Abriss und andere schlechte Meldungen in Kurzfassung

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    • Abriss und andere schlechte Meldungen in Kurzfassung

      Ich mache hier mal einen Thread auf, in dem man kurz über kleine, eher unbedeuntende Abrisse von Altbauten oder ähnliche Trauernachrichten berichten kann. Dieses geschieht aus aktuellem Anlass:

      Hab heute morgen noch eben schnell den Lokalteil der Samstagszeitung durchgekaut da ich am Wochenende bei meiner Freundin war und gelesen, dass in unserem Dorf der Altbau des Josephshauses abgerissen wurde.
      Das Josephshaus ist seit ich denken kann ein Heim für schwer erziehbare Kinder, als was es erbaut wurde weiß ich nicht. Die Kinder wohnen in kleinen Betonbunkern und werden dort auch unterrichtet, während der Altbau seit Jahren leersteht.
      Nun zum Gebäude selber: Es handelt sich um eine um 1902 erbaute Kombination aus Kirche und Verwaltungsgebäude (Schule oder was weiß ich was es war), beides im Stil der Neugotik. Die kleine Kirche hatte einen Turm und Kirchenfenster und ist im Prinzip eine normale neugotische Kirche wenn die Tatsache nicht wäre, dass die beiden untersten Geschosse zu dem Profanbau gehören, alles in allem etwas, was ich zumindest vorher noch nie gesehen habe. Jetzt wurde das Hauptgebäude abgerissen, nur der Seitenflügel mit der denkmalgeschützen Kirche blieb stehen. Damit fiel das zweitletzte größere Gründerzeitliche Gebäude in unserem Dorf und das letzte im Originalzustand erhaltene der Spitzhacke zum Opfer. Die Kirche ohne den Hauptbau sieht jetzt auch ziemlich witzlos aus, habs heute nur aus der Ferne gesehen aber das reichte schon, der Unterschied ist sehr groß.
      Naja, im Oktober werde ich Wettringen, so heißt das besagte Dorf, eh für immer den Rücken kehren. In einem Dorf, das unzerstört aus dem Krieg ging und heute prozentual im Zentrum weniger Altbauten als Dortmund, Duisburg oder Magdeburg hat will ich nicht leben.
      Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten
      Karl Kraus (1874-1936)
    • Sehr gute Idee mit dem Thema- wird sich sicher leider rasch summieren, hab ich die Befürchtung!
      Jetzt eine kleine Trauernachricht aus Essen:
      ist zwar kein Haus, aber sie sind schon länger dabei in Essen die schönen Gaslaternen, die zwar schätzungsweise aus den 20ern oder 30ern stammen, abzumontieren. Ich fand, sie hatten eine schöne Athmosphäre geschaffen, waren dabei hell genug und erfüllten sogar die heutigen Bestimmungen gegen die "Lichtverschmutzung" (was für ein doofes Wort)
      Und auf der Kettwiger Straße rühmen sie sich mit dem dem Gaslaternenmuseum? Wie passt denn das zusammen?
      Hier ein noch erhaltenes Exemplar:

      [/url][/img]
    • Allgaierhaus, Deißlingen, Landkreis Rottweil, Baden-Württbg

      Das alte Allgaierhaus der Gemeinde Deißlingen soll am kommenden Dienstag abgebrochen werden. Jungen Menschen in der Gemeinde wurden und werden aktiv, um diesen Schritt zu verhindern.






      Der Deisslinger Gemeinderat hat beschlossen, für das Allgaierhaus eine Abrissgenehmigung zu beantragen, da man dem potentiellen Käufer nicht das ganze Grundstück verkaufen will.

      DEISSLINGEN, 1. Juni (mm) - Der Deisslinger Gemeinderat hat beschlossen, beim Denkmalamt die Abbruchgenehmigung für das Allgaierhaus zu beantragen. Grund ist, dass die junge Familie, die das Haus sanieren wollte, das gesamte zum Haus gehörende Grundstück erwerben wollte. Dies aber verstößt gegen die Vergabeordnung der Gemeinde: das Grundstück wäre zu groß.


