistatour Freiburg zu dem Vortrag "Abgerissenes Freiburg: Perspektiven heute & Früher" ein. Wir wollen dabei die Perspektiven dieser Stadt kennenlernen, wie sie waren, ehe die Kahlschlagsanierungen der Nachkriegszeit nachhaltige Veränderungen erwirkten.

Es trägt vor: Joachim Scheck. Der Eintritt ist frei!

Ort: Gemeindesaal der Christuskirche Freiburg (Maienstraße 2) in Freiburg i. Br.
Datum: 12. April, Uhrzeit: 19 Uhr

Vielleicht sehen wir uns ja!

Beste Grüße,
Lars


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silesien
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Die Zukunft der deutschen Städte
Manch einer von uns mag sich dem Wahn hingegeben haben, mit den Pionierleistungen eines rekonstruierenden Stadtbaus in Dresden, Frankfurt/M. und Potsdam würde ein Damm brechen und landauf landab würden nun Lokalpolitiker, Journalisten und selbst Architekten in neuer Unbefangenheit darüber nachsinnen, wie deutsche Städte ihr weithin erbärmliches Erscheinungsbild durch Wiedergewinnung historischer Strukturen aufwerten können, um im Kontext des so viel beschworenen Europa eine halbwegs erträgliche Figur abzugeben.

Aber so weit sind wir noch lange nicht. Im Bereich der Baukultur lassen deutsche Kulturwächter gerne Europa Europa sein, und seine „Werte“, in diesem Falle die baukulturellen, werden mit Achselzucken übergangen. Was zählt, ist die nationale Geschichte der Wiederaufbauzeit mit ihrer so typisch deutschen Notdurftarchitektur, die es unbedingt für alle Zeiten zu bewahren gilt. Überall in deutschen Städten, wo die in Beton gegossene Bescheidenheit und Selbstverleugnung jener Jahre allmählich das bautechnische und ästhetische Verfallsdatum überschritten hat, beschwören Architekten, Denkmalpfleger und Feuilletonisten den einzigartigen dokumentarischen Wert jener gebauten Zeugen eines Geschichtsmoments der wiedererstandenen Demokratie und verteidigen sie verbissen gegenüber allen Bestrebungen, die Baugeschichte nach internationalen Qualitätsmaßstäben fortzuschreiben.

Dieser Geist des Konservierens einer kurzen und im gesamtgeschichtlichen Kontext so belanglosen wie glanzlosen Phase der Baugeschichte macht z.Zt. wieder einmal in Nürnberg von sich reden, wo bekanntlich nach einigen Wiederaufbauleistungen der Nachkriegszeit die Schäbigkeit der Trivialmoderne als zeitgemäße adäquate Fortschreibung des kriegszerstörten Nürnberg gewertet wurde und wird. Da beißt keine Maus einen Faden ab. Da können die Nürnberger Altstadtfreunde mit unglaublichem finanziellen und ideellen Einsatz den Innenhof des berühmten Pellerhauses wiederhergestellt haben; ihr Vorschlag, auch die Straßenfassade dieses Baudenkmals in den Originalzustand zu versetzen, wird von den tonangebenden Kreisen dieser Stadt rüde abgeschmettert. Bezeichnend ist auch die Äußerung des BDA-Vorsitzenden Andreas Emminger, das heutige (in den fünfziger Jahren neugestaltete und denkmalgeschützte) Pellerhaus komme „auf erstaunlich gelassene Weise mit der Potemkinschen Steintapete des Innenhofs zurecht“

Ein halbes Jahrtausend bestand die wohl großartigste Altstadt Deutschlands; andere Städte konnten ihr kostbares Erscheinungsbild vielleicht dreihundert Jahre bewahren bis zur Vernichtung im Zweiten Weltkrieg, manche vorbildlich gestalteten Stadtteile bestanden nicht länger als vierzig Jahre, ehe der Absturz in die architektonische Nichtigkeit erfolgte, aus der bis heute keine Auferstehung sich abzeichnet. Wie aber werden sich die nächsten Jahrhunderte für die deutschen Städte gestalten? Eine Konservierung der Nachkriegs-Trivialmoderne auf unabsehbare Zeit hinaus ist unvorstellbar, ebenso unvorstellbar aber ist eine Überformung nach dem Modell Dubai. Es gibt für deutsche Städte nur die Option der behutsamen Wiederannäherung an die Stadtbauidee, aus der ihre Ursprungsgestalt erwachsen ist. Das werden auch die Nürnberger Baugewaltigen irgendwann begriffen haben, und wenn dazu noch ein Generationswechsel vonnöten ist. Die von Dresden, Frankfurt und Potsdam vorgegebene Richtung ist in der Tat alternativlos, Schritt für Schritt wird sie das Baugeschehen revolutionieren, und auch das Verfahren des Rekonstruierens wird sich zunehmend als unumgänglich erweisen.

(Philoik.)


