Hechingen (Galerie)

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    • Hechingen (Galerie)

      So, liebe ApHler, jetzt habe ich lange genug von den Mühen Anderer profitiert. :D Um meiner Schuldigkeit gegenüber dem Forum nachzukommen und endlich auch einmal etwas abzuliefern, habe ich mich vor ein paar Tagen in den Zug gesetzt und bin in das nahe bei Tübingen gelegene Hechingen gefahren, eine Stadt, angesichts derer relativ großen Bedeutung es doch verwundert, dass sie hier nie Thema war. Gerade durch die Burg Hohenzollern verfügt Hechingen ja über ein Wahrzeichen, das sicherlich zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten Deutschlands gehört. Doch auch abgesehen davon hat Hechingen einiges zu bieten. Zwar ist die Alstadt größtenteils die einer durchschnittlichen schwäbischen Kleinstadt und reicht nicht an Tübingen, Herrenberg oder Rottenburg heran. Hechingen sticht aber durch bedeutende Einzelbaudenkmäler hervor, die man in einem Ort dieser Größe überhaupt nicht erwarten würde. Man spürt noch den Glanz jener Tage, als Hechingen Residenzstadt einer eigenständigen Herrschaft war und diese Reste einer großen Vergangenheit sind heute von einem melancholischen Hauch verblichener Glorie umweht. Man muss sich das einmal vorstellen: Früher war Hechingen ein unabhängiges Fürstentum, heute ist es nicht einmal mehr Verwaltungssitz des Landkreises, zum dem es gehört.

      Aber fangen wir von vorne an: Hechingen steht auf uraltem Boden. Schon die Römer haben hier gehaust und ihre Spuren hinterlassen. So zeugt die rekonstruierte "Villa Rustica" in Hechingen-Stein (die es übrigens schon in ein Asterix-Heft geschafft hat :D ) von dem antiken Reich, das damals den Süd-Westen des heutigen Deutschlands unter seine Herrschaft gebracht hatte. Die Region des heutigen Hechingens gehörte zum Dekumatland, das wiederum Teil der Provinz "Germania superior" war. Nach dem Zusammenbruch der römischen Herrschaft in diesem Landstrich kamen die Alamannen, die wohl die Siedlung Hechingen gründeten. Alleine die Namensendung "ingen" spricht ja schon für einen alamannischen Ursprung. 786 wurde die Existenz Hechingens dann zum ersten Mal als "Hahhingum" in einer St. Gallener Urkunde bezeugt.

      Hechingens Schicksal war immerschon eng mit der Familie der Zollern verbunden, die von dem gleichnamigen Berg aus im Mittelalter eine umliegende Grafschaft beherrschten. Zum ersten Mal 1061 begegnen uns Angehörige dieser Dynastie, Burchardus und Wezil, in einer Schriftquelle. Wer hätte damals gedacht, zu welchen Gipfeln dieses Geschlecht noch emporklimmen sollte? Spätestens um 1255 war Hechingen dann Stadt, wie man aus einer Urkunde weiß, die das Vorhandensein eines Schultheißen bezeugt. Aber die enge Beziehung zu den Zollergrafen brachte der Stadt nicht nur Vorteile. So wurde Hechingen in die Konflikte gezogen, welche die Zollern mit den immer mächtiger werdenden Württembergern ausfochten. Zwischenzeitlich musste Hechingen aufgrund zollerischer Schulden sogar an Württemberg verpfändet werden. 1401 wurde die Stadt von einem Brand verwüstet. Die für die Wiedererrichtung benötigten Summen stürzten den Grafen Friedrich von Zollern, welcher als "der Öttinger" in die Geschichtsbücher eingegangen ist, noch mehr in die Bredouille. Die Schulden und eine Fehde mit Rottweil sorgten für seinen Untergang: Eine Allianz aus Schwäbischem Städtebund, Württemberg und seinem verfeindeten Bruder rang ihn nieder. Die Burg auf dem Hohenzollern zerstörte man und erst einige Dekaden später wurde vom Kaiser die Wiedererrichtung genehmigt.