      Bürgermeister Wolfgang Wesner betonte gegenüber der NRWZ, der Gemeinderat müsse sich an diese Verordnung halten, die er ja schließlich einst selbst beschlossen habe. Daher habe der Gemeinderat mit großer Mehrheit in nichtöffentlicher Sitzung beschlossen, die Abbruchgenehmigung für das denkmalgeschützte Gebäude zu beantragen. "Dem Gemeinderat bleibt gar nichts anderes übrig", so Wesner. Ob die Gemeinde die Genehmigung allerdings bekommt, ist eine andere Frage: das Denkmalamt verlangt dafür eine Begründung, dass das Gebäudes nicht erhaltbar ist.

      Für die Gemeinde bedeuten beide Lösungen - ein Abriss oder die Sanierung durch einen Privatmann - in finanzieller Hinsicht dasselbe: in einem Fall spart man sich die Abrisskosten, im anderen Fall werden diese beim Verkauf der Grundstücke wieder eingenommen
      .



      Reaktionen:

      Das Allgaier-Haus könnte ein Schmuckstück sein

      Wie man der örtlichen Presse entnehmen konnte hat der Deißlinger Gemeinderat in einer Nichtöffentlicher Sitzung den Abbruch des denkmalgeschützten Allgaier-Hauses beschlossen, und dies obwohl eine Junge Deißlinger Familie ein Sanierungskonzept vorgelegt hat, samt Finanzierungszusage einer örtlichen Bank.
      Ist es nicht lobenswert wenn sich junge Leute bereit erklären, in Eigeninitiative ein Kulturdenkmal zu sanieren? Heute wo alle Kassen leer sind brauchen wir doch gerade diesen Mut der jungen Generation. Aber diese Werte scheinen dem Deißlinger Gemeinderat fremd zu sein. Vielmehr beruft man sich auf die Bauplatz Satzung und begründet damit die Ablehnung des Kaufantrages.

      Dagegen spricht aber ein Beschluss aus einer öffentlichen Sitzung des Deißlinger Gemeinderates von 2003 indem es heißt, dass genau dieser Bauplatz dem potentiellen Käufer des Allgaier-Hauses als Garten verkauft bzw. angeboten werden solle?

      Ich frage mich, warum man dieses Kulturdenkmal nun nicht so, wie es 2003 beschlossen wurde, an die Interessenten verkauft. Außer den wirtschaftlichen Interessen Einzelner steht doch kein haltbares Argument für den Abbruch. Im Gegenteil.

      Ein siebenköpfiges Expertenteam bestehend aus Zimmermeistern, Restauratoren, Gutachtern, Architekten und Baukostenplanern kam zu dem Ergebnis, dass das Gebäude erhaltenswürdig ist, und hat dazu das nötige Konzept entwickelt. Die Bausubstanz des Hauses, so sahen es die Experten, sieht von außen schlimmer aus als sie ist.

      Ein renoviertes Allgaier-Haus ist ein Schmuckstück und ist ein Zugewinn für unsere Gemeinde, man erinnere sich, wie das Haus Oberhofenstraße, der Bären oder die Mittlere Mühle noch vor einigen Jahren ausgesehen haben, heute sind sie nicht mehr wegzudenken.

      Matthias Allgaier
      Deißlingen



      und


      Für den Erhalt des Allgaier-Hauses

      Am kommenden Dienstag steht der Abbruch des Allgaier Haus auf der Tagesordnung des Deißlinger Gemeinderates. Wir möchten diesen Leserbrief nutzen um zu zeigen dass Alexander Röhrle nicht alleine mit seiner Idee vom Erhalt des denkmalgeschützten Hauses ist.

      Die Idee des Erhalts basiert auf einem von Fachleuten erstellten Konzept, das entgegen des verbreiteten Meinung, dem Allgaier Haus eine gute Bausubstanz bestätigt. Denn es ist nicht üblich dass ein Haus auf Grund eines kaputten Daches , alten Fenstern, oder gar weil es noch kein Bad hat abgebrochen werden muss. Vielmehr ist es in diesem Falle als ein Vorteil anzusehen, denn in dem Haus ist keinerlei Neuzeitlicher Pfusch verbaut. Es ist eine Chance ein Stück Deißlingen zu konservieren, Nutzbar zu machen, und an folgende Generationen zu vererben.

