Bremen

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    • Der für die geschichtliche Identität einer Stadt entscheidende innerste Kernbereich, also die eigentliche Altstadt, wurde vernichtet, während zentrumsfernere Stadtteile aus der Gründerzeit dagegen oftmals erhalten blieben.

      So ist es. Ist ja auch kein Wunder, da die Angriffe ja in aller Regel auch auf die Altstadt konzentriert wurden, weil dort aufgrund der dichten Bebauung der größte Zerstörungsgrad und die größte Zahl an ermordeten Zivilisten zu "erzielen" war.
    • Und diese Situation wird auch noch dadurch verstärkt, dass die Gründerzeitviertel und die 60er-Jahre-Wiederaufbau-Viertel fleißig die Denkmallisten füllen, während die wenigen erhaltenen Gebäude im Bereich 14. - 16. Jh. in vielen Fällen in den Denkmallisten fehlen und nicht selten unerkannt abgebrochen werden ...
      Aber Hauptsache das Aachener Klinikum bleibt uns erhalten und all die anderen Bauten des Brutalismus. :augenrollen:
    • "Philon" schrieb:

      Der für die geschichtliche Identität einer Stadt entscheidende innerste Kernbereich, also die eigentliche Altstadt, wurde vernichtet, während zentrumsfernere Stadtteile aus der Gründerzeit dagegen oftmals erhalten blieben.

      So ist es. Ist ja auch kein Wunder, da die Angriffe ja in aller Regel auch auf die Altstadt konzentriert wurden, weil dort aufgrund der dichten Bebauung der größte Zerstörungsgrad und die größte Zahl an ermordeten Zivilisten zu "erzielen" war.


      Eben, in den deutschen Altstädten waren ja auch die Kasernen, die Rüstungs- und Treibstoffindustrie und die Güterbahnhöfe konzentriert. :augenrollen:
      Weshalb der Bombenterror und der Massenmord aus der Luft nicht eindeutig als solcher bezeichnet werden, wird ewig ein Rätsel bleiben. Hätten sich die Bomberflotten frühzeitig z.B. auf die Raffinerien in Hannover-Misburg, die Buna-Leuna-Werke in Merseburg oder die Kugellagerfabriken in Schweinfurt konzentriert, wäre der Krieg nach offizieller Einschätzung zwei Jahre früher beendet gewesen. Aber anscheinend bestand daran kein Interesse, selbst die Ford-Werke in Köln haben bis kurz vor Kriegsende Fahrzeuge für die Wehrmacht hergestellt, ein Schelm, der sich darüber wundert.
    • Eine Fototour habe ich schon mehrmals gemacht, aber nur mit den bekannten Altstadtattraktionen, ich bin im herbst noch mal in HB und werde versuchen mal 1-2 Viertel abzulichten.

      Zur Altstadtthematik:
      Ich sehe aber für die Städte, die überwiegend eine zerstörte Altstadt mit einigen Wahrzeichen haben, dafür aber ansosten rundherum eine weitestgehend geschlossene Bebauung der Gründerzeit haben noch eher die Chance, dass Rekonstruktionen durchsetzbar sind, da das Argument der Wundenheilung und Gesamtverschönerung doch noch nachvollziehbarer ist.

      In Dresden z.B. sehe ich die Minimalrekonstruktionen ausschließlich barrocker Gebäude im Altstadtbereich, durchsetzt mit Betonkram und rücksichtsvoll in sanierte Plattenbauten und Stalin-Monstern eingebettet, sehr kritisch.
      So wird niemals Leben in dieses Stückchen Dichtbebauung kommen, denn rundherum ist der Kontrast einfach zu groß, es entsteht kein Altstadtflair, kein Stadtkern ist sichtbar.
      Die vielen PLatten udn Brachflächen nicht nur in der Altstadt, sondern die gesamten angegliederten Vorstädte bewirken eher einen Enklaveneindruck, ein Schaufenster in einer Stadt ohne, dass die Stadt selbst eines ist.
      Es wäre dringend notwendig die allten Parzellen wiederzugewinnen, auch durch ein paar Rekonstruktionen von den prächtigen neobarocken Eckgebäuden in der Innenstadt..
    • "Yasmin" schrieb:

      Hätten sich die Bomberflotten frühzeitig z.B. auf die Raffinerien in Hannover-Misburg ... konzentriert ...


