Quartier VI - Patrizia Immobilien AG (im Bau)

    • Diese scharfkantigen, eckigen Dachgauben sind irgendwie ein Merkmal der Stadt Dresden geworden. Das will aber nicht heissen, dass diese Gewohnheit einfach weiterhin akzeptiert werden muss. Durch das Forum lernen wir viele deutsche Städte kennen, aber mir ist noch keine Stadt aufgefallen, wo diese Unsitte dermassen grassiert wie in Dresden!

      Beim Mittelbau würde mich interessieren, ob dies der Wunsch der Bauherrschaft war oder ein Diktat der Bauverwaltung. Ich vermute eher letzteres. In Dresden müsste man wirklich mal auf eine Änderung der Bauvorschriften bezüglich der Dachgestaltungen pochen. In einem anderen Strang hatte ich kürzlich mal darauf hingewiesen, wie das in den meisten Gemeinden der Schweiz gehandhabt wird. Wir haben die Vorgabe, dass die Summe der Breiten der Dachgauben maximal ein Drittel der Fassadenlänge betragen darf, egal obein Gebäude mitten im Zentrum steht oder in einem Aussenquartier. Bei mehreren Dachgeschossen wird zudem bei der Gaubenanzahl und deren Grössen eine deutliche Abnahme gegen oben gefordert. Eine Ausnahme gibt es, wenn nachgewiesen werdenkann, dass bei einem historischen Haus das Mass bereits einmal überschritten war und dieser Zustand das Gesamtbild des Hauses nicht beeinträchtigte.

      Nur ist es in Dresden leider so, dass der Staat und die Stadt bei Grundstücksverkäufen das Los den Meistbietenden zuspielt, und diese daher jeden cm2 ausnützen müssen. Wüssten die Investoren von Anfang an, dass es bei den Dächern Einschränkungen gibt, müssten sie weniger bieten, und die Verkäufer würden weniger aus den Grundstücken lösen. In dieser Hinsicht sehe ich in Dresden unter den gegebenen Umständen keine Möglichkeit für bessere Gestaltungen.

      Dass diese Dresdener-Dachgaubenproblematik nur aufgrund der ungenügenden Gesetzeslage und Geldgeilheit seitens Politik und Bauverwaltung grassiert, und nicht auf dem Buckel der Bauherren gewachsen ist, zeigt folgendes Bild: links An der Frauenkirche 16/17, welche von einem Privatmann rekonstruiert worden sind und perfekte Dachgestaltungen bieten; rechts irgendwelches Gewuschel eines Investors...


      Quelle: commons.wikimedia.org, Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International license, von Jörg Blobelt (eigenes Werk)
    • Hmm, rechts Gewuschel, ich finde den Mittelteil völlig deplatziert. Da hängt bestimmt ein Transparent dran mit der Aufschrift: "Wir bitten um Entschuldigung, dass uns diese Fassade hier etwas misslungen ist. Ein Anfängerfehler. Bitte haben Sie ein paar Jahre Geduld, dann ist unser Sparschwein wieder voll und wir können nachbessern."
    • Riegel schrieb:

      Beim Mittelbau würde mich interessieren, ob dies der Wunsch der Bauherrschaft war oder ein Diktat der Bauverwaltung. Ich vermute eher letzteres. In Dresden müsste man wirklich mal auf eine Änderung der Bauvorschriften bezüglich der Dachgestaltungen pochen.
      In diesem Fall ist diese Tatsache eckiger, moderner Dachgauben wohl allein auf den Investor USD/Patrizia zurückzuführen, da aufgrund der Weiterveräußerung des Grundstücks diese Investoren, auch Blobel NICHT an den Bebauungsplan gebunden waren(falls dem nicht so sein sollte, bitte ich dies zu entschuldigen und zu korrigieren).

      Riegel schrieb:

      Nur ist es in Dresden leider so, dass der Staat und die Stadt bei Grundstücksverkäufen das Los den Meistbietenden zuspielt, und diese daher jeden cm2 ausnützen müssen. Wüssten die Investoren von Anfang an, dass es bei den Dächern Einschränkungen gibt, müssten sie weniger bieten, und die Verkäufer würden weniger aus den Grundstücken lösen. In dieser Hinsicht sehe ich in Dresden unter den gegebenen Umständen keine Möglichkeit für bessere Gestaltungen.
      Dies ist in der Tat eins der Hauptversäumnisse am Neumarkt, das es eigentlich in den letzten Jahre - die Vergabepolitik war ja letztlich bekannt - zu ändern hätte gelten müssen. Ich halte ebenso dieses Prinip im Ansatz für verkehrt, da zunächst häufig nur Großinvestoren so viel bieten können (wenn eben nur gesamte Quartiersflächen verkauft werden...) und andererseits auch nicht mehr so viel Kapital in die Immobilie selbst - zugunsten von Bauqualität, Wertigkeit der Rekonstruktion und so weiter - stecken können und wollen.
      Sollte es in der nächsten Zeit zu weiteren größer angelegten Neubebauungen, wie nun am Neustädter Markt, kommen, muss dies bitte anders gehandhabt werden, und zwar nach dem Prinzip der Kleinteiligkeit und möglichst auch mit einem rechtsgültigen Bebauungsplan, der wegen meiner auch die Dach(fenster)Gestaltung festschreibt.

