Hauptbahnhof, Humboldthafen & Umfeld

    • Heimdall schrieb:

      Gut, womöglich ginge es Dir oder mir so, dass wir in dieser Umgebung depressiv würden. Der Masse aber ist so etwas doch weitgehend egal.
      Da wären doch in der Tat - und das meine ich jetzt ernsthaft - wissenschaftliche Studien interessant, die sich mit den Auswirkungen solcher Architektur auf Depressionen u.ä. beschäftigen (immerhin mittlerweile wohl eine Massenkrankheit mit nebenbei auch enormen volkswirtschaftlichen Schäden).

      Als Laie kann ich mir nicht vorstellen, dass so triste (in meinen Augen fast schon menschenverachtende) Architektur nicht zumindest im Unterbewusstsein negative Auswirkungen auf die Psyche und damit auch auf die Gesundheit hat.

      Entsprechende Ergebnisse solcher Studien würden ggf. auch Argumente für eine Trendwende im Städtebau liefern. Allein Gründe der Ästhetik, Historie und des subjektiven Wohlbefindens usw. reichen offensichtlich nicht aus.
    • newly schrieb:


      Entsprechende Ergebnisse solcher Studien würden ggf. auch Argumente für eine Trendwende im Städtebau liefern. Allein Gründe der Ästhetik, Historie und des subjektiven Wohlbefindens usw. reichen offensichtlich nicht aus.
      Ich arbeite nicht im büro, vielleicht mal in der Werkstatt welche ein sehr idillisch gelegndes Gartenhäuserl ist. Ansonsten bin ich vorwiegend im Außendienst tätig und muß zugeben daß mich entsprechende Gegenden bedrücken. So ist zum Beispiel in München Neuperlach und Hasenbergl so wie das Olympiazentrum eine absolute Haßadresse für mich, wo ich nicht gern hin mag. Solche Bauwerke wie dort am Humboldhafen wirken sich in der Tat negativ auf das Wohlbefinden aus - es sei denn , man ist ein Smombie....
      Gott schütze uns vor Eis und Schnee,
      Claudia Roth und KGE.
    • "newly", das wäre wirklich eine interessante Untersuchung. Ich könnte mir auch vorstellen, dass solche Neubauareale Depressionen verstärken. Das Phänomen ist aber alt, denn Hochhaus- oder Plattensiedlungen gibt es ja schon seit den 60er/70er-Jahren.
      Ich würde das dann aber nicht auf die Angestellten in solchen Bürohäusern beschränken, sondern auf Wohngebäude den Fokus richten. Die Angestellten verbringen in diesen Gebäuden ihre acht Stunden bei der Arbeit, in der sie die Umgebung nicht sonderlich optisch erkunden. Hier wäre eher der Blick auf heutige Büro-Innenarchitektur und Ergonomik am Arbeitsplatz zu richten. Aber nach Feierabend wird es interessant. Wo fahren sie hin? In das triste Wohnblockareal? In das Einfamilienhaus im Grünen? In die Gründerzeit-Wohnung mit Fischgrät-Parkett? Hier ist der private Regenerationsraum, und hier können die Depressionen gedeihen, wenn der Ausgleich zum Arbeitsleben fehlt.
    • Disproportionale, morbide Architektur wirkt auch über andere Sinneskanäle als nur dem optischen (Ebenso natürlich wohlproportionierte). Also wegschauen bringt nichts. Will man sich davor bewahren, muß man solche Viertel ganz meiden. Es geht über subliminale Wahrnehmungsebenen, also unterbewußt wie oben schon geschrieben wurde. Leider! Deshalb wären solche Untersuchungen höchst notwendig, da es Themen der Gesundheitsprävention berührt. Dass schlechte Architektur krank machen kann, dürfte ohne Zweifel sein, kommt im einzelnen auf die Sensibilität, sprich Aufnahme- und Empfindungsfähigkeit des Menschen an, wie die gesundheitlichen Auswirkungen dann ausfallen. Aber es wirkt in jedem Fall, auch bei völlig unsensiblen Zeitgenossen!

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    • Es lüschert wieder ganz gewaltig.

      Hier der neueste Wurf nördlich des Hauptbahnhofs - ein 500m langer Büro-Riegel, der zwar in seiner Funktion sinnig ist (und zwar den Lärm der Bahntrasse von den östlich künftig anschließenden Wohnviertel abzulenken), in seiner Tristesse jedoch fast schon einmalig für die letzten Jahrzehnte ist und für mich in eine westdeutsche oder US-amerikanische Mittelstadt der 1970er Jahre passt, aber sicher nichts ins Herz der deutschen Hauptstadt.

