Bremen

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    • Ich war zwar noch nie in Bremen, aber ich habe eben eine fantastische website mit Vor- und Nachkriegsansichten von Bremen entdeckt:
      http://www.bremerbilder.de">www.bremerbilder.de
      (Hallo Sauerländer!: bitte in die linkliste aufnehmen)
      Wenn ich mir die Fotos da und auf bildindex.de so anschaue, muß Bremen mit weitem Abstand die schönste Renaissance-Stadt nördlich der Alpen gewesen sein.

      Die website selbst ist zwar noch im Aufbau begriffen, so daß vieles noch nicht eingestellt ist. Die Struktur der Seite ist aber extrem vielversprechend. Zu den Ansichten gibt es Erläuterungen zum Schicksal der verschiedenen Bauten, die teilweise erschütternd sind. Wenn das, was man da sieht und liest richtig ist, war der "Wiederaufbau" kaum weniger brutal und verheerend als in Frankfurt. Wie es scheint wurden dutzende bedeutender Bauten, die nicht oder nur wenig beschädigt waren, grauenhaft verstümmelt (Giebel weg etc.) oder abgerissen - absurderweise manchmal nur, um sie durch hisorisierende Neubauten (!) zu ersetzen. Siehe dieses Beispiel:
      http://www.bremerbilder.de/frames/f_markt.html\r
      www.bremerbilder.de/frames/f_markt.html
      (auf "Haus am Markt" klicken)

      Außerdem gibt's auf der Seite eine Liste von Gebäuden, die in den 60'iger Jahren für den Straßenbau abgerissen wurden:
      * Katarinenkloster (13./14. Jahrhundert)
      * Jacobihalle (ehemals St.-Jacobi-Kirche, 14. Jahrhundert)
      * Buchtstraße 65 (15. Jahrhundert)
      * Caesarsches Haus, Domshof 21 (1754)

      Da fasst man sich doch an den Kopf!

      Weiß jemand mehr über den "Wiederaufbau" von Bremen?
    • Ich war am Wochenende in Bremen. Innerlich war ich auf das Schlimmste gefaßt, mußte dann aber doch feststellen, daß die Altstadt an vielen Stellen erträglich ist, v.a. das Schnoorviertel und die Gegend um das Rathaus. Generell wurde die östliche Altstadt wohl weniger stark vernichtet wie die westliche, was sich auch in der östlichen Stadterweiterung (Ostertorviertel) manifestiert. Der größte Verlust im Bremer Stadtbild ist die Ansgarikirche, die die Türme des Domes noch um einiges überragte. Sie fiel der Bremer Stadtplanung zum Opfer.
    • Haus der Bürgerschaft.

      Wie stehen die Chancen, daß das Haus der Bürgerschaft in absehbarer Zeit beseitigt wird? Meines Erachtens ist dieses Bauwerk ein wahres Ärgernis auf dem historischen Marktplatz und bedarf dringend einer Umgestaltung.

      Zum Vergleich, früher (ganz rechts):
      de.wikipedia.org/wiki/Bild:MarktBremen1859.jpg
      Und heute:
      de.wikipedia.org/wiki/Bild:Bremen-parlament.jpg

      Aber wahrscheinlich steht diese Kiste wieder, ganz unverdient, unter Denkmalschutz. :übelkeit:
    • Ja, Bremen muss mal eine wunderschöne Stadt gewesen sein - vor allem war es die Hauptstadt der Weserrenaissance. Eigentlich kann man sich glücklich schätzen, dass zumindest das Hauptwerk schlechthin, das Bremer Rathaus, den Krieg fast unbeschadet überstanden hat, aber dafür sind extrem viele weitere Renaissancebauten im Krieg zerstört worden.

      Über das sehr schöne Buch "Bremen und seine Bauten" sowie die "Kriegsschicksale deutscher Architektur" konnte ich insgesamt 38 nachweisbare Weserrenaissance-Gebäude zählen, wobei sicher eine große Menge bereits im 18. und 19. Jahrhundert verschwunden ist. Um 1900 standen noch 30 von den 38 Gebäuden, bis zum Zweiten Weltkrieg hatten immerhin 21 überlebt. Heute existieren noch sechs, die meisten davon nach den Kriegszerstörungen nur im Äußeren rekonstruiert.

