Potsdam und seine historische Mitte

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      Beiträge zur Gloriette kann man hier finden. Es ist aber in den vergangenen Jahren sehr ruhig um dieses Projekt geworden. Das sowjetische Ehrenmal sollte nicht angetastet werden. Es hat Bestandsschutz. Also sollte das kleine Bauwerk ein Stückchen versetzt aufgebaut werden.

      Die Lücke zwischen beiden Häusern wird wohl bestehen bleiben. Diese Zufahrten kann man nach den Rekonstruktionen wieder überall bei den Eckgebäuden finden. Sie waren im Laufe der Zeit zugebaut worden, sollten aber eigentlich als Zufahrt bei Löscharbeiten dienen. Wie dann die Wand des Nachbarhauses gestaltet wird, werden wir noch sehen. Ich könnte mir vorstellen, dass der Besitzer des Nachbarhauses gegen einen "kleinen Obolus" vom Denkmalschutz die Wand verklinkern lässt ;) .
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      Meine Video-Sammlung: https://www.youtube.com/user/MrPotsdamfan/videos
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      "Münchner", ich verstehe Deine Aussage nicht. Soll das eine Kritik an dem Vorhaben sein? Auch das von "Potsdam-Fan" gezeigte historische Vorbild hat ja nicht an die Brandwand des Neben-Hauses angeschlossen. Eine "Gasse" bestand auch in dieser Situation. Auch die Achsen des Neubaus sind die gleichen wie im Beispiel von "Potsdam-Fan". Und ob nun die Brandwand des Nebengebäudes mit Klinkersteinen verkleidet wird oder nicht, dürfte vom Eigentümer dieses Hauses abhängen (oder einem eventuellen Angebot des Bauherren). Verklinkert werden kann sie technisch natürlich. Warum auch nicht?

      P.S.: "Potsdam-Fan" ist mir mit der Antwort zuvorgekommen.
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      Heimdall schrieb:

      Soll das eine Kritik an dem Vorhaben sein?
      Nein, sicher keine Kritik an dem Vorhaben, das ich selbstverständlich befürworte. Ich finde die Situation mit der glatten weissen Wand dahinter nur ein wenig schade. Angeschlossen hätte das Ganze noch schöner gewirkt. Wenn der Nachbar diese Wand tatsächlich verklinkert dann sieht es natürlich gleich besser aus.
      " Dem Wahren, Schönen, Guten "
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      Danke, Potsdam-Fan, für das lichtvolle Foto der Ecke Molkte- und Junckerstraße! Hier sieht man, dass die Potsdamer Denkmalpflege in diesem Fall offenbar nichts anbrennen läßt und eine weitestgehende Wiederherstellung der Fassade vor der Zerstörung bestimmt. Im Detail werden wir uns sicher noch in der Bauphase unterhalten.

      Lustig finde ich dass keiner bemerkt, dass die beiden Häuser Juncker- bzw. Gutembergstraße 69 und 70 ebenfalls Rekonstruktionen sind, allerdings schon zu DDR-Tagen. Beide Häuser haben eine Garageneinfahrt und ein Natursteingewände an den Eingangstüren - beides passt eigentlich nicht ins Holländischer Viertel. Trotzdem fallen beide kaum auf, da die Fassade aus alten Steinen aufgemauert wude als noch keine EnEv unser Stadtbild versaute.

      Die Gutenbergstraße 75 ist im übrigen auch eine vollständige Rekonstruktion, allerdings erst nach 1990 durch einen lokalen SPD-Politiker. In späten Tagen der DDR ist vom Potsdamer Architekten Christian Wendland auch die Mittelstraße 4 rekonstruiert worden. Allerdings hat Wendland sein Engagement für die historische Bausubstanz und seine lose Klappe (Wendland ist gebürtiger Berliner) mit DDR-Knast bezahlt. Ich fotographiere mal die Rekos des Holländerviertels - das lohnt sich, sich näher anzuschauen.

