Das Dresdner Schloss

    • SchortschiBähr schrieb:

      Selbst die heutige Lösung scheint mir angemessen:
      Na, ob sowas wesentlich besser für den Schloßhof in Dresden wäre, wage ich zu bezweifeln:

      upload.wikimedia.org/wikipedia…_Berlin_Lichthof_1908.jpg

      Irgendwo zwischen Spinnennetz und Dach einer Großgarage:

      upload.wikimedia.org/wikipedia…age_Hinsch_G3_LfD0764.jpg

      Die Dredner Lösung erscheint mir hingegen recht elegant.
      "Schönheit wird die Welt retten" - Dostojewski
    • Ich kann die Kritik am "Kulka-Dach" nicht teilen.

      Meinem Kenntnisstand nach hatte die SKD ursprünglich den Plan, unter dem Großen Schlosshof ein zentrales Besucherfoyer zu erstellen. Dieses Vorhaben wurde nicht zuletzt aufgrund des enormen Substanzverlustes fallen gelassen, den diese Maßnahme induziert hätte. Blieb also nur noch der Kleine Schlosshof, den man nun überdachen musste.
      Eine flache Überdeckelung auf Höhe der Trauflinie schied schnell aus, weil dadurch der Zusammenhang der Fassaden und Giebel gestört worden wäre. So kam nur noch die Firstlinie in Frage. Hier haben die Statiker meiner Ansicht nach eine recht elegante Lösung gefunden, die minimalinversiv mit der überkommenen Substanz umgeht, einen praktischen Nutzen bringt und sich auch aus ästhetischer Sicht sehen lassen kann.
      Wahre Baukunst ist immer objektiv und Ausdruck der inneren Struktur der Epoche, aus der sie wächst. Ludwig Mies van der Rohe
    • Sehe ich auch so wie Bilderbuch. Mir ist das bei meinem Besuch dort nicht negativ aufgefallen. Eher im Gegenteil. Es bildet doch ein wetterunabhängiges, atmosphärisch schönes Entree, das die Touristen in die richtigen Bereiche lenkt und wo sie mit Tickets und Informationen versorgt werden. . . was man bei dem (zeitweiligen) Andrang auch braucht.
      "Mens agitat molem!" "Der Geist bewegt die Materie!"
    • Unter Bezug auf meine kürzliche Spekulation zum Thema *Tag des offenen Denkmals - Georgenbau* muss ich Euch leider über eine Pressemitteilung des SIB von gestern informieren.

      SIB schrieb:

      „Tag des offenen Denkmals 2017“ in Dresden, Georgenbau nicht zugänglich

      Im aktuellen Programm der Landeshauptstadt Dresden zum bevorstehenden „Tag des offenen Denkmals“ am Sonntag, dem 10. September 2017, findet sich u.a. folgendes Angebot:
      Georgenbau (Residenzschloss)
      Schlossstr. 1,
      10:00 -16:00 Uhr, stündliche Führungen
      Der Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB) weist aus aktuellem Anlass darauf hin, dass es sich hierbei nicht um ein Angebot des Freistaates Sachsen, sondern um eine Privatinitiative im Außenbereich des Dresdner Schlosses handelt.
      Der Georgenbau des Residenzschlosses (Kleiner Ballsaal) ist weiterhin eine Baustelle und wird daher aus Sicherheitsgründen am „Tag des offenen Denkmals“ geschlossen bleiben und NICHT zugänglich sein.
      Mit dieser "Privatinitiative im Außenbereich des Dresdner Schlosses" ist offenbar das hier gemeint:
      *Ausstellungsstand im Tor zu Holz- und Stuckarbeiten im kleinen Ballsaal* (so formuliert im offiziellen Programm).
      Falls jemand morgen dort in die Nähe ist, wäre ich über Detail-Fotos von diesem Stand sehr dankbar (aufgestellt wird er sicher im ebenerdigen Durchgangsbereich).


