Der Oblast Kaliningrad und das alte Königsberg

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    • Sehe ich anders. Jede Art von Rekonstruktion oder, noch schlimmer, postmoderner Verwurstung ist mMn ein geschmackloser Anschlag auf das Andenken einer vor 62 Jahren hingerichteten Stadt, nämlich Königsberg.

      Kaliningrad hat mit Königsberg rein gar nichts zu tun, abgesehen von ein paar Ruinen inmitten einer Ödnis. Und wenn sich diese Ödnis anschickt, ein Palmengarten(mit viel Spiegelglas und Nutten) zu werden, bleiben die Ruinen dennoch in sich gekehrt und erzählen eine eingängigere Geschichte als Neubauten, die vielleicht deutsch, aber mit schwerem russischen Akzent sprechen. ;)
      Nein, die werden gedünstet
    • Um Qualität zu liefern, wäre es doch eine Möglichkeit, dass sich deutsche Unternehmen am Wiederaufbau beteiligen. Ungefähr so, wie dies schon die Ruhrgas bei der Rekonstruktion des Bernsteinzimmers gemacht hat. Somit wäre ein adäquates Ergebnis erreichbar (natürlich ohne Döring-Prisco-Dietze & Co :zwinkern: ) und könnte auch zur deutsch-russischen Freundschaft ein bisserl etwas beitragen. Die Ostseepipeline verläuft dort doch in der Nähe...da könnte Schröder doch gleich im Königsberger Schloss seine Residenz als putinscher Vasall aufschlagen :gg:
      "Lieber Gott, schütze uns vor Dreck und Schmutz,
      vor Feuer, Krieg und Denkmalschutz!"
    • schlechte laune tag

      leute, ich muss mal euer weltbild etwas gerade ruecken...
      wenn in russland gebaut wird, dann braucht ihr euch nicht einbilden, dass die qualitaet geringer ist als in D
      im gegenteil, da wird das beste eingekauft was westeuropa, skandinavien und usa zu bieten haben,
      all das, was in D unter kostendruck und kleinbuergerlichkeit nicht genemigt oder auch nur angedacht wird.
      das nennt sich globalisierung und kapitalismus
      besagtes hotel moskva zBsp. wird von den oesis hochgezogen, STRABAG, nach letzten standards, mit historischer fassade, speziell aufgelegter produktionslinie historisierender high tech schueko laermschutz klimatech fenster, zu diesem preis in D unverkaeuflich, mit allem hier gar nicht bekannten luxus.

      also ich empfinde dieses beschweren ueber den abriss und historisierenden neubau in RU als typisch pseudointellektuellen deutschkrampf a la sueddeutsche, rubrik besser bauen, bild mit tollen kastenglotzfenstern auf schwarzer dachpappe...

      ein neubau ohne hundert jahre alte kakerlaken und mit modernem wohnkomfort plus rekonstruierter fassade, was klingt den daran so schlecht? ist doch sicher in einigen faellen eine sehr gute loesung und punkt, oder??

      denn genau diese hirnlosen, unpragmatischen und provinz-akademischen BRD reflexions gewohnheiten fuehren doch gerade erst zu schloesserneubauten mit original grundriss aber moderner, euroweit ausgeschriebener idioten fassade, abgeschraubten kuppeln (!!! so ein mega-schwachsinn, gerade die kuppel wegzulassen, sowas faellt doch nur diesen blutleeren, neo-dekadenten scheiss nord-westeuropaern ein, von wegen "moderne grundsatzueberlegung blablatuut..." hintergrund: reformierte oberstufendialektik gefolgt vom studium einer gesellschafts- oder kunstwissenschaft mit 80er jahre ideologie, diese hirnlosen klischeefatzkes mit ihrer praepotenten primitiv ausbildung an geistig monokulturellen modernisten fakultaeten mit zentralkopierer und dem gender mainstreaming beauftragtem in seinem 70er Jahre Bureo mit 18 jahre altem IKEA schreibtisch, monoradio, blumentopfgalerie und linksalternativer pinnwand, also dass muss jetzt mal raus hier)

      im gegenteil ist doch wohl der fall, dass wir westeuropa totgeregelt haben, dass unsere boomphase 40 jahre zurueckliegt, dass unser
      wirtschaftswachstum und unsere wertschoepfung nur noch fuer die vielleicht 5% der wirklich kapitalakkumulierenden Bevoelkerungsschicht relevant ist, und demnaechst verkehrssuender, raucher sowie freier und steuersuender, oder oldtimerfahrer ohne euro2 feinstaubverhindererausweis, flaechendeckend mit kameras und gesichtserkennungssoftware verfolgt werden.

