Quartier VI - Patrizia Immobilien AG (im Bau)

    • SchortschiBähr schrieb:

      Vor Jahren gab es z.B. einen reichen Weinhändler aus dem Bayrisch-Fränkischen, der angeboten hatte ganze Quartiere für ihre authentische Rekonstruktion zu sponsern, also Mehrkosten zu übernehmen, ein echter Mäzen. Von der Stadt verprellt.
      (...) Ein privater Investor wollte schon vor Jahren das Dillingerhaus original aufbauen. Abgewiesen.
      Ach was, im Ernst? Kannst du Namen nennen? Irgendwie ist das an mir leider vorbeigegangen...
      Basis guter Architektur nach Vitruv:
      Schönheit ۩ Nützlichkeit ۩ Stabilität
      Schönheit wird von zu vielen Architekten ignoriert.
    • Oktavian schrieb:

      reparieren müssen, Ursus, oder besser: "müsste man reparieren".
      Aber wirklich können? Mir fehlen da Sachverstand und Vorstellungskraft, wie man dies bei den Rekos, ohne gleich den gesamten Bau niederzureißen, hinkriegen will.
      Ja, mir leider auch. Aber darüber hab ich mir schon Gedanken gemacht. Offenbar ist das Problem doch ernster, als ich mich vertröstet habe. Was wird aus den Fassaden, wenn die unmittelbar darunter liegende Wärmedämmschicht verfault und vergammelt ist? Muss man dann alles (bis auf die steineren Fensterbänke ua Fassadenteile) neu machen, bzw besteht genug Platz, die Dämmschichte durch eine vernünftige Ziegelschichte zu ersetzen?
      ... dass jeder troglodytischen Lebensart, beruht sie nur fest in sich selbst, etwas schlechthin faszinierendes eignet, überhaupt für solche, die einen Ansatz dazu schon besitzen und mitbringen, der dann nur noch einer gewissen Entwicklung bedarf. (HvD)
    • Hallo Ursus,

      wir haben uns da schon sehr viele Gedanken drüber gemacht.
      Ja, im Prinzip ja. Die Dämmschicht ist ja nicht gerade dünn, hat aber sicherlich nicht Ziegelformat, so dass man diese mühevoll von Hand erst zuarbeiten muss (horrende Kosten!!!). Immerhin liegen die Sandsteinelemente wenigstens auf Metallankern bzw. Stützen, so dass diese bleiben könnten. Noch schwieriger sehe ich aber die Tatsache, dass wohl selbst die optimal gedämmten neuen Ziegel angesichts des zur Verfügung stehenden Platzes (die Steinwände dahinter bleiben ja) dann auch nicht die Dämmwerte ergeben würden. Ich halte es aus diesem Grunde für hochwahrscheinlich, dass man die Fassaden bei einer Restaurierung dann doch wieder mit Styropor/Glaswolle dämmen wird. Es gibt Fehler, aus denen kommt man wohl kaum mehr heraus.....
      Hannover ist eine mittelmäßige Stadt, aber dort sind viele, die sich große Mühe geben, etwas Besonderes daraus zu machen.
      Dresden ist eine besondere Stadt, aber hier sind leider viele, die alles versuchen, etwas Mittelmäßiges daraus zu machen (M. Roth)
    • bilderbuch schrieb:

      Dort wurde tatsächlich mit Steinwolle gedämmt.

      Laut Baugesetzbuch gibt es Rekonstruktionen nicht. Da es sich um Neubauten handelt, kann die Stadt in dieser Hinsicht auch keine Vorschriften bezüglich des Fassadenaufbaus machen. Ist statisch bzw. bauphysikalisch alles in Ordnung und stimmt die von der Stadt geforderte Optik, sind alle sonstigen Eingriffsrechte erschöpft.
      Dann muss man halt das Baugesetzbuch ändern. Kein großes Ding.
    • johan v2 schrieb:

      Klar - das macht man einfach so - weil Rekonstruktiongrecht ist bestimmt erste prioritat
      Es reicht die Initiative zu ergreifen. Also konkret was wo wie geändert werden soll. Dazu kann man auch eine Eingabe formulieren oder die Blaupause (was wo wie) konkret zu entwickeln und politisch über die Opposition zu spielen. Ich halte es für richtig bei Rekonstruktionen Ausnahmen von Dämmvorschriften zu machen, sofern diese erforderlich sind um eine historische Stadtansicht/Stadtbild wiederherzustellen. Sobald solche Ausnahmen im Gesetz verankert sind, wird es als Nebeneffekt deutlich mehr Rekonstruktionen geben.
    • Das Motto der Bremer Stadtmusikanten gilt auch hier.

      Grundsätzlich kann man mit einer Initiative für rekofreundliche Dämmung scheitern, man kann Erfolg haben oder einen Teilerfolg haben. Das Gesetz aber wie ein Schicksal anzunehmen, wie es der Bauherr tun muss, das ist einfach falsch. Wer unzufrieden ist mit der Rechtslage, sollte Änderungsvorschläge entwickeln und einbringen, möglichst konkrete, was-wo-wie. Eine Rekoausnahme für den Dämmwahn wirkt auf mich sehr sinnvoll. Übrigens auch für Fachwerk.
    • Ich finde die Diskussion aus baufachlicher Sicht ja durchaus interessant, verstehe aber den negativen Grundton mal wieder nicht.
      Ja, es gibt ein grundlegendes Problem mit den aktuell verwendeten Wärmeverbundsystemen, nicht nur bei der Alterung, auch beim Brandschutz, bei der Entsorgung, bei der Langlebigkeit etc. Ich weiß aus berufener Quelle, dass diese Themen mittlerweile auch in den politischen Ebenen angekommen sind und man sich der Probleme bewusst ist.
      Perspektivisch wird es also zu völlig neuen Lösungen kommen, daran besteht gar kein Zweifel, das gilt für die Energiewende ja auch wie für viele andere Aspekte, die in diesem Kontext gut gemeint, aber nicht gut umgesetzt wurden.
      Ich finde, dass Ziel, Energie einzusparen und Energie sauber zu gewinnen, zunächst ja sehr gut. Aber wie bei der Energiewende auch hat man hier leider das Kind mit dem Bade asgeschüttet, so dass jetzt Verwerfungen entstanden sind, die niemandem gefallen. Aufgrund der geforderten Normen stehen hier viele allerdings vor einem echten Dilemma, welches es nun schrittweise aufzulösen gilt.
      Denn dass die aktuell am meisten genutzen Dämmsysteme auf Styroporbasis allenfalls noch eine Übergangslösung sind, dass ist auch bei dem glühensten Verfechter des Klimaschutzes mittlerweile angekommen. Nur kann man Innovation eben zumeist nicht direkt verordnen. Es müssen eben Systeme her, die die Eigenschaften des heutigen Systems teilen, was die Dämmwirkung angeht, die gleichzeitig leicht zu montieren sind, von der Kostenstruktur vergleichbar sind und eben ökologisch abbaubar bzw. leicht zu entsorgen sind und nicht entflammbar. Dieser Herausforderung muss sich die Industrie aktuell stellen, aber da ich das Gefühl habe, dass man sich in den letzten Monaten dieses Problems bewusst geworden ist, wird sich hier absehbar etwas ändern.
      Aber wir müssen uns da eben etwas gedulden. Und wie es Lösungen für die Zukunft gibt, wird es auch Lösungen geben für die Vielzahl an Bauten, die heute mit diesem alten System ausgestattet sind. Denn spätestens in 25 Jahren müssen diese ganzen Platten wieder runter. Aber auch hierfür wird man eine Möglcihkeiten finden, wie man es immer getan hat, wenn ein Problem offenkundig wird.
      Also etwas Gelassenheit und etwas mehr Optimismus und dann ist das Leben gleich viel angenehmer :D
      APH - am Puls der Zeit