      Ansonsten gibt es noch zu vermelden, dass das rotseidene Zimmer; 2. OG Georgenbau; hier ein Foto Klick
      schon bald seine endgültige Ausstattung als Siberwaffensaal erhalten wird.

      SKD schrieb:

      Zur Museumsnacht am 16. September 2017 wird mit dem Silberwaffensaal im teilrekonstruierten Rotseidenen Zimmer des Georgenbaus eine weitere neue Dauerausstellung der Rüstkammer im Residenzschloss eröffnet.
      Die gezeigten silbernen Paradeharnische sowie silberplattierten Rapiere und Dolche aus der Zeit um 1580-1610 wurden anlässlich bedeutender dynastischer Ereignisse für die sächsischen Kurfürsten und Prinzen sowie den Hofstaat geschaffen und zur Demonstration wirtschaftlicher Prosperität bei öffentlichen Aufzügen verwendet. Als kurfürstliche Festausstattungen knüpfen sie thematisch direkt an die Turnier- und Paradewaffen im Riesensaal an. Als Silberschatz bilden sie den sinnfälligen Auftakt zum Münzkabinett.
      In künstlerischer Sicht stellt der Silberwaffensaal eine überzeugende Leistungsschau der Goldschmiedekunst in der aufblühenden kurfürstlichen Residenz Dresden dar. Die beiden massiv silbernen Fußturnierharnische mit grandiosen antiken Historiendarstellungen, die Kurfürst Christian I. anlässlich der kurfürstlichen Taufe 1591 fertigen ließ, und das Prunkrapier mit einem ganz neuartigen Tiefschnittdekor für Herzog Johann Georg (I.) bilden hier die künstlerischen Höhepunkte.
    • Er möcht' vielleicht, daß das rotseidene Zimmer mit Dutzenden von Rüstungen, Schwertern, Lanzen, Hellebaren und Streitäxten vollgestopft ist und man vor lauter metallenen Gefunkel die rotseidene Tapete nicht mehr sieht, ... :thumbsup:
      Hm, freilich etwas mager besetzt, der Ausstellungsraum. Tut aber dem Raum an sich gut! Ist ja nicht die ganze Ausstellungsfläche, oder!?
    • Aus Anlass des Tages des Handwerks hatte die Handwerkskammer Dresden vor einigen Tagen zu einer Tour in der Landeshauptstadt eingeladen. Dabei wurden die aktuellen Wirkungsstätten von 3 exzellenten Handwerksfirmen besucht, die sich auf dem Gebiet der Restaurierung und Denkmalpflege betätigen. Eine davon war die Firma *Kunstschmiede Aurin*, die das Galeriegeländer für den Kleinen Ballsaalgefertigt hat. Auf der HP der HWK-Dresden heißt es dazu:

      hwk-dresden schrieb:

      Mit der originalgetreuen Rekonstruktion des 32 Meter langen Geländers im Kleinen Ballsaal des Residenzschlosses ist dem Unternehmen eine handwerkliche Meisterleistung gelungen. Das Geländer war eine besondere Herausforderung: Insgesamt 2.300 Arbeitsstunden investierten Aurin und seine Mitarbeiter von November 2016 bis Mai 2017 in die Rekonstruktion. Dafür wurden die zwölf Felder des Geländers komplett in einem CAD-Programm am Rechner nachgezeichnet und im Maßstab 1:1 ausgedruckt. Anschließend wurde das Geländer mithilfe von 2.104 einzelnen Gussteilen aus Zinkguss Millimeter für Millimeter rekonstruiert. Eine echte Sisyphus-Arbeit, die so auf den ersten Blick gar nicht zu erkennen ist, denn selbstverständlich trugen Aurin und sein Team Sorge, dass die Verbindungsstellen nicht mehr sichtbar sind. Die Montage des Geländers im Kleinen Ballsaal ist für Ende Oktober geplant.
      Quelle: https://www.hwk-dresden.de/Presse/detail/mit-high-tech-und-handarbeit-bewahrt-das-handwerk-das-historische-wertvolle-fuer-die-zukunft/id/10845

