Der Oblast Kaliningrad und das alte Königsberg

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    • Der Oblast Kaliningrad und das alte Königsberg

      Verweis zum letzten Beitrag im alten Forum: naanoo.com/freeboard/board/sho…3224&forumid=16290&page=5
      Eine der vorzüglichsten Eigenschaften von Gebäuden ist historische Tiefe.
      Die Quelle aller Geschichte ist Tradition. (Schiller)
      Eine Stadt muss ihren Bürgern gefallen, nicht den Architekten.
    • Kaliningrad: Rekos aus der Zeit des alten Königsberg?

      Lief gerade im ARD-Kulturreport... habe mittendrin eingeschaltet und nicht alles mitbekommen, nur irgendwas über die mögliche Rekonstruktion alter deutscher Bürgerhäuser in Kaliningrad... hat jemand den Report ganz gesehen und kann mir mehr sagen?
      http://www.menschenrechtsfundamentalisten.de
    • Hab zwar nix gehört aber wenn es so wäre, fände ich es sehr, sehr gut. Hoffe auch, dass das ehemalige Ostpreußen mal eigenständig wird (aber bitte nur wenn's unblutig geht).

      Das Schloß sollte ja auch mal rekonstruiert werden...
      Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten
      Karl Kraus (1874-1936)
    • Ich konnte heute nacht die Wiederholung des Reports aufnehmen...

      Es geht um die anstehende 750 Jahrfeier von Königsberg/Kaliningrad. Die gesichtslose Stadt soll wieder ein Gesicht bekommen.

      Die Insel Kneiphof war das Zentrum des alten Königsberg, heute bis auf wenige Gebäude eine Ödnis.

      Man erwägt, um den Dom herum alte Handelshäuser und die Universität wieder aufzubauen; deutsche Geschichte, jahrzehntelang verachtet in Kalingrad, ist derzeit "in". Einheimische Unternehmer wollen dieses Projekt des Architekten und Stadtplaners Pavel Gorbatch finanzieren. Gorbatch will den Dom wieder zum Zentrum der Stadt und den Stadtteil Kneiphof zu einem Touristenviertel machen (worauf im Report von Seiten des Sprechers natürlich prompt das Wort "Disneyland" fiel :augenrollen: ).

      Sicher ist die ganze Sache aber noch nicht, denn es gibt nicht nur Befürworter, sondern auch Widerstand gegen das Projekt in Kaliningrad.

      Ein anderes Projekt hingegen wird auf alle Fälle verwirklicht:
      Der alte Hansaplatz, später Adolf-Hitler-Platz und heute Platz des Sieges, soll rechtzeitig zu den Jubiläumsfeierlichkeiten den Charakter einer Betonwüste verlieren. Die Lenin-Statue kommt weg, statt dessen kommt eine große orthodoxe Kathedrale mit goldenen Kuppeln hin. Daneben gibt es wohl einige moderne Einkaufszentren und Hotels mit viel Glas. Die geplante Siegessäule auf dem Platz hingegen wurde von der Baubehörde abgelehnt, weil zu imperialistisch. Statt dessen möchte man ein Denkmal, dass von Wiederaufbau der Stadt und der schweren Arbeit seiner Bewohner erzählt.

      Weiterhin werden ca. 50 alte preußische Bauten in der Stadt auf Denkmallisten gesetzt und aufwendig restauriert. So wird z. B. das alte Königstor für 1 Million Euro wieder in Stand gesetzt; die Köpfe der Könige, die die Russen vor 60 Jahren abschlugen, werden den Figuren am Tor wiedergegeben.

      Dann wurde noch ein weiterer Stadtplaner erwähnt, der gerne Kaliningrad mit futuristischen Glas-Stahl-Konstruktionen in die Moderne führen möchte...

      Auf jeden Fall wird es interessant sein, Kaliningrad in den nächsten Jahren im Auge zu behalten.
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    • Schade, hätte ich auch gerne gesehen.

      "Restitutor Orbis" schrieb:


      Die Insel Kneiphof war das Zentrum des alten Königsberg, heute bis auf wenige Gebäude eine Ödnis.

      Man erwägt, um den Dom herum alte Handelshäuser und die Universität wieder aufzubauen; deutsche Geschichte, jahrzehntelang verachtet in Kalingrad, ist derzeit "in".

      Gorbatch will den Dom wieder zum Zentrum der Stadt und den Stadtteil Kneiphof zu einem Touristenviertel machen (worauf im Report von Seiten des Sprechers natürlich prompt das Wort "Disneyland" fiel.

      Auf jeden Fall wird es interessant sein, Kaliningrad in den nächsten Jahren im Auge zu behalten.


