Bremen

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    • Bei der Brandruine am Wall (Kaufhaus Harms) wird alles noch länger dauern. Fest steht nur der Abriss des Gebäudes, bei den bedrohten Nebengebäuden ist die Entscheidung wohl noch nicht endgültig gefallen. Immerhin sollen die erhaltenen Fassadenteile vom Harms-Bau eingelagert werden - ob sich damit eine Wiederherstellung der Fassade andeutet? Zu wünschen wäre es sehr...


      Das Harms-Modehaus bleibt vorerst stehen - Weserkurier
      Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
      (Immanuel Kant)
    • Am vergangenen Wochenende war ich das erste Mal im Nordwesten der Republik unterwegs und konnte dort ein paar kulturelle Lücken füllen :wink: Auch die alte Hansestadt Bremen stand auf dem Besichtigungsprogramm. Hier hab ich gleich mal die neue Bremer Landesbank in Augenschein genommen und konnte mich auch von dem Bau positiv überzeugen! Schade, dass man sich wieder mal für Staffelgeschosse, statt für ein kupfernes Dach entschieden hat.

      Gesamtansicht mit Neptunbrunnen ( 8| ) im Vordergrund:


      Schwachpunkt Eingangsportal: Das weiße Feld war wohl nur eine Schutzfolie für das Glas. Aber trotzdem sieht das Portal mit der kupfernen Tür und dem großen Glasbogen sehr unharmonisch und plumb aus.



      Hier ist zu sehen, was den meisten Neubauten fehlt: Tiefgang!



      Hier noch das neu eingedeckte Rathausdach:

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    • Mir gefällt die wellenförmige Klinkerfassade der Landesbank auch sehr gut! Sie ist von norddeutschem Charakter. Das Staffelgeschoss darüber finde ich völlig unpassend, denn dadurch wirkt der prachtvolle Altbau rechts daneben so niedrig und gedrungen... Ein den anderen Gebäuden angeglichenes Dach hätte ich auch besser gefunden. Das Rathaus mit dem neuen Kupferdach sieht super aus! :thumbup:
    • Der BLB-Neubau ist grandios! Neo-Expressionismus vom feinsten.

      Solche Lösungen will ich viel öfter in unseren historischen Innenstädten sehen, wenn es keine Rekonstruktionen gibt.
      Ortsbezogen, selbstbewusst, mit Liebe zum Detail, hochwertige und lokal passende Materialien, Akzente setzend und doch ins Ensemble passend. So sollte das neue Neue Bauen aussehen! :thumbup:

      Meines Erachtens ein ganz heißer Kandidat für einen jährlichen Stadtbildpreis für einen neuen Entwurf, die Bremer Landesbank.
      Basis guter Architektur nach Vitruv:
      Schönheit ۩ Nützlichkeit ۩ Stabilität
      Schönheit wird von zu vielen Architekten ignoriert.
    • Die Stadt Bremen unterstützt die Sanierung der mittelalterlichen Wasserburg Blomendal mit 1,2 Mio. €.

      Die Architektin beruhigt den Hausherrn: „Die Schäden sind elementar, doch die Burg ist nicht vom Einsturz bedroht.“ Für 1,2 Millionen Euro sollen Haupthaus und Nebengebäude saniert werden. Apmann: „Im April 2017 legen wir los. Die Bauarbeiten dauern rund zwei Jahre.“

      Bremens letzte Ritterburg bröckelt

      Burg Blomendal
      In der Altstadt die Macht, im Kneiphof die Pracht, im Löbenicht der Acker, auf dem Sackheim der Racker.

      Hätt' ich Venedigs Macht und Augsburgs Pracht, Nürnberger Witz und Straßburger G'schütz und Ulmer Geld, so wär ich der Reichste in der Welt.
    • Kleiner Ausflug nach Gröpelingen:

      In diesem ehemaligen Arbeiterstadtteil, mittlerweile durch eine neudeutsch "sozioökonomisch herausgeforderte Bewohnerschaft mit hohem Migrationsanteil" gekennzeichnet, liegt ein städtebaulicher Schatz begraben, der viel zu spät von den verantwortlichen Denkmalschützern entdeckt wurde, so spät, dass je nach Straße bis zu 80% des Schatzes hinter grauen Spaltriemchen, Plastikfenstern und Aluhaustüren versteckt werden konnte (dies allerdings noch von der Urbevölkerung in den 60er und 70er Jahren).