      Die Terminangabe im letzten Satz des Zitats lässt mich frohlocken. Denn das Galeriegeländer kann m.E. erst dann montiert werden, wenn zumindest die obere der beiden aktuell noch vorhandenen Arbeitsplattformen des Raumgerüsts abgebaut ist. Zur Verdeutlichung 2 Fotos. Besagte obere Arbeitsplattform sieht man im ersten Bild links oben. Klick

      Diese obere Gerüstfläche hat nicht allzu viel Höhenabstand zur Oberkante der Hohlkehle (und damit zum Montageniveau des Geländers). Hier zur gedanklichen Auffrischung nochmal die Visualisierung von Andreas Hummel (arte4D): Klick

      Die obere Arbeitsplattform muss also vor Montage des Geländers weg. Das wiederum ist aber erst zu erwarten, wenn sie nicht mehr erforderlich ist. Und das wiederum heißt, dass Ende Oktober die opulente Decke des Saales fertig sein dürfte (Vergoldung und Ausmalung).


      Hier noch 2 neue Fotos von dem Geländer:
      Klick
      Klick (das "richtige" große Foto mit vollständiger Ansicht des Geländerfeldes liegt leider hinter der Bezahlschranke)


      @george-orwell
      Also ich finde die Endgestaltung des Rotseidenen Zimmers doch recht edel. Mehr museale Exponate müssen hier nicht sein: Klick

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    • @ BautzenFan

      erst einmal dir wieder vielen lieben Dank für deine Infos, die du auch immer so perfekt aufbereitest und mit Bildern unterstützt, so das sich auch Nichtschlossexperten immer ein Bild vom aktuellen Baustand machen können.

      Ich möchte den Beitrag aber auch mal nutzen, um den ganzen kleinen Unternehmen zu danken, die mit viel Herzblut und Leidenschaft ein Spezialwissen und eine Handwerkskunst über die Zeit retten. Das sind Fähigkeiten, die heute leider kaum noch gefragt sind, die aber ein unschätzbares Kulturerbe darstellen.

      Ich kann mir vorstellen, wie sich diese Unternehmen - meist Familienunternehmen mit extrem langer Tradtion - von Ausschreibung zu Ausschreibung förmlich retten, die wissen, dass sie nie damit reich werden, was sie machen, aber trotzdem nicht aufgeben und somit ein Wissen am Leben halten, welches es so vielleicht kein zweites Mal mehr gibt. Ich denke, diesen Idealismus und diese Liebe zur Baukunst sollte man mal explizit herausstellen, weil dies in der heutigen Gesellschaft leider nur noch sehr selten ist.

      Daher hoffe ich, dass diese Projekte nun mehr werden, auch was die Rekonstruktion von Innenräumen angeht, da gibt es in Deutschland ja auch noch so einiges zu tun. Diese Unternehmen, welche ja in erster Linie auch sehr regionale Unternehmen sind, die tief in diesem Land verwurzelt sind, hätten es verdient, dass sich ihr Kampf gelohnt hat!
      APH - am Puls der Zeit
    • Ich habe eine sehr erfreuliche neue Ausschreibung entdeckt:

      SIB schrieb:

      Dresdner Schloss, Westflügel, historische Wiederherstellung
      Weißstuckarbeiten Ausstellung - Retiraden u. Bilderkabinette

      Weißstuck für 4 Räume als Tafelzug, Ortzug einschl. Ansetzarbeiten: Tafelzug, einfache Profilierung - ca. 600 m; Ortzug, Hauptsims und Hohlkehle R 90 cm - ca. 150 m, Plafond - ca. 210 m2, Einbauteile - ca. 50 Stück
      Beginn: 08.01.2018 Ende: 31.05.2018
      Dieser Auftrag kann verlängert werden: Nein

      Nachfolgend ein Auszug aus der Leistungsbeschreibung.

