Das Dresdner Schloss

    • BautzenFan schrieb:

      Kommen werden sie, aber nicht als historische Rekonstruktion
      Halle Anne,
      na diese Angabe reicht mir schon. Ich hörte von einem prominenten Restaurator vor Jahren, dass man diese 4 Räume mangels sehr exakter Dokus immerhin aber doch annähernd rekonstruieren will. D.h. Sockel nach Fotos, glatter Stuckplafond mit Gesims und Kehle nach Analogie, Seidentapeten, Bilder (die man wohl aus Inventaren kennt und noch da hat) dran.
      Was anderes wäre schlecht denkbar, wenn man den nicht gaz üble Brüche dort erzeugen wollte......
      Hannover ist eine mittelmäßige Stadt, aber dort sind viele, die sich große Mühe geben, etwas Besonderes daraus zu machen.
      Dresden ist eine besondere Stadt, aber hier sind leider viele, die alles versuchen, etwas Mittelmäßiges daraus zu machen (M. Roth)
    • Die SKD haben vor kurzem ihre HP aktualisiert und dort findet sich nun folgende Information zu den Bilderkabinetten:

      SKD schrieb:

      Den Höhepunkt des Rundgangs bilden das Paradeappartement mit dem Audienzgemach und dem Paradeschlafzimmer Augusts des Starken, die Königliche Garderobe in den Retiraden sowie die Königliche Statua mit dem polnischen Krönungsornat Augusts II. und Zeugnisse der polnischen Krönung Augusts III. in den Bilderkabinetten.
      Die Königliche Statua mit dem polnischen Krönungsornat Augusts II. hier in 2 Vorkriegsaufnahmen (August der Starke, als polnischer König genannt August II., als Kurfürst von Sachsen Friedrich August I.):
      Profilansicht
      Frontalansicht

      Diese Garderobe trug August bei den Zeremonien in der Kathedrale des Krakauer Wawel am 15. September 1697.

      www.qucosa.de schrieb:

      Der neu gewählte König hatte sein Krönungsgewand mit Harnisch sowie schwerem pelzverbrämten Mantel selbst entworfen. In den Händen hielt er Zepter und Reichsapfel, auf dem Haupt trug er die polnische Königskrone. Das Ornat geriet so schwer, daß Friedrich August Mühe hatte, die Krönungszeremonie zu überstehen.
      Während der Jubiläumsausstellung *August der Starke und seine Zeit* (1933, zum 200. Todesjahr des Herrschers) hatte man die Königliche Statua im Eckparadesaal platziert, hier der Blick durch die Tür des Bankettsaales (=Propositionssaal): Klick

      Bleiben wir noch kurz beim Eckparadesaal. Der nordwestliche Eckbereich des Schlosses (konkret der Eckparadesaal und das südlich angrenzende 1. Vorzimmer) war meines Wissens der einzige Sektor des Schlosses, wo die Geschossdecke zwischen 1. und 2. OG noch vorhanden war (eventuell mit Ausnahme des Südflügels am Taschenberg). Im nächsten Foto, aufgenommen 1980) blicken wir auf die Südwand des Eckparadesaales (das ist die Wand mit den Ofennischen). Der Durchgang rechts führt in das 1. Vorzimmer (Fußboden vorhanden), der Durchgang links in die nördliche der beiden Retiraden (Fußboden weg): Klick

      Und hier noch ein Foto des 1. Vorzimmers, ebenfalls von 1980. Es wurde mit Blickrichtung nach Süden aufgenommen – durch die Türen der zwingerseitigen Raumfolge der Paradesuite. Die Mauer links im Bild gehört zu der 1,2 m breiten Mittelmauer des Westflügels, die 1986 vollständig abgebrochen worden ist (außer im EG): Klick

      Das Foto belegt übrigens auch, dass die Eingangstür in die Wendeltreppe (kürzlich in einem Beitrag behandelt) nicht nur verkleidet, sondern augenscheinlich zugemauert war (man beachte die linke Raumecke). Der schon mal verlinkte Grundriss von 1719 zeigt, dass die Treppe im frühen 18. Jahrhundert noch existierte, den Eingang allerdings hatte man zu dieser Zeit schon verlegt: Klick
    • Ich habe mir vorige Woche die neue Dauerausstellung über die Renaissancemode im Schloß angesehen- einfach herrlich! Natürlich war mein Augenmerk auch auf die Räumlichkeiten gerichtet. Der fast ruinöse Gardesaal hat doch mehr Flair, als ich dachte. Die wenigen Stuckreste sind sehr gekonnt in die Wand- bzw. Fensterbögenarchitektur eingebettet, auch das rohe unverputzte Mauerwerk beeindruckt. Es erinnert an die furchtbare Bombennacht und zeigt deutlich, w a s alles verloren ist. Auch der Blick in den Schloßhof ist überwältigend, kann die Eröffnung dieses wunderschönen Schloßhofes kaum erwarten, er ist ja in Dresden fast unbekannt, leider. Durch die ständige Erweiterungen des Ausstellungsbereiches im Schloß wird er aber immer mehr einem breiterem Publikum zugänglicher.
      In der Architektur muß sich ausdrücken, was eine Stadt zu sagen hat.
      Eine Stadt muss ihren Bürgern gefallen, nicht den Architekten