      Bitte festhalten:

      stadtentwicklung.berlin.de/akt…h_1703/nachricht6316.html

      Daraus folgende zwei Aufnahmen:



      (C) EM2N Architekten



      (C) EM2N Architekten

      Besonderes Schmankerl: EM2N Architekten kommen, wie unsere geliebte Senatsbaudirektoren, aus der Schweiz. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

      Was das ganze Areal betrifft, war mit den Planungen und teilweise auch den Ausführungen am Potsdamer Platz vor 20 Jahren leider deutlich weiter und auch, wenn ich es früher abgelehnt habe, alles auf Frau Lüscher zu schieben, so ist das Resultat ihrer Arbeit wirklich fatal und zeigt auch ganz klar, welcher Geist dort aktuell herrscht.
      Hätten wir sie bereits nach der Wende in dieser Position gehabt, ganz Berlin sähe aus wie der Alexanderplatz. So bleiben Dank Hans Stimmann wenigstens Straßengrundrisse, die den Geist des alten Berlins atmen und - in hoffentlich besseren Zeiten - wieder architektonisch mit Leben gefüllt werden können.
    • Ruine schrieb:

      allerdings aus den 70/80iger Jahren - neu sind diese Scheußlichkeiten keineswegs.
      Selbstverständlich nicht. Das Fatale ist aber, dass in diese Richtung gehende Kritik die Bauplaner überhaupt nicht schert. Ohren zu, Augen zu und weitermachen, ist deren Devise. Und, das noch Fatalere ist, dass das noch die "gefälligen" Entwürfe sind. Ließe man viele der Jung-Architekten von den Hochschulen sich "austoben", bekämen wir noch völlig zerrissene, brutalistische, rücksichtslose Straßenzüge dazu.
    • Novaearion schrieb:

      Es lüschert wieder ganz gewaltig.
      lüschern - schlagen wir es doch als "Unwort des Jahres 2017" vor. Hat jemand gerade eine druckfertige Definition zur Hand? Etwa so: "Mit Klötzchen bauen, die mit aus altem Kassenquittungen herausgeschnittenen Strichcodes oder mit Häuschenpapier beklebt sind, stets mit dem Kriegsbeil nahe am Nacken des Planenden, sobald er nur an die Wörter "rund" oder "frei" denkt."

      (engl.: to luch, frz.: lucher, ital.: lugiare, schweizerdt.: lüschere)
    • Naja, der subjektive Eindruck kann manchmal ziemlich täuschen. Und auch eine Authorität kann sich irren.

      Daher sollte man, solange man keine harten Zahlen vorweisen kann, sich mit Vorwürfen von Straftaten, auch wenn sie noch so verklausuliert sind, zurückhalten.
      "Städte, in denen Leute sich zu Fuß und mit dem Rad bewegen können, werden bessere Orte."
    • Eine Mutmaßung kann jeder abgeben, sofern sie als solche eindeutig gekennzeichnet ist.
      Unabhängig davon, dass die Preisgerichte gefühlt ihre Lieblingsarchitekten haben, überzeugt mich der 1. Preis überhaupt nicht, und eine akzeptable Alternative sehe ich auch nicht.
      Bei vernünftigen Alternativen fällt mir immer noch die sehr weise Entscheidung des Bauträgers zum Neubau der Rhein-Main-Halle in Wiesbaden ein. Der 1.Preis eines Jurorenlieblingsarchitekten mußte zurücktreten gegenüber dem Favoriten des Gemeinen Volkes, dem 3.Preis.
      Eine Klage dagegen war erfolglos.
      Leider haben aber die wenigsten Bauträger und Bauherren den Mut sich über die Meinung sogenannter Experten hinwegzusetzen. In diesem Fall wäre ein weiterer Wettbewerb dringend nötig.
      Urbanität wird nicht immer und überall durch traditionelles Bauen erzeugt. Manchmal kann abhängig von der Lage und Struktur auch Beton entzücken. Hier ensteht jedoch nur eine weitere seelenlose Gebäudemasse.
      Ich bin sicher kein Verfechter der "Traditionelle um jeden Preis", aber ich bin gegen die "Trostlosigkeit und Langeweile im zeitgenössischen Bauen". dto.

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    • Schön wär's! In Berlin kommt es mir meistens so vor, als stünden Zäune mit abblätternder Farbe unter Denkmalschutz. Ich habe neulich eine Sitzbank gesehen, bei der scheinbar nur eine einzige Latte neu gestrichen wurde. Anstatt also die Bank vollständig zu demontieren, was den Arbeitsaufwand nicht beträchtlich erweitert hätte, hat man jemanden geholt, um eine einzige Latte zu entfernen oder zu ersetzen und neu zu streichen. Ich werde davon heute auch nochmal ein Bild machen. Das glaubt man einfach nicht.
    • Neu

      Ein kleiner gestriger Spaziergang im Hauptbahnhof-Umfeld, von dem ich einige Impressionen zeigen möchte.

