Bremen

    • Der Gründerzeitler wirkt ganz verloren und verlassen zwischen all den hässlichen Nachkriegs-Hochhäusern... Ein schönes Haus - sozusagen die letzte Perle inmitten dieser hässlichen und kalten Gegend. Es scheint aber (noch) bewohnt zu sein aufgrund der Gardinen und dem Rollo vor den Fenstern und der bunten Windräder in den Blumenkästen.

      Die niedrigeren "Exemplare" an Betonklötzen scheinen (jetzt 50-60 Jahre alt) mittlerweile aber schon sehr in die Jahre gekommen zu sein. Da sieht man es mal wieder als ein gutes Musterbeispiel, dass ein ca. 120 Jahre alter Gründerzeitler, in Würde gealtert, irgendwie immer noch top aussieht und einen gewissen Zauber und schönes, nostalgisches Flair hat, während die Betonklötze, in der Tat weniger als halb so alt, einfach nur hässlich und reif für den Schrottplatz sind...

      Sie sehen wirklich schäbig aus und werden hoffentlich bald abgerissen. Die Hochhaus-Riesen wird man zeitnah wohl noch nicht abreißen, jedoch einige Gründerzeit-Rekos an der Stelle der verfallenen Klötze täten dieser trostlosen Gegend sicherlich ein wenig gut.
    • In der vergangenen Woche wurde der Gestaltungswettbewerb über den Nachfolgebau für das ehemalige Harms am Wall-Gebäude und der beiden Häuser daneben entschieden. Hier der Entwurf von Püffel Architekten, der von der Jury aus 5 Entwürfen als erstplatzierter hervorging:


      Qelle: Weser-Kurier/Püffel Architekten

      Ich habe ja sogar schlimmeres befürchtet, aber dieser Entwurf gefällt mir gar nicht, insbesondere diese "Schießschartenreihen" auf dem Dach. Ein würdiger Nachfolger ist das nicht. Der Weser-Kurier hat auf Facebook eine Umfrage gestartet, demnach gefällt der Entwurf 144 Personen, 172 dagegen nicht.
      Hier noch ein Artikel aus dem Weser-Kurier zum Fassadenwettbewerb: weser-kurier.de/bremen/bremen-…h-eins-_arid,1613136.html

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Kaline ()

    • Kaline schrieb:

      Ich habe ja sogar schlimmeres befürchtet, aber dieser Entwurf gefällt mir gar nicht, insbesondere diese "Schießschartenreihen" auf dem Dach.
      Ja, die sehen wirklich voll daneben aus! Sie machen das Gesamtbild unruhig und disharmonisch, da die Frontfassade schon so überaus gläsern ist. Ohne diese, mit einem soliden Dach, wäre der Entwurf wirklich noch einigermaßen annehmbar gewesen.
    • Bei dieser Nachricht hat's mir heute wirklich die Schuhe ausgezogen:
      weser-kurier.de/bremen/bremen-…enhaus-_arid,1621453.html

      Habe heute den zuständigen Beirat angeschrieben, der mir auch flott - Serienbrief - geantwortet hat, dass alle Möglichkeiten ausgeschöpft wurden, und dass man sich nun wohl nur noch auf den Erhalt der Bäume fixiert. Erstaunlich, wie einfach das geht. Erhaltungssatzung, Denkmalschutz. Alles anscheinend keine Optionen.
    • Ich bekomme langsam richtig Hass auf die deutschen Denkmalbehörden, die einfach nur noch zu willigen Vollstreckern von kurzsichtigen Begehrlichkeiten geworden sind. Dafür haben sie dann bei irgendwelchem Nachkriegsmüll die Hand drauf. Ich glaube, es liegt auch am Geist der 68er, der die Prioritäten im Denkmalschutz so nachteilig verschoben hat.
      In dubio pro reko

      Früher war nicht alles besser, aber die Architektur schon.

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    • Erschütternd. Als könnten die Investoren-Wohn-Karnickelställe nicht neben das Gebäude oder an anderer Stelle des Grundstücks errichtet werden. :kopfschuetteln:

      Hier ein Foto des schönen Gebäudes:

      photos.wikimapia.org/p/00/01/67/71/75_big.jpg

      Innen:

      kulturkataster.de/alt/024_ORTE/Medienhaus.JPG

      P.S.: Ein Leserkommentar zu dem oben verlinkten Artikel:

      So geht bremisch heute: Alles abreissen und durch quaderartige

      Betonwürfel mit viel Glas ersetzen! ÜBERALL! HEMMUNGSLOS! Grünflächen
      braucht auch niemand mehr, die Ökos (wenn sie denn noch welche wären)
      fliegen sowieso demnächst aus der Koalition, denn die Tschöpe SPD will
      etwas anderes: die wachsende Stadt... auch wenn Bremen in WAHRHEIT eine
      schrumpfende Stadt ist.
      Das kommt einem irgendwie bekannt vor. Das Konzept findet sich derzeit in zahlreichen bundesdeutschen Städten: Zuzug, Wachstum, Blockbebauung, Flächenversiegelung.
    • Ja, das habe ich gestern auch mit Schrecken gelesen, tragisch. Man hat den Eindruck, dass der Abrissdruck auf Altbebauung wieder zunimmt, nachdem gefühlt ein paar Jahre relative Ruhe war. Aber zur Zeit wird wieder viel abgerissen, v.a. in Schwachhausen, welches dadurch nach und nach seinen großbürgerlichen Charme einbüsst und zu einem beliebigen Potpourri mit den Superhits der 80er und 90er und dem "Besten" von heute wird.