      Der erste Angriff auf diese Raffinerie erfolgte in der Nacht zum 19. Mai 1940. Wegen mangelnder Erfahrung der Bombenschützen wurden allerdings eine daneben liegende Spiritusfabrik (600.000 Liter Spiritus verbrannt), ein Zementwerk (Tschechische Zwangsarbeiter getötet und verletzt) sowie ein Arbeiterhaus (Liebrechtstr. 7, 8 Tote) getroffen, während die Öltanks unbeschädigt blieben. (Quelle: K. Mlynek/ M. Radke: Unter der Wolke des Todes leben - Hannover im Zweiten Weltkrieg, Hamburg 1983)

      Zurück zum Thema: Besonders angenehm finde ich in Bremen die durchgehend erhaltenen Stadtwälle des 17. Jahrhunderts, die hier eine Altstadt - trotz teilweise moderner Bebauung - eindeutig einrahmen und definieren. Im Gegensatz zu vielen anderen Städten sind diese nicht als breite Verkehrsschneisen umfunktioniert, sondern als hochwertige Parkanlagen gestaltet, sogar von einer Windmühle gekrönt...
      Wer zwischen Steinen baut, sollte nicht (mit) Glashäuser(n) (ent)werfen...
    • Das spezifische an der Bremer Situation ist auch, daß die nördliche Altstadt völlig vernichtet, die südliche aber nur schwer beschädigt wurde. So blieben das Bremer Rathaus, der Dom, der Schnoor im Original erhalten. Die nördliche Altstadt mit den vielen großen hansischen Speicherhäusern direkt an der Weser ist völlig dahin.
      Favorevole alla ricostruzione completa come era e dove era.
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      I bambini sanno che solo sbagliando s,impara.
    • Hallo!

      Vor zwei Tagen war ich in Bremen. Von einem Besuch auf dem Weihnachtsmarkt im Dezember 2005 hatte ich sehr gute Erinnerungen. Doch ohne diese schöne warme Weihnachtsbeleuchtung und die Fressbuden sieht die Innenstadt doch schon etwas anders aus. - Meiner Meinung nach benötigt das gesamte Ensemble um den Marktplatz samt Rathaus & Roland mal eine Grundsanierung. Ich war erschrocken wie heruntergekommen die "Gute Stube" der Stadt doch aussieht. Das Rathaus müßte dringend einer Reinigung und einem neuen Anstrich unterzogen werden. Und der liebe Roland setzt schon Moos an. Weiss jemand, ob da in Zukunft eine Sanierung ansteht?



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      Sieht auf dem Bild möglicherweise gar nicht so übel aus. Doch ein genauerer Blick... :schockiert:



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      Das Gebäude rechts im Bild beinhaltet den Chocolatier Hachez. So teuer wie die Schoki ist, sollte doch mal ein neuer Anstrich der Fassade drin sein.



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      Beim Roland wächst schon ein halber Wald an der Gürtelschnalle.

      Sicher fehlt hierfür wieder das Geld. Doch die Städte sollten die Pflege ihrer Sehenswürdigkeiten nicht so vernachlässigen.
    • ich seh da eigentlich nichts Störendes. Im Gegenteil. Ich komm gut ohne die bundesdeutsche Grellheit und Abgelecktheit aus. Solche 'Defizite' bemerk ich nicht mal. Sie wirken höchstens im Unterbewusstsein - und dies in positiver Weise. Ich musste dreimal hinschauen, bis ich merkte, was der Autor eigentlich meint.
      Seid doch froh, dass irgendetwas an diesen geschundenen und geschändeten Städten noch echt alt ist.
      ... dass jeder troglodytischen Lebensart, beruht sie nur fest in sich selbst, etwas schlechthin faszinierendes eignet, überhaupt für solche, die einen Ansatz dazu schon besitzen und mitbringen, der dann nur noch einer gewissen Entwicklung bedarf. (HvD)
    • Das kommt auf den kleinen Bilder nicht richtig zur Geltung. Außerdem ist das auch Ansichts- und Geschmacksache. Aber mir ist das schon aufgefallen und die Innenstadt hat auf mich einen ziemlich vernachlässigten Eindruck gemacht. Selbst bei Sonnenschein wirkt Bremen irgendwie grau. Und diese "Grellheit & Abgelecktheit" macht ein Stadtbild doch erst freundlich & schön. Was wäre, beispielsweise Landshut, ohne die Sauberkeit und die vielseitige Farbgestaltung an den Hausfassaden? Oder sonst hätte man sich in den 5 Ost-ländern die Sanierungen direkt schenken können. Wenn man weiss was möglich ist, sollte man sich nicht mit allem zufrieden geben.