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    • Wer sich in natura den Altan noch einmal im unverputzten Zustand anschauen (und evtl. fotografisch dokumentieren) will, sollte das bald tun - in wenigen Wochen startet die Bauleistung: * Ausgleichsputz Fresko Altan*. Ich verstehe das so, dass damit erst mal eine ebene Fläche im Bereich des Freskos geschaffen wird. Aktuell sieht das ja noch so aus:


      eigenes Foto

      Hier in Gesamtansicht und in besserer Auflösung (kein eigenes Foto):
      upload.wikimedia.org/wikipedia…tan-Residenzschloss-1.jpg
      Nach dem Öffnen des Bildes unbedingt vergrößern (einfach draufklicken), dann sieht man im 2. OG des Altans (dort rechter Bereich) eine schon als Test angebrachte Entwurfszeichnung).

      Hier noch der Ausführungszeitraum der genannten Bauleistung:
      Fertigstellung der Leistungen bis: 30.06.2017
      ggf. Beginn der Ausführung: 05.06.2017

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von BautzenFan ()

    • Ja, das ist natürlich nur der Unterputz. Die eigentlichen Freskoarbeiten kommen ja erst frühestens in einem Jahr dran bzw. müssen ja erst noch künstlerisch entwickelt werden.
      Hannover ist eine mittelmäßige Stadt, aber dort sind viele, die sich große Mühe geben, etwas Besonderes daraus zu machen.
      Dresden ist eine besondere Stadt, aber hier sind leider viele, die alles versuchen, etwas Mittelmäßiges daraus zu machen (M. Roth)
    • In Bezug auf das kürzlich verlinkte Foto Klick
      hatte ich vermutet:

      BautzenFan schrieb:

      Ich weiß nun leider nicht, wann das Foto geschossen wurde. Aber aktuell dürfte man noch ein Stück weiter sein. Ich erinnere an den Ausschreibungstext für die Leistung "Kleiner Ballsaal, Anstriche und Vergoldungen Decke". Dort hieß es: Fertigstellung bis 15.03.2017.

      Man ist weiter (Fotos sind gestern eingestellt worden - dürfte also der ganz aktuelle Stand sein):
      Klick
      Klick
      Klick

      Die Überschrift zu den Fotos in der Originalquelle: "Was für ein gewussel hier, aber derZeitplan drückt kräftig" (Man beachte die ursprüngliche Terminangabe des AG *15.03.2017*).
    • Wahnsinn! Vielen, vielen Dank - einmal mehr - Dir, BautzenFan.

      OmG, was für ein irrer Aufwand - vergleichbar nur mit Bruchsal oder der Semperoper - für einen künstlerisch - na ja - nicht gerade bedeutenden Raum. Ich weiß, ich weiß - ich werde jetzt gleich wieder gelyncht "Historismushasser".

      Immerhin zeigt es, was das Handwerk heute noch zu leisten imstande ist und es geht ja sowieso ums Prinzip. Und ich freue mich ja auch über den Raum....

      Um so wichtiger wäre es aber, dass in Dresden die wirklich wertvollen Raumschöpfungen - Palais im Großen Garten und im Zwinger Marmorsaal, Mathematisch-physikalischer Salon und v. a. der Grottensaal, der ja in mehr als 10.000 Fragmenten faktisch seit Jahren wieder existent ist - wiederkommen werden.
      Hannover ist eine mittelmäßige Stadt, aber dort sind viele, die sich große Mühe geben, etwas Besonderes daraus zu machen.
      Dresden ist eine besondere Stadt, aber hier sind leider viele, die alles versuchen, etwas Mittelmäßiges daraus zu machen (M. Roth)
    • Oktavian schrieb:

      Um so wichtiger wäre es aber, dass in Dresden die wirklich wertvollen Raumschöpfungen - Palais im Großen Garten und im Zwinger Marmorsaal, Mathematisch-physikalischer Salon und v. a. der Grottensaal, der ja in mehr als 10.000 Fragmenten faktisch seit Jahren wieder existent ist - wiederkommen werden.
      Ich bin ganz bei dir. DD braucht wieder mehr solcher Raumkunstwerke dieses Niveaus!

