Abriss und andere schlechte Meldungen in Kurzfassung

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    • "Antiquitus" schrieb:



      "Historische Authentizität nicht gegeben" - bei einem Jugendstilobjekt? Ist das nicht ein Widerspruch in sich? Es ist wirklich katastrophal, wie gerade mit Jugendstilbauten umgegangen wird, denn im Gegensatz zum Historismus ist dieser eigenständig und in seiner Qualität mit Gotik, Barock oder Rokoko mindestens gleichzusetzen!
    • Kann man da nicht mal - von APH oder S.-D. 'nen Brief hinsenden? Nur damit denen auch mal von weiter weg vor Augen gehalten wird, dass sowas Schwachsinn ist. Selbst wenn unser (scheinbar ohnehin überflüssige) Denkmalschutz es nicht als denkmalwürdig ansieht, müsste man es doch wenigstens aus Gründen der Ästhetik erhalten - egal was Architekten erzählen, ein Neubau wird sicher nicht schöner.
      Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten
      Karl Kraus (1874-1936)
    • Ich weiß zwar nicht, ob die Dame das so gesagt hat, aber wenn man die Sätze zusammen liest, ist es schon irgendwie ungwöhnlich:
      "Weil es nach dem Krieg keine originalgetreue Rekonstruktion gab, [...] [sei] [d]ie für die Denkmalwürdigkeit erforderliche Authentizität ist nicht mehr gegeben". :D

      Und dass man so eine Sauna mit Kuppel nicht betreiben kann, glaube ich nicht - anderswo werden die neu gebaut...
      Eine der vorzüglichsten Eigenschaften von Gebäuden ist historische Tiefe.
      Die Quelle aller Geschichte ist Tradition. (Schiller)
      Eine Stadt muss ihren Bürgern gefallen, nicht den Architekten.
    • Ich bin auf folgende enttäuschende Nachricht gestoßen. Im nordrhein-westfälischen Dülmen (nicht gerade mit historischen Bauwerken gesegnet) wurde das erhaltene Remisengebäude des 1945 zerstörten Schlosses im Mai 2007 für einen Parkplatz abgerissen. Das Gebäude diente zuvor der örtlichen Musikschule.

      So sah die Schloß-Remise vor dem Abriss aus:
      de.wikipedia.org/wiki/Bild:D%C3%BClmen_Musikschule.jpg

      Bild vom Abriss:
      duelmenerimpressionen.blogspot.com/2007/05/abriss.html

      Stellungnahme der Grünen:
      gruene-duelmen.de/AntragDenkmSchAmtshaus2.pdf

      So sieht es jetzt aus:
      borkenerzeitung.de/wna/lokales…k_aufs_Hospital_frei.html

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Heimdall ()

    • St. Petri in Hamburg

      Ich war letzte Woche in Hamburg und wollte mir kurz die Hauptkirche St Petri anschauen. Die Gemeinde hat offenbar grosse Pläne: es sollen verschiedene Neubauten errichtet werden (sie ersetzen belanglose Nachkriegsbauten), ABER auch der Innenraum soll verändert werden... Die Arbeiten sind schon im gange, Proteste werden also nichts bringen :(

      Zuerst eine Übersicht der Bauaktivitäten:



      Neues Gemeindezentrum (immerhin Backstein):





      Und nun der Innenraum:





      Die Kirche hat den Krieg übrigens ganz gut überstanden...
    • Seufz! Ich frag mich, warum moderne Architekten nur noch Bauklötze bauen können. Haben die ihr Handwerk im Kindergarten gelernt? Da ist es auch ganz egal, ob diese Bauklötze mit Backstein oder Sandstein verkleidet sind, im Endeffekt sind es doch alles Betonklötze. Ist schön billig, hält ewig... und wird bestimmt nach 30 Jahren wieder abgerissen, weil die Leute dann hoffentlich wieder einen besseren Geschmack haben als heute.
    • Abriss ehem. Lederfabrik und altes Kulturhaus der Baumwollspinnerei Mittweida
      Die ehemalige Lederfabrik an der Waldheimer Straße und das alte Kulturhaus der Baumwollspinnerei an der Zschopaustraße in Mittweida kommen unter die Abrissbirne.
      Geld dafür kommt aus dem Förderprogramm „Revitalisierung von Brachflächen des Freistaates Sachsen“. Mit dem Abriss der Gebäude kann wahrscheinlich im März begonnen werden, so dass bis zum „Tag der Sachsen“ definitiv alle Mauersteine gefallen sind. Die Projektkosten für die Lederfabrik belaufen sich auf rund 575.000 Euro, rund 150.000 Euro muss die Stadt aufbringen. Hinzu kommt, dass auf diesem Gelände vermutlich Altlasten zu entsorgen sind. Der Bereich soll anschließend begrünt werden, teilweise wird er für die Straßenverbreiterung gebraucht. Außerdem sollen Pkw-Stellplätze entstehen. 160.000 Euro sind nötig, um das Kulturhaus und späteren Spielothek dem Erdboden gleich zu machen und das Areal zu begrünen. Mittweida investiert dafür cirka 48.000 Euro.