      SIB schrieb:

      Die im folgenden beschriebenen Maßnahmen dienen der Wiederherstellung der historischen Raumfassung des 18. Jahrhunderts im 2. Obergeschoss des Westflügels – der Paraderäume im Zustand von 1719.
      Die Rohbaukonstruktion (Wände aus saniertem Sandsteinquadermauerwerk, Decken und Stützen aus Stahlbeton) ist fertiggestellt. Die Fenster sind vollständig eingebaut.
      Der Ausbau im Erdgeschoss sowie im 1. Obergeschoss und im 3 . O bergeschoss ist abgeschlossen: im Erdgeschoss befindet sich das Historische Grüne Gewölbe, im 1. Obergeschoss das Neue Grüne Gewölbe. Das 3. Obergeschoss dient der Aufstellung und Installation der technischen Anlagen. Die vorgesehenen Räume haben bereits eine Abdichtung in der Fußbodenebene. Die Installation der technischen Anlagen ist vorbereitet. Die Räume im 2. Obergeschoss des Westflügels erhalten als Paraderäume wieder ihren historischen Ausbau [Anm.: dies sind Eckparadesaal, 1. Vorzimmer, 2. Vorzimmer, Audienzgemach und Paradeschlafzimmer]. Diese Paraderäume werden ergänzt durch vier weitere Räume, die mit einem reduzierten Ausbau in zeitentsprechender Formensprache wiederhergestellt werden. Diese ergänzenden Räume sind die 1. und die 2. Retirade auf der Seite des Großen Schlosshofes sowie das Kleine und das Große Bilderkabinett an der Südflanke zum Taschenberg.

      Die vorgesehenen Leistungen dienen der Herstellung der Teile der Raumarchitektur, die aus Weißstuck bestehen. Das betrifft den umlaufenden Hauptsims und die Hohlkehle und den Plafond.
      Die Radien der Kehlen in den Räumen sind unterschiedlich:
      - Radius 100 cm in Retiraden
      - Radius 90 cm in Bilderkabinetten

      Die folgenden Schnittdarstellungen verdeutlichen beispielhaft, was mit dem Passus *reduzierter Ausbau in zeitentsprechender Formensprache* gemeint ist (wie man dort sieht, bezieht sich *zeitentsprechend* auf die Zeit im frühen 18. Jhd.).


      Bildquelle: SIB, öffentliche Ausschreibung


      Bildquelle: SIB, öffentliche Ausschreibung


      Mit dem folgenden Link kommt man zu den Anlagen der Ausschreibung. Die Rissdarstellungen befinden sich in der ersten Datei der Liste: Klick


      Abschließend noch 2 Fotolinks von dem Galeriegeländer im Kleinen Ballsaal. Das erste Bild zeigt rechts die zur Wand gerichtete Seite, links – dies aber ziemlich undeutlich – die wesentlich filigraner gestaltete Innenseite (zur Saalmitte gerichtet). Letztere sieht man besser im 2. Bild rechts. Dass die beiden Seiten des Geländers so unterschiedlich ausschauen, ist natürlich nutzungsbedingt irgendwo logisch, das war mir aber vorher noch nie aufgefallen.

      Bild1
      Bild2

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    • Laut einer neuen Ausschreibung beginnen Ende November zwei weitere Baumaßnahmen im Turmzimmer (2. OG Hausmannsturm). Aktuell – und offensichtlich noch geraume Zeit –arbeiten dort die Künstler, die die Renaissance-Stuckdecke rekonstruieren. Und das erfolgt schon jetzt (VOR Beginn der neuen Maßnahmen) unter, na sagen wir mal gewissen erschwerten Bedingungen, denn durch das Turmzimmer müssen alle Materialtransporte für den Ausbau der Paradezimmer (oben auf der Arbeitsebene des Raumgerüsts filigrane, künstlerisch sehr anspruchsvolle Arbeit – unten Durchgangsverkehr). Für die weniger Ortskundigen hier noch einmal die Rissdarstellung, die man extra in diverse Ausschreibungen integriert hat (der Transportaufwand muss ja logischerweise in die Kalkulationen einfließen):