      und was soll ueberhaupt der kommentar mit den nutten? klischeekekse gefressen oder anfall von provinzwahn?
      mir sind nutten und einige gute flaschen wein allemal lieber als deutsche hobbypolizisten-mentalitaet und spiessertum mit grundlosem nationalstolz,
      der auf weggebomten erinnerungen, verlorener kultur, zertrampelter identitaet und verblasstem wirtschaftswunder gruendet.

      Ich komme aus dem Rheinland, dem architektonisch und historisch ausradierten, war letzmals weihnachten in Aachen, dem schlecht aufgebauten, und bin dann mal wieder letztlich doch nach Maastricht gefahren, weil dort der weihnachtsmarkt eben NICHT drei tage vor weihnachten schliesst ((TYPISCH DEUTSCHLAND, WARUM IST EIN WEIHNACHTSMARKT EIGENTLICH AUF WEIHNACHTEN GESCHLOSSEN?? WAS SOLL DAS? WIEDER SO NE SCHWACHSINNS REGEL...)), dort NICHT alle 3 meter ein haesslicher neubau mein aesthetikempfinden anpoebelt, dort irgendwie SCHON viel mehr maedels besser aussehen, da abends die GESCHAEFTE auf sind, die schoene Fussgaengerzone voller Leute ist, die bars und restaurants in 600 jahre alten haeusern gemuetlichkeit ausstrahlen, da gibt es sogar noch stadtgaerten wie auf alten historischen photos, mit schmiedeeisernem gelaender, pflanzensymmetrien und gestaltungskultur, in NRW: zufallsbewuchs, unkrautsteppe mit alulaterne und betonbank, ach man, usw usw.

      und aachen? weihnachten war es wie tot, grau in grau zwischen den 65% neubauten der letzten 40 Jahre unter verkrueppeltem restaltbaubestand und mit fuessen getretener historie, und parken darf man trotzdem nirgendwo mehr, in dem urbanen muell, genannt stadt aachen, denn ordnung muss sein und auch in einer provinzfurz stadt muss man ja alles perfekt durchregeln, weil sonst der mexico city aehnliche verkehr sicher zu unhaltbaren zustaenden fuehren wuerde, tausende tote kinder und smogtote in achen downtown, ausserdem, ein paar individuell abgestellte autos koennten ja farbe in die intello-kuenstlerisch gewollte fassadentristesse bringen. und einzig die polizei ist noch unterwegs in der totgrauen stadt, zum strafzettel verteilen.

      Man bedenke
      der buergermeister traeumt in seiner geschrotteten stadt vom bauhaus europa neben der karlspfalz, die uni baut neben ihr gruenderzeit hauptgebaeude ein weiteres gegenstandlos unmotiviertes steuergeld modernisten neubaumonster, wozu ganz sicher alle akademisierten 110er hilfs-IQs der modernen zukunftsgewandten stadt, mit der gezogenen augenbraue des modernen kunstverstaendigen unserer zeit, laut brausend gratulieren werden.

      also mal ehrlich, wer da nicht auswandert oder aktiv gegen ankaempft, der hats auch nicht besser verdient...

