Vereinsblog 105

Blog-Artikel von unserer Website

Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

  • So lautet der Titel eines Aufsatzbands, der im vergangenen Monat als Teil der „Schriftenreihe Stadtbild Deutschland e.V.“ erschienen ist. Die Beiträge nehmen Bezug auf die geschichtsentleerte städtebauliche Situation der meisten größeren Städte in Deutschland und gehen der Frage nach, warum, aufs ganze gesehen, in den deutschen Nachkriegsstädten nur verschwindend wenige Vorkriegsbauten sowie gewachsene Straßen- und Platzbilder wiederhergestellt wurden. Zu der Frage des Rekonstruierens von Bauwerken wird auf die derzeit gültigen Prinzipien der Denkmalpflege eingegangen, und diese werden auch mit denjenigen der Gartendenkmalpflege konfrontiert. Breiten Raum nimmt die Untersuchung des Geschichtsbegriffs ein, der den polemischen, von der Rekonstruktionsgegnerschaft bevorzugten Schlagwörtern wie „Geschichtsfälschung“, „Lüge“ usw. zugrundeliegt. Ferner geht es um den Begriff der Authentizität, der von der heutigen Denkmalpflege ausschließlich mit der materialen

    [Weiterlesen]
  • Kürzlich war Bundespräsident Joachim Gauck im Fernsehen im Gespräch mit Reinhold Beckmann zu erleben. Wieder einmal erwies sich Gauck als Meister der Rede und des präzise abwägenden Worts. Natürlich widmete auch dieses Gespräch dem deutschen Generalthema, den Verbrechen der NS-Zeit und unserem Verhalten dazu, breiten Raum, und immer aufs neue wurde die Frage ventiliert: Wie konnte das passieren, dass in einem Volk, das so außerordentliche Werke der Kunst, der Wissenschaft, der Philosophie hervorgebracht hatte, diese Mordtaten geschahen? Gaucks Versuche, auf diese oft gestellte Frage eine Antwort zu finden, fokussierten sich auf den Begriff der Moderne; diese habe, bei aller anerkennenswerten Fortschrittsdynamik, auch eine „Ungebundenheit“ und „bösartige Freiheit“ mit sich gebracht, die Freiheit nämlich, frei von den traditioneller Moralität anhaftenden Skrupeln eine neue Moral des sich autonom entfaltenden Übermenschen zu entwerfen.



    Das ganze 20. Jahrhundert hat uns vorgeführt, wie

    [Weiterlesen]
  • Manch einem von uns stellen sich beim Betrachten der Riesenbaustelle am Berliner Schlossplatz Fragen über Fragen. Wann haben sich heutige Bauschaffende schon mal vor die Aufgabe gestellt gesehen, ein komplettes Barockschloss von den Dimensionen des untergegangenen Zentralbaus des alten Berlin zumindest in seiner äußeren Gestalt neu zu errichten? Wer es einrichten kann, hat am 27. März in Düsseldorf Gelegenheit, einen der maßgeblich mit dieser Aufgabe betrauten Fachleute zu hören. Hier die Einladung:


    Vortrag Marco Rollert


    (Philoik.)

    [Weiterlesen]
  • Die Nachricht ist nicht mehr ganz frisch, das ernüchternde Faktum dafür umso gegenwärtiger. Ein Rekonstruktionsprojekt in der Freiburger Altstadt wird auf Eis gelegt, weil der Bauträger fürchtet, eine Realisierung könnte vor allem mediale Irritationen auslösen; denn der Bauherr ist die Katholische Kirche in Gestalt der Erzdiözese Freiburg, das wiederaufzubauende Gebäude indessen, das ursprünglich 1787 als aristokratisches Wohngebäude errichtete Andlausche Haus, würde eine z. Zt. von einem Parkplatz besetzte Baulücke gleich hinter dem Münster schließen und damit das Freiburger Stadtbild an entscheidender Stelle komplettieren.



    Wie man auch zur Katholischen Kirche stehen mag – dass sie durch die Jahrhunderte hin gewaltige Geldmittel zur baulichen Repräsentation eingesetzt hat, verdient höchstes Lob. Solches Tun ist Bestandteil der Menschheitsgeschichte, der Kunstgeschichte wie auch der conditio humana und steht über allen gesellschaftskritischen und kirchenkritischen Positionen.

    [Weiterlesen]
  • Am 27. November 2013 ist Deutschlands großer Publizist und Verleger Wolf Jobst Siedler gestorben. Sein Schaffen war von der tiefen Skepsis gegenüber eines Städtebaus und seiner Architekturen geprägt, der das reiche traditionelle Erbe des Kontinents zugunsten einer einseitig beschränkten Moderne willentlich ausschlägt.

    "Die gemordete Stadt. Abgesang auf Putte und Straße, Platz und Baum" zeigte bereits Mitte der sechziger Jahre anhand seiner Heimatstadt Berlin auf, wie verheerend Flächenabrisse und Entstuckungen in den deutschen Stadtbildern wirkten und wirken. Siedler wurde in der Konsequenz zum Rekonstruktionsbefürworter, wenn er beispielsweise kurz nach der Wende zum möglichen Wiederaufbau des Berliner Schlosses schreibt:

    "Warum soll man bestreiten, daß die Replik des Berliner Stadtschlosses unter denkmalpflegerischen Gesichtspunkten eine Fälschung wäre? Dennoch gibt es keine andere Möglichkeit, die Stadt als Stadt zu retten, und deshalb wird man nicht triumphierend, sondern[Weiterlesen]
  • Es waren nicht nur die kriegszerstörten deutschen Städte, in denen die Trümmerlandschaft zum willkommenen Vorwand geriet, eine jahrhundertealte Stadtbaukultur beiseite zu räumen. Auch nicht oder wenig Zerstörtes in Stadt und Land galt als hinderlich und überholt in einem Zeitalter veräußerlichter Komfortansprüche und ignoranter Gleichgültigkeit gegenüber der gebauten Historie. Ein jeder kann sich davon überzeugen, dass nach gut sechzig Jahren oftmals nur noch vage auszumachen ist, wie weit die unendliche Banalität deutscher Stadt- und Dorfbilder wirklich durch Kriegszerstörungen mitverursacht wurde. Automobilismus und expansive, aber reflexionsarme Bautätigkeit vernichteten in wenigen Jahren, was in Jahrhunderten gewachsen war. Mangel an Kenntnis und Wertschätzung tradierter Bauformen, das Bedürfnis, alle „Heimattümelei“ zu überwinden und sich modern/international darzustellen, schließlich die in Deutschland dahinschwindende Sensibilität für Architektur… [Weiterlesen]
  • Sechs Nachkriegsjahrzehnte brauchte die deutsche Architektur, um mit Meinhard von Gerkans Berliner Hauptbahnhof erstmals wieder ein respektables Bahnhofsgebäude zuwege zu bringen. Zwar hatte schon die Wiederaufbauzeit mit lichtdurchfluteten gläsernen Empfangsgebäuden biederer Machart versucht, an die glorreichen Vorkriegszeiten der Bahnhofsarchitektur anzuknüpfen, so vor allem in Heidelberg, Köln und München, aber danach rutschte alle Verkehrsarchitektur in primitivste Funktionalität ab, Bahnhofsgebäude versteckten sich geradezu zwischen Verkehrsanlagen (Beispiel Ludwigshafen), wichen Kaufhaus- oder Bürogebäuden (Beispiel Hamburg-Altona) oder gerieten ausnahmslos zu Containern mit den immer gleichen brettartigen Standard-Flachdächern, die sich auch als Bahnsteigüberdachungen eigneten, mit denen die Bahnhöfe der alten Bundesrepublik flächendeckend bestückt wurden. Der Bahnhof verschwand als Bauaufgabe aus dem Bewusstsein der automobilen Gesellschaft, und die Preisgabe… [Weiterlesen]
  • wird STADTBILD DEUTSCHLAND – zumindest schon mal in München. Wieder hat sich Stephan Riedel im Namen unseres Vereins mit einem Zeitungsartikel Gehör verschafft:


    Debatte um den Königshof: "Nur hässliche Entwürfe!"


    Es geht um den geplanten Umbau des Hotels Königshof am Stachus, für den drei belanglos-modische Entwürfe zur Auswahl stehen, die, wie in Deutschland nicht anders zu erwarten, sich so wenig  um den Münchner genius loci scheren, wie die ganze südlich anschließende 50er-Jahre-Bebauung.


                                                                                                                     
    Im Blick auf solchen Münchner Architektur-Alltag haben sich unsere Münchner Mitglieder Robert Brannekämper und Stephan Riedel auch dem Übelstand gewidmet, dass bei Architekturwettbewerben nur Preisrichter einer streng modernistischen Ausrichtung Entwürfe eben derselben Machart zu beurteilen haben. Um Pluralität sowohl in der Besetzung der Preisgerichte als auch bei den

    [Weiterlesen]
  • Wieder einmal zeigte sich die Denkmalpflege willfährig gegenüber den Wünschen eines Investors, dem der Sinn nach Abriss eines Baudenkmals und profitablerer Grundstücksnutzung stand. Betroffen war eine Villa der zwanziger Jahre in München-Bogenhausen im Nobelviertel Herzogpark. Die Tilgung aus der Denkmalliste wurde vollzogen und mit dem Befund gerechtfertigt, dass irgendwann im Innern der Villa die eine oder andere Wand entfernt worden und damit „denkmalwerte Substanz“ vernichtet worden sei.


    Unser Münchner Mitglied, Stadtrat Rudolf Brannekämper konfrontierte das Amt für Denkmalpflege mit dem Einwand, dass bei nicht wenigen anderen Münchner Baudenkmälern auch schwerer wiegende Eingriffe nicht zum Entzug des Denkmalstatus geführt hätten. Er organisierte am 25. Juni eine Protestdemonstration, bei der Stephan Riedel unseren Münchner Ortsverband repräsentierte. Das Denkmalamt sah sich daraufhin nicht mehr im Stande, seine Entscheidung aufrecht zu erhalten. Die Villa wurde

    [Weiterlesen]
  • Sie sind zu einem Markenzeichen deutscher Städte und Vorstädte geworden, die verwahrlosten Stadtbilder. Gesichts- und geschichtslose Hochbauten mit schmutzig-weißen Wänden und ungegliederten Fenstern, durch Fotovoltaik-Anlagen verunzierte Dächer, geschmacklose Haustüren, funktional-pflegeleichte Zäune, desweiteren Parkplätze und Verkehrsflächen aus Betonpflaster oder Asphalt, ungepflegtes, für lärmiges Rasenmähen vorgehaltenes Abstandsgrün, dann und wann ein vertrockneter Brunnen und natürlich mannshohe Kritzeleien an Hauswänden – die Liste der alltäglichen visuellen Zumutungen in unserem Wohnumfeld ließe sich beliebig verlängern.



    Die verwahrlosten Stadtbilder haben natürlich viele Väter: Architekten, die den Hausbau nur als technische Angelegenheit zu begreifen gelernt haben, Hauseigentümer, die das Angebot der Baustoffhändler ausschließlich nach kostengünstigen und langlebigen Materialien sichten, Bauverwaltungsbeamte, die keine anderen Leitbilder als Verkehrssicherheit und

    [Weiterlesen]