      Revitalisierung durch Abriss und Bau von PKW-Stellplätzen? nono:)

      Video:
      mittelsachsen-tv.de/default.aspx?ID=1539&showNews=340537
      Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
      (Immanuel Kant)
    • Bingen am Rhein

      Jahrhundertwende-Haus in Mainzer Straße weicht endgültig Parkplätzen
      Der Abriss der Villa Nau in vollem Gang: Die Stadtvilla am Einkaufsmarkt der Mainzer Straße weicht Parkplätzen. "Eine Schande" sagen die einen, "freie Entscheidung des Eigentümers" die anderen. Ein Wiesbadener Abbruchunternehmen ist mit dem Abriss beauftragt. [...]

      Bravo! Parkplätze! :kopfwand:

      Deprimierender und wütend machender Bericht mit Bild:
      allgemeine-zeitung.de/region/bingen/bingen/7233406.htm
      Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
      (Immanuel Kant)
    • Da wuete und tobe ich mit Dir, Palantir, das ist wahrhaftig eine Schande, besonders weil die Stadt Bingen offenbar alles tat, um den Abbruch zu verhindern und die Plaene Entsetzen und Aerger bei der Bevoelkerung hervorriefen. Fuer 11 Parkplaetze bei einem Lebensmittelgeschaeft wird das edle Haus abgerissen? :boese:

      Seltsamerweise wird der Eigentuemer und offenbare Initiator dieses Projekts in dem Artikel als "Investor" bezeichnet. :augenrollen: Nun, es ist moeglich, dass er auf lange Sicht die Parkplaetze als Zwischenstatus ansieht und eines Tages wieder bauen wird. Ich kann mir gut vorstellen dass ich mit dem Nachfolgebau keineswegs zufrieden sein wuerde.
    • "woeserbolf" schrieb:

      [...] das sind so Stellen, wo ich mir eine Bevormundung seitens des Staates wünsche. [...]

      Vergiss es. Das ist hier eine Ausnahme, dass einmal die Stadtverwaltung auf das Stadtbild Wert legt und sich ein Grundstückseigentümer stadtbildschädigend verhält.

      Die Wirklichkeit zumindest in den deutschen Großstädten ist genau andersrum: Gegen den Willen der meisten Bürger, die sehr wohl einen vernünftigen Blick für das Stadtbild haben, werden die unmöglichsten Stadtbildverschandelungen in der Regel von den Stadtverwaltungen gnadenlos durchgedrückt.

      In Klein- und Mittelstädten sieht es bisweilen besser aus. Da sind die Stadtoberen noch ein bisschen mehr Bürger ihrer Stadt, während in Großstädten die Stadtoberen offensichtlich keine natürliche Beziehung zu ihrer Stadt haben. Möglicherweise ist in Bingen die Welt insofern noch in Ordnung. Das lässt sich aber am einfachsten dadurch ändern, dass als Stadtbaumeister jemand aus einer modernen Großstadt in Norddeutschland geholt wird, der keinen Bezug zu Bingen hat und seinen neuen Einsatzort nur als Möglichkeit sieht, sich in Beton zu verewigen und zu diesem Zweck das Stadtbild vergewaltigt, das die Bürger jahrhundertelang gepflegt haben. Wobei ich sagen muss, dass Bingens Altstadt eine städtebauliche Trivialität ohnegleichen darstellt.
    • Re: St. Petri in Hamburg

      "Däne" schrieb:

      Ich war letzte Woche in Hamburg und wollte mir kurz die Hauptkirche St Petri anschauen. Die Gemeinde hat offenbar grosse Pläne: es sollen verschiedene Neubauten errichtet werden (sie ersetzen belanglose Nachkriegsbauten), ABER auch der Innenraum soll verändert werden... Die Arbeiten sind schon im gange, Proteste werden also nichts bringen :(
      ...
      Die Kirche hat den Krieg übrigens ganz gut überstanden...