      "Bis auf wenige Gebäude" ist gut - außer dem Dom steht doch auf der Kneiphofinsel kein einziges Gebäude mehr, oder? Wäre schön, wenn die Insel wieder bebaut würde, aber solche Ideen gab es schon vor 10 Jahren. Auch in Rußland gibt es junge Architekten und Stadtplaner, die hier im Forum bestimmt gut ankommen würden. Nur: Das Sagen haben die alten putintreuen Ex-Genossen, daher bin ich da skeptisch.

      Universität aufbauen? Die steht doch eigentlich ganz woanders. Oder gab es auf dem Kneiphof noch eine?

      Das erste, was auf der Insel gemacht werden müßte, ist: Diese scheußliche Betonbrücke müßte abgerissen werden.

      Naja, und ein anderes Thema: Der Name der Stadt ist längst untragbar, denn Michail Kalinin war ein Schlächter, mitverantwortlich für den Massenmord von Katyn. (Das ist, also würde Chemnitz "Himmler-Stadt" heißen) Aber da hab ich noch weniger Hoffnung, denn die russischen Politiker sind bei diesem Thema so flexibel wie Granit. Leningrad, Stalingrad, all das hat man wieder umbenannt, aber dne Namen Königsberg will man partout nicht wiederhaben, aus paranoider Angst vor einer Regermanisierung? Dabei ist der alte Name in der Bevölkerung von Königsberg ziemlich populär und wird unverkrampft benutzt, aber die Bevölkerung hat in Rußland faktisch noch immer ungefähr so viel zu melden wie zu Kalinin Zeiten. Jedenfalls sollten auch wir hier lieber von Königsberg reden statt von Kaliningrad. Schließlich sagt man auch nicht Warszawa, Gdansk oder auch Milano...

      Aber trotzdem: Im Auge behalten. Kommt diese Woche nicht auch irgendwo eine Reportage über die Stadt (oder war das am Ende die, von der Du sprachst, Restitutor?
    • @Schloßgespenst

      Als Wappenträger dieser Stadt stimme ich Dir zu. Allerdings gebe ich zu bedenken: Milano sagt freilich niemand bei uns, aber Gdansk wird in unseren Medien genauso regermanisierungsfürchtend wie unter Putins Schergen gerne verwandt.
      Das schärfste Erlebnis diesbezüglich war, als ich am Bahnhof in Dresden stand und ein Zug ohne nähere Bezeichnung nach Wroclaw fuhr. Und das auf dem offiziellen Anzeiger. Da weiß doch der deutsche Laie überhaupt nicht, wohin die Reise geht.
      Sind die polnischen Namen eigentlich gänzlich nur die alten deutschen Städtenamen auf polnisch oder gab es auch Umbenennungen?
    • Ich weiß es nicht genau, aber ich glaube, die Polen haben zumindest ganz überwiegend die deutschen Namen "polonisiert" (?), also entweder übersetzt oder so verändert, daß es polnisch klingt, während die Russen völlig neue Phantasienamen eingeführt haben (z.B. Sowjetsk statt Tilsit). Eine Stadt durfte sogar eigenartiger Weise ihren deutschen Namen behalten, nämlich Stargard (allerdings mit dem Zusatz "Sczecinski").

      Was Königsberg angeht, so ist zum Beispiel der Spiegel längst dazu übergegangen, Kaliningrad in die Überschriften zu schreiben und nur im Text kurz das "ehemalige Königsberg" zu erwähnen. Ich habe deshalb vor einiger Zeit mal einen Leserbrief geschrieben, und man antwortete mir (ohne ihn zu veröffentlichen), daß Kaliningrad nicht die deutsche Übersetzung von Königsberg sei (ach nee...) und deshalb nicht mit Warschau etc vergleichbar sei. Leider geht sogar die FAZ langsam in diese Richtung. Naja, es gibt schlimmeres...
    • @ Schlossgespenst:

      Wegen der Universität: keine Ahnung. Es wurde so in der Reportage gesagt. Entweder gab es auf der Insel also auch was, oder sie haben im Bericht einen Fehler gemacht.

      Natürlich stimme ich dir zu, dass der Namen "Kaliningrad" eigentlich untragbar ist. Dass ich die Stadt dochs o nenne, hat den folgenden Grund: Sie heißt nun einmal heute so, ob ich das mag oder nicht. Der Sachverhalt ist hier anders als in Polen.