      Unter Eitel Friedrich IV., der von 1545 bis 1605 lebte, erblühte Hechingen im Glanze der Renaissance. Dieser Herrscher war der erste Regent von Hohenzollern-Hechingen, nachdem sein Vater das Erbe unter drei Söhnen aufgeteilt hatte. Auch Hohenzollern-Sigmaringen und Hohenzollern-Haigerloch (das später an die letztgenannte Herrschaft fiel) waren so entstanden. Eitel Friedrich IV. ließ viel in Hechingen bauen: So entstanden beispielsweise die Klosterkirche St. Luzen, das Spital, der Untere Turm und ein Residenzschloss. Die Betrachtung der erhalten gebliebenen Gebäude lässt erahnen, woher Eitel Friedrichs Beiname "der Prächtige" kommen mochte. Er förderte Kunst und Kultur. Im Gegensatz zu Württemberg blieb Hohenzollern-Hechingen nach der Reformation katholisch. Im dreißigjährigen Krieg wurde Hechingen Schauplatz mehrerer Kämpfe und von verschiedenen Armeen geplündert, sodass es im Anschluss komplett ausgepresst dastand.

      In der napoleonischen Ära war Hohenzollern-Hechingen Teil des Rheinbundes. Die Freundschaft zwischen Napoleons Gemahlin Josephine und Amalie Zephyrine von Hohenzollern-Sigmaringen, die sich für ihre Verwandten einsetzte, ersparte Hohenzollern-Hechingen die Mediatisierung. Nach dem Untergang des französischen Kaisers und dem Wiener Kongress trat das Fürstentum dem Deutschen Bund bei.

      Unter dem letzten regierenden Fürsten, Konstantin, erlebte Hechingen noch einmal eine Blütephase: Gemeinsam mit seiner 1826 geheirateten Gattin Eugénie de Beauharnais, einer Stiefenkelin Napoleons, machte er Hechingen zu einem Zentrum von Kunst und Kultur. Besondere Leidenschaft empfand Konstantin für die Musik. Berühmtheiten wie Franz Liszt kamen zu Besuch nach Hechingen, das, im Rückblick betrachtet, die letzten Jahre der Unabhängigkeit in vollen Zügen auszukosten schien. Eugénie, die sich auch wohltätig engagierte, starb 1847 noch recht jung. Zwei Jahre später trat ihr Witwer Konstantin in Reaktion auf die Rebellionen von 1848 seine Herrschaft gegen Zahlungen an Preußen ab. Hiermit verlor Hechingen seine Eigenständigkeit an Berlin und war fortan als Oberamtsstadt Teil der "Hohenzollernschen Lande", offiziell bezeichnet als "Regierungsbezirk Sigmaringen". Hechingen und Sigmaringen, deren Fürsten ihre Länder dem mächtigeren Familienzweig im Norden überlassen hatten, gehörten also nun zu Preußen. Auch das blühende jüdische Leben in Hechingen verdient eine Erwähnung: Nachdem es hier schon im Spätmittelalter Juden gegeben hatte, stellten sie im 19. Jahrhundert zeitweilig bis zum einem Viertel der Stadtbevölkerung. Dem brachte der Nationalsozialismus ein jähes Ende. Viele Hechinger Juden wurden umgebracht, die Synagoge zerstört.

      Nach dem Zweiten Weltkrieg war Hechingen Teil der französischen Besatzungszone und gehörte zu dem Land "Württemberg-Hohenzollern", das 1952 mit "Baden" und "Württemberg-Baden" den Südweststaat "Baden-Württemberg" gründete.

      Damit endet der kurze ( :D ) Exkurs in die Geschichte Hechingens. Ich denke, ein Verständnis für Vergangenheit der Stadt hilft dabei, ihren besonderen Charakter zu verstehen. Heute hat Hechingen grob 19.000 Einwohner und ist Teil des Zollernalbkreises, der wiederum zum Regierungsbezirk Tübingen gehört.