      Fazit: auch wenn ich jetzt vielleicht etwas einseitig aus entzuernung bin, so gilt mir doch: das Gemeckere ueber die abriss-Neubauer im Osten ist Unsinn, Im gegenteil, wir sollten froh sein, denn auch die armen schichten koennen dort so zumindest, ganz demokratisch da fuer alle nutzbar, schoene fassaden geniessen. bei uns waeren sie bald froh darueber. Es lebe Polen und Russland, die Retter deutscher Staedte und anscheinenden letzten Hueter europaeischer Kultur.
    • Alles richtig. Nur finde ich, daß unsere Finanzmittel, gerade weil sie stetig knapper werden, besser in unseren -mittlerweile fast zonenmäßig heruntergekommenen- Weststädten als in einer menschengemachten Wüste aufgehoben wären. Gegenstimmen ?

      Eine historisch gemäße Neubebauung beispielsweise der Frankfurter Altstadt, der Zwickauer Markt-Ostseite, des Nürnberger Markts oder des Aachener Stadtkernes (der wirklich zum Davonlaufen ist; da können einem Depressionen kommen) würde dem deutschen Kulturerbe mehr nützen als ein Schloß in Kaliningrad - dessen Einnahmen und kulturelle Strahlwirkung der dortigen Region zukommt, aber nicht uns. Solange auch der Breslauer Ring oder das Rathaus in Brieg in unserem Land nicht mehr als deutsches Kulturgut angesehen wird (obwohl das Geld gern genommen wird), sondern allenfalls unter "polnischer Kunstgeschichte" auftaucht, sehe ich zu einer entsprechenden Förderung keine Veranlassung.
      Polen kann meinetwegen in Washington und Paris anklopfen und Rußland ist bekanntermaßen auf dem Weg zur neuen Supermacht. Finanzprobleme haben die doch nicht. Putin wird im Säckel schon was finden; die Kaliningrader Stadtväter müssen sich mal tiefer verbeugen; vielleicht wäre eine schöne Putinstatue im neuen Central Buisness District die Lösung ?
      Nein, die werden gedünstet
    • Alle Achtung Ihr beiden: Ihr versteht es, Eure Wut in brachiale Worte zu kleiden und dann richtig loszulegen. Das Schlimme daran ist: Ihr habt Recht. Wenn Ihr aber außerhalb dieses Forums so auf die Leute zugeht, ist es schnell mit der Symphatie vorbei. Manchmal ist es besser, die Polemik ein wenig zu dosieren, dann kommt sie besser zur Geltung und bewirkt drei mal mehr. Denn ein Gewaltsatz zwischen vier harmlosen, das ist erst der richtige Sprengsatz für unsere Harmoniemonster.
    • Äh...brachial ? Das war nicht brachial - auch von meinem Mitdiskutanten nicht. Sagen wir mal...es ging nicht über handelsübliche Sarkasmen hinaus; elektronische Seufzer - aber ganz ruhig, sachlich und entspannt, die Kalmierung in Person. Brachial sollte man -themenbezogene- Aussagen bezeichnen, die jenseits aller Auslegungsmöglichkeiten des § 130 StGb liegen; sozusagen auf der anderen Seite der volxpolitischen Lichtung. Sätze, die ihre architektonische Entsprechung möglicherweise in Architekturvorstellungen von Corbusier oder Tange finden - nachdem sie eine schöne Runde Meskalin genommen hatten oder die Schriften eines Großen Vorsitzenden lasen. Aber dergleichen kann man bzw. kann ich(Altuserprivilegien sind immer was feines) im gewissen Foren bringen, aber nicht hier. Möchte ich auch nicht; die Zeit der großen Fraktionsschlachten liegt hinter mir. Momentan möchte ich mich auf unverdächtigsten Pragmatismus beschränken. :)
      Nein, die werden gedünstet
    • marc und wissmut