      In Polen fand eigentlich meistens keine wirkliche Umbennung stand. Breslau wurde schon seit langer Zeit von den Polen Wroclaw genannt. Insofern hat die Stadt nach dem Krieg keinen neuen Namen erhalten, sondern der Name, den die Stadt bei der polnischen Volksgruppe hatte, wurde jetzt offiziell. Und entgegen der DDR-Ideologie hießt die Stadt im Deutschen natürlich weiterhin Breslau. Somit sind Breslau und Wroclaw eigentlich derselbe Stadtname, nur in anderen Sprachen. Dasselbe gilt für Danzig/Gdansk.

      Königsberg hingegen ist wirklich umbenannt worden. "Kaliningrad" bedeutet eben nicht im Russischen einfach nur "Königsberg". Genauso wie "Sowjetsk" nicht "Tilsit" bedeutet. Hier hat man wirklich mit der vorherigen Tradition des Ortes gebrochen und wollte etwas Neues schaffen.

      Um damit auch auf Phillips Frage zu antworten: Für alle größeren Städte hatten die Polen schon lange ihre eigenen Namen gehabt. Nur für kleine Orte, die kein Schwein kennt, gab es natürlich keine traditionelle polnische Bezeichnung. Aber auch hier hat man in der Regel die Tradition des Ortsnamens weitergeführt: Entweder, der deutsche Ortsname wurde direkt ins Polnische übersetzt, oder er wurde fast ganz übernommen und lediglich leicht der polnischen Aussprache angepasst. Gibt aber wohl auch Ausnahmen.

      In den zwischen Deutschland und Polen geschlossenen Verträgen wurde übrigens festgelegt, dass Deutschland offiziell die deutschen Bezeichnungen für die ehemaligen deutschen Orte in Polen verwendet. Wenn also irgendwer meint, er muss statt "Breslau" unbedingt "Wroclaw" sagen, so ist das sein Privatvergnügen. Er steht dann aber damit im Gegensatz zur amtlichen Sprachreglung.

      Ich muss aber auch sagen, dass "Danzig" und "Breslau" durchaus in den Medien verwendet wird. Mein persönlicher Eindruck ist eher, dass jene, die ausschließlich die polnischen Namen verwenden, in der Minderheit sind. Recht häufig hingegen findet man beide Namen nebeneinander ("Breslau/Wroclaw"), was aber eigentlich auch überflüssig ist.

      Wroclaw ist also nicht das ehemalige Breslau, sondern Wroclaw *ist* Breslau, so wie Milano auch Mailand ist. Bei Kaliningrad hingegen kann man meiner Meinung nach nur vom "ehemaligen Königsberg" sprechen. Wäre natürlich was anderes, wenn die Kaliningrader ihre Stadt wieder umbenennen würden.
      http://www.menschenrechtsfundamentalisten.de
    • Ich sehe gerade, dass Schlossgespenst auch einen Beitrag geschrieben hat, während ich meinen verfasst habe. Deshalb haben wir jetzt natürlich einige Informationen doppelt.

      Sorry, aber ich würde dem Spiegel zustimmen. Mir gefällt es auch nicht, mir wäre es lieber, die Stadt würde Königsberg heißen, aber sie tut es nun einmal nicht. Auch wenn wohl die Kaliningrader als Spitznamen für ihre Stadt irgendsowas in der Art wie "Kinik" sagen.

      Sonst müssten die Holländer New York auch noch immer Nieuw Amsterdam nennen, oder? :zwinkern:
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    • "Restitutor Orbis" schrieb:



      Sorry, aber ich würde dem Spiegel zustimmen. Mir gefällt es auch nicht, mir wäre es lieber, die Stadt würde Königsberg heißen, aber sie tut es nun einmal nicht. Auch wenn wohl die Kaliningrader als Spitznamen für ihre Stadt irgendsowas in der Art wie "Kinik" sagen.

      Sonst müssten die Holländer New York auch noch immer Nieuw Amsterdam nennen, oder? :zwinkern:


      "Kenig" sagen die Leute umgangssprachlich. Das ist die Kurzform des Namens, den die Stadt seit der Eroberung bis 1947 offiziell getragen hatte: "Kenigsberg" (in kyrillischen Lettern natürlich).

      Königsberger Studenten nennen ihre Uni "Albertina", weil das einfach mehr hermacht als "Universität Kaliningrad".

      Deine Meinung sei Dir belassen, aber Du übersiehst dabei den wichtigsten Aspekt: "Nieuw Amsterdam" würde niemandem wehtun, aber jedesmal wenn man "Kaliningrad" schreibt oder sagt, wird ein brutaler Kriegsverbrecher geehrt, und das finde ich unerträglich. Was meinst Du, warum es in Ffm das "Hermann-Göring-Ufer" am Main seit 1945 nicht mehr gibt? Weil dieser Verbrecher natürlich nicht länger geehrt werden sollte!