      Die Highlights der Stadt sind neben dem Hohenzollern - von dem ich zwar abgesehen von der Ansicht aus Hechingen hinauf keine Bilder habe, solche aber auf Wunsch gerne nachliefern kann - wohl die Klosterkirche St. Luzen, die Stadtkirche St. Jakobus, der Schlossplatz und die Villa Eugenia.

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    • Ich beginne nun mit einem absoluten Höhepunkt der Stadt und mit dem, wie ich behaupten möchte, neben dem Hohenzollern kunsthistorisch wertvollsten Bauwerk, das Hechingen zu bieten hat: Die Klosterkirche St. Luzen. Die Kirche liegt relativ dezentral in der Nähe des Stadtrandes und lässt auch aufgrund ihres recht unscheinbaren Äußeren die von ihren Mauern geborgenen Schätze nicht vermuten.

      Seit dem 14. Jahrhundert ist an dieser Stelle ein Gotteshaus im Zusammenhang mit einem Nonnenkloster erwähnt, das zeitwillig sogar als Pfarrei Hechingens fungierte. Diese Kirche wurde dann von Eitel Friedrich IV., der hier 1586 die Gründung eines Franziskanerklosters vollzog, umgebaut, wobei man Stücke der alten Außenmauern beibehielt. Der Innenraum wurde auf prächtigste Art und Weise im Stile der Renaissance erneuert. In meinem Text zur Geschichte Hechingens habe ich geschrieben, dass die Stadt zu dieser Zeit eine Blütephase erlebt habe. Ich denke, die Betrachtung von St. Luzen lässt einen diese Formulierung nachvollziehen. 1589 war die Umgestaltung der Kirche dann vollendet. In der Barockzeit hat man den Innenraum eklatant verändert, aber in der Nachkriegszeit wurde der ursprüngliche Zustand wiederhergestellt.

      St. Luzen ist schon deshalb außergewöhnlich, weil sich die Renaissance bei uns ja eher im Profan- denn im Sakralbau verwirklicht hat. Die Kirche ist wirklich ein Juwel Hechingens und kann als herausragendes Beispiel des Renaissancestils mit den Pendants südlich der Alpen mithalten.




      Die Fassade von St. Luzen



      Der Kalvarienberg stammt aus dem Jahre 1733.






      Am Chor, an den Außenmauern und Fenstern lässt sich noch die Gotik erkennen.





      Gotische Elemente

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    • Es geht nun also hinein ins Innere. Ich denke, die Bilder werden verständlich machen, warum St. Luzen zu den herausragendsten Bauwerken der Renaissance in Süddeutschland gezählt wird. Der Detailreichtum der überbordenden Stuckverzierungen ist einmalig.







      Es wirkt alles wahnsinnig edel und ist in dieser Form wirklich einzigartig. Gerade, dass die Kirche abgesehen vom Chor hauptsächlich in diesen Grau/Weiß/Gold-Tönen gehalten ist, trägt sehr zur Wirkung bei.





      Blick hinauf zu Gewölbe und Orgel





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    • Barocke Seitenaltäre



      Der Chor, der mit seinem Farbenreichtum überrascht









      Blick zurück



      Extrem toller barocker Altar in einer Seitenkapelle





      Ich könnte ihn mir stundenlang ansehen...



      Hier liegt auch das Herz Eitel Friedrichs IV., dessen Beiname "der Prächtige" hinreichend von St. Luzen gerechtfertigt wird.



      Das Auge kann sich überhaupt nicht satt sehen...





      Noch einmal Details des Stucks, bevor es (leider) wieder nach draußen geht.

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    • Wie schon geschrieben, liegt St. Luzen recht abseits des Geschehens in der Nähe des Hechinger Bahnhofs.



      Es geht an einem Kreuzweg vorbei in Richtung Innenstadt.



      Am Ende der Straße sieht man noch die Turmspitze von St. Luzen.



      Sehr hübsch!