      @Königsbau: Deine 68er- Manie hat fast etwas Wahnhaftes. Wie hier schon mehrfach belegt, war es gerade die Studentenbewegung, die zu dem Umdenken Ende der 60er Jahre geführt hat. Es mag in Dir Brechreiz auslösen, aber die langhaarigen Steineschmeisser haben -gut belegt- die Rettung unzähliger Altbaugebiete in westdeutschen Städten veranlasst und ganz entscheidend zu der Wende Mitte der 70er beigetragen. Autowahn und "Flächensanierung" waren Werk der in den ersten 20-30 Jahre nach dem Krieg das Sagen habenden "Wiederaufbaugeneration".

      Es war neben den gesellschaftlichen Zuständen sogar gerade die Abrisspolitik dieser Generation, die zu einer breiten Solidarisierung der Bevölkerung mit den Studenten geführt hat.
    • Na ja, das war einmal. Deshalb muss es nicht heute noch so sein. Klassen sind nicht zu allen Zeiten fortschrittlich oder reaktionär, wie schon ein alter Lump namens Adorno (Copyright Golo Mann) geschrieben hat.
      Dass es sich die Altachtundsechziger ganz gut mit dem Großkapital arrangiert haben (eine Tendenz, die schon bei Marx zu beobachten ist, der das Finanzkapital zwar als solches tituliert aber ziemlich verschont hat) und sich die heutige Linke eher kultur- denn wirtschaftsbolschewistisch gibt, kann kaum bestritten werden.
      Das Versagen der heutigen Intellektuellen, die eben überwiegend links stehen, kann nicht mit einem derartig stereotypen Verweis auf frühere, obsolet gewordene Zustände abgetan werden.
      ... dass jeder troglodytischen Lebensart, beruht sie nur fest in sich selbst, etwas schlechthin faszinierendes eignet, überhaupt für solche, die einen Ansatz dazu schon besitzen und mitbringen, der dann nur noch einer gewissen Entwicklung bedarf. (HvD)
    • Heinzer schrieb:

      Mir geht es nur um diesen hier immer wieder zu lesenden Unsinn, die 68er hätten die Entstuckungen und Flächenabrisse der 60er/70er Jahre zu verantworten.
      Und genau das hat niemand behauptet. Was ich aber behaupte ist, dass diese Generation bzw. schon ihre Erben heute in den Institutionen sitzen, zu denen man damals durchmarschieren wollte. Diese Generation hat eine ideologische Abneigung gegen traditionelle Werte, und ein großes Interesse an der Bewahrung ihres "progressiven" Vermächtnisses, hier repräsentiert durch die Nachkriegsmoderne mit ihren niemals eingelösten Heilsversprechen. Du glaubst nicht, dass es da Zusammenhänge gibt, dass auch in den Denkmalbehörden heute dieser Geist herrscht? Dann bist du reichlich naiv, Heinzer.
      Und Hausbesetzer als Denkmalschützer? Dass ich nicht lache, schon damals wurden die Altbauquartiere nicht aus Liebe zur Gründerzeit verteidigt, sondern nur als Verfügungsmasse gegen kapitalistische Interessen gesehen, sozusagen als steinerne Wagenburg. Der Denkmalgedanke war den Besetzern ebenso wurscht wie den Kahlschlagsanierern.
      Heute ist es auch nicht anders. Schaue dir mal Bilder von der Roten Flora im Hamburger Schanzenviertel an, die alten Gebäude dienen nur als Barrikaden für linke Chaoten, sind total versifft und heruntergekommen. Solange besetzt, bis sie zusammenfallen. Wenn das die Perspektive ist, lobe ich mir doch die Gentrifizierung.
      In dubio pro reko

      Früher war nicht alles besser, aber die Architektur schon.

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    • In dem von MAK verlinkten Artikel wird auch auf diesen Abriss hingewiesen: Schwachhauser Heerstraße 106.

      weser-kurier.de/bremen/stadtte…s-haus-_arid,1617805.html

      Da ist nichts mehr zu retten. Aber vielleicht ist bei dem Medienhaus noch etwas zu machen. Möglichenfalls könnte der Eigentümer entkernen und Luxuswohnungen dort errichten. Sie sollten doch auch mit Mehrwert veräußerbar sein, denn viele Leute würden doch gerne hinter einer solchen Fassade leben und dafür auch ein paar Groschen mehr zahlen.
    • Wie könnte man so einer armseliger Schrottkasten entwerfen und auch noch bauen????
      Bremen tief gesunken, zusammen mit so vielen Architektonische Armut von nach dem Krieg.

      In Dresden baut man auch Würfel und Kisten aber sehen doch weniger beschissen aus......

      Die Linken schmieren die Fassaden......

      De Rechten errichten Schrott und Investorenbauten

      Was kommt danach?