      Kann ja nicht alles nur noch "multifunktionale Kongressraumatmosphäre" haben. :)

      @BautzenFan - von mir gibts wie immer ein dickes <3
    • Neu

      Vielen Dank, RobBerg, für die tollen Fotos. Ich habe mir die Ausstellung am Wochenende ebenfalls angeschaut (leider war meine Kamera aufgrund des Blitzlichtverbots ziemlich überfordert). Hingefahren bin ich mit einiger Skepsis, natürlich nicht, was die grandiosen Exponate betrifft, sondern bezüglich der baulichen Gestaltung der Räume. Um es kurz zu machen: Ich war sehr angenehm überrascht und teile hier die Beurteilung, die kaffeesachse vor einigen Tagen schön aufden Punkt gebracht hat (Beitrag vom 17.4.). Der ruinös belassene Ostflügel hat was, aber am allerbesten hat mir doch das Turmzimmer gefallen. Vielleicht auch deshalb, weil man hier eine erste Ahnung über die Raumwirkung des darüber befindlichen Porzellanzimmers erhält. Die Raumhöhe im 2. OG scheint freilich etwas größer zu sein:







      Mit dem nächsten Foto (entstanden in den ersten Nachkriegsjahren) möchte ich nochmal an den Zerstörungsgrad im Ostflügel erinnern. Der Fotograf stand am Durchgang Englische Treppe/Gardesaal (die Stelle ist im übernächsten Foto durch ein weißes Kreuz markiert): Klick

      Auf dem ersten Foto von RobBerg (neben dem ersten hellen Fenster auf der rechten Bildseite) sind die Bogenansätze übrigens noch zu erahnen. Diese Bögen gehörten zu einem Galeriegang auf der Hofseite, im Abschnitt nördlich des Gardesaales).
      Als man 1986 die Kranschneise durch den Ostflügel durchgeschlagen hat, wurde auch im Innern „großzügig“ entkernt (die Kubatur des Gardesaales ist orange markiert):


      Bildquelle: Schnappschuss aus der filmischen Dokumentation *Von der Ruine zum Richtfest*, herausgegeben 1994 vom Sächsischen Finanzministerium


      Das nächste Bild zeigt die Südostecke des Gardesaales:




      Bei dem Gebilde am rechten Rand handelt es sich um die Überreste eines der Wappen, mit denen der historische Gardesaal geschmückt war. Hier eine Detailaufnahme:



      Die hellen Streifen interpretiere ich als Klebezonen. Offenbar waren die Fragmente zu einem früheren Zeitpunkt geborgen und dann beim Aufbau wieder angebracht worden.
      Damit man sich diese Wappen vorstellen kann, hier eine historische Aufnahme des Saales: Klick

      Im nächsten Foto sehen wir den kläglichen Rest der Nordmauer des Gardesaales:




      Nun noch einige Außenaufnahmen:

      Portal der Schlosskapelle






      Südwestlicher Treppenturm




      Zustand des Turmes Anfang der 1980er Jahre: Klick

      Der Pelikan vom Löwentor an der Schlossstraße:





      Abschließend noch eine Meldung zum Kleinen Ballsaal. Letzte Woche wurden hier die ersten Felder des Galeriegeländers angeliefert. Die folgenden 2 Fotos zeigen, wie man sie nach oben in das 2. OG hievt (im Bereich des zur Zeit im Umbau befindlichen Jagdtreppenhauses). Auf dem dritten Foto sieht man den vorläufigen Abstellort (der noch nicht sanierte fünfte Raum des Münzkabinetts, dort gehen die Materialtransporte zum benachbarten Ballsaal durch).
      Klick
      Klick
      Klick


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      Was hat man eigentlich mit der Schlosskapelle weiter vor? Ich hoffe, das aktuelle Provisorium ist kein Endzustand?
      ... dass jeder troglodytischen Lebensart, beruht sie nur fest in sich selbst, etwas schlechthin faszinierendes eignet, überhaupt für solche, die einen Ansatz dazu schon besitzen und mitbringen, der dann nur noch einer gewissen Entwicklung bedarf. (HvD)
    • Neu

      Das ist noch alles völlig unsicher. Die Denkmalpflege und viele Restauratoren wollen sicher das Begonnene "zuende" rekonstruieren, aber es kann gut sein, dass dieses Provisorium noch über Jahrzehnte bleiben wird.