      Mit 55% weist Gröpelingen nach der östlichen Vorstadt von allen Bremer Stadtbezirken den zweithöchsten Anteil an Bestandsgebäuden mit Baujahr vor 1949 auf, hier ist also einiges zu holen, das scheint nun endlich auch die Stadtgemeinde erkannt zu haben, die nun in mehreren besonders schützenswerten Quartieren die Wiederherstellung von Fassaden durch die Hauseigentümer unterstützen möchte, ich zitiere aus einer Broschüre zum Denkmalschutz: "Eine Förderung der Investitionen von Eigentümern bei der Anpassung der Straßenfront wird voraussichtlich ab Herbst 2016 möglich sein."

      Im Zuge eines integrierten Entwicklungskonzepts, in dem die architektonische Wiederherstellung oder Erhaltung einzigartiger Denkmäler der bremischen Wohnarchitektur für Arbeiter - vom klassischen gründerzeitlichen Bremer Haus bis zu den Siedlungsbauten der 20er und 30er Jahre - eine erfreulich prominente Rolle spielt, sollen nun einige Probleme dieser Gebiete angepackt werden, um eine -dem allgemeinen Trend auch in Bremen- zuwiderlaufende Abwertungsentwicklung endlich aufhalten zu können.

      Mehr Infos und die IEK-Broschüre hier: Stadterneuerung Gröpelingen

      Vielleicht entwickelt sich ja hieraus etwas.
    • ^ Wunderbare Impressionen!

      Leider soll offenbar eines der wenigen Ensembles aus den 40ern nach dem Krieg in Bremen weichen, zumal ein recht gelungenes und klassisch-eingepasst daherkommendes - das Jacobs-Stammhaus samt einem Nebengebäude:

      Langenstraße und Obernstraße: Jacobs-Hof soll erneurt werden

      Die angedachte Quartiersentwicklung ist dort sicher sinnvoll, der Entwurf wirkt allerdings zu grobschlächtig dort in der Bremer Altstadt mE, auch wenn er immerhin Rundbögen im Erdgeschoss hat:

      weser-kurier.de/bremen/bremen-…bs-Hof-_arid,1547439.html
      Basis guter Architektur nach Vitruv:
      Schönheit ۩ Nützlichkeit ۩ Stabilität
      Schönheit wird von zu vielen Architekten ignoriert.
    • Ja, erbse, das sehe ich ganz genauso. Der frühe Wiederaufbau bis etwa Mitte der 50er Jahre war in Bremen nämlich durchaus ansehnlich, wie die Sögestraße oder eben die marktplatznahe Obernstraße zeigen. Die beiden nun zum Abriss geplanten Häuser von 1949 stellen für mich tatsächlich eines der wenigen Highlights der Obernstraße dar, die nun durch einen Staffelgeschosskomplex, wie er ursprünglich mal für das schreckliche, jetzt "renovierte" Volksbankgebäude an der Domsheide vorgesehen war, ersetzt werden soll.

      An der Domsheide hätte sowas als Gegenstück zur Glocke durchaus passen können, hier wird es jedoch leider eine Verschlechterung der Situation darstellen, auch wenn die grundlegende Idee, den schmuddeligen Stadtwaagehinterhof erlebbar zu machen, natürlich richtig ist. Auch die weiteren Pläne der Jacobs-Mäzenen lassen aufhorchen, plant die Familie doch noch den Kauf den Kontorhauses am Markt und langfristig einen Durchbruch Richtung Martinistraße, die von ihnen richtig als entwicklungsblockierend identifiziert wurde. Die Trennungswirkung dieser unhistorisch durch die Altstadt geschlagenen, vierspurigen und von in ihrem hinteren Teil von fürchterlichen 70er und tlw. 80er Jahre-Jahre Blöcken gesäumten Straße soll durch diverse Maßnahmen reduziert werden, da sie die Altstadt vom Weserufer und der Schlechte trennt.

      Da scheint einiges auf uns zuzukommen, was zumindest vorläufig als positiv gewertet werden muss, auch wenn der Startschuss leider auch für mich ein Fehler ist.
    • Zwei Fragen an die Bremenexperten:

      Welche Häuser müssten denn dem Neubau weichen, das Eckhaus ("Fossil") und dessen linker Nachbar?

      Sind in den Gebäuden noch Reste der Vorkriegsbebauung und wenn ja, aus welcher Zeit

      Auch mir scheint zumindest das Eckhaus recht gelungen, so dass es Schade wäre dieses nicht in das Neubauvorhaben zu intergieren. Die Aufwertung des Hinterhofes durch die Neugestaltung ist allerdings auf jeden Fall zu begrüßen.
    • Kleine Entdeckung von mir: Die Seite bremen-history.de.

      Sehr aufwändig und gut gemacht mit wechselnden Themen aus der Architekturgeschichte Bremens, Schwerpunkt ist die Altstadt, aber auch viele andere sehr interessante Artikel warten hier, gelesen zu werden. Fotoserien, u.a. eine Farbfotoserie aus dem Sommer 1939 sind auch dabei.