      „Die heutige Jugend hat nichts drauf“ diesen Spruch hört man gerne an Stammtischen und in sonstigen Diskussionsrunden. Kommt aber ein couragierter „Junger“ daher und will etwas schaffen, was anderswo höchste Anerkennung bekommen hätte, wird er in Deißlingen nicht für voll genommen, seine Kompetenz in Frage gestellt, und es wird das Gefühl vermittelt „ der soll doch froh sii, dass er’s nit kriagt hat“. Das ist eine sehr unfaire Geste in die Richtung von uns Jungen.

      Gebt uns doch die Chance dieses Gebäude zu sanieren, wieso stellt ihr euch gegen uns, es gibt doch keine Nachteile die der Gemeinde durch den Erhalt des Hauses entstehen! Sogar die Bauplatzsatzung lässt in Ausnahmefällen unter Punkt 10 Spielraum für eine solches Vorhaben zu!

      Wir stehen hinter Alex und packen mit an, wir appellieren an den Gemeinderat die Entscheidung zu überdenken, und hoffen eine Chance zu bekommen!

      Thilo Hauser, Alexander Maluck, Denis Tomisch, Matthias Fietz, Matthias Allgaier, Jo Hengstler, Michael Maier, D. Stern, Andreas Lissy, Patrick Schmeh, Ingo Schmeh, Achim Bick, Somone Tedesco, Mario Tedesco, Armin Schmidt, Volker Hengstler, S. Bamberger, Karl Heinz Schumpp, Cathrin Hengstler



      quelle: nrwz.de


      Jeder, der sich die
      Fähigkeit erhält Schönes zu erkennen, wird nie alt werden.

      www.archicultura.ch

    • Ich finde so etwas einfach nur traurig.

      Besonders schlimm ist es, wenn Verwaltungsbürokratie schwerer wiegt als schützenswerte Güter. Denn der Denkmalschutz, so umstritten er ist, dient dem Interesse der Allgemeinheit. Das Verwaltungsrecht läßt der Gemeinde keine andere Wahl? Politischer Wille biegt doch alles um.

      Ich weiß nicht, wie eure Erfahrungen mit den Bauaufsichtsbehörden sind, aber ich schlage mich beruflich wie privat mit denen herum. Es ist wirklich grausam, wie die in Deutschland grundsätzlich geltende Baufreiheit gehandhabt wird: langweilige, häßliche, qualitativ schlechte Bauträgergeschwürvorhaben werden bevorzugt, weil Arbeitsplätze gesichert werden, es Gewerbesteuereinnahmen gibt und vielleicht Gemeinderatsmitglieder im Aufsichtsrat einer Wohnungsbaugesellschaft sitzen. Dafür werden Rekonstruktionen und individuelles Bauen bekämpft- aus Mißgunst dem Einzelnen gegenüber?

      Überspitzt ausgedrückt: was haben Ältere mit ihren Nachkriegsbausünden den Jüngeren vorzuschreiben?
      http://www.baukunst-nuernberg.de/ - Architektur in Nürnberg vom Mittelalter bis zur Gegenwart
      Nürnberger Bauernhausfreunde e. V.
    • Gaslaternen ebenfalls erhaltenswert

      Hallo,

      da wurde ein "wundes" Thema meiner bisherigen denkmalschutzorientierten Tätigkeiten in Mainz und Dresden angeschnitten und ich möchte den Link

      http://www.industrie-kultur.de/modules/newbb/viewtopic.php?topic_id=29&forum=1\r
      www.industrie-kultur.de/modules/ ... 29&forum=1

      nicht unerwähnt lassen.

      Da hier in Leipzig lediglich 5 Laternen (abgesehen von einer privaten Sammlung) in der Stadt tatsächlich noch mit Gas befeuert werden ist mein Engagement etwas gesunken, aber ich beachsichtige immer noch eine entsprechende Dokumentation zu Dresden und der dortigen -noch recht umfangreichen- Gasbeleuchtung zu erstellen.

      Ich freue mich über Mitstreiter zum Thema "Gasstraßenbeleuchtung in Deutschland" und entsprechenden Gedankenaustausch;-))

      Schöne Grüße aus Leipzig

      Ralf

      PS.: Falls jemand Interesse hat mir liegt umfangreiches Informationsmaterial zum Thema vor.