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silesien
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Subtile architektonische Grenzüberschreitungen in Leipzig
Ist es der genius loci der „Hauptstadt des deutschen Historismus“ (so – allerdings mit einem Fragezeichen versehen – wurde Leipzig im Jahr der Wiedervereinigung von dem Kunstwissenschaftler Wolfgang Hocquél tituliert), der anscheinend bislang nur in dieser Stadt unspektakuläre, aber dennoch bemerkenswerte Überschreitungen der ungeschriebenen Gesetze deutscher Nachkriegsarchitektur erlaubt, Grenzüberschreitungen, von denen zu hoffen ist, dass sie heilend, lockernd, bereichernd auf die gesamte deutsche Baupraxis ausstrahlen werden?

Als im letzten Jahr in der Leipziger Kongresshalle der große Saal als Jugendstilsaal rekonstruiert wurde (eine Pioniertat im Umgang mit dem Jugendstil, der nur die frühere Rekonstruktion der Münchner Kammerspiele an die Seite zu stellen ist), erwies sich, dass dieser Geist des spielerischen Durchbrechens von Tabuschranken auch den Umgang mit der „Moderne“ erreicht hat. Eben diese Kongresshalle wurde durch zwei Neubauten ergänzt, den Telemannsaal und…


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silesien
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Etwas zum Freuen
Zu Weihnachten ist es üblich, das freudenstiftende Sich-Schenken der Gottheit durch menschliche Schenkakte zu begleiten. Mitglieder von STADTBILD DEUTSCHLAND und APH-Foristen haben ja zum Fest Freudestiftendes besonders nötig, da ihr Alltagsgeschäft darin besteht, in den grässlich entstellten deutschen Städten sich weiterer Vernichtung entgegenzustemmen und, wo immer es geht, für Heilung des Stadtbilds zu kämpfen.

Dieses Jahr aber kann der Vereinsvorstand etwas besonders Herzerwärmendes für den Gabentisch empfehlen. Es handelt sich um das neuerschienene Buch von Pablo de la Riestra und Elmar Arnhold mit dem Titel DAS UNZERSTÖRTE ERBE DEUTSCHLANDS:

Das Buch präsentiert mit zahlreichen Fotos, erläuternden Texten und einem jeder Stadt zugeordneten Luftbild 50 unzerstörte deutsche Städte, von Großstädten wie Erfurt bis zu kleinen Mittelstädten wie Bad Münstereifel, die in ihrer Geschichtstiefe und ihrem visuellen Reichtum den Eindruck vermitteln, dass sich die deutsche Stadtkultur noch immer respektabel darstellt. Natürlich präsentieren diese 50 Städte bei weitem nicht den gesamten Schatz wohlerhaltener deutscher Stadtbilder (ein Tatbestand, der weitere Freude generieren kann), aber die bekanntesten und bedeutendsten sind zum größten Teil hier erfasst.

Weitere Informationen und einen knapp gehaltenen Eindruck vermittelt diese Seite:

Das unzerstörte Erbe Deutschlands


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silesien
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Die Moderne – dialektisch gesehen
Am 27. 5. 2013 haben wir in diesem Blog auf die abgeschlossene Dissertation unseres Vorstandsmitglieds Philipp Maaß über das Thema Rekonstruktion hingewiesen. Was damals noch nicht einsehbar war, hat sich mittlerweile zu einem respektablen Buch gemausert mit dem Titel „Die moderne Rekonstruktion“.

Der Titel ist ganz schön provozierend; denn das Adjektiv „modern“, nach wie vor im allgemeinen Sprachgebrauch positiv besetzt, wird von der Architektenschaft gehütet wie ein Allerheiligstes, der Alleinvertretungsanspruch auf dieses Epitheton wird verbissen verteidigt, ebenso seine Gleichsetzung mit einer abstrahierenden, auf Kargheit eingeschworenen Bauauffassung. Keiner in der Gefolgschaft dieser dezidiert „modern“ bauenden Entwerfer steht bei der Frage still, wie dieses Adjektiv, das aus dem lateinischen „modo“ („eben erst“) entstanden ist und für das Neue, Aktuelle steht, hundert Jahre lang und auch für alle weiteren Zeitalter in seinem semantischen Gehalt bewahrt werden kann.

Philipp Maaß verweist vor allem an den beispielhaften Vorgängen in Dresden, Potsdam und Frankfurt auf die aktuelle, pluralistische Entfaltung städtebaulicher Leitbilder hin, in denen der Begriff der Modernität unter den Erwartungen der Bevölkerung ganz neue Manifestationen hervorbringt bis hin zu rekonstruierten Einzelbauwerken und Stadtstrukturen. Denn natürlich muss der Begriff des Zeitgemäßen und Aktuellen auf den Vorstellungen der zeitgenössischen Bevölkerung basieren, nicht auf den Wertungen eines angeblichen Expertentums, das sich in seiner geistigen Unbeweglichkeit, ohne dessen gewahr zu werden, längst als Schutztrupp eines neuen Historismus verschanzt hat.

Hier die Daten zu dem empfehlenswerten Buch:

Die moderne Rekonstruktion


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silesien
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