      Seid doch froh, dass irgendetwas an diesen geschundenen und geschändeten Städten noch echt alt ist.


      Schmutzig ist nicht gleich alt oder gar schön. Gerade historisches Erbe sollte man in Ehren halten und nicht vergammeln lassen.
    • In den Neuen Bundesländern ist es weniger um Kosmetik als um Substanzerhalt gegangen. Dafür musste schon das eine oder andere Opfer an pittoresker, natürlicher Anmut erbracht werden. Sterben in Schönheit ist zwar nicht das Schlimmste, aber ein Weiterleben von Görlitz, Bautzen, Stralsund etc ist eindeutig vorzuziehen.
      Landshut mit seiner mitunter abgeschmackten, billigen Buntheit ist für mich in der Tat eher ein abschreckendes Beispiel.
      diese "Grellheit & Abgelecktheit" macht ein Stadtbild doch erst freundlich & schön.

      Das sehe ich eindeutig diametral; diese Auffassung scheint jedoch in D weitverbreitet zu sein.
      Die obigen Bilder aus Bremen hingegen haben bei mir einen ausschließlich positiven Eindruck hinterlassen. Wie gesagt, ich wäre nie draufgekommen, da was zu bemeckern.
      ... dass jeder troglodytischen Lebensart, beruht sie nur fest in sich selbst, etwas schlechthin faszinierendes eignet, überhaupt für solche, die einen Ansatz dazu schon besitzen und mitbringen, der dann nur noch einer gewissen Entwicklung bedarf. (HvD)
    • Dann würde ich aber vorher das Rathaus und den Sockel vom Bismarckdenkmal in Schuss halten/bringen. - Als Rekonstruktion würde ich die neue Börse auf dem Marktplatz vorschlagen. Diese Bürgerschaft ruiniert den Gesamteindruck zwischen Markt und Domhof. Das Ding steht genau ungünstig auf der Sichtachse. Stünde dort noch die neue Börse, so würden die beiden Plätze zusammen ein viel homogeneres Bild abgeben. Die jetzige Situation zerreist das gesamte Zentrum.

      http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/5/50/Neue_B%C3%B6rse_-_Bremen_-_19th_century.jpg\r
      upload.wikimedia.org/wikipedia/c ... entury.jpg

      Auch die Böttcherstraße und der Schnoor haben mich nicht überzeugt. Sie wirken im heutigen Bremen irgendwie nicht mehr richtig integriert.
    • Mich stört die Bürgerschaft auch gewaltig, obwohl sie immer wieder schöngeredet wird. Sie zerstört tatsächlich diese letzte Traditionsinsel.
      Die Börse war aber ein Historismusbau von eher mäßiger architektonischer Qualität; die Chance auf seiner Rekonstruktion schätze ich eigentlich gleich Null.
      Stattdessen wäre es viel lohnender, das Landesparlament anderswohin zu verlagern und die Bürgerhäuser zu rekonstruieren, die dort standen, bevor die Börse gebaut wurde. Davon gibt es noch Abbildungen/Stiche.
      Aber ich glaube nicht im Ernst, daß man die Bürgerschaft einmal wegkriegen wird..

      Ich bin froh, daß Böttcherstraße und Schnoor noch stehen. Es sind aber zuviel Traditionsinseln außerhalb des eigentlichen Innenstadtgeschehens, und das war beim Wiederaufbau wohl auch so konzipiert.
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    • "Brandmauer" schrieb:

      Stattdessen wäre es viel lohnender, das Landesparlament anderswohin zu verlagern und die Bürgerhäuser zu rekonstruieren, die dort standen, bevor die Börse gebaut wurde. Davon gibt es noch Abbildungen/Stiche.

      Im Ernst? Die habe ich noch nirgendwo gesehen. Die Illustrationen davon würden mich brennend interessieren. Wo gibt es die?
      Basis guter Architektur nach Vitruv:
      Schönheit ۩ Nützlichkeit ۩ Stabilität
      Schönheit wird von zu vielen Architekten ignoriert.
    • "Brandmauer" schrieb:

      Hallo Erbsenzähler, zum Beispiel:
      Objekt 20458620 im Bildarchiv Foto Marburg, die Häuserzeile links.

      Ok. Aber wie kann ich denn nach einer Objektnummer suchen? Kannst du das Bild auch verlinken? Danke schonmal. 8)
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