      PPS.: Der gezeigte Lampentyp herrscht übrigens auch in Mainz

      PPPS.: In Baden-Baden werden die dortigen Gaslaternen als Kulturgut wie der eigene Augapfel gehütet und gepflegt:-)) Es geht also wenn es kreative und innovative Leute in Stadtverwaltung und Denkmalschutzamt gibt!!

      "Kindvon2dresdnern" schrieb:

      Sehr gute Idee mit dem Thema- wird sich sicher leider rasch summieren, hab ich die Befürchtung!
      Jetzt eine kleine Trauernachricht aus Essen:
      ist zwar kein Haus, aber sie sind schon länger dabei in Essen die schönen Gaslaternen, die zwar schätzungsweise aus den 20ern oder 30ern stammen, abzumontieren. Ich fand, sie hatten eine schöne Athmosphäre geschaffen, waren dabei hell genug und erfüllten sogar die heutigen Bestimmungen gegen die "Lichtverschmutzung" (was für ein doofes Wort)
      Und auf der Kettwiger Straße rühmen sie sich mit dem dem Gaslaternenmuseum? Wie passt denn das zusammen?
      Hier ein noch erhaltenes Exemplar:

      [/url][/img]
      ---
      Nicht weil die Dinge schwierig sind, wagen wir sie nicht,
      sondern weil wir sie nicht wagen sind sie schwierig


      Seneca (röm. Philosoph, * etwa 4 v. Chr. † 65 n. Chr.)
    • ich habe gute nachrichten bezüglich des alten allgaierhaus der gemeinde deißlingen ( siehe oberen beitrag )

      27.07.2005 NRWZ
      ALLGAIERHAUS GERETTET

      Deißlinger Familie darf kaufen und renovieren



      Alexander Röhrle - hier bei einer Besichtigung des Allgaierhauses
      im Frühjahr - darf dieses nun mit seiner Familie kaufen und renovieren.
      Foto: mm




      DEISSLINGEN, 27. Juli (mm) - Der Abriss des denkmalgeschützen
      Allgaierhauses ist vom Tisch. Am Dienstag hat der Gemeinderat
      beschlossen, der kaufwilligen Familie das Haus zu geben,
      zusammen mit dem Nachbargundstück.


      Beinahe wäre der Verkauf gescheitert (wir berichteten),
      denn die Käufer wollten nicht nur das kleine Grundstück
      am Haus, sondern auch das benachbarte dazukaufen.
      Das Gelände gehörte ursprünglich zu dem Bauernhaus,
      ebenso das umliegende Baugebiet "Allgaiers Garten".
      Doch dem wollte der Gemeinderat nicht zustimmen,
      da es der Vergabeordnung widersprach. Nun verkauft
      man doch, der Abriss ist vom Tisch.

      "Die vom Gemeinderat geforderte Finanzierungs-
      bestätigung entspricht dem, was der Rat wollte",
      betonte Bürgermeister Wolfgang Wesner gegenüber
      der NRWZ. "Wir haben uns eingehend damit beschäftigt",
      und betont auch, dass der Beschluss keineswegs einstimmig
      gefallen sei. "Wir werden nun sehen, was draus wird!"


      quelle: nrwz.de/nrwz/kreis/00007065/


      Jeder, der sich die
      Fähigkeit erhält Schönes zu erkennen, wird nie alt werden.

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    • Wenigstens ist das Ergebnis gut, wenn auch ein fader Nachgeschmack bei solchen Geschichten unvermeidbar ist!

      Ich finde, daß gerade die ursprünglich als unbebaut beabsichtigen Grundstücksflächen (Gärten, Parks, Plätze) extrem wichtig sind, um unsere alten Schätzchen wirken zu lassen. Pausen gehören nun einmal zur Musik. Nichts ist schlimmer, als in ein Villengrundstück noch drei Blöcke mit je zehn "exklusiven" Eigentumswohnungen zu pferchen, die mit ihrem Premium-Preis Bauträger und Gemeinde froh machen, aber die Stadt und die Allgemeinheit arm.
      http://www.baukunst-nuernberg.de/ - Architektur in Nürnberg vom Mittelalter bis zur Gegenwart
      Nürnberger Bauernhausfreunde e. V.
    • "baukunst-nbg" schrieb:

      Ich finde, daß gerade die ursprünglich als unbebaut beabsichtigen Grundstücksflächen (Gärten, Parks, Plätze) extrem wichtig sind, um unsere alten Schätzchen wirken zu lassen. Pausen gehören nun einmal zur Musik. Nichts ist schlimmer, als in ein Villengrundstück noch drei Blöcke mit je zehn "exklusiven" Eigentumswohnungen zu pferchen, die mit ihrem Premium-Preis Bauträger und Gemeinde froh machen, aber die Stadt und die Allgemeinheit arm.