      Bildquelle: SIB (öffentliche Ausschreibung)


      Im Hinblick auf die jetzt anstehenden weiteren Maßnahmen wird aber nun der Bereich Turmzimmer zur logistischen Mega-Herausforderung. Eine ganz neue Ausschreibung verrät Folgendes (die Fettmarkierungen sind von mir):

      SIB schrieb:

      Dresdner Schloss, Nordflügel, 2. Obergeschoss, historisches Turmzimmer

      Erschütterungsfreier und wasserfreier Rückbau Spritzbetonschale - 35 qm
      Einbringen Edelstahlanker auf rückgebauter Fläche d=8mm - 31qm
      Verpressung mit Packerraster - 3000kg
      Erschütterungsfreier Abbruch Bestandsfußboden - 120 qm
      Einbau Bodenkanal S 235 - 16m
      […]
      Beginn: 28.11.2017 Ende: 13.08.2018
      Dieser Auftrag kann verlängert werden: Nein
      […]
      Im Turmzimmer des Dresdner Schlosses wurden in den 1990er Jahren im Zuge der Sanierung des Hausmannsturms auf die Innenseiten der raumumfassenden Wände eine mit Bewehrungsmatten bewehrte Spritzbetonschale eingebaut. Zusätzlich fand eine Querverspannung des Mauerwerks statt. (s. Erläuterung durch Statiker)
      Um die Raumgeometrie des Turmzimmers wieder herzustellen, muss ein Teil dieser Schale zurückgebaut werden. Als Vorbereitung der Arbeiten muss zunächst eine Staubschutzeinhausung inkl. Wasserschutz errichtet werden. Die Vorgehensweise für den Rückbau der Spritzbetonschale wurde durch den Statiker folgendermaßen definiert.
      1 . Sondierung der Lage der Anker
      2 . Händisches Freistemmen der Anker
      3 . Rücksetzen der vorstehenden Anker
      4 . Rückbau von Spritzbetonschale und Bestandsmauerwerk
      - Einschneiden mit genau definierter Tiefe des Schnittes
      - enges Schneidraster, Abbruch der entstehenden Stege oder Felder, planeben
      5 . Einbringen zusätzlicher dünner Edelstahlanker
      d = 6..8 m mim Raster von ca. 30/30cm
      6 . Verpressung des gesamten bearbeiteten Mauerwerksbereiches durch ein dichtes Packerraster
      7 . Herstellung einer neuen Wandschale (ca. 4 cm Spritzbeton mit Edelstahlmatte)
      Ein abschnittsweises Arbeiten nach Abstimmung mit dem Statiker ist erforderlich.
      […]
      Es ist unbedingt erforderlich, dass die Arbeiten staubfrei, weitgehend erschütterungsfrei und wasserfrei durchgeführt werden. Geräte mit Absaugung sind zwingend einzusetzen sowie eine zusätzliche Staubabsaugung des Arbeitsbereiches (Staubeinhausung) vorzusehen. Das Ziel dieser Maßnahme ist die Schaffung der nötigen Raumgeometrie für den Einbau der Wandverkleidung. Dabei soll der Substanzverlust so gering wie möglich gehalten werden. Mauerwerk und Oberfläche sollen nur in dem unbedingt erforderlichen Maß rückgebaut werden. Angrenzende Bauteile dürfen nicht beschädigt werden und sind ggf. fachgerecht zu schützen.

