Straßburg (F) - Teil 1-10, Nachtrag und einige abendliche Impressionen

    • Straßburg (F) - Teil 1-10, Nachtrag und einige abendliche Impressionen

      Auf der Rückfahrt vom Vitra Campus ergab sich die Gelegenheit zu einem kurzen Abstecher nach Straßburg, leider bei mäßigem Wetter und hereinbrechender Dunkelheit.

      Nichtsdestoweniger möchte ich an dieser Stelle einige Fotos nachliefern, deren Fehlen ich in den bisherigen Rundgängen selbst angesprochen hatte. Da der Besuch ziemlich spontan war, hatte ich nur meine einfachere Canon EOS-M10 in Verbindung mit einer nicht stabilisierten Festbrennweite ohne Stativ dabei - entsprechend sind gerade die Aufnahmen bei Dunkelheit nicht optimal.

      Wir beginnen mit einem Nachtrag zum ersten Rundgang, hier fehlte ein Foto zur Metzgerstraße alias Rue d'Austerlitz, einer kleinen Fußgängerzone, die den Metzgerplatz mit dem Rabenplatz verbindet.



      Zur groben Orientierung:

      Der Metzgerplatz war der südlichste Platz der Stadt und wurde vom längst abgerissenen Metzgertor nach Süden hin begrenzt, beim Rabenplatz handelt es sich um den kleinen Platz an der Ill, direkt südlich des Historischen Museums gelegen, grob geschätzt 300 Meter südwestlich des Münsters.

      Unmittelbar östlich an den Metzgerplatz schließt sich wiederum der Waisenplatz/Place des Orphelins an, an dessen südlichem Rand ebenfalls die Stadtmauer verlief, bis zum 14. Jahrhundert verliefen die Befestigungen sogar entlang der Mitte des heutigen Platzes.

      Hier nun also die Ansichten des Waisenplatzes. Das Metallband zeigt den Verlauf der früheren Befestigungsanlagen:









      Hier eine Informationstafel:

      "O meu amor tem um jeito manso que é só seu Que rouba os meus sentidos, viola os meus ouvidos Com tantos segredos lindos e indecentes" (C. Buarque)

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    • Nun ein weiter Sprung zum Fünfzehnerwörth, der teilweise bei Rundgang Nummer 9 vorgestellt wurde. Dort gab es immerhin ein Foto des ehemaligen Proviantamts, das heute ein Institut der Universität Straßburg beherbergt.

      Hier nun weitere Fotos des ziemlich gigantischen Komplexes:







      Unmittelbar daneben, ebenfalls am Ende der Schwarzwaldstraße, folgt noch das Lehrerseminar, als letztes der zur deutschen Kaiserzeit errichteten öffentlichen Gebäude:





      Und hier nochmals der Blick in der anderen Richtung, von Höhe des Lehrerseminars zur katholischen Garnisonkirche:



      Wir erinnern uns - bei der Bebauung der Neustadt wurde zuerst das Straßennetz angelegt, danach wurden die öffentlichen Gebäude errichtet, gefolgt von den privaten Bauten. Entsprechend standen beide Bauten erst einmal lange Jahre auf der grünen Wiese ... komplettiert wurde das Ensemble durch inzwischen abgerissene Kasernen auf der anderen Straßenseite.

      Hier noch eine städtebauliche Kuriosität gleich westlich des Proviantamts, der Kölner Ring alias Boulevard de la Marne. Diese monumentale Straße, vermutlich die breiteste Straße in ganz Straßburg, wurde zwar in der Kaiserzeit geplant und angelegt, blieb aber abgesehen von einigen wenigen Bauten ganz im Süden komplett unbebaut.

      Obwohl für eine solch breite Straße am östlichen Stadtrand kein wirklicher Bedarf bestand, wurde sie von den Franzosen in der geplanten Größe realisiert und mit relativ gut angepaßten Bauten komplettiert. Mangels Verkehr gibt es in der Mitte zwischen den beiden Fahrspuren viele Parkplätze und jede Menge Platz für den größten Straßburger Wochenmarkt. An beiden Enden fehlt übrigens eine angemessene Anbindung, im Norden kommt der Park der Orangerie, aber keine echte Weiterführung des Verkehrs ...