      Oh ja, du sprichst mir aus der Seele. Aber wenn ich es richtig verstanden habe, wird zumindest das Nachbargrundstück nicht bebaut.
      Diese exklusiven Eigenheime haben meistens noch den Nachteil, dass sie extrem häßlich aussehen und daher die alte Villa, die mit dem umliegenden Park ein stimmiges Gesamtbild ergibt, plötzlich wie ein Fremdkörper in einer sonst homogenen Bebauung wirkt.
      Und das schlimmste ist ja - was einmal bebaut wurde, bleibt fast immer auch auf Ewigkeit Baugrund.
      Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten
      Karl Kraus (1874-1936)
    • @baukunst-nbg
      booni

      ich verstehe euere bedenken prinzipiell schon, doch ist
      in den dazugehörigen lesebriefen nicht die rede
      von einer zusätzlichen bebauung, sondern vielmehr
      vom erhalt und der restaurierung des denkmalgeschützten
      gebäudes.

      wenn es ursprünglich nach dem wunsch des gemeinderats
      gegangen wären, stünde das haus heute nicht mehr.

      der einsatz der jungen famlie ist doch erst einmal lobenswert
      mit dem hinweis auf den erhalt anderer ortsbildprägender
      gebäude, die offensichtlich auch schon auf der abbruchliste
      standen.

      ohne diese leute persönlich zu kennen, lese ich aus ihrem
      engagement schon eine portion idealismus heraus, den man
      sich heutzutage, vor allem bei größeren investoren, nur
      wünschen könnte. aber ich werde das projekt im auge behalten.

      denn neben der guten nachricht des erhalts in deisslingen,
      bestimmen doch meist weniger gute nachrichten den alltag,
      wie hier aus einer einer nachbargemeinde über den stillen
      protest gegen das fortlaufende, modernistische zerstörungs-
      werk de ortsbildes - darüber sollte man sich auch im klaren sein:

      20.07.2005 nrwz

      Und tschüss!

      Wieder einmal wird ein ortsbildprägendes Gebäude
      in Göllsdorf abgerissen, scheinbar ohne, dass jemand
      eine Träne vergießt. Der Denkmalschutz konnte, ohne
      Widerstand der Behörden, schon vor geraumer Zeit
      abgelegt werden. Man könnte sogar den Eindruck
      gewinnen, manch einer wäre froh, endlich eine
      Aufgabe weniger zu haben.

      Dieses Haus sollte nie eine Chance bekommen,
      wie z. B. das Allgaierhaus in Deisslingen, wo
      wenigstens versucht wurde, einen Käufer zu finden.

      Göllsdorf wird rapide verändert, entwickelt sich
      dabei immer mehr zur Vorstadt und verliert damit
      auch die Unverwechselbarkeit seiner Gebäude mit
      ihrer Geschichte, was ich zutiefst bedauere.

      Reiner Hils
      Göllsdorf


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    • Klar, die Leute sind wirklich lobenswert, allein das ganze Geld.

      Andrerseits... in unsrer Nachbarstadt Ochtrup wurde ein Gründerzeithaus gegenüber einer Straßeneinmüdung vor einigen Jahren für viel Geld aufwendig und schön renoviert, so dass es ein Blickfang an dieser kleinen und bescheidenen Kreuzung war.
      Nun wurde aus dieser T-Kreuzung allerdings eine Richtige Kreuzung weil man den LKW's, die von der B54N kamen, nicht zumuten konnte, 3x abzubiegen wo auch einmal gereicht hätte. Also wurde das sanierte Haus und das Nachbarhaus (auch Gründerzeit) abgerissen um einer Kreuzung samt Kreisverkehr Platz zu machen.