      Zum Bild kann man aber sagen, dass es nicht außergewöhnlich war, wenn viele Gauben nebeneinander standen. Was selten war und beim WIederaufbau meist praktiziert wurde, dass auch im zweiten Dachgeschoss zahlreiche Gauben verwendet werden. Wenigstens sind die Gauben im Quartier III/1 nicht rechteckig... stattdessen gibt es hier im Baywobau leider gerade von der Frauenkirchen-Laterne unschöne Flachdachbereiche.

      Was ich im Q VI störend finde, ist besonders die Rückseite des Stellwerkbaus an der Galeriestraße. Durch den niedrigen Mittelbau des Quartiers zum Neumarkt hin ist dieser Bereich von der Frauenkirchen-Laterne sichtbar. Neben den Gauben, den Fachdächern und dem Übergang zum Blobelbau finde ich das in der Tat nicht optimal. Aber wie bereits angeklungen, ist an dem Übergang nicht Bloble allein schuld, denn auch die USD haben am Mittelbau und Jüdenhof-Eckbau die Stockwerke verändert, und zwar bei Originalhöhe je ein weiteres Geschoss hinen-"gequetscht". Wie auch immer, mal sehen wie die Farbgebung das ganze abmildert oder nicht.
    • Es ist, wie es ist - die gesamte Häuserzeile ist von links nach rechts ein komplett vermurktes Konstrukt, mit verfälschenden und verzerrten Nachahmungen der historischen Vorgängerbauten, entworfen und finanziert von arroganten Ignoranten. Aber: Mir ist das alles immer noch lieber als das, was dem Neumarkt vor ein paar Jahren an derselben Stelle stattdessen blühte oder besser gesagt drohte, nämlich so etwas oder das hier.
    • Alles scheint einer Historie befreiten Fantasie zu entspringen. Nun ja, man könnte ja noch wohlwollend die beiden Flachdächer, von unten gesehen mehr oder weniger hinter Pseudodächern versteckt, als moderne Version eines Dachbelvederechens sehen, was Blobels Dachaufsatz am ehesten impliziert. Aber der riesige "Ballspielplatz" schräg gegenüber beim Nachbarprojekt hätte nun wirklich nicht sein müssen. Was ein immenser Qualitätsunterschied zu Frankfurts neuer "Altstadt". Dort ist Gestaltungswollen spürbar, das Ringen um die beste Harmonie von Interpration und Rekonstruktion, hier in Dresden im aktuellen Quartier eher ein Improvisieren, fern der ursprünglichen Idee minutiös mit Qualität zu rekonstruieren, ein Ausprobieren, was geht, was nicht und dann schaun wir mal!? Ein wildes Spiel von historischen Anleihen und moderner Interpretation bzw. völliger Abkehr von historischen Bauformen. Wirkt so , als ob ein altes Quatier ohne Denkmalschutz und Baurichtlinien/Gestaltungssatzungen rücksichtslos modernisiert wurde mit der maximalen Ausnutzung für weiteren Wohnraum und mit allen Zutaten des modernen Life-Styles versehen, damit ein hippes Vermarktungsobjekt im Schatten der Frauenkirche veräußerbar ist!

      Frankfurt, neue Altstadt, April 2017


      Beim Blick auf Robs Foto frage ich mich, warum man bei der Sanierung des KP die riesige schwarze Dachfläche nicht eingefärbt hat, z.B. in dezentem ziegelrot oder gleich eine Dachbegrünung angelegt hat. Das wäre was, jedenfalls besser als der Ist-Zustand. Solche Unsensibilitäten, die die Gesamtwirkung betreffen, kann ich mir in Frankfurt überhaupt nicht vorstellen. Und in Dresden hält man doch was auf den weltberühmten Blick von der Frauenkirche. Das ist nun wirklich kein Wuchern mit den Pfründen. Was man hat soll auch noch verunstaltet werden!?
      Nun ja, der achtsame, sensible Blick ist nicht Jedem gegeben ... .