      Urlaub in Orlando oder Paris habe ich nicht geplant. Ich wüsste auch nicht, was einem ein dortiger Aufenthalt bezüglicher der Potsdamer Bauprojekte vermitteln könnte.
      „Wer sich der Vergangenheit nicht erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“ George Santayana (1863-1952), US-amerikanischer Philosoph spanischer Herkunft
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      Bei dem rechten Haus gibt es wahrscheinlich eine Dämmung, die dann überputzt und gestrichen wurde. Beim linken Haus, mit den Graffitis, liegt der Anstrich sicher schon länger zurück, als man an eine Reko des Lückenbaus noch nicht dachte. Ist zwischen den beiden Häusern nicht ohnehin ein Tor vorgesehen, so dass man eine Zufahrt hat und auch das kleine Fenster nicht betroffen wäre? Diese Lücke gibt es doch im Holländischen Viertel mehrfach.
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      Bei der "Lücke" handelt es sich um eine Brandgasse, wie sie in der gesamten Neustadt vorgeschrieben wurden; teilweise wurden sie später zugebaut, teilweise sind sie in den Straßen der Potsdamer Neustadt bis heute erhalten.
      Bitte meine Beiträge aufmerksam lesen, dann kommt es nicht zu Missverständnissen. Eine Rekonstruktion muß zwingend so nah wie möglich am verlorenen Vorbild orientiert sein, sonst ist es keine Rekonstruktion mehr (Fremdwortfreunde aufgepasst: "Wiedererrichtung"), sondern eine mehr oder weniger freie Nachschöpfung (vulgo "Disneyland"). Also kein Giebelchen auf das Dach, auch wenn es einem noch so gut gefällt... es sei denn, das gab es früher schon.
      Jetzt alles klar?
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      Ja, aber Du weißt, dass der Begriff "Disneyland" stets als Keule bzw. "Argument" gegen die Rekonstruktionsbewegung verwendet wird. Und, noch weitergehend, er ist ein modernistischer Kampfbegriff auch gegen traditionelle Architektur generell. Deshalb ist seine Verwendung problematisch.
      Gehen wir mal von diesem Fall weg, sondern denken uns eine andere Baulücke, von deren früherer Bebauung keine alten Pläne, sondern nur zwei verschwommene, kleine Fotografien erhalten wären. Weshalb ist eine Nachschöpfung im traditionellen Geist (Mit "Giebelchen") ein (negativ behaftetes) "Disneyland", wenn aber einer stattdessen einen Glas- oder Wärmedämm-Kubus auf das Grundstück setzt, ist es keines, sondern offenbar architektonisch "korrekt"?
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      Die Bezeichnung Disneyland wird in der Regel von solchen Gegnern immer wieder gern in den Mund genommen die nicht viel von Architektur verstehen. Denn wüssten sie den Unterschied zwischen Disneyland und baukünstlerisch hochwertig gefertigten Rekos würden sie so nicht reden.
      Denn der Unterschied zwischen Disneylandgebäude und historischen Rekos sind die,das Disneyland
      Phantasiegebäude sind die es so nie gab,im Gegensatz zu Rekos nach historischen Plänen (wenn auch mit kleinen Abweichungen)die wiederaufgebaut werden.Also kann daher die dann neuaufgebaute GK,das Barberini
      Frauenkirche DD, Braunschweiger Schloss usw. niemals Disney sein.
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      Auch eine freie Nachschöpfung muss nix mit einem Freizeitpark zu tun haben, wenn sie gut gemacht ist. Siehe die meisten historistisch romantisch neu aufgebauten Burgen an Rhein und Co.
      Basis guter Architektur nach Vitruv:
      Schönheit ۩ Nützlichkeit ۩ Stabilität
      Schönheit wird von zu vielen Architekten ignoriert.
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      Konstantindegeer schrieb:

      Danke, Potsdam-Fan, für das lichtvolle Foto der Ecke Molkte- und Junckerstraße!