      Donnerwetter, Daene! Dein Bericht ueber die desastroesen Bauvorhaben von Hamburgs Hauptkirche St. Petri ist zwar schon ueber ein Jahr alt, aber mit einem :aufdenkopf: reagieren moechte ich trotzdem. Ich erinnere mich noch an einen uralten Strang aus der APH Forumsversion I (wir sind ja inzwischen bei Version III :D), und Antiquitus weist hier auf ihn hin: http://www.architekturforum.net/viewtopic.php?f=46&t=70&p=70&hilit=+Petri#p70">viewtopic.php?f=46&t=70&p=70&hilit=+Petri#p70

      Irgendwie kann ich da eine Seite nicht aufrufen, aber die Idee eines Glaskastenanbaus an die am besten erhaltene der fuenf innerstaedtischen Hamburger Hauptkirchen im Zentrum der Stadt geht ja schon aus der Strangueberschrift hervor, und der Strang ist von 2004.

      Du hast Recht: Von den fuenf Hamburger Hauptkirchen hat St. Petri die Bombardierung des 2. Weltkrieges sehr gut ueberlebt. Der ganz nahe gelegenen Hauptkirche St. Jakobi, auch direkt in der Innenstadt, erging es schlimmer. Sie wurde mit einem modernen Turm (an den sich manche Hamburger bis zum heutigen Tage nicht gewoehnen koennen ;) ) wieder aufgebaut. Nur wenige 100 Meter trennen die beiden Kirchen. Was mich an der St. Petri Seite stoert ist, dass sie so tun als ob sie die einzige Kirche im weitgehend einwohnerlosen Zentrum Hamburgs sei.

      Woher stammen Deine Neubauprojektnachrichten von St. Petri, Daene? Die augenblickliche Webseite der Kirche weist auf keinerlei Bauprojekte hin. http://www.sankt-petri.de/\r
      www.sankt-petri.de/ Andererseits bedeutet das natuerlich nicht, dass sie nicht kraeftig am Entstellen ihres historischen Backsteinsakralbaus sind! :augenrollen:
    • Re: Abriss und andere schlechte Meldungen in Kurzfassung

      Jup, der Turm von St. Jacobi ist echt augenkrebserregend aber mitunter gewöhnt man sich auch dran. Hamburg hat vergleichsweise den Spagat zwischen Moderne und Tradition sowieso besser hinbekommen, als die meisten Großstädte in Deutschland. Das trübt natürlich nicht den Verlust der historischen Substanz. Die Neubauten haben aber auf ihre Art und Weise auch Flair. Beispiel Rödingsmarkt und Umgebung. Gut - da gibt es genauso viele schreckliche Beispiele wie gute, ich denk da nur ans Parkhaus MITTEN neben der Ubahnhaltestelle. Nicht zu fassen .... aber insgesamt kommt die Innenstadt immer noch stimmig rüber. Ich lebe hier - ich muss es wissen. :zwinkern:

      Aber die Vereinsamung der Innenstädte ist Fakt, das stimmt.
    • Re: Abriss und andere schlechte Meldungen in Kurzfassung

      "Zeno" schrieb:

      Die Wirklichkeit zumindest in den deutschen Großstädten ist genau andersrum: Gegen den Willen der meisten Bürger, die sehr wohl einen vernünftigen Blick für das Stadtbild haben, werden die unmöglichsten Stadtbildverschandelungen in der Regel von den Stadtverwaltungen gnadenlos durchgedrückt.

      In Klein- und Mittelstädten sieht es bisweilen besser aus. Da sind die Stadtoberen noch ein bisschen mehr Bürger ihrer Stadt, während in Großstädten die Stadtoberen offensichtlich keine natürliche Beziehung zu ihrer Stadt haben. Möglicherweise ist in Bingen die Welt insofern noch in Ordnung. Das lässt sich aber am einfachsten dadurch ändern, dass als Stadtbaumeister jemand aus einer modernen Großstadt in Norddeutschland geholt wird, der keinen Bezug zu Bingen hat und seinen neuen Einsatzort nur als Möglichkeit sieht, sich in Beton zu verewigen und zu diesem Zweck das Stadtbild vergewaltigt, das die Bürger jahrhundertelang gepflegt haben.

      Privateigentümer, die wertvolle Gebäude mit allerlei Folterutensilien aus dem Baumarkt übel verschandeln oder ihre Häuser sogar gezielt verfallen lassen, da sie auf wertvolles Bauland und einen Neubau spekulieren, sind allerdings schon ein ernstzunehmendes Problem. Hier wären ein stärkerer Denkmalschutz mit restriktiven Vetorechten und mitunter auch rasche Enteignungsverfahren, die klarstellen, dass ein solches Verhalten nicht geduldet werden kann, durchaus wünschenswert.
      "Meistens belehrt uns der Verlust über den Wert der Dinge."
      Arthur Schopenhauer