      Mir ist gerade auch wieder eingefallen, was der Aufhänger für meinen damaligen Leserbrief gewesen war: Die Bildunterschrift "Kaliningrader Dom". Da hab ich zuviel gekriegt! Denn der Dom ist nun mal ein Bauwerk aus der Königsberger Zeit. Zu Kaliningrader Zeiten hat man ihn halb verrotten lassen und hätte ihn beinahe gesprengt wie fast alle anderen Kirchen. Als er gebaut wurde, hieß die Stadt Königsberg, und Jahrhunderte später immer noch, er ist definitiv kein Kaliningrader Bauwerk, genau wie Kant kein russischer Philosoph ist, nur weil seine Heimatstadt seit knapp 60 Jahren auf (gewaltsam annektiertem) russischem Boden liegt.
      Das Empire State Building ist auch kein Bauwerk von Nieuw Amsterdam, sondern aus der Zeit, in der die Stadt bereits (lange) New York hieß.
    • "Restitutor Orbis" schrieb:

      Ein anderes Projekt hingegen wird auf alle Fälle verwirklicht:
      Der alte Hansaplatz, später Adolf-Hitler-Platz und heute Platz des Sieges, soll rechtzeitig zu den Jubiläumsfeierlichkeiten den Charakter einer Betonwüste verlieren. Die Lenin-Statue kommt weg, statt dessen kommt eine große orthodoxe Kathedrale mit goldenen Kuppeln hin. Daneben gibt es wohl einige moderne Einkaufszentren und Hotels mit viel Glas. Die geplante Siegessäule auf dem Platz hingegen wurde von der Baubehörde abgelehnt, weil zu imperialistisch. Statt dessen möchte man ein Denkmal, dass von Wiederaufbau der Stadt und der schweren Arbeit seiner Bewohner erzählt.


      Hmm... klingt okay, aber Reko wäre besser. Wie sah denn der Hansaplatz damals aus und welche Gebäude umgaben ihn?

      Ich rege mich über das Kaliningrad gar nicht so auf, ist halt 'ne russische Stadt und die müssen selber wissen, wie sie sie nennen. Aufgrund uns bekannten geschichtlichen Ereignissen haben die Russen diesen Teil des ehemaligen deutschen Reiches zugesprochen bekommen und das ist nunmal so.

      Aber es gab doch auch mal Gerüchte, dass das ehemalige Ostpreußen sich evtl. von Rußland loslösen will.
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      Karl Kraus (1874-1936)
    • Die ZDF-Reportage war im Großen und Ganzen ziemlich positiv, die Frage ist nur, ob die Stimmung im gesamten Gebiet dort so ist. Viele der interviewten Personen rücken die preußische Vergangenheit in ein postivies Licht, u.a. waren dort z.B. Jugendliche zu sehen, die Deutschordensritter spielten und Kaliningrad immer Königsberg nennen ("Wir mögen den Kommunismus nicht, wir mögen Stalin nicht - diese Stadt heißt Königsberg") oder eine Händlerin, die der Meinung war, dass Rußland Königsberg an die Deutschen verkaufen sollte damit dort endlich mal etwas funktioniert. Die Gegend wirkte immer ziemlich trist, Müll, Plattenbauten und so, wie man Rußland aus Filmen kennt, teilweise auch wie es im Osten direkt nach der Wende aussah. Aber die Landschaft dort ist einmalig, totaler Wahnsinn! Allerdings scheinen 90% der ostpreußischen Kirchen und Gutshäuser wohl schon zerstört zu sein, maybe, vielleicht baut die ja irgendwann mal wer wieder auf...
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    • @Oliver

      Königsberg vielleicht nicht, aber die Landschaft und die einzigartige Küste sind phantastisch. So würde es natürlich nicht mehr aussehen, wenn es deutsch geblieben wäre. Mangelwirtschaft hat in architektonisch-kulturell dunklen Zeiten auch seine guten Seiten.

      @Booni

      "Zugesprochen bekommen" ist wohl etwas euphemistisch ausgedrückt. Die Gunst der Stunde zum Raub genutzt, trifft es wohl eher. Ich glaube nicht, daß die westlichen Alliierten den Massenvertreibungen oder der völkerrechtswidrigen Annektion der Baltischen Staaten zugestimmt hätten, wenn der Russe nicht schon dagewesen wäre, und eine Verweigerung der Zustimmung etwa auf Jalta oder in Potsdam nichts am de-facto-Zustand verändert, sondern nur einen neuen Konflikt hinaufbeschworen hätte.
    • Tja, das ist nunmal der Lauf der Geschichte. Aber die Deutschen haben den Krige nun mal verloren und mussten hinnehmen was passiert ist. Dass wir die Gebiete nie wieder zurückbekommen ist uns klar aber was sollen wir auch damit? In Polen sehen die Städte besser aus als sie es in Deutschland jemals würden und der russische Teil muss sich halt noch ein wenig entwickeln. Und die Deutschen werden eh immer weniger, da reicht uns die Fläche die wir noch haben doch vollkommen.