      Ich denke die SKD ziehen einen "unkaputtbaren" schmucklosen Multifunktionssaal gegenüber einer kostenaufwendigen "Disneyland-Reko".
      Hannover ist eine mittelmäßige Stadt, aber dort sind viele, die sich große Mühe geben, etwas Besonderes daraus zu machen.
      Dresden ist eine besondere Stadt, aber hier sind leider viele, die alles versuchen, etwas Mittelmäßiges daraus zu machen (M. Roth)
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      Na hoffentlich erleidet die Schlosskapelle nicht das selbe Schicksal wie die Allerheiligen-Hofkirche der Residenz in München, wo man nach jahrzehntelangem Stillstand auch das Gewölbe rekonstruiert hat, aber natürlich nicht die wertvolle Bemalung. Selbstverständlich wird diese "Askese" und die "Modernität" dieser Architekturgestaltung auch heute noch in Publikationen ständig betont.
      Die Moderne verleugnet ihre Herkunft, weil sie fürchtet, die Auseinandersetzung mit ihr könnte sie überfordern - oder ihr gar ihre eigene Banalität vor Augen führen. — Dr. Melanie Möller
    • Neu

      Oktavian schrieb:

      Das ist noch alles völlig unsicher. Die Denkmalpflege und viele Restauratoren wollen sicher das Begonnene "zuende" rekonstruieren, aber es kann gut sein, dass dieses Provisorium noch über Jahrzehnte bleiben wird.

      Ich denke die SKD ziehen einen "unkaputtbaren" schmucklosen Multifunktionssaal gegenüber einer kostenaufwendigen "Disneyland-Reko".

      Leider, leider hat Oktavian hier recht. Am 10. April erschien ein Artikel in den DNN über den Festakt zur Eröffnung des Renaissanceflügels. Dieser Artikel ist mir bislang "durch die Lappen gegangen", ich habe ihn jetzt erst über pressreader gefunden. Hier der wichtigste Auszug:

      Nein, bis 2041 wird es wirklich nicht mehr dauern. So lange will sich der Freistaat nicht Zeit lassen, um das Dresdner Residenzschloss als Museumszentrum der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) zu vollenden. Ab dem dritten Quartal 2019 dürfen sich Besucher auch an den Paraderäumen Augusts des Starken satt sehen, und 2021 soll dann der überwiegende Teil geschafft sein. Nur die Schlosskapelle werde bis dahin nicht fertig. Das sagte Ministerpräsident Stanislaw Tillich beim Festakt anlässlich der Eröffnung der neuen Dauerausstellung „Macht & Mode“im Schloss. Er reagierte damit auf einen Versprecher von Skd-generaldirektorin Marion Ackermann, der so viel Heiterkeit auslöste, dass er einfach nicht unerwähnt bleiben kann.
      Ein Freudscher Versprecher, weil immer alles viel länger dauert als erhofft und geplant? Und weil auch das Dresdner Schloss eine jahrzehntelange Kulturbaustelle mit diversen Verzögerungen ist? Wohl eher nicht. Schließlich war es Ackermann, die den geplanten Fertigstellungstermin 2021 schon genannt hatte, um den sich Bau- und Finanzverantwortliche immer gedrückt haben. Die Eröffnung des Renaissanceflügels (mit den Teilen „Auf dem Weg zur Kurfürstenmacht“und „Kurfürstliche Garderobe“) vergangenes Wochenende ist ein konkreter Schritt dahin.

      Quelle: pressreader.com/germany/dresdn…/20170410/281814283723056

      Sehr interessant ist meiner Meinung auch der Satz: "Schließlich war es Ackermann, die den geplanten Fertigstellungstermin 2021 schon genannt hatte, um den sich Bau- und Finanzverantwortliche immer gedrückt haben".

      Wenn man die letzten Wochen mal Revue passieren lässt, fällt auf, dass der Termin 2021 (als Fertigstellungstermin für das Schloss) bisher nur von Vertretern der SKD öffentlich benannt worden ist (Syndram, Ackermann). Für die SKD ist "fertig" offenbar etwas anderes als für die "Bau- und Finanzverantwortlichen" (Staatsregierung, Finanzministerium, SIB). Soll heißen, wenn die Schlosskapelle nicht fertig ist, kann man nicht davon sprechen, dass das Schloss fertig ist - es sei denn, man favorisiert als Bauziel einen "unkaputtbaren" schmucklosen Multifunktionssaal".
      Noch eine kurze Anmerkung zu dem Zitat aus den DNN. Das muss man sich "etwas zusammenreimen". Offenbar war hier Frau Ackermann bei ihrer Rede ein kleiner Versprecher passiert, sie hatte wohl statt 2021 die Jahreszahl 2041 genannt.

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