      1.) Rathaus, außen wie innen sehr gut erhalten
      2.) Schütting, nach dem Krieg im Äußeren rekonstruiert
      3.) Stadtwaage, nach dem Krieg im Äußeren rekonstruiert, mit modernem Rückgiebel
      4.) Gewerbehaus, nach dem Krieg im Äußeren rekonstruiert
      5.) Langenstraße 28, hat neben Nr. 16 als einziger Renaissance-Profanbau den Krieg unbeschadet überstanden. Leider wurde es schon im 19. Jh. umgebaut (vor allem im Dachbereich, wie man unten sieht, aber dafür ist wenigstens die Diele erhalten):


      6.) Langenstraße 16:


      Viele ausgebrannte, aber wiederaufbaufähige Häuser, zum Beispiel Wachtstraße 33, hat man nach dem Krieg einfach gnadenlos abgerissen:


      Seltsamerweise wurde Nr. 32 direkt daneben (allerdings mit veränderten Geschosshöhen) wieder aufgebaut, obwohl es nicht weniger stark beschädigt war.
    • Langenstrasse und Essighaus; Haus der Buergerschaft.

      Der groesste Verlust in der Bremer Langenstrasse muss wohl das Essighaus gewesen sein, vormalig Langenstrasse 13. Vor dem Krieg:



      Quelle: bildindex der Kunst und Architektur

      Nach dem Wiederaufbau:



      Quelle: bildindex der Kunst und Architektur

      Dieser Giebel waere wohl ein Rekonstruktionsprojekt wie beim Weseler Rathaus oder beim Nuernberger Pellerhof wert, glaube ich.


      Zum Haus der Buergerschaft: es ist glaube ich um 2000 noch renoviert worden. Es steht natuerlich unter Denkmalschutz.
      Es ist das Aergernis aller Bremen-Besucher und wird fuer die meisten Bremer auch wohl eins sein.
      Favorevole alla ricostruzione completa come era e dove era.
    • was gibt es denn am haus der bürgerschaft architektonisch auszusetzen?
      materialien, propotionen, qualität - alles ist stimmig.

      im übrigen habe ich bremen als eine der wenigen deutschen grossstädte in erinnerung, die heute noch (bzw. wieder) über ein intaktes stadtzentrum verfügen, d.h., dass alle funktionen des zentrums auf engsten raum zu finden sind.
      auch die wiederaufbauleistung nach ´45 sollte man an den zeitgenössischen massstäben und ressourcen messen - und da schneidet bremen ziemlich gut ab.
    • Himmel hilf, selbst wenn der Wiederaufbau hier relativ gesehen gelungen ist, hat das Gebäude einen viel zu großen kunsthistorischen Wert, als dass es nicht die Rekonstruktion wert wäre. Dafür, dass das bis heute nicht geschehen ist, sollten sich zwei Generationen Städteplaner, Architekten und Denkmalpfleger mal gerade in die Ecke schämen gehen. Und das Argument mit den Funktionen, toll, die finde ich in Brasilia oder Hiroshima auch, obwohl's Betonwüsten sind. Wenn Architektur nur auf die Funktionalität des Ergebnisses reduziert wird, schafft der Architekt sich selbst ab. Dann brauchen wir nur noch Ingenieure. Und ein paar Bauarbeiter, am besten schwarz ausm Osten. Kommt vielleicht billiger.

      Dass dieser unförmige Haufen Beton unter Denkmalschutz steht, während anderswo täglich Baudenkmäler abgerissen werden... ich rede lieber nicht weiter, sonst wird's martialisch. Wie kann man nur so eine "Notsicherung" unter Denkmalschutz stellen? :boese:
    • Dieser Giebel waere wohl ein Rekonstruktionsprojekt wie beim Weseler Rathaus oder beim Nuernberger Pellerhof wert, glaube ich.



      Stimmt genau. Wenn sich an dem wiederaufgebauten Haus bis heute nichts geändert hat, steht das alte Erdgeschoss ja noch.
      Das Essighaus ist, finde ich, tatsächlich sehr gut mit dem Weseler Rathaus zu vergleichen. Wenn jemand den Anfang macht, lässt sich bestimmt eine Bürgerinitiative mit viel Sympathie aus der Bevölkerung gründen. Wer macht´s? :zwinkern: Im Ernst!

      Zur Architektur der Bürgerschaft. Ich denke da braucht man gar nicht drüber zu reden. Der Kasten gehört einfach nicht an diesen Ort. 100 km weiter weg, von mir aus.
    • Soweit ich weiß wurden beim Essighaus nach dem Krieg sogar noch viele Architekturfragmente des Giebels aus den Trümmern geborgen, die dann aber später größtenteils "verschwunden" sind.

      Mir ist gerade allerdings aufgefallen, dass die Erdgeschossfassade offenbar ebenfalls abgetragen und neu aufgebaut wurde, denn die Ausluchten haben im Erdgeschoss nach dem Wiederaufbau dieselbe Höhe wie das Portal, vorher war letzteres einige Zentimeter höher.