      Manche Gebäude hätte ich spontan tatsächlich der Zeit vor 1918 zugeordnet, allerdings stellte der erste Weltkrieg keine so große Zäsur in Frankreich wie in Deutschland dar - tatsächlich wurde vielerorts im alten Stil bis weit in die 30er Jahre weitergebaut (und ein Großteil des Kaiserviertels in Metz entstand tatsächlich erst nach 1918 nach alten Plänen und gefördert durch Steuervergünstigungen des französischen Staats - dazu aber bei Gelegenheit noch weitere Galerien).
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    • Bei meinem Rundgang durch den Fünfzehnerwörth ebenfalls kurz angesprochen, aber nicht abgebildet, hatte ich die Anlage "Bei den Spachhäusern" oder heute "Cité Spach".

      Die Anlage trägt ihren Namen zu Ehren der Familie Spach, die zu sozialen Zwecken Grundstücke gestiftet hatten, die dann nach einem Entwurf des Schweizer Architekten Albert Nadler ab etwa 1902/03 mit Sozialwohnungen bebaut wurden.

      Dadurch entstand eine kurze Straße, die auf beiden Seiten mit je einer Häuserreihe bebaut wurde, an deren Enden sich jeweils ein Turm befindet.

      Hier durchqueren wir die Spachhäuser von Osten nach Westen:











      Gleich daneben Richtung Schwarzwaldstraße eine der größten Bausünden der Umgebung, ebenfalls sozialer Wohnungsbau:



      Und gleich noch zwei weitere öffentliche Gebäude in der Umgebung, hart an der Grenze der Bebauung vor 1918, die dann aber auf altem Grundriß und sehr gut angepaßtem Stil durch Frankreich weitergebaut wurde.

      Hier fällt der Blick auf die Akademie alias Technische Schule, heute das Gymnasium René Cassin:




      Und hier sehen wir noch das frühere Pharmakologische Institut der Universität:





      Das war auch schon die Ergänzung der beiden obigen Rundgänge, es fehlen nach wie vor Fotos zur Südseite des Schloßplatzes - dafür war es dann leider doch schon zu dunkel.
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    • Nun noch einige abendliche Impressionen aus Straßburg.

      Der Blick zum Kaiserpalast:



      Leider ein wenig dunkel - der Blick auf das Hôtel de Klinglin, benannt nach dem gleichnamigen königlichen Prätor, der ja aufgrund massiver Unterschlagungen seine letzten Jahre im Gefängnis verbrachte. Heute Sitz des Präfekten und früher Wohnsitz von Kaiser Wilhelm I. bei seinen Aufenthalten in Straßburg und Amtssitz des deutschen Reichsstatthalters.

      Das Gebäude ist übrigens eine weitgehende Rekonstruktion nach den Zerstörungen 1870, ursprünglich stammt es wie die beiden anderen bedeutenden Palais am Broglie-Platz aus dem 18. Jahrhundert.





      Und vom fast selben Standort aus sehen wir in der anderen Richtung den alten Kornspeicher oder Grenier de l'abondance unmittelbar nördlich der Straßburger Oper am Broglie-Platz. Viel alte Bausubstanz ist wohl nicht mehr übrig, das Gebäude dient heute als Funktionsgebäude der Oper:





      Ein kleiner Abstecher nach Süden bringt uns zum Stephansplatz mit der Statue des "Meisenlockers", eines jungen Mannes, der versucht, mit seiner Flöte Meisen in seinen Käfig zu locken:



      Die Statue aus dem Jahr 1910 wurde übrigens erst 1929 in Straßburg aufgestellt, als sie mit Deutschland gegen die Statue von "Vater Rhein" getauscht wurde, die seither in der Nähe des Deutschen Museums in München steht.

      Hier noch der Blick auf die Stephanskirche gleich daneben:



      Zum Abschluß noch einige Impressionen einer der schönsten, aber zugleich eher unbekannten Straßen Straßburgs, der Brandstraße oder Rue Brûlée. Der Name ist wohl auf ein Pogrom aus dem 14. Jahrhundert zurückzuführen, bei dem rund 2000 Juden an diesem Ort verbrannt wurden.

      Nichtsdestoweniger eine sehr reizvolle, wenngleich etwas versteckte Straße.

