06. Das Gästehaus des Ministerrates der DDR – Folgen im Musikviertel

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  • Man hatte vieles vor in der DDR. Gemäß damaliger Partei- und Militärdoktrin sollte das Gebäude für den Ministerrat unauffällig in Nähe des Stadtzentrums entstehen. Ringsherum Wohnscheiben, damit keine Bombenangriffe erfolgen können (daher auch der „Bombenfang“ - ein fünfteiliger Neubau in der Grassistraße zur Abschirmung), mit zwei Schaltzentralen für die Stromversorgung, daneben eine Schule (für die Thomaner nach ihrer Vertreibung aus der Hillerstraße in den 1970er Jahren – inzwischen längst wieder abgerissen), Freifläche als Hubschrauberlandeplatz etc. pp. Johannes Schulze könnte als Architekt vieles darüber aus erster Hand berichten, was man heute gar nicht so gut oder so schlecht erfinden kann.

    Resümee: Der große Führer, Generalsekretär der SED, Vorsitzender des Staatsrates und des Verteidigungsrates, Genosse Erich Honecker, hat ein einziges Mal dort übernachtet.

    Das berühmte zweite, erhaltenswerte Gewandhaus wurde (aufgrund seiner Stabilität in zwei Anläufen) gesprengt und dafür wurden im Musikviertel Plattenbauten errichtet. Der letzte Versuch unter Dr. Schalck-Golodkowski mit BIEG schon angrenzend an ein denkmalgeschütztes Haus (für dessen Erhalt sich die Anwohner auch weiterer Gründerzeitbauten zu DDR-Zeiten stark gemacht hatten). Aber auch das half nicht mehr. Es wird sich zeigen, ob weitere Lückenschließungen und Neubauten an die qualitativ hochwertigen Vorbebauungen heranreichen können.


    Baubereich BIEG (Berliner Import und Export GmbH), Grassistraße 12: „Für weltoffenen Handel und technischen Fortschritt“, um 1987. Dahinter die Wohnscheibe Mozartstraße vor den weiteren ...


    Grassistraße stadteinwärts Ecke Haydnstraße, 1910


    Grassistraße stadteinwärts Ecke Haydnstraße, 2014

    Was die beiden deutschen Diktaturen hier überstand, wurde meist gut saniert. Allerdings gab es leider auch einige „schwarze Schafe“, d.h. Fälle, die nicht einvernehmlich mit den Mietern geklärt wurden.

    Eine Gefahr für die Lückenschließung besteht noch wie hier mit der ehemaligen „Stasi-Kaufhalle“ (die Bürger schätzten dies nach der Belieferung mit Exportbier zu DDR-Zeiten so ein). Nach den Einigungsverträgen wurden in Leipzig gerade wieder einige ehemalige Kaufhallen im Stil des „Barack“ (z.B. Sebastian-Bach-Straße) neu errichtet. Es wäre dem Musikviertel zu wünschen, daß dort wieder eine solide Wohnbebauung (natürlich mit ausreichend Einkaufsmöglichkeiten) entsteht.


    Ferdinand-Rhode-Straße 4, 1905 (kriegszerstört)


    Ferdinand-Rhode-Straße 4, 2013


    Ferdinand-Rhode-Straße 33, Villa Struve um 1920 (zu DDR-Zeiten für die Folgebebauung wie auch weitere Gebäude dort intakt vernichtet)


    Ferdinand-Rhode-Straße 33, 2013

    Gemäß der SED-Planungen und deren Sicherheitsmaßstäben wurden Gebäude auch zweckentfremdet und die hier von der Nationalen Volksarmee der DDR als Wehrkreiskommando Leipzig-Land vereinnahmt.

    Eine Revitalisierung ist bisher nicht erfolgt. Beide Gebäude stehen seit bald 25 Jahren leer!


    Ferdinand-Rhode-Straße 35, 2014


    Grassistraße 38, 2014

    Gemäß der folgenden Postkarte noch einige Vergleiche:


    Musikviertel 1905


    Simson-Lampe-Straße , Ecke Grassi-/Paul-Gruner-Straße 2001


    Robert-Schumann-Straße Ecke Grassistraße, 1905


    Robert-Schumann-Straße Ecke Grassistraße, 2013


    Robert-Schumann-Straße Ecke Ferdinand-Rhode-Straße, 1905 (Kriegszerstörung)


    Robert-Schumann-Straße Ecke Ferdinand-Rhode-Straße, 2013

    im Hintergrund das ehemalige Gästehaus des Ministerrates der DDR


    Karl-Tauchnitz-Straße 37, Villa E. Fritzsche (daneben Reclam) Ecke Telemannstraße, 1905


    Karl-Tauchnitz-Straße 37 Ecke Telemannstraße, 2013


    Schwägrichenstraße bis 21, Ecke Robert-Schumann-Straße 1907


    Schwägrichenstraße bis 21, Ecke Robert-Schumann-Straße 2013


    Schwägrichenstraße bis 15, Ecke Haydnstraße 1915


    Schwägrichenstraße bis 15, Ecke Haydnstraße 2013

    Was hierbei nicht zu sehen ist, sei noch angemerkt. Natürlich zog hier zu DDR-Zeiten schräg gegenüber dem Gästehaus des Ministerrates das Ministerium für Staatssicherheit ein und entkernte übelst das Bauwerk. Gleiches vollzog sich auch beim Gästehaus des Ministerium des Innern der DDR in der Wächterstraße (jetzt Literaturinstitut).


    Schwägrichenstraße 5, Ecke Mozartstraße 1932


    Schwägrichenstraße 5, Ecke Mozartstraße 2013

    Die beiden Schulen im Musikviertel können im folgenden Kapitel näher betrachtet werden.

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