      Das Foto stellt, so wie von mir beschrieben, die Ecke Mittelstraße - Moltkestraße dar. Sollte es die Ecke Junkerstraße sein, dürfte sich links keine Bebauung mehr befinden. Dort wäre natürlich der Bassinplatz...
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      Ich weiß sehr genau, in welchem Sinne das Wort "Disneyland" benutzt wird. Und in genau diesem Sinne habe ich es gemeint. In diesem Fall weiß man nämlich genau, wie das Vorgänger-Gebäude ausgesehen hat. Wenn man trotzdem aus einer Dachgaube ein Giebelfenster machen will, weil es einem so besser gefällt, dann ist das eben unhistorisch, subjektiv und Disneyland.
      Ganz anders sieht es selbstverständlich aus, wenn man keine genauen Pläne des Vorgängergebäudes hat. In solchen Fällen habe ich überhaupt nichts gegen freie Nachschöpfung. Das ist dann auch kein Disneyland.
      Was die Burgen am Rhein angeht, die sind zu einer Zeit errichtet worden, als man es noch nicht besser wusste. Es sind Rekonstruktionen mit den Mitteln und den Kenntnissen der Zeit - und mittlerweile Kunstwerke aus eigenem Recht. Mit Rekonstruktionen aus dem Jahr 2018 sind sie nicht wirklich vergleichbar.

      Gerade weil Rekonstruktionen in vielen Kreisen so umstritten sind, müssen sie möglichst objektiv dem Vorgängerzustand entsprechen, wenn sie vor dem Fachpublikum bestehen sollen. Der subjektive Geschmack ("hier ein Türmchen, da ein Türmchen") ist eben immer subjektiv und der Tod für jede seriöse Rekonstruktion.
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      UrPotsdamer, das ist doch Unsinn. Der originale Bau hatte gar keine Dachgaupe oder Giebelfenster. Es handelt sich um spätere Hinzufügungen. Zudem ist das Dach eine Nutzschicht des Hauses, selbst bei originalen Bauten eben nicht das originale. Warum sollte man jetzt die letzte Version wiederherstellen und nicht frühere?

      Und: in Potsdam ist eben genau deshalb von der Denkmalpflege der Begriff des "Erinnerungsbaus" geprägt worden. Stadtkonservator Kalesse:
      "Eine Erinnerungsarchitektur ist ein Ausdruck aktuellen Bauens, welche am originalen Standort eines materiell weitgehend untergegangenen Bauwerks durch Rückgewinnung bzw. Bezugnahme auf wesentliche Gestaltungselemente der verlorenen Architektur an diese zu erinnern versucht, ohne sie zu kopieren. Dabei hängt einerseits der erzielbare Näherungswert an das Original von der Überlieferungsqualität und -menge ursprünglicher Dokumente, zeichnerischer, schriftlicher, fotografischer und baulicher Art, ab. Andererseits kann in den meisten Fällen nur eine den aktuellen Nutzungsbedürfnissen und den aktuellen Baunormen angepasste neue Architektur entstehen und so ist eine Rekonstruktion im klassischen Sinne von vornherein weitgehend ausgeschlossen und wird auch gar nicht erst angestrebt.

      Die Erinnerungsarchitektur legt Zeugnis dafür ab, wie verlorene historische Gestaltqualitäten zur Rückgewinnung bzw. Reparatur eines größeren Bauensembles in die aktuellen Daseinsformen einer Stadt oder anderer baulicher Zusammenhänge gelingen kann.
      Die Grenzen zur Rekonstruktion können dabei allerdings fließend sein und hängen in ihrem Gelingen von den politischen, rechtlichen und ökonomischen Grundvoraussetzungen ab.