      verigss bitte nicht dass waehrend des krieges kein einziger bombe auf Maastricht gefallen ist auch strassenkampfe gab es da nicht: ausserdem hat Maastrichti eine der aeltesten und attraktivsten innenstadt der Niederlande!!und es gab kein uebertriebener abriss wut!!!
      tja und wiederaufbau: die Russen haben Geld und MUT dafue"r: diese Mut feht den deutschen: man hat angst als zu nostalgisch angesehen zu werden: eine der besten negativen Beispiel dafuer ist Gunter Benish uns seine Akademie der Kuenste: mein G..tt wenn ich das Gebauede schon sehe......furchtbar. und so geht das ueberall in deutschland uns es wird sich nicht aendern, eifach weil die Bevoelkerung es im Grunde egal ist was gebaut, wie gebaut wird. Haupsache es gibt Bier und Fussbal( bei uns in Holland, leider genau so!!)!
      :!:
    • Es sind aber Bomben auf Rotterdam gefallen - auch eine wunderschöne Stadt und gräßlich wiederaufgebaut. Und ebenso wurden ganze Stadtviertel z.B. Antwerpens un Schutt und Asche gelegt, ebenso wurde Dünkirchen, welches vom Kern her eine flämische Stadt gewesen ist, völlig verwüstet. Durch diese Torheiten wurden Keile zwischen Deutsche und Niederländer getrieben, die vollkommen unnötig waren - vom kulturgeschichtlichen Standpunkt aus könnte man sogar sagen, daß die Görings Luftwaffe gemeinschaftliches Kulturgut zerstört hatte. Grade der germanenverliebte Göring hätte wissen müssen, was er da vernichten ließ.

      Zum Schloß Königsberg: Wozu soll man ein Schloß wiederaufbauen, was man mal mit voller Absicht zerstörte und noch heute nicht wissen will, daß Kaliningrad an der Stelle des alten Königsberg erbaut wurde, zu dem Dom, Schloß, Kant und Börse untrennbar gehören ? Wenn man keinerlei kritische Gedanken zu den Ereignissen von 1945 zulassen will, sondern nach wie vor und in alle Zukunft allein die Sicht der heroischen Roten Armee zu gelten hat - was zum Teufel will man dann mit historisierender Bebauung, die an alte Giebelhäuser gemahnt ? Häuser, die 1945 angezündet wurden, deren Bewohner mit Freuden und ideologisch abgesegnet erschossen, erschlagen, geschändet und ausgehungert wurden ? Kaliningrad ist russisch und braucht demzufolge russische Architektur. Die Deutsche haben sie ausgebrannt und bedürfen ihrer auch nicht. Es ist auch im Interesse der deutsch-russischen Beziehungen, daß dieses Gebiet ein schwarzes Loch der gemeinsamen Wahrnehmung bleiben muß.

      Bei einem Aufeinandertreffen in Kaliningrad MUSS man zwangsläufig über diese Wunden sprechen, aber diese Auseinandersetzungen können keine Heilung irgendeiner Art bringen, sondern nur die tiefen, mit großer Anstrengung wegignorierten Ressentiments wiedererwecken; das volle Programm: Naziterror, Todeslager, Einsatzgruppen, Schändungen, Brandschatzung, Unterdrückung, Geschichtsverdrehung, SED, SDAG-Wismut und und und. Die beiderseitigen Wunden sind an diesem unglückseligen Ort so "konzentriert" und so tief, daß ich mich fast über die russische "Sorglosigkeit" diesbezüglich wundere. Es ist IMO schon fast fahrlässig, das Schloß wiederaufbauen zu wollen, d.h. eine Verbindung zwischen Unvereinbarem herzustellen. Bei allem anderern, ehemals so "heißen" Projekten wie dem Berliner Stadtschloß ist der ideologische Ballast lange abgeworfen; in Kaliningrad jedoch kann der Ballast nur wieder mehr werden - manche "Schätze" sollten nicht gehoben werden, von ihnen geht noch immer Strahlung aus.
      Nein, die werden gedünstet
    • Eine Wahnsinnsaktion, ganz im positiven Sinne! :schockiert: Wenn dieses Projekt durchgeführt wird, wäre es ein glänzendes Beispiel für ganz Europa und insbesondere Deutschland selbst. Für Königsberg jedenfalls wäre es ein enormer Imagegewinn, zumal diese Stadt seit 1945 mehr oder weniger aus dem deutschen Bewusstsein verschwunden ist. Wobei es für mich immernoch ein wenig befremdlich wirkt, dass Polen und Russen offenbar weniger Probleme damit haben, deutsche Städte wieder aufzubauen als die Deutschen selbst... :x
    • Vermutlich auch, weil der Neubau ornamentreicher Giebelhäuser gar nicht mehr mit Deutschland in Verbindung gebracht wird - sondern entweder einer fiktiven slawischen Geschichte jener Städte oder einem idealisierten "mitteleuropäischen" Kosmopolitismus a la Prager oder Breslauer Stadtmarketing.