      Blick von Kapelleufer aus entlang der Spree nach Westen, rechts der Hauptbahnhof, links der Park vor dem Kanzleramt. Wo der rote Kran steht, wird derzeit die Bodenplatte des Cube-Glaswürfels erstellt:



      Schlecht alternder Sichtbeton, Stahlplatten mit Edelrost (zumindest graffittiabweisend...), öde Rasenflächen und Trampelpfade verleihen dieser kleinen Parkanlage ihren Charme...Britische Touristen auf der Suche nach Überresten des Führerbunkers könnte man hier vorbeischicken...




      Blick Richtung Kanzleramt-Park und "Schwangere Auster"/Kongresszentrum:





      Blick von der Einfahrt vom Humboldthafen in den Berlin-Spandauer-Schifffahrtskanal in Richtung Hauptbahnhof:





      Gleicher Standpunkt, Blickrichtung Nord in den Kanal: das vor wenigen Jahren fertiggestellte 50-Hertz-Verwaltungsgebäude und der Tour total:





      Blick von der Uferterrasse des "Humboldhafen 1" in Richtung Nord, die schönen Altbauten des Sozialgerichts (links) und des Hamburger Bahnhofs (rechts). Davor die Baustelle des Projekts "Wohnen am Humboldthafen"





      Uferseite des Humboldthafen 1:








      Durchgang in Richtung Futurium...:





      Zumindest Schmuddeligkeit kann man dem Hauptbahnhof-Umfeld nicht attestieren. Wohlwollend ließe sich feststellen: die Gegend strahlt Ruhe aus. Ansonsten: recht weitläufige Ödnis, die sich auch durch die inzwischen fertiggestellten Bürogebäude nicht zu bessern scheint, zumindest nicht an diesem Samstagvormittag...
      Fortsetzung folgt...
      Das Herz hat seine Gründe, die der Verstand nicht kennt. (Blaise Pascal, 1623 - 1662)

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    • Neu

      Das Futurium ist äußerlich weitgehend fertiggestellt (zwischen Humboldhafen1 und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung etc.):



      Die Form ist nicht unbedingt sehr originell, interessanter erscheinen mir die Fassadenelemente aus Glasbausteinen:







      Die spreeseitige Fensterfront wirkt bei Tageslicht recht düster:





      Aber optimistisch, wie ich nun einmal bin, hoffe ich, dass sich zumindest in der Dämmerung und bei Nacht interessante An- und Einblicke durch das Beleuchtungskonzept bieten...

      Übergang zum benachbarten Bundesministerium für Bildung und Forschung etc, dessen grünliche Natursteinfassade ich gerne anschaue:

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      In Nahaufnahme nochmal das 50-Hertz:



      Und der Tour total, dem man in seinem rationalen Minimalismus eine gewisse ästhetische Qualität nicht ganz absprechen kann:




      Das benachbarte, bald fertige Bürogebäude nimmt die Formensprache der umliegenden Büro-Flachbauten auf mit den vor- und zurückspringenden Geschossbändern. Immerhin hat man sich für Kalksandsteinplatten als Fassadenmaterial entschieden:





      Erste Neubauten der Europacity werden fertiggestellt, es dominiert eine leider eher öde, nicht sehr qualitätsvolle Allerweltsmoderne...





      Das hier erscheint auch nicht allzu vielversprechend - immerhin darf man noch die Bemühung um "Kleinteiligkeit" im Block anerkennen, die sonst anscheinend in der Europacity eher die Ausnahme sein wird:


      Das Herz hat seine Gründe, die der Verstand nicht kennt. (Blaise Pascal, 1623 - 1662)

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      ich finde es nicht gut, man hat zwar echt teils edele Materialien verwendet aber, man merkt diesen Gebäuden sofort an das, dass die Bausünden von morgen sind. Weil keins wirklich originell ist sie null zusammenpassen und alle teils billig wirken und nicht gefallen, das wird alles schnell wieder weg gerissen. Mit der weisen Fassade wünsch ich denen echt Spaß Dächer haben nicht ohne Grund ein Gesims.Warum muss modern immer gleich geschmacklos sein, es gibt so schöne arten modern zu bauen.Wobei mir das 50 hertz und das Toure total noch ein bisschen zusagen. Das Futorium wiederum ist mit den diagonalen klass kacheln eigentlich eine coole Idee, aber wenn man dahinter nur Betonmauer mit kleinen Fenster Quatrainen macht, hätte man es auch gleich lassen können zumal front und form die gute Idee noch mehr abmildern.