      Mit Hilfe der Erinnerungsarchitektur kann an frühere künstlerische Qualitäten und auch an die Tragik ihres Verlustes erinnert werden. Sie kann auch als eine Art von Modell 1:1 verstanden werden, um durch die haptische Erfahrung eine frühere Erscheinungsform architektonischer Zusammenhänge besser verstehen zu können und sie somit nachvollziehbar zu gestalten. Der Übersetzungsfaktor von Alt zu Neu spielt also eine wesentlich größere Rolle in einem derartigen Prozess als die akribische wissenschaftlich abgesicherte Wiederholbarkeit einer verlorenen Form."
      „Wer sich der Vergangenheit nicht erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“ George Santayana (1863-1952), US-amerikanischer Philosoph spanischer Herkunft
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      1. Ich weiß, was ein Erinnerungsbau ist - nicht zuletzt weil du immer wieder die Definition nach Kalesse zitierst. Es handelt sich hier aber nicht um einen solchen Erinnerungsbau, sondern um eine Rekonstruktion, und dafür gelten nun einmal andere Regeln.
      2. Genau diese Dachgaube existiert beim vorhandenen Pendant am anderen Ende der Häuserzeile. Es ist nicht völlig abwegig, zu vermuten, dass es sich dabei um einen Teil des Originalplans handelt - zumal eine solche Gaube sehr gut zur Formensprache der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts passt.
      3. Dachfenster und Dachgauben sind keineswegs ein zu vernachlässigendes Detail, sollen können durchaus wesentlicher Bestandteil des Originalplans sein. Definitiv hat es im Originalplan keinen Giebel gegeben, wie es ursprünglich hier aus (subjektiv) ästhetischen Gründen gefordert worden war.
      4. Generell schätze ich Deine Beiträge sehr, lieber Konstantin, und bewundere Deinen Einsatz für die Wiederherstellung des historischen Stadtbild von Potsdam. Gar nicht schätze ich es, wenn meine Meinung als "Unsinn" bezeichnet wird. Ich bin Kunsthistoriker und habe über ein Thema der Barockarchitektur meine Magisterarbeit geschrieben, würde mich also durchaus als Experten bezeichnen. Hast Du noch stärkere Argumente als die bereits vorgebrachten, um meine fachliche Meinung als "Unsinn" abzuqualifizieren?
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      Muss man eigentlich aus allem und jedem eine Wissenschaft machen?

      Das Landtagsschloss ist auch alles andere als eine exakte Reko (Dimensionen, zusätzliches Geschoss und andere Verunkulkungen).

      Das Eckgebäude, das nun erfreulicherweise kommt, wird vor allem klassisch-traditionell aussehen und sich gut einfügen und ich denke, das wird wohl das Hauptkriterium sein. Ob nun bei diesem klassischen Neubau eine Gaube oder Giebel dazu kommen darf oder nicht, sollte im Ermessen des Bauherrn liegen, der schon allein mit diesem vorgelegten Entwurf bewiesen hat, das er ein Gespür für Potsdam hat. Das Aph ist ja nicht nur ein Forum für Rekos, sondern auch für traditionelle Architektur und dorthin verorte ich einmal das geplante Gebäude.

      Nur meine Meinung und ich akzeptiere aber auch Urpotsdamers Zugang, wobei für mich Architektur keine exakte Naturwissenschaft ist, wodurch erst unsere herrlichen Stadtbilder von einst möglich wurden. Erst die Bauhausideologie sieht in all den Formen und Ornamenten etc ein „Verbrechen“. Schön zu sehen, dass es immer mehr Beispiele gibt, die diese Ideologie links liegen lassen.
      "Lieber Gott, schütze uns vor Dreck und Schmutz,
      vor Feuer, Krieg und Denkmalschutz!"
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      Danke ExilWiener, genau meine Meinung.
      Diese ständige Angst vor "Diskreditierung" hemmt auch. Sie nimmt Gestaltungskraft, welche u.a. die Gründerzeit mit ihren vielfältigen Zugangsformen zu früherer Architektur so schaffensreich machte.

      Wenn wir da wieder hin wollen, dass klassische Architektur wieder Alltag und Selbstverständlichkeit wird, müssen die Dogma-Scheuklappen von Denkmalschutz a la Dehio und Co. runter.
      Basis guter Architektur nach Vitruv:
      Schönheit ۩ Nützlichkeit ۩ Stabilität
      Schönheit wird von zu vielen Architekten ignoriert.
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      Konstantindegeer schrieb:

      Hast Du zufällag auch die Ecke, die neugebaut wird im historischen Bild?
      Ich suche seit Tagen nach einem passenden Bild. Bisher habe ich nichts gefunden, was aussagekräftig genug wäre. Also muss wieder mal ´ne Notlösung her:

      Die Aufnahme bietet allerdings auch was Überraschendes: Die Ecke Moltkestraße/Junkerstraße war gar nicht mehr original bebaut bzw. das Haus wurde baulich stark verändert. Umso mehr ein Grund, nach historischen Fotos zu suchen.



