Vereinsblog 20

Blog-Artikel von unserer Website

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  • Manch einer von uns mag sich dem Wahn hingegeben haben, mit den Pionierleistungen eines rekonstruierenden Stadtbaus in Dresden, Frankfurt/M. und Potsdam würde ein Damm brechen und landauf landab würden nun Lokalpolitiker, Journalisten und selbst Architekten in neuer Unbefangenheit darüber nachsinnen, wie deutsche Städte ihr weithin erbärmliches Erscheinungsbild durch Wiedergewinnung historischer Strukturen aufwerten können, um im Kontext des so viel beschworenen Europa eine halbwegs erträgliche Figur abzugeben. ?xml:namespace prefix ="" "o" ns ="" "urn:schemas-microsoft-com:office:office" /


    Aber so weit sind wir noch lange nicht. Im Bereich der Baukultur lassen deutsche Kulturwächter gerne Europa Europa sein, und seine „Werte“, in diesem Falle die baukulturellen, werden mit Achselzucken übergangen. Was zählt, ist die nationale Geschichte der Wiederaufbauzeit mit ihrer so typisch deutschen Notdurftarchitektur, die es unbedingt für alle Zeiten zu bewahren gilt. Überall in

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  • Manch einem von uns stellen sich beim Betrachten der Riesenbaustelle am Berliner Schlossplatz Fragen über Fragen. Wann haben sich heutige Bauschaffende schon mal vor die Aufgabe gestellt gesehen, ein komplettes Barockschloss von den Dimensionen des untergegangenen Zentralbaus des alten Berlin zumindest in seiner äußeren Gestalt neu zu errichten? Wer es einrichten kann, hat am 27. März in Düsseldorf Gelegenheit, einen der maßgeblich mit dieser Aufgabe betrauten Fachleute zu hören. Hier die Einladung:


    Vortrag Marco Rollert


    (Philoik.)

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  • Die Nachricht ist nicht mehr ganz frisch, das ernüchternde Faktum dafür umso gegenwärtiger. Ein Rekonstruktionsprojekt in der Freiburger Altstadt wird auf Eis gelegt, weil der Bauträger fürchtet, eine Realisierung könnte vor allem mediale Irritationen auslösen; denn der Bauherr ist die Katholische Kirche in Gestalt der Erzdiözese Freiburg, das wiederaufzubauende Gebäude indessen, das ursprünglich 1787 als aristokratisches Wohngebäude errichtete Andlausche Haus, würde eine z. Zt. von einem Parkplatz besetzte Baulücke gleich hinter dem Münster schließen und damit das Freiburger Stadtbild an entscheidender Stelle komplettieren.



    Wie man auch zur Katholischen Kirche stehen mag – dass sie durch die Jahrhunderte hin gewaltige Geldmittel zur baulichen Repräsentation eingesetzt hat, verdient höchstes Lob. Solches Tun ist Bestandteil der Menschheitsgeschichte, der Kunstgeschichte wie auch der conditio humana und steht über allen gesellschaftskritischen und kirchenkritischen Positionen.

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  • Dies scheint eine beachtenswerte Hauptthese der (noch nicht einsehbaren) Dissertation unseres Schatzmeisters Philipp Maaß zu sein. Vor zwei Tagen hat er an der Dresdner Universität seine Arbeit erfolgreich verteidigt, wozu wir ihm von Herzen gratulieren, und er hat uns auch eine Zusammenfassung zur Verfügung gestellt, aus der ich einen Kernsatz zitieren möchte:



    „Darum ist die Rekonstruktionsdebatte, anders als viele Autoren behaupten, nur sekundär als eine Identitätssuche in unseren ‚unsicheren Zeiten‘ der Globalisierung und Internationalisierung zu sehen, sondern sie ist in der heutigen Ausprägung das zwangsläufige Spiegelbild jener ‚Moderne‘, die sich von den architektonischen und städtebaulichen Traditionen der Jahrhunderte abwandte und mit der weitgehenden Zerstörung und Ausschlagung des tradierten Bauerbes einherging.“


    Solche Thesen bis hin zu einer Infragestellung der Modernität einer Architekturpraxis mit dem „Anspruch nach ausschließlicher Dominanz von Abstraktion und

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  • Noch ehe die Faschingszeit richtig anhebt, macht sich dieser Impuls in Münchner Straßen bemerkbar - zumindest bei Gebäuden.                                                                                            
    Während man den Abertausenden von entstuckten Berliner Mietshäusern bei aller architektonischen Jämmerlichkeit noch immer ansieht, aus welcher Zeit sie eigentlich stammen, gingen ähnliche „Modernisierungs“-Bestrebungen der Nachkriegszeit in München noch einen Schritt weiter.


    Die besonderen Proportionen Münchner Etagenhäuser erlaubten es, ein entstucktes Vorkriegsgebäude perfekt dem Erscheinungsbild eines 50/60er-Jahre-Neubaus anzupassen. So verstand es der Zeitgeist jener Jahre, just durch das Herunterschlagen des angeblich Überflüssigen ein altes Gebäude als einen Neubau jener Jahre zu maskieren. Wer weiß, hinter wie vielen trostlosen Münchner Nachkriegsfassaden sich noch eine kostbare Innenausstattung vielleicht von 1865 verbirgt!