      Schön fände ich es jedoch, wenn man in den Orten ein bisschen die Deutsche Kultur pflegen wird, evtl auch mal zweisprachige Ortsschilder usw. aufstellt. Ebenso gut wäre es, wenn es für westliche solvente Bürger attraktiv wird, einen alten Gutshof zu kaufen, zu rekonstruieren und zu bewirtschaften.
      Das Beste in meinen Augen wäre wirklich eine Loslösung von Rußland und ein eigener, souveräner und demokratischer Staat innerhalb der EU.

      Wieviel ist eigentlich noch erhalten vom alten Königsberg? Ich kenne eigentlich nur diese Bauten hier:

      Brandenburger Tor:


      Hauptbahnhof:


      ehemaliges Brückenhäuschen:


      Roßgärtner Tor:


      Luisenkirche (heute Puppenmuseum):


      Ruine der Reichsautobahnbrücke:


      entstuckte Universität:


      Nordbahnhof am Hansaplatz:


      Börse:


      Dom:


      Friedrichsburger Tor:


      Polizeipräsidium:


      Reichsbahnbrücke:


      Kreuzkirche (heute russisch-orthodoxe Kirche):


      Katholische Pfarrkirche Zur Heiligen Familie (heute Philharmonie):


      Kantgrabmal am Dom:

      bisherige Bilder von http://www.stefan-winkler.de">www.stefan-winkler.de


      Desweiteren gibt es noch folgende Kirchen:
      - Christuskirche Ratshof von 1937, heute als Kulturzentrum genutzt
      - Juditter Kirche von 1286 (heute eine orthodoxe Kirche)
      - Hospitalkirche von 1903 (heutige Nutzung unbekannt)
      - Ponather Kirche von 1897 (heute eine orthodoxe Kirche)
      - Rosenauer Kirche von 1926 (heute eine orthodoxe Kirche)
      - Adalbertskirche von 1904/1932 (heute Observatorium)
      - St. Josephskirche in Ponath von 1932 (heute zweckentfremdete Nutzung, turmlos und stark verändert)

      Von den 30 evangelischen Kirchen sind noch 8, von den 5 katholischen Kirchen noch 3 erhalten. 24 Kirchen in dieser Stadt wurde abgerissen... das hat doch nichtmal Berlin geschafft, oder?
      Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten
      Karl Kraus (1874-1936)
    • Deine "Kirchen-Bilanz" liest sich trotzdem gar nicht so schlecht. Sind die aufgezählten Kirchen wirklich alle in Königsberg selbst oder in der Umgebung? Ich hatte nämlich mal in einem Buch über das ehemalige Ostpreußen von Klaus Bednarz gelesen, daß von 34 Kirchen nur noch 4 (!)stehen.

      Aber die Gebäude, die Du eingestellt hast sind noch lange nicht alles, was übrig ist. Es gibt noch mehr alte Bauten, und zwar größere wie das originalgetreu wiederaufgebaute Schauspielhaus, das (umgebaute) Theater oder das ehemalige Amtsgericht, Gründerzeithäuser und in den Außenbezirken sogar richtig schöne Villen. Aber insgesamt, im Verhältnis zu deutschen oder polnischen Ex-deutschen Städten ist es natürlich sehr wenig, die Plattenbauten dominieren.

      Interessant fand ich in der Reportage übrigens die Kommentare der Russen, die sich für die ehemals deutschen Bauten und für deren Erhaltung interessieren und einsetzen: Sie sagen sinngemäß, "das sind ja keine deutschen Bauwerke, sondern "unsere", denn wir leben hier, wir sind hier geboren, also sind es unsere Bauten, und die müssen wir bewahren".
      Das klingt doch eigentlich ganz vernünftig. Denn diese Leute verleugnen ja gar nicht (wie es früher, auch in Polen üblich war), daß die Bauwerke von Deutschen gebaut wurden, sondern sagen nur "jetzt sind's unsere, und wir sind dafür verantwortlich". Schade, daß vor 50-60 Jahren nicht so gedacht wurde, sonst hätte man bestimmt weniger abgerissen, udn die ganze Stadt sähe besser aus.