      Ausschnitt

      Quelle: private Sammlung, um 1930 (?)
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      erbse schrieb:

      Danke ExilWiener, genau meine Meinung.
      Diese ständige Angst vor "Diskreditierung" hemmt auch. Sie nimmt Gestaltungskraft, welche u.a. die Gründerzeit mit ihren vielfältigen Zugangsformen zu früherer Architektur so schaffensreich machte.
      Nun ja, es ist eben dialektisch. Klar geht diese ständige überzogene Kritik der Modernisten mit "Disneyland" auf den Geist. Auf der anderen Seite hilft aber diese "ständige Angst vor 'Diskreditierung' ", dass bei uns Rekos oder traditionelle Neubauten - sofern denn welche gebaut werden - relativ stimmig gebaut werden. Wenn man diesen Druck nicht hat, dann schauts halt aus wie in Russland. Dort kann man von Königsberg bis nach Sibirien überall diesen Kitsch der nouveau riche anschauen.

      Wenn man jetzt einen Giebel auf der Türachse bauen würde, der in Form, Materialität und Ästhetik den Giebeln auf den anderen Holländerhäusern entsprechen, mag es womöglich nicht der Originalentwurf sein, Disneyland ist es deswegen aber auch noch lange nicht. Wie überall sollte man die Gebäude als Glied im Ensemble betrachten, und stören würde so ein Giebel doch nicht wirklich, wenn er sich einfügt. Es ist halt auch eine Frage der Nutzung. Freilich sind solche Entscheidungen oft ein schmaler Grat.
      Soll es eine "archäologische Rekonstruktion" sein, dann darf man natürlich keinen Jota vom Originalentwurf abweichen um es so authentische wie möglich zu haben. Das soll es aber offensichtlich sowieso nicht werden.
      Die Moderne verleugnet ihre Herkunft, weil sie fürchtet, die Auseinandersetzung mit ihr könnte sie überfordern - oder ihr gar ihre eigene Banalität vor Augen führen. — Dr. Melanie Möller
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      Danke für die Bilder. UrPotsdamer: ich möchte gar niemend diskreditieren. Ich streite nur ab, dass es sich bei dem Holländerhaus um eine "Rekonstruktion" handelt. Im Sinne Kalesses ist es nunmal ein Erinnerungsbau, so sieht es zumindest die Denkmapflege selbst.

      Wenn es eine "Rekonstruktion" wäre begänne ja die Diskussion noch ganz anders, da es für "Rekonstruktionen" - anders als von Dir aus kunsthistorischer Sicht insinuiert - eben keine einheitlichen Regeln gibt. Die Mehrheit der Denkmalpfleger ist, mit Verweis auf die Charta von Venedig, generell gegen jede Rekonstruktion ganzer oder wesentlicher Teile von Bauten. Wenn überhaupt, in begründeten Ausnahmefällen, überhaupt Rekos zulässig sind, dann generell der letzte Zustand vor der Zerstörung. Dies bedeutete hier, siehe Post #2318 von Potsdam-Fan, die Wiederherstellung eines gründerzeitichen Baus.

      Die Minderheitenfraktion in der Denkmalpflege, zu der der Potsdamer Stadtkonservator gehört, sieht das anders. Mit der Defintion des "Erinnerungsbaus" befreit sich Kalesse aus der dogmatischen Diskussion indem er sich auf die "Rückgewinnung bzw. Bezugnahme auf wesentliche Gestaltungselemente der verlorenen Architektur" beschränkt. Er ergänzt ja zurecht: eine "eine Rekonstruktion im klassischen Sinne [wird] von vornherein weitgehend ausgeschlossen".


      Ich persönlich halte es mit der Gesttaltungssatzung für Potsdam von 1925. Hier steht, da Rekonstruktion bzw. Rückbauten von gründerzeitlichen Bauten durchaus zulässig sind. Rekonstruiert werden sollte stets der "Zustand der höchsten künstlerischen Ausprägung", was natürlich erneute Interpretationsspielräume aufmacht.


      In summa muss man Festhalten, dass es eben keine einheitlichen "Regeln" für Rekonstruktionen gibt. Insofern ist eben auch "Unsinn" zu behaupten die Gaupe, die bei einem anderen Haus noch sichtbar ist, müsse unbedingt auch auf den Nachbarbau weil diese "wahrscheinlich" auch da auf dem Dach war. So kam ich zu den Aussage.
      „Wer sich der Vergangenheit nicht erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“ George Santayana (1863-1952), US-amerikanischer Philosoph spanischer Herkunft