    Wie schon in dem Blog-Eintrag vom

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  • Warum nur hat sich München, die so glanzvolle wie bodenständige Bastion traditionsbezogenen Wiederaufbaus, der Wiederherstellung kompletter Prachtstraßen, die “heimliche Hauptstadt” der Bonner Republik, weitgehend aus der Wahrnehmung stadtbild-engagierter Menschen davongemacht? Weil eben dieses München auch unerhörte Schätze historischer Bausubstanz preisgegeben und durch stadtbildprägende Halden von Wiederaufbauschrott ersetzt hat, ohne dass sich seit Jahrzehnten auch nur ein Finger dafür krümmen würde, hier oder da eine Korrektur vorzunehmen.

    Eins unserer Mitglieder, Herr Stephan Riedel, Rechtsanwalt in München, tritt nun für die Ehrenrettung seiner Heimatstadt ein. Er ist dabei, unter medialer Aufmerksamkeit Sponsoren dafür zu gewinnen, dass entstuckte Bürgerhäuser einer Fassadenrekonstruktion unterzogen werden. Er will die Öffentlichkeit für das Phänomen sensibilisieren, dass sich hinter glatten Münchner Nachkriegsfassaden oftmals bauhistorische Kostbarkeiten verbergen,… [Weiterlesen]
  • Dieser das Frankfurter Altstadtprojekt betreffende Artikel ist zwar schon ein Jahr alt, hat aber m.E. noch nicht die Resonanz gefunden, die er verdient; denn auf eine solche Meldung warten wir schon lange:


    “Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) solle dafür sorgen, dass mehr als 17 Häuser auf dem Altstadt-Areal rekonstruiert werden dürfen. Mit diesem Appell wenden sich 31 potentielle Investoren in einem offenen Brief an das Stadtoberhaupt. Ihrer Meinung nach würde “moderne, aber auch 'angepasste' Architektur” den Wert des Gesamtensembles mindern. Zu den Unterzeichnern zählen der Immobilienunternehmer Erkin Köksal, der Rechtsanwalt und Insolvenzverwalter Ottmar Herrmann und der Apfelweinkelterer Günter Possmann. Als Sprecher der Gruppe tritt ParfümeriebesitzerFrank Albrecht auf, der auch Präsident des Frankfurter Einzelhandelsverbans ist.”


    Wenn das kein Durchbruch ist! 66 Jahre nach dem 2. Weltkrieg wagte zum ersten mal ein Einzelhandelsverband die Aussage, dass moderne Architektur

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  • Von unseren Dresdner Freunden wissen wir, dass am kommenden Mittwoch die Dresdner Gestaltungskommission, die bisher allen Freunden Dresdens, insbesondere der GHND und natürlich uns allenviel Ärger beschert hat, neu besetzt werden soll. Es sind anscheinend schon Appelle unterwegs, die darauf abzielen, dass endlich die engagierte Dresdner Bürgerschaft in Gestalt der GHND ein Mitspracherecht in dieser Kommission erhält, und auch STADTBILD DEUTSCHLAND ist mit einem Schreiben vorstellig geworden. Ansonsten werden auch viele gute und starke Gedanken von Euch allen etwas in Gang bringen.


    Brief nach Dresden


    (Philoik.)

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  • Etta Ehlers findet, dass wir dieser tüchtigen Truppe mehr Aufmerksamkeit schulden, und sie hat zweifellos recht. Diese überwiegend jungen Leute, die eine klare Sprache sprechen und immer wieder bereit sind, für die Wiedergewinnung Dresdner Stadtbaukultur auf die Straße zu gehen und dem dumpf und ziemlich orientierungslos vor sich hin rollenden Karren der Dresdner Stadtbaupolitik in die Speichen zu greifen, verdienen jedes Lob. Folgenden lesenswerten Text hat uns Etta übermittelt:


     


    Wir von StadtbilDD sind eine Gruppe aus jungen und jung gebliebenen Leuten, vorwiegend zwischen 20 und 40, die reflektiert, differenziert und sachlich über die städtebauliche Entwicklung in Dresden nachdenken, diskutieren und nun auch aktiv Einfluss nehmen wollen.

    Für Dresden bietet sich derzeit eine einmalige Chance: die Rückgewinnung seiner einmaligen Identität, nach den Zerstörungen durch Krieg und sozialistischen Wiederaufbau.
    Jeder der diese Stadt liebt, sich mit ihrer Geschichte befasst, ihre Seele

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  • Herr Nicolas Schall hat uns per Link davon in Kenntnis gesetzt, dass in der Mannheimer Hauptgeschäftsstraße “Die Planken” das letzte Barockgebäude für den Abriss vorgesehen ist. Da dieses Gebäude bereits in den siebziger Jahren entkernt wurde, steht es nicht unter Denkmalschutz. Aber es gibt eine Möglichkeit, Einspruch geltend zu machen.

    Der Fall ist exemplarisch für den baukulturellen Befund westdeutscher Großstädte. Die “Planken” in Mannheim gehören wie die “Zeil” in Frankfurt oder die “Berliner Allee” in Düsseldorf zu den Vorzeigeleistungen in der Anlage von Nachkriegs-Einkaufsstraßen, bei denen die Planer praktisch keine Rücksicht auf historische Bausubstanz zu nehmen brauchten (oder nehmen wollten) –  im Gegensatz etwa zu Hamburger oder Münchner Hauptgeschäftsstraßen. Hier konnte und kann sich die Moderne austoben, hier ist alles gegenwärtig und –  obwohl die Verankerung in der Historie fehlt –  auch nicht durchweg schlecht, aber eindimensional;… [Weiterlesen]