      Bei den Arbeiten sind folgende Randbedingungen zu berücksichtigen:
      - der Raum unterhalb des Turmzimmers ist in musealer Nutzung durch die Kunstsammlungen. Dort wird in einem komplett neu wiederhergestellten Raum Kunstgut präsentiert. Es herrscht Besucherverkehr, der durch die Baumaßnahmen nicht gestört werden darf.
      Im Turmzimmer selbst werden durch Künstler Arbeiten an der Decke ausgeführt. In Abstimmung mit dem Bauherren ist die Ausführung lärmintensiver Arbeiten zeitlich abzustimmen und vorzugsweise in den Schließzeiten des Museums auszuführen. Zu beachten ist die eingeschränkte Bewegungsfläche, da das Raumgerüst für die an der Decke arbeitenden Bildhauer im Raum verbleibt.
      Der auszustemmende Bodenkanal (die zweite der beiden Maßnahmen; dort sollen Medien verlegt werden) verläuft übrigens genau entlang des Laufwegs der Materialtransporte in Richtung Paraderäume, d.h.von Osttür zu Westtür.

      Tja, da wird wohl sehr viel Kollegialität bei allen Beteiligten erforderlich werden.


      Eine sehr erfreuliche Neuigkeit wurde gestern im DAF gepostet (vielen Dank auch an dieser Stelle an Elli Kny). Am Schloss steht ein neues Bauschild mit Informationen zu einer neuen Baumaßnahme: *Wiederaufbau Dresdner Schloss – Erdgeschoss Nordostflügel Gastronomie*. Das ist aber auch eine sehr gute Nachricht in Bezug auf den Großen Schlosshof, denn bekanntlich soll dieses Schlossrestaurant auch Außensitze erhalten (was wiederum die weitegehende Fertigstellung des Schlosshofes bedingt).
      Vor einiger Zeit hatte ich eine kleine Broschüre ergattert, in der der anfängliche Planungsstand von Kulka für den Ost- und Nordostflügel dargestellt ist. Dort fand ich es nun sehr interessant, dass demnach auch Außensitze im Bereich Schlossgasse vorgesehen sind (vorgesehen waren?). Eingetragen waren sie im Abschnitt zwischen Nordende Gotischer Halle und den beiden Türen im Ostflügel unmittelbar südlich des Georgentores:

    • Nachdem dort die „groben Gewerke“ schon seit einiger Zeit tätig sind, beginnen nun auch im Audienzgemach und im Paradeschlafzimmer die ersten „Feinarbeiten“. Es geht um die Maßnahme *Weißstuckarbeiten Hauptgesims* in den beiden Räumen.
      Der Leistungsumfang ist im Ausschreibungstext wie benannt:

      SIB schrieb:

      Beim Dresdner Schloss handelt es sich um ein denkmalgeschütztes Gebäude. Die Baumaßnahme Dresdner Schloss, Westflügel 2.OG Paraderäume beinhaltet die Wiederherstellung der historischen Raumfassung des 18. Jahrhunderts.
      Folgende Leistung ist dabei erforderlich:
      Weißstuck für 2 Räume
      Grobzug , Grau- und Feinzug - ca. 100 m
      Herstellung Abgussformen nach vorhandenen Modellen
      Abguss von Architravprofil, Kentaurenfries, Eierstabprofil, Karnies - ca. 350 m
      Ansetzarbeiten - ca. 350 m
      […]
      Ausführungsfristen
      Beginn der Ausführung: 27.11.2017
      Fertigstellung der Leistungen: 28.02.2018

      Für das Paradeschlafzimmer enthalten die Ausschreibungsunterlagen u.a. folgende Bilddokumente:


      Bildquelle: SIB (öffentliche Ausschreibung)


      Und hier zum Vergleich eine Teilansicht der schon vor Jahren hergestellten Musterachse:




      Und als Vergleich Nr. 2 eine Teilansicht von einem historischen Foto aus dem Farbdiaarchiv: Klick


      Das nächste Foto zeigt ein Detail vom Hauptgesims für das Audienzgemach:


      Bildquelle: SIB (öffentliche Ausschreibung)


      Und auch hierfür ein Vergleichsbild aus dem Farbdiaarchiv: Klick
    • Chris1988 schrieb:

      Das EG ist ja schon so gut wie fertig, da kann man ja wirklich dann mit der Hofpflasterung beginnen.