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    • Im Grunde alles richtig, was meine Vorredner sagen, nur hat man in Fankfurt mit dem neuen Stadthaus auch einen Fehler gemacht, da es nicht mal den historischen Grundriss hat in Richtung Dom, somi das Fachwerkhaus zur "goldenen Waage" erdrückt und von der Länge her ebenfalls ein Riegel darstellt genauso wie die Kunsthalle Schirn... Man merkt ansonsten aber, dass man in FFM mit mehr Liebe zum Detail vorangegangen ist (die schönen Innenhöfe gibt es in der Fülle nicht in Dresden das stimmt). Dort sind viele "Rekonstruktionen" nur von vorne bewundernswert!
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      Oh Mannomann, was für eine Bauausführung :daumenunten: :unsure: :schockiert: :blink: :augenrollen: !!!
      Nur mal als ein Beispiel die Gauben auf dem Eckbau der USD. Mehrere Lagen eines Kunststoffisoliermaterials bilden offenbar nach diesem Foto die äußere Formung der Dachgauben auf dem Eckbau. Das wird dann überputzt, wie bereits angefangen worden und "hält dann garantiert Jahrhunderte"! Jetzt weiß ich wieder, weshalb ich von heutiger 0815 Bauausführung nichts halte,... !
      Die Fotos von den Wänden, ... geht so, schöne Profile, drunter halt Iso. Und die Farben von sto! Ist das echte Mineralfarbe, wie es eigentlich angebracht wäre? Ich glaub' es nicht!
      Na gut, freuen wir uns auf die fertige Zeile und dem endlich gebauten Platzabschluß und noch mehr auf das kleine Platanenwälchen davor. Dann gibt es mal wieder eine Reise nach Dresden.

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      SchortschiBähr schrieb:

      "hält dann garantiert Jahrhunderte"!
      Nein. Jahrtausende! Wie die Cheops! :D
      Hannover ist eine mittelmäßige Stadt, aber dort sind viele, die sich große Mühe geben, etwas Besonderes daraus zu machen.
      Dresden ist eine besondere Stadt, aber hier sind leider viele, die alles versuchen, etwas Mittelmäßiges daraus zu machen (M. Roth)
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      Sag mal Octavian, die Fenstergewände der Fassade sind reine Putzgewände, ein Original suggerierend das rein gemauert und verputzt wäre, und das Gewände durch Vormauerung oder einfach mit einer dickeren Lage Stuck hervorgehoben. Ist das im Original auch so gewesen oder gab es Sandsteingewände!?
      @Saxonia, meine Kritik zielte darauf, daß nahezu das gesamte Wandvolumen der Dachgaube aus Isoliermaterial zu bestehen scheint. Sieht so aus, als ob diese im Kern aus einer Holz- oder Stahlkonstruktion besteht und sonst alles drumherum Isolierung, dann Putz und die Verblechung. Und noch die Ziegel oben drauf.
      Das wirkt einfach eines historisch gemeinten Baues an diesem Standort völlig unwürdig und handwerklich total künstlich und primitiv. Wird Zeit, daß sich die Bauindustrie was Neues zum Isolieren einfallen läßt. Im übrigen ist kein einziger Bau am Neumarkt nach baubiologischen/ökologischen Vorgaben gebaut worden. Einzig die Rampische 29 kommt dem vielleicht nahe!?
      Sehr schade!
      Dabei gibt es ja bereits Alternativen, wie Kimmerle bewiesen hat:
      die gefüllten Poroton-Ziegel von Wienerberger!
      Hier ein Filmchen zur Verarbeitung der Ziegel.



      Das müßte verbindlich für alle Investoren am Neumarkt vorgeschrieben werden, tja, müßte!? Dann käme es zu einer anderen Oberflächenmaterialität und insgesamt zu einer anderen Anmutung der Bauten. Durchaus mehr historisches Flair und vor allem mehr Natürlichkeit in der Ausstrahlung, zumindest für sensible Gemüter. Diese Einpackerei ist doch ... !

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      Nein, in Dresden waren - anders als etwa in Potsdam - sämtliche architektonischen Gliederungen (Stockwerks- und Hauptgesimse, Tür- und Fenstergewände) immer aus dem hier wohl erschwinglicheren Elbsandstein.
      Es gibt heute im Lapidarium Zionskirche sogar noch ornamentale Architketurfragmente (von anderen Barockfassaden), die sich erhalten haben da sie nicht aus Stuck, sondern aus Sandstein (!) gefertigt waren.
      Hannover ist eine mittelmäßige Stadt, aber dort sind viele, die sich große Mühe geben, etwas Besonderes daraus zu machen.
      Dresden ist eine besondere Stadt, aber hier sind leider viele, die alles versuchen, etwas Mittelmäßiges daraus zu machen (M. Roth)
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      Absolute Zustimmung SchortschiBähr. Es gibt mittlerweile wirklich mehr als genug Lösungen, unter anderem von Wienerberger, Eder, Bisotherm (Passivhausstandard!!), Schlagmann, Unipor und vielen mehr und auch bereits "vorgemauerte" Segmentbögen... dieses minderwertige Bauen wäre absolut nicht nötig und da die meisten Investoren/Bauherren offensichtlich (bis auf wenige löbliche Ausnahmen) von selbst nicht willens sind wenigstens an solchen bedeutenden Orten auf Qualität zu setzen, müsste das Bestandteil des Verkaufsvertrags der Grundstücke, der Überprüfung der Gestaltungskommission oder im besten Fall einer Gestaltungssatzung werden.
      Die Moderne verleugnet ihre Herkunft, weil sie fürchtet, die Auseinandersetzung mit ihr könnte sie überfordern - oder ihr gar ihre eigene Banalität vor Augen führen. — Dr. Melanie Möller

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