      ... aber aus der neuen Straße kommen auch nicht wirklich viele Autos. Dafür hat man jetzt n schönen Einblick auf eine schöne Ziegelbrandwand aus den 60ern, die ein Fabrikgelände dahinter begrenzt.
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    • Wieder mal eine schlechte Nachricht über eine Abrißgenehmigung:

      szon.de/lokales/bad_saulgau/stadt/200510070393.html

      "'Unser Dorf soll schöner werden - Abriss jetzt', fordern die Friedberger mit Anschlägen an dem Gebäude", heißt es in dem Artikel. Da kann man nicht mehr helfen. Wie das Haus aussieht, hätte man ein Schmuckstück daraus machen können. Aber nein - ich kann mir schon jetzt vorstellen, was für eine kitschige Kiste das "Dorf"-Zentrum künftig schmückt. Ich bezweifle, ob heutzutage etwas Neues die zierlichen und zum Ort passenden Proportionen des alten Gebäudes wieder aufnimmt. Klar, in allen Epochen und gerade im Historismus wurden in aufstrebenden Dörfern alte Häuser abgerissen und durch Neues ersetzt. Diese damaligen Neubauten gefallen uns heute recht gut. Vielleicht gefällt den späteren Generationen ja auch das heutige Durchschnittsbauen und wir sind komplett auf dem Holzweg.
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    • "was wirtschaftlich keinen sinn macht, kommt weg"

      "wenn die stadt gefangene eigener und zugleich widersprüchlicher interessen wird"*

      "wenn denkmalschutz zur farce wird"

      *durch eine gesetzesänderung wurde die untere denkmalschutzbehörde
      in baden-württemberg, angesiedelt bei den städten und gemeinden, zum
      entscheidenden organ in der handhabung des denkmalschutzes.
      der liebe herr teufel und seine mitstreiter wußten wohl genau, was
      mit dieser novelle alles möglich wird - vor allem deshalb hat man sie
      auch vehement durchgepeitscht im landtag. eine schande für baden-
      württemberg ist diese regelung, wenn man bedenkt, dass baden neben
      bayern einst eine vorreiterolle in sachen denkmalschutz hatte.
      das ausmaß dieser änderungen wird an solchen problemen deutlich.
      zurückstecken muß letztlich immer der denkmalschutz.
      was auch immer anstelle dieser gebäudetypen errichtet wird, es wird
      nicht annähernd den charme dieser siedlungshäuser haben.




      12.10.2005
      Einstimmiges Votum für einen Abriss
      Bauausschuss einig: Denkmalgeschützte Arbeitersiedlung soll neuen Reihenhäusern weichen



      Einhellig hat der Bauausschuss einer Bauvoranfrage
      zugestimmt, die vom Abriss der Arbeitersiedlung an der
      Frohsinn-/Rauensteinstraße ausgeht. Das Liegenschaftsamt
      verhandelt jedoch auch mit Investoren, die an einer
      Modernisierung des Bestands interessiert sind.
      Schon nächste Woche soll der Gemeinderat entscheiden,
      welchen Weg die Stadt einschlagen wird.


      quelle: südkurier
      weiter unter:suedkurier.de/lokales/ueberlingen/art2430,1745952.html


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    • Die Leute scheinen nicht zu verstehen, daß unser hauptsächlicher Rohstoff unsere Kultur ist. In solchen barbarischen Aktionen manifestiert sich die Dekadenz nach außen, weil man Kultiviertheit auf dem Altar des schnellen Geldes und individueller Fortkommenswünsche opfert.
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    • Das ist doch Wahnsinn... gerade die Arbeitersiedlungen bieten doch heute einen sehr hohen Lebenswert wie ihn Reihenhaussiedlungen nie haben werden. Wofür gibt es den Denkmalschutz denn überhaupt noch wenn jeder, der Geld hat, sich durchsetzen kann?

      Das ist doch wirklich zum k*****

      Hoffentlich kann der Abriss noch irgendwie abgewendet werden... und eine Gesetzänderung, die den Abriß noch begünstigt? Gute Nacht BWÜ...
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    • gute nachrichten aus überlingen
      in der morgigen ausgabe des südkuriers:
      :D

      Kulturdenkmal bleibt erhalten

      Abriss oder Sanierung? Diese Frage stand beim Kulturdenkmal einer Arbeitersiedlung aus den Jahren 1922/23 in Überlingen im Raum.
      Überlingen


      Anfang Oktober hatte der Bauausschuss noch einmal grünes Licht für einen Abriss gegeben, wohl wissend, dass noch Verhandlungen mit am Erhalt interessierten Investoren liefen. Vor allem unter dem Aspekt wirtschaftlicher Nachteile für die Stadt hatte sich das Gremium skeptisch gegenüber einer Sanierung gezeigt. Die kann nun doch erfolgen. Wie Oberbürgeremister Volkmar Volkmar Weber bestätigte, hat sich der Gemeinderat jetzt nicht öffentlich für den Verkauf an einen Investor ausgesprochen, der eine Modernisierung plant, und sich so eine Kontroverse mit der Denkmalspflege erspart.