      Hier wäre aus meiner Sicht das Disneyland-Argument sogar angebracht, die Romantik eines fremden Landes gepaart mit säbelklirrender Heroisierung von dessen Vernichtung in unmittelbarer Nachbarschaft. Mal gespannt, wann dort das erste Oktoberfest eröffnet wird.
      Nein, die werden gedünstet
    • "Schloßgespenst" schrieb:

      Also, mir gefallen diese Entwürfe ziemlich gut - das hat überhaupt nichts mit Disney zu tun.

      Es kommt natürlich auch auf die Ausführung, also die verwendeten Materialien an. Aber in Königsberg ist alles, was kein Plattenbau ist, Balsam auf die Wunden dieser am schlimmsten vergewaltigten Stadt Europas und in meinen Augen ein Riesenfortschritt - auch wenn Architekten das hier als Rückschritt bezeichnen mögen...

      (Wenn man mal davon absieht, daß es in Königsberg eigentlich viel wichtigere Probleme zu lösen gibt wie Armut, AIDS, Kriminalität, Filz u.v.m.)


      Eben aus diesem Grund verstehe ich das Gemecker hier auch nicht. Schlimmer geht es in Königsberg nicht mehr - selbst wenn man einem Plattenbau Latten aus dem Baumarkt aufnageln würde, um Fachwerk vorzutäuschen, wäre das noch ein ästhetischer Fortschritt... :lachen:

      Und aus dem Pappmodell auf die architektonische Qualität zu schliessen, die am Ende herauskommt, erscheint mir gelinde gesagt etwas daneben.
    • "historico" schrieb:

      Wenn es tatsächlich etwas Urdeutsches gibt, dann sicher nicht in Königsberg. Im strengen Sinne sind die Preußen (als Nachfahren der slawischen Pruzzen) nämlich keine Deutschen (anders als etwa die Franken) und die Architektur ist auch nicht speziell deutsch. Hinzu kommt, dass die Bebauung der Stadt nur wenige hundert Jahre alt war.


      Die alten Pruzzen waren keine Slawen, sondern Balten. Das Preußenland, also das Land zwischen Weichsel und Memel, wurde zwischen der endgültigen Niederwerfung der Pruzzen durch den Deutschen Orden um 1280 und dem Ausbruch der Pest um 1350 planvoll mit deutschen Siedlern aus Westfalen, Flandern, Holstein etc. ausgebaut. Damals wurden einige Dutzend Städte und vielleicht 1500 Dörfer gegründet und das Land wurde binnen weniger Generationen ein vorwiegend deutsches. Die deutsche Mehrheitsbevölkerung des Landes ging auf diese Siedlungswelle zurück. Nach Masuren holte der Orden auch polnische Siedler, im äußersten Norden schoben sich litauische Bauern vor. Freilich vermischten sich die damaligen deutschen Neuankömmlinge mit der pruzzischen Bevölkerung und assimilierten diese. Ihre Vorfahren waren jedoch eben primär Deutsche. Ebenso wie die Vorfahren der Obersachsen, Brandenburger oder Mecklenburger vordergründig Deutsche aus westlicheren Gebieten sind, die im 12. und 13. Jahrhundert ins Land kamen, und nicht slawische Sorben, Obodriten, Ranen, Heveller oder sonstwer. Insofern war Ostpreußen nicht weniger deutsch als die gerade erwähnten Gebiete.