      Wir beginnen gleich hinter dem Kornspeicher mit dem bischöflichen Palais, im Hintergrund das Münster:



      Und der Blick in die andere Richtung zum Broglie-Platz:

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    • Von hier aus geht es nun die Brandstraße weiter, vorbei an den beiden bedeutendsten Palais des Broglie-Platzes.

      Das wäre zunächst das Hôtel des deux Ponts oder der Zweibrücker Hof, ursprünglich vom königlichen Prätor Gayot (der Name dürfte den Leser dieser Rundgänge bereits bekannt sein) Mitte des 18. Jahrhunderts errichtet und später an Maximilian von Zweibrücken verkauft, der Oberst der französischen Armee war. Bekannter ist vermutlich sein Sohn, der hier geboren wurde - Ludwig I von Bayern (bekanntermaßen stammten die bayerischen Könige ja aus dem Pfälzer Zweig der Wittelsbacher).

      Gleich dahinter dann das Hôtel de Hanau oder der Hanauer Hof, so benannt nach der Adelsfamilie Hanau-Lichtenberg, gebaut vom selben Architekten Joseph Massol in etwa zur gleichen Zeit. Seit den Zeiten Napoleons befindet sich hier das Straßburger Rathaus, inzwischen aber nur noch ein kleiner Teil der eigentlichen Verwaltung, die ja in ein Hochhaus am südlichen Rand der Innenstadt umgezogen ist.

      Im Stil der damaligen Zeit befanden sich die repräsentativen Innenhöfe übrigens an der Rückseite, auch wenn der Zweibrücker Hof zusätzlich noch einen Hof in Richtung des Broglie-Platzes aufweist.











      Abschließend noch einige Impressionen vom Großen Durchbruch, zunächst einmal das Kaufhaus von 1912, heute Galeries Lafayette:



      Gleich dahinter das entsprechend rot angestrahlte Maison Rouge, vermutlich eine Anspielung auf das Luxushotel "Rothes Haus" aus der Gründerzeit, das leider zugunsten des FNAC-Gebäudes am Kleber-Platz in den späten 60ern abgerissen wurde:



      Und abschließend noch ein Blick auf das kultige Vox-Kino, mit dessen Bau bereits 1939 begonnen wurde, das aber erst 1948 fertiggestellt wurde:

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      Das schöne ist, daß es in Straßburg alle Baustile auf stark überdurchschnittlichem Niveau gibt, ohne daß sich diese störend in die Quere kommen würden:

      Die Altstadtinsel im Zentrum, die Neustadt nördöstlich davon und die doch recht starken Neubauviertel im Osten und Süden.

      Nur die Rückfahrt mit der Straßenbahn nach Kehl ist jedesmal eine ziemliche Ernüchterung, da ist man wieder zurück im provinziellen langweiligen BRD-Einerlei.
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      Freiburg kann mit Straßburg definitiv nicht mithalten, weder quantitativ noch qualitativ, und das würde auch für ein komplett unzerstörtes Vorkriegs-Freiburg gelten.

      Ich überlege gerade, welche Stadt mit ungefähr einer Viertelmillion Einwohnern* eine ähnliche Qualität hat, vielleicht Gent?

      *wobei die effektive Einwohnerzahl angesichts der Organisationsform wohl eher bei 400.000 Einwohnern liegen dürfte
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      Und dazu ist Straßburg auch deutlich weniger zerstört worden. Großstädtischer war Straßburg schon immer, im Mittelalter war es sogar jahrhundertelang die weitaus größte und wichtigste Stadt des ganzen deutschen Südwestens (Elsass, BW, Deutschschweiz). Und das sieht man die Stadt auch heute noch an. Auch ich war daher sehr beeindruckt von Straßburg - in der BRD wäre es heute, in diesem Zustand, die wohl schönste Stadt überhaupt gewesen. Sogar Gent kann mit Straßburg mE. nicht ganz mithalten, wie auch alle andere belgische Städte, die im letzten Jahrhundert einfach zu lange verwahrlost worden sind (zwar hat Brügge, als belgischer Ausnahmefall, eine noch schönere Altstadt, hat aber auch, anders als Straßburg, gar keinen großstädtischen Charakter).