      Südkurier
      21.11.2005
      Investor gefunden
      Kulturdenkmal an Frohsinnstraße wird doch saniert


      Überlingen



      Überlingen (hpw) Es geht also doch. Seit mehreren Jahren wurde die Zukunft der als Kulturdenkmal ausgewiesenen Gebäude an der Frohsinnstraße kontrovers diskutiert. In Konkurrenz um eine Modernisierung und Nutzung des städtischen Areals an der Kreuzung mit der Rauensteinstraße standen Abriss mit kompletter Neubebauung oder die Möglichkeit einer zeitgemäßen Sanierung. Auf den Erhalt des Ensembles aus den Jahren 1922/23 drängte auch die Denkmalpflege.

      Von großer Skepsis geprägt war die Diskussion im Bauausschuss des Gemeinderats. Vor allem unter dem Aspekt wirtschaftlicher Nachteile für die Stadt bei einer erzwungenen Sanierung hatte der Ausschuss Anfang Oktober noch einmal trotzig grünes Licht für einen Abriss gegeben, wohl wissend, dass auch noch Verhandlungen mit interessierten Investoren im Gange waren und eine Umsetzung des Beschlusses ein so genanntes "Dissensverfahren" mit der Denkmalpflege heraufbeschwören, die Sache also nicht unbedingt beschleunigen würde. Im Rahmen seiner jüngsten Sitzung hatte der Gemeinderat das Thema und die Verhandlungsergebnisse nicht öffentlich beraten. Abschließend sei dann auch der Verkauf zur Sanierung des Ensembles beschlossen worden, bestätigte Oberbürgermeister Volkmar Weber auf Anfrage. Am kommenden Mittwoch wird Weber die Entscheidung auch öffentlich bekannt geben, hinter der die Verwaltung auch selbst steht. Die Beratung habe gezeigt, dass ein vernünftiger Umbau und eine Sanierung möglich seien. Auch die Einschätzung der Verwaltung habe sich durch das Verkaufsergebnis bestätigt, erklärte Weber. Und: "Ich denke, dass wir einen guten Preis erzielt haben." Der Verkauf rechne sich vor dem Hintergrund, dass die Gebäude unter Denkmalschutz stünden, auf jeden Fall. Es habe auch eine Abwägung des Risikos stattgefunden, das ein Dissensverfahren mit offenem Ausgang heraufbeschworen hätte. Den Zuschlag habe ein Unternehmen erhalten, mit dem die Stadt schon in der Vergangenheit "vertrauensvoll zusammen gearbeitet" habe. Darin sieht Weber eine Garantie für den Anspruch auf Qualität bei der Sanierung.

      quelle:suedkurier.de/lokales/ueberlingen/art2430,1799526.html


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    • Dafür hier mal wieder eine traurige Geschichte:

      Ein Stück Weindorf verschwindet
      "Schlemmerstadl" soll abgerissen werden - Kein Denkmalschutz mehr

      marktplatz-oberbayern.de/regio…73d84877be63778aee7c145bf
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    • Denkmalschutz versus Tourismus

      Landesamt für Denkmalpflege kritisiert Abrissgenehmigung für Hotel Geiger in Bischofswiesen

      Bischofswiesen - Der geplante Abriss des Hotel Geiger in Bischofswiesen stößt auf scharfe Kritik des Landesamtes für Denkmalpflege. Vom «Verlust eines Identitätsträgers» spricht die Münchner Behörde in einer Presseerklärung. In Bischofswiesen sieht man dies freilich anders. Im derzeitigen Zustand will das Areal keiner kaufen, argumentiert die Gemeinde. ...
      Quelle und ganzer Artikel: rosenheimer-nachrichten.de/zet_report_408_10508.html
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