      Und die Architektur Ostpreußens lässt sich von den gotischen Backsteinkirchen bis zu den bäuerlichen Hofformen ebenfalls in ein norddeutsch-ostelbisches Schema einordnen.
      "Meistens belehrt uns der Verlust über den Wert der Dinge."
      Arthur Schopenhauer
    • WOW...Was man auf GoogleEarth auch von der restl. Stadt sehen kann, ist ja schrecklich...Ich frage mich bei solchen Gebieten immer, das so einzelne Gebäude wie die Kirche "getan" haben, dass sie stehen bleiben durfte...Hinterm Alexanderplatz, mitten in soner Plattensiedlung, steht auch noch so ein einzelnes, vergammeltes Eckgebäude. Das sieht einfach nur lächerlich aus... :peinlich:
    • "historico" schrieb:

      Wenn es tatsächlich etwas Urdeutsches gibt, dann sicher nicht in Königsberg. Im strengen Sinne sind die Preußen (als Nachfahren der slawischen Pruzzen) nämlich keine Deutschen (anders als etwa die Franken) und die Architektur ist auch nicht speziell deutsch. Hinzu kommt, dass die Bebauung der Stadt nur wenige hundert Jahre alt war.



      Wie Georg Friedrich schon ausgeführt hat, taugt die Kulturgeschichte Königsbergs und der deutschsprachigen Teile Ostpreußens nicht für eine modische multikulturelle Verklärung - trotz der kosmopolitischen Denker Königsbergs, die es ebenso in Weimar, Kassel, Heidelberg und anderen Orten gegeben hat.
      Die bürgerliche und sakrale Architektur Königsbergs oder Elbings wies keine Merkmale der Vermischung auf, wie sie in der breiten germanisch-slawischen Schütterzone z.B. in Bromberg, Posen oder Oberschlesien auftrat, z.B. eine Verflachung/Verbreiterung der Giebel und Durchbrechung der symetrischen Gliederungsstruktur durch "ausfallende" Schmuckformen. Selbst in Danzig, was immer über eine 10-20 %ige slawische Minderheit verfügte, läßt sich weit eher ein niederländischer Einfluß festmachen als z.B. ein irgendwie gearteter polnischer.
      Nein, die werden gedünstet
    • "Georg Friedrich" schrieb:

      "historico" schrieb:

      Wenn es tatsächlich etwas Urdeutsches gibt, dann sicher nicht in Königsberg. Im strengen Sinne sind die Preußen (als Nachfahren der slawischen Pruzzen) nämlich keine Deutschen (anders als etwa die Franken) und die Architektur ist auch nicht speziell deutsch. Hinzu kommt, dass die Bebauung der Stadt nur wenige hundert Jahre alt war.


      Die alten Pruzzen waren keine Slawen, sondern Balten. Das Preußenland, also das Land zwischen Weichsel und Memel, wurde zwischen der endgültigen Niederwerfung der Pruzzen durch den Deutschen Orden um 1280 und dem Ausbruch der Pest um 1350 planvoll mit deutschen Siedlern aus Westfalen, Flandern, Holstein etc. ausgebaut. Damals wurden einige Dutzend Städte und vielleicht 1500 Dörfer gegründet und das Land wurde binnen weniger Generationen ein vorwiegend deutsches. Die deutsche Mehrheitsbevölkerung des Landes ging auf diese Siedlungswelle zurück. Nach Masuren holte der Orden auch polnische Siedler, im äußersten Norden schoben sich litauische Bauern vor. Freilich vermischten sich die damaligen deutschen Neuankömmlinge mit der pruzzischen Bevölkerung und assimilierten diese. Ihre Vorfahren waren jedoch eben primär Deutsche. Ebenso wie die Vorfahren der Obersachsen, Brandenburger oder Mecklenburger vordergründig Deutsche aus westlicheren Gebieten sind, die im 12. und 13. Jahrhundert ins Land kamen, und nicht slawische Sorben, Obodriten, Ranen, Heveller oder sonstwer. Insofern war Ostpreußen nicht weniger deutsch als die gerade erwähnten Gebiete.

      Und die Architektur Ostpreußens lässt sich von den gotischen Backsteinkirchen bis zu den bäuerlichen Hofformen ebenfalls in ein norddeutsch-ostelbisches Schema einordnen.


      Genau, aber Du hast unsere Salzburger ganz vergessen... :zwinkern:
      "Lieber Gott, schütze uns vor Dreck und Schmutz,
      vor Feuer, Krieg und Denkmalschutz!"