      Eine Kapelle aus dem 18. Jahrhundert

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    • Hechingen besteht aus einer Unter- und einer Oberstadt. Wie man erkennen kann, befinden wir uns noch in ersterer, aber die auf der Anhöhe gelegene Altstadt taucht schon am Straßenende hervor. Die Bebauung der Unterstadt ist recht unspektakulär.



      Da sieht man nun das erhöht gelegene historische Zentrum, zu dem wir bald emporsteigen werden.



      Die Spitalkirche



      Das Spital, das, wie schon erwähnt, von Eitel Friedrich IV. errichtet wurde. Würde vom Aussehen her auch nach Oberschwaben passen.

      Spitalkirche und Spital sind nach St. Luzen die wohl interessantesten Gebäude der Unterstadt, weswegen wir uns nun guten Gewissens hinauf in die Altstadt begeben können.

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    • St. Nepomuk



      Es geht hinauf.



      Eine Häuserlücke gibt den Blick auf die Unterstadt frei, St. Luzen ist zu erkennen.



      Blick zurück









      Wir haben den (wenig beschwerlichen) Aufstieg bewältigt und stehen nun vor dem Unteren Turm, dem letzten erhaltenen Rest der Hechinger Stadtbefestigung. Auch er wurde 1579 von Eitel Friedrich IV. errichtet, der, wie wir sehen, seinem Ruf als Bauherr gerecht wurde.

      Die Hechinger Altstadt, deren Beginn durch den Unteren Turm markiert wird, ist recht überschaubar. Ich bin so gut wie alle Straßen abgelaufen und habe von den meisten auch Fotos gemacht. Das Stadtbild ist, wie schon geschrieben, im Ganzen gesehen meist recht durchschnittlich, weder besonders herausragend noch unansehnlich. Gerade was die ältere, mittelalterlich-frühneuzeitliche Architektur anbelangt, kann Hechingen mit Tübingen, Herrenberg, Horb oder Rottenburg nicht mithalten. Dennoch stößt man beim Flanieren durch die Straßen immer wieder auf Gebäude, die für eine so kleine Stadt doch erstaunlich prächtig wirken, gerade um Obertorplatz, Villa Eugenia und Amtsgericht herum, aber auch in der Altstadt. Diese ansehnlichen Fassaden, meist aus dem 19. Jahrhundert stammend, versprühen teils sogar großstädtischen Charakter. Besonders eindrucksvoll sind auch die monumentale Stiftskirche, die wir schon majestätisch aus dem Häusermeer ragen sehen haben und der Schlossplatz, in dessen Nähe wir uns nun befinden. Solche Relikte fürstlicher Bauwut kontrastieren mit einem oft ländlichen, fast dörflichen Erscheinungsbild, das manchen Winkeln zu eigen ist.

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    • Hier geht es zum Schlossplatz, den wir jedoch erst später besichtigen werden.



      Blick durch den Unteren Turm





      Eine sehr schöne Ansicht







      Wenige Schritte vom Unteren Tor entfernt, befinden wir uns schon vor dem Hechinger Rathaus. Der Bau entstand in den Jahren 1957 - 1958. Der Vorgängerbau stammte wohl im Kern noch aus gotischer Zeit, war jedoch im 18. und 19. Jahrhudert umgebaut worden und wurde schließlich hauptsächlich vom Historismus dominiert, bis es in der NS-Zeit zu weiteren Umgestaltungen kam. Da ein in dieser Zeit eingebauter Bunker zu Schäden am Fundament geführt hatte, wurde das alte Rathaus in der Nachkriegszeit gesprengt. Man entschied sich glücklicherweise mit Paul Schmitthenner für einen Architekten, der dem Traditionalismus vertrat und so haben wir heute in Hechingen ein Rathaus, das sich harmonisch in die Altstadt einfügt. Hätte man doch nur in Reutlingen beim Bau des Rathauses auch so viel Geschmack gezeigt...



      Die Seitenfassaden des Rathauses, die auf die zum Marktplatz führenden Treppen ausgerichtet sind, kommen am schlechtesten rüber. Abgesehen davon handelt es sich meiner Meinung nach um einen äußerst gelungenen Bau.



      Wir sind nun auf dem Marktplatz und können die Frontfassade des Rathauses begutachten. Hätte man sich in der Nachkriegszeit doch häufiger für so einen Stil entschieden...











      Der langgestreckte Marktplatz ist sehr schön!





      Nun kommen wir zur Stiftskirche St. Jakobus, die am, vom Rathaus aus gesehen, gegenüberliegenden Ende des Marktplatzes steht.



      Da der Kirchturm eingerüstet war, habe ich hier noch ein Bild von St. Jakobus herausgesucht, das ich vor vielen Jahren gemacht habe. Der Turm ist übrigens 55 Meter hoch und dominiert das Panorama der Hechinger Oberstadt.



      Direkt neben der Stiftskirche steht dieses Ensemble.





      Der Chor von St. Jakobus



      Man sieht, wie mächtig die Kirche emporragt.

      Mein positives Urteil St. Jakobus gegenüber teile ich übrigens mit Goethe, der die Kirche nach einem Besuch 1797 als "sehr schön" bezeichnete. Der namensgebende Stift war 1495 von dem Zollerngrafen Eitel Friedrich II. (ausnahmsweise einmal nicht der IV.) gegründet worden und hatte bis zum Ende des 19. Jahrhunderts Bestand. Die Stiftskirche löste St. Luzen als Hechinger Pfarrkirche ab. Nach dem Abriss des spätgotischen Vorgängerbaus wurde im Jahre 1780 mit der Errichtung der jetzigen Kirche im Stile des Frühklassizismus begonnen, die nur drei Jahre später vollendet war. Kopf hinter dem fantastischen Bau war der französische Architekt Pierre Michel d’Ixnard, der übrigens auch für den grandiosen Dom in St. Blasien verantwortlich war.

      Diese Kirche würde auch einer Großstadt keine Schande bereiten!



      Der Innenraum ist wahnsinnig geräumig.







      Deckengemälde







      Diese Grabplatte, ein Werk des 16. Jahrhunderts, lässt in ihrer Pracht die Bedeutung der Personen erahnen, deren Gedächtnis sie wahrt. Sie erinnert nämlich an den Zollerngrafen Eitel Friedrichs II., der das Stift begründet hatte und seine Frau Magdalena von Brandenburg. Eitel Friedrich II. kann als eine herausragende historische Gestalt gelten - er hatte als Erster den Posten des Präsidents des Reichskammergerichts inne und war ein enger Vertrauter Kaiser Maximilians I. von Habsburg, dem "letzten Ritter", für den er auch in diversen Schlachten kämpfte.



      Ich denke, man bekommt einen Eindruck davon, wie groß die Stiftskirche ist.









      Empore mit Fürstenloge







      Hier sind Konstantin und Eugénie, das letzte Fürstenpaar des unabhängigen Hohenzollern-Hechingens, zu sehen. Beide sind übrigens auch in einer Gruft unter der Stiftskirche bestattet.





      Auf dem Fenster ist Eugénie de Beauharnais dargestellt. Sie, die, wie schon erwähnt, Stiefenkelin Napoleons I. und Cousine Napoleons III. war, ist den Hechingern besonders wegen ihrer Wohltätigkeit in Erinnerung geblieben. So hat sie sich um die Kranken und Bedürftigen gekümmert, auch hinterließ sie in Hechingen die "Kinderbewahranstalt", welche eine Art Kindergarten darstellte und ein Altersheim. In ihrem Testament stellte sie einen großen Geldbetrag für karitative Zwecke zur Verfügung. Sie war besonders fromm und regelmäßige Gebete gehörten zu ihrem Tagesablauf. Leider starb diese große Frau 1847 mit nicht einmal 39 Jahren an der Tuberkulose.

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    • So, nun geht es in die Gassen abseits des Marktplatzes. Hier bekommt man einen Eindruck von dem vorhin angesprochenen ländlichen Charakter Hechingens, der im Gegensatz zu den fürstlichen Monumentalbauten steht.





















      Jetzt stehen wir vor einer weiteren Sehenswürdigkeit Hechingens - der Synagoge. Sie wurde 1767 als Nachfolgebau eines anderen jüdischen Gotteshauses errichtet. Nach mehreren Umbauten bekam das Gebäude seine heutige Fassade 1881. Nach Zerstörungen durch SA-Männer in Reichspogromnacht und folgender Vernachlässgigung wurde die verfallende Synagoge in den 80er Jahren restauriert. Sie ist ein Denkmal für die jüdische Kultur Hechingens.





      Direkt neben der Synagoge steht dieser prachtvolle Fachwerkbau.



      Durch die Häuserlücke grüßt uns St. Luzen.



      Blick hinab auf die Unterstadt

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    • Der Rathausturm ist durch eine Bebauungslücke zu sehen.









      Ein recht stattlicher Bau



      Hübsches Portal!



      Wird anscheinend heute als Jugendzentrum genutzt.



      Aufmerksame Verfolger der Galerie sollten nun Bekanntes wiedererkennen. Hier waren wir zu Beginn unseres Altstadt-Rundgangs schon einmal. Rechts (bei diesem gelben Haus) geht es zum Unteren Turm, links ist das Rathaus zu sehen.

      Es geht zum Schlossplatz!



      Ich beginne mit der am wenigsten spektakulären Seite des Schlossplatzes. Links sieht man jedoch schon das erste interessante Bauwerk.



      Wieder der Rathausturm



      So, jetzt sehen wir den Bau in seiner ganzen Pracht. Wir haben das sogenannte Alte Schloss vor uns, das im frühen 18. Jahrhundert errichtet wurde und die Kanzlei beherbergte. Der auch gebräuchliche Name "Prinzessinenpalais" rührt daher, dass der Bau irgendwann vom Verwaltungssitz zum Wohnbgebäude für Mitglieder des Fürstenhauses umfunktioniert wurde. Während an dem Neuen Schloss, welches gegenübersteht und zu dem wir gleich kommen werden, gearbeitet wurde, hatte hier sogar für kurze Zeit der Fürst seinen Sitz. Heute befindet sich hier das Hohenzollerische Landesmuseum.





      Der Untere Turm, durch den wir vorhin die Altstadt betreten haben.



      Ich denke, die räumlichen Verhältnisse sollten klar sein. Wir kennen nun drei Seiten des Platzes. Auf der vierten wartet ein Highlight.



      Das Neue Schloss!



      Hier stand zuvor schon ein von Eitel Friedrich IV. errichteter Palast, der jedoch Anfang des 19. Jahrhunderts abgerissen wurde, nachdem er teils eingefallen war. An der Stelle entstand von 1816 - 1819 das Neue Schloss im klassizistischen Stil. Architekt war Rudolf Burnitz, der bei Friedrich Weinbrenner gelernt hatte. Der Bau wurde durch französische Reparationen infolge der Niederlage in den napoleonischen Kriegen bezahlt. Dennoch konnte aufgrund von Geldmangel die Vollendung nicht erfolgen.




      Der Fürst zog gar nie wirklich in das Bauwerk ein.





      Der Turm der Stiftskirche

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    • Ein prächtiges Ensemble



      Sehr repäsentativ



      Wie der Turm von St. Jakobus zeigt, geht es wieder in Richtung Marktplatz.



      Da sehen wir auch schon wieder das mächtige Kirchenschiff.







      Blick zurück auf den Marktplatz. Wir verlassen die Altstadt, deren Dimensionen, wie man sieht, recht beschaulich sind.





      Wieder eines jener Gebäude, deren Pracht man in einem solch kleinen Ort gar nicht vermuten würde (wüsste man nicht um die große Vergangenheit). Solche Fassaden sorgen für beinahe großstädtisches Flair, durchdrungen vom Odem einstigen Glanzes. Hechingen ist sehr facettenreich.



      Neogotischer Brunnen



      Wir sind nun auf dem Obertorplatz, dessen Bebauung recht durchwachsen ist - teils prachtvolle Häuser des 19. Jahrhunderts, teils weniger ansehnliche Nachkriegsarchitektur.



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    • Das ist nun also jener vorhin erwähnte Kindergarten, den die letzte Fürstin Hechingens, Eugénie, gegründet hat. An der Fassade ist ihre Büste zu sehen.









      Jetzt sind wir schon bei einer nächsten Sehenswürdigkeit angelangt, der protestantischen Pfarrkirche St. Johannes, die von keinem Geringeren als Friedrich August Stüler stammt. Nachdem Hohenzollern-Hechingen preußisch geworden war, mussten die neuen Machthaber natürlich auch ihrer Konfession ein Denkmal setzen. Die neogotische Kirche wurde 1856/57 errichtet. Der Auftrag kam vom preußischen König Friedrich Wilhelm IV., der auch die finanziellen Mittel
      lieferte.









      Der Innenraum ist, wie zu erwarten, recht schlicht, aber dennoch eindrucksvoll. Er wirkt in seiner Erscheinung sehr protestantisch.

















      Ein Werk des Genies Stüler... Genau für so etwas liebe ich Hechingen. Hier hat die große Geschichte Spuren hinterlassen.



      Blick zurück zu St. Jakobus

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    • Wo wir gerade bei Stüler waren: Hier ein Bild seines anderen großen Werkes in Hechingen, die Burg Hohenzollern.





      Hier wieder ein älteres Bild, das ich vor einigen Jahren gemacht habe. Leider ist die Qualität etwas schlechter. Es zeigt den wunderschönen Turm von St. Jakobus.

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    • Jetzt sind wir leider schon am Ende des Rundgangs angelangt. Zum Schluss gibt es aber noch ein letztes Highlight: Die Villa Eugenia. Wer diese Eugénie war, sollte ja inzwischen bekannt sein. Kern dieses Palais war ein 1786/87 errichtetes Lustgartenhaus, welches 1833/34 erweitert wurde. Die Geldmittel hierfür stellte Eugénie zur Verfügung, indem sie das Schloss Eugensburg in der Schweiz veräußerte. Wie schon erwähnt, war die Zeit des letzten Fürstenpaares eine kulturelle Hochphase und darin spielte die Villa Eugenia eine nicht geringe Rolle - sie avancierte zum Zentrum des höfischen Lebens. Man darf sich Eugénie trotz ihrer Frömmigkeit nicht als weltabgewandt vorstellen, sie war durchaus lebensfroh.

      Auch später noch beherbergte die Villa Eugenia gekrönte Häupter, so nächtigten hier der Preußen-König Friedrich Wilhelm IV. und der deutsche Kaiser Wilhelm I.









      Die Rückseite ist weniger repräsentativ.



      Sehr romantisch.



      Man muss sagen, dass Hechingen für eine Kleinstadt mit gerade einmal 19.000 Einwohnern (!) über ein wahnsinniges bauliches Erbe verfügt. Man hat einfach ständig das Gefühl, auf historisch bedeutsamem Boden zu wandeln.

      Ich verabschiede mich nun mit einem (weniger gelungenen) Panorama der Altstadt und Ansichten vom Hohenzollern, der vielleicht bisher etwas zu kurz gekommen ist.





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    • @ triforum

      erst einmal Glückwunsch zur ersten eigenen Galerie. Hat wirklich fantastisch geklappt.