      Eine absolute Bereicherung.
    • Das Kaufhaus Harms soll dann bald abgerissen werden - der vom Eigentümer gewünschte Abriss auch der beiden angrenzenden Häuser ist wohl noch offen. Betont wird, dass unbedingt ein Fassadenwettbewerb stattfinden soll und auch etwas "Gutes" dort entstehen soll. Bekanntlich wird baulich-ästhetische Qualität in gewissen Kreisen ja äußerst eigenartig definiert - vielleicht sollten unsere APH-Begabten, eigene Fassadenentwürfe einreichen.

      Abriss von Harms am Wall genehmigt - Radio Bremen
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      (Immanuel Kant)
    • Ja, hatte ich auch gestern noch einstellen wollen, sehr traurig. Gerade in diesem Bereich zwischen Herdentor und Polizeiwache gab es zumindest streckenweise noch die alte Bebauung am Wall, alles westlich ist ohnehin Nachkriegsschrott.

      Zumindest ging es nicht lautlos von statten, die Stadt hat doch wohl einiges versucht, den Abriss zu verhindern. Hilft aber am Ende auch nicht. Die Nachricht hat mir gestern morgen richtig den Tag versaut. Mal sehen, was dann da kommt. Allzuviel sollte man -wie fast immer in Bremen- wohl besser nicht erwarten.
    • Dass die Bremer Innenstadt eklatante städtebauliche Defizite aufweist, dämmert nun so langsam auch denjenigen, die hier das sagen haben. Im Zuge eines kleinen Neubaubooms läuft gerade eine Ausstellung im Bremer "citylab" im zwischengenutzten Lloydhof, welches Perspektiven für die Innenstadt aufzeigen soll, zur Ansicht der Broschüre hier entlang.

      Neben einigen guten Ideen, wie dem Rückbau der zertrennenden Martinistraße, der behutsamen Anpassung der bisher sehr autoaffinen Zuwegung in die Innenstadt und der wirklich in die Gänge kommenden Aufwertung der Bahnhofsvorstadt als Tor zur Altstadt tanzen die Macher aus meiner Sicht aber um die entscheidenden Probleme ziemlich herum:

      Was tun mit den elenden Kaufhausklötzen rund um den Ansgarikirchhof und die Fläche des ehemaligen Lloydgebäudes?

      Hier kommt dann wenig, ein bisschen Aufhübschung hier, ein bisschen neue Bäume dort - aber das wird so nix. Immerhin wird der Abriss des Bremer Carrees (Standort der Ansgariikirche) offen diskutiert. Von einer Rekonstruktion derselben ist jedoch natürlich keine Rede, vielmehr soll die Bremer Stadtbibliothek (die erst vor 15 Jahren in das sehr ordentlich renovierte Polizeihaus am Wall umgezogen ist) in einen Neubau, der in Kubatur, Ausrichtung und Form sogar grob an die Ansgariikirche erinnern soll (mit einem Büroturm Richtung Gewerbehaus als "Kirchturmersatz") umziehen. Bilder habe ich keine (auch nix im Netz gefunden) und Fotos von der Visualisierung auch nicht. Ist zwar nur ne Planungsspinnerei von Architekturstudenten, zeigt aber, dass sich ein eventuelles Zeitfenster für eine Reko hier schnell wieder schließen könnte.

      Auch sonst ziemlich viel Floskelei, auch wenn die grundlegende Intention, mehr Wohnen in der Innenstadt, mehr Kleinteiligkeit und interessante Gastronomieangebote sicherlich nicht falsch ist.

      Was ist eigentlich mit Pagentorn? Ich hoffe, er liest hier noch manchmal mit.
    • Neu

      Einige Eindrücke vom Wall.

      Das gefährdete linke Nachbarhaus vom ehem. Textilkaufhaus Harms.


      Das Abrisshaus am Wall N°158-161.


      Und der ebenfalls gefährdete rechte Nachbar.


      Es schließt sich dieses breite Geschäftshaus an.


      Kurz vor dem Herdentor diese 3er-Gruppe, in der Mitte das Geschäftshaus Walter, Am Wall N°148.

      Das rechte Haus ist offenbar ein Nachkriegsbau auf altem Grundstückzuschnitt.

      Angekommen am Herdentorsteinweg, hier das prominent gelegene Allianzhaus von 1950/51 auf der Ecke, das stilistisch durchaus noch aus den 30ern stammt.


      Der Blick entlang des Herdentorsteinwegs in Richtung Sögestraße und Altstadt.


      Die gleiche Ansicht des Herdentor-Bereichs vor über 100 Jahren.


      Zum Abschluss ein winterliches Frühjahrsbild der vielfotografierten Mühle am Wall.
      Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
      (Immanuel Kant)