      Was ist das Weiße unterhalb des Fensters über dem Altan? Wird der Teil auch noch gestaltet?
      Ne, ne mein Lieber... da muss noch ne Menge Fabre dran. dies ist nur eine erste Untergrundfarbe, man wird den Altan noch weiter farblich differenzieren müssen - mit Rot und Gold und evtl. Marmorierungen denke ich. Die 1:1 Proben sind sicherlch noch nicht so weit, dassman nun mit der Umsetzung anfangen kann. Wie gesagt: Die Malereien sind seit 1701 weg, es gibt folglicherweise keine Vorkriegsfarbfotografien oder so mehr, wie bei den Innenräumen und man muss nunn prbieren, wie man die kleinen erhaltenen Da-Tola-Skizzen 1:1 in Farbe hinbekommt, so dass es nach 16. Jh. aussieht.
      Denkmalpflegerisch ein unglaublich verwegenes Unterfangen.....
      Hannover ist eine mittelmäßige Stadt, aber dort sind viele, die sich große Mühe geben, etwas Besonderes daraus zu machen.
      Dresden ist eine besondere Stadt, aber hier sind leider viele, die alles versuchen, etwas Mittelmäßiges daraus zu machen (M. Roth)
    • Ja, die Sächsische Denkmalpflege macht so was.
      Das geht aber wirklich nur unter maximaler, sehr zeitaufwendiger Auswertung sämtlicher zur Verfügung stehender Quellen und vor allem Analogiebeispiele.
      Hannover ist eine mittelmäßige Stadt, aber dort sind viele, die sich große Mühe geben, etwas Besonderes daraus zu machen.
      Dresden ist eine besondere Stadt, aber hier sind leider viele, die alles versuchen, etwas Mittelmäßiges daraus zu machen (M. Roth)
    • Neu

      Chris1988 schrieb:

      Wow, da ist ja schon Farbe dran. Sind denn die ganzen 1:1 Pappproben schon fertig? Ich dachte das zieht sich noch ein Jahr.
      Wie Oktavian schon ausführte, das sind offensichtlich alles noch Vorarbeiten. Zur Erinnerung des Zeitplanes hier ein Auszug aus einem Interview, das Matthias Zahn (einer der ausführenden Künstler für die Altan-Ausmalung), im Januar 2017 im mdr gegeben hatte:

      mdr schrieb:

      Reporterin:
      Die Vorarbeiten dafür sind ja abgeschlossen, wann geht’s richtig los und wann sollen die biblischen Figuren draußen an der Hauswand erstrahlen?

      Matthias Zahn:
      Na die Vorarbeiten sind noch nicht abgeschlossen. Wir sehen jetzt das 1:10-Modell, das muss noch farbig gemacht werden. Da müssen noch viele Details erarbeitet werden. Dann müssen die Kartons gemalt werden. Das heißt wir wollen 1:1 malen. Das sind dann pro Etage teilweise Bildfelder von fast 20 m Länge und 5 m Höhe. Und wenn das dann geschehen ist und wir noch einige Putzproben an der Fassadegemacht haben dann kann es losgehen. Wir denken, dass es Ende 2018 / Anfang2019 beginnen kann.
      Hier ein anderes Beispiel für solch ein 1:1-Modell (vom Zwischenflügel Nord = Südflügel Großer Schlosshof): Klick
      untertitelt: "Reiner Tischendorf bei der Arbeit an den Entwürfen (Maßstab 1:1), die schließlich zur Übertragung mittels Lochschablone an die Fassade dienen"


      Chris1988 schrieb:

      Was ist das Weiße unterhalb des Fensters über dem Altan? Wird der Teil auch noch gestaltet?
      Die Frage bezieht sich auf folgendes Foto von RobBerg:



      Diese weißen Streifen existieren schon 8 Jahre. Anhand der beiden folgenden Fotos kann der Zeitpunkt ihrer „Geburt“ recht genau eingegrenzt werden: Herbst 2009. Es war die Endphase des Wiederaufbaus des Altans.

      15. Sept.2009: Altan im Wiederaufbau (wobei das dafür erforderliche Gerüst sukzessive mit wuchs) – Streifen noch nicht da: Klick

      November 2009:Altan unmittelbar nach Abbau des Gerüsts – die Streifen sind da: Klick

      Es handelt sich bei den Streifen also nicht um neuere Aktivitäten – dann hätte man mit gewisser Berechtigung vermuten können, dass hier aktuell „was läuft“. Und damit meine ich Vorbereitungsarbeiten für die Bemalung des Turmschaftes. Dass es freilich überhaupt Farbtests für eine angedachte Bemalung sind (nur eben keine aktuellen), erscheint mir sehr schlüssig, was sollte es sonst sein? Der Schaft des Hausmannsturms ist steinsichtig, warum sollte man hier 2 weiße Streifen anbringen?
      Nun ist im Zusammenhang mit dem Realisierungszeitpunkt der Streifen (Herbst 2009) noch ein anderes Datum zu erwähnen. Im Mai 2010 (also etwa ein halbes Jahr später) fand ein hochkarätig besetztes Kolloquium zur Gestaltung des Großen Schlosshof incl.der Hoffassaden statt. Dieses Gremium muss man sich allerdings nicht als letzte Entscheidungsinstanz vorstellen. Im Ergebnis des Kolloquiums wurden Empfehlungen ausgesprochen. Es wäre doch gut möglich, dass die Farbtests am Hausmannsturm in die betreffenden Fachdiskussionen einfließen sollten. M.E. ging es dabei übrigens nicht um die Testung von Farbtönungen, sondern wohl um Tests der Untergrundbehandlung und Farbhaftung (u.ä.). Die Malereien an der Altanrückwandwerden ja bekanntlich in Fresko-Technik ausgeführt (Einbringung der Farbe in den frischen Putz). Am – wie schon erwähnt steinsichtigen - Turmschaft ist diese Technik natürlich nicht zu erwarten, was die Notwendigkeit separater Tests erklärt.

      An dieser Stelle ein Schwenk zu den Modellansichten von der Nordfassade, hier noch einmal der Link: Klick

      Ich habe leider nie in Erfahrung bringen können, ob es sich bei dieser Visualisierung um das Ausführungsmodell handelt (also ob das tatsächlich in allen Details so kommt), oder ob es ein „nur“ ein Anschauungsbild für die endgültige Entscheidungsfindung darstellt. In Bezug auf den Großen Schlosshof gibt es einen zweiten Bereich, dessen Endgestaltung noch offen ist (mit *offen* meine ich, was einschlägige Verlautbarungen und damit meinen Kenntnisstand betrifft) – das Portal der Schlosskapelle. Das oben genannte Kolloquium (Mai 2010) erbrachte hierzu die Aussage, dass weiterer Untersuchungs- und Diskussionsbedarf besteht (hinsichtlich eventueller? Farbfassung und eventueller? Teilvergoldung).
      Vermutlich werden wir aber spätestens 2018 wissen, was nun für den Turmschaft angedacht ist. Denn der Altan soll ja nach jetzigem Kenntnisstand Ende 2019 fertig sein. Ich kann mit wirklich nicht vorstellen, dass man erst NACH Fertigstellung des Altans mit der Ausmalung des Turmes beginnt (und dann die schönen Fresken wieder für längere Zeit mit einem Gerüst zustellt. Falls man also nicht in absehbarer Zeit am Altan ein höheres Gerüst aufbaut, dürfte klar sein, welche Entscheidung gefallen ist.