      Thematisch kann ich leider wenig Erhellendes beitragen, wer mich kennt, der weiß, dass meine Schwerpunkte nicht im süddeutschen Raum liegen. Ich bin ja eher in den Metropolen und wenn dann eher in der preußische Ecke zu Hause, ich tue mich seltsamerweise mit dem süddeutschen Raum extrem schwer, warum, dafür habe ich keine wirkliche Erklärung, daher nutze ich auch mal die Gelegenheit, mich indirekt bei Zeno, Markus und co. zu entschuldigen; wenn ihr das lest, ich schneide euch also nicht absichtlich, ich bin einfach thematisch extrem weit weg von den Kleinstädten in Bayern und Baden. Also falls ihr meine Präsenz vermisst, es ist nicht böse gemeint. :D :D

      Bemerkenswerterweise gefällt mir St. Luzen sehr gut, für den süddeutschen Raum doch sehr gelungen und elegant. Ich hatte mich bereits mit Triforium über die Eigenarten des Süddeutschen ausgetauscht und gerade bei Kirchenbauten bereitet mir die Schwere der Ausstattung oft Bauchschmerzen, das ist bei St. Luzen sehr gut gelöst, auch weil man auf das sonst häufig dominierende Rot verzichtet.

      Ansonsten aber eine echt tolle Präsentation einer süddeutschen Kleinstadt, aber dir ist schon bewusst, dass der Höhepunkt noch fehlt. Also die Burg hätte ich jetzt schon gerne gesehen, das muss ich zugeben, da bin ich dann nämlich wieder in meinem Interessenselement, also los, rauf auf den Berg :lachentuerkis: :lachentuerkis: :tongue: :tongue:
      APH - am Puls der Zeit
    • Triforium, besten Dank für diese Galerie! Wenn ich mir auch bei den Bildern Straßennamen u.ä. wünschen würde, weil man später vielleicht etwas Bestimmtes sucht oder sich gründlicher damit beschäftigen möchte, etwa anlässlich eines allfälligen Aufenthaltes dort, so muss ich doch sagen, dass Du es verstanden hast, einen Eindruck zu vermitteln, wie es dort so auf- und zugeht, und Hechingen damit für mich kein Buch mit sieben Siegeln mehr ist.


      Wissen.de schrieb:

      daher nutze ich auch mal die Gelegenheit, mich indirekt bei Zeno, Markus und co. zu entschuldigen
      Das musst Du wirklich nicht tun, Wissen.de; Du machst es schon richtig!

      Wenn Deine Heimat und das, was Dich anspricht, der norddeutsche Raum und die dortigen Großstädte sind, dann ist es absolut naheliegend und konsequent, wenn Du Dich auch damit beschäftigst. Warum sollte Dir jemand vorwerfen, für die Welt von Markus und mir wenig Interesse zu haben? Ich habe doch auch nur für meine Welt Interesse, und was mich nicht interessiert (z. B. Potsdam), interessiert mich einfach nicht, auch wenn es "objektiv" noch so schön sein mag.


      Eine Galerie der Burg Hohenzollern würde sicherlich begrüßt werden. Bitte mache dafür aber einen eigenen Strang, Triforium. Zum einen, weil für Objekte größerer Bedeutung seit jeher eigene Stränge üblich sind, und zum anderen, weil die Burg ja nicht in Hechingen steht, sondern in der Gemeinde Bisingen.
    • Vielen Dank, Zeno!

      Zeno schrieb:

      weil die Burg ja nicht in Hechingen steht, sondern in der Gemeinde Bisingen.
      Das stimmt allerdings. Die armen Bisinger, dass ihre Hauptsehenswürdigkeit immer der (um einiges bekannteren) Nachbargemeinde zugerechnet wird. :D

      Ich denke, dass ich mir also in den nächsten Wochen einmal einen Nachmittag frei halten werde und dann die Burg aufsuche.

      Wobei ich ja mit Hechingen noch nicht fertig bin. Da folgen heute oder morgen auch noch einige Bilder.

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    • Neu

      So, liebes ApH, heute und (hauptsächlich) morgen wird der versprochene Nachschlag an Hechingen-Bildern erfolgen. Bei meinem heutigen Besuch in Hechingen bin ich noch einmal zum Teil meine Route vom letzten Samstag abgelaufen, wobei zur Vervollständigung ein paar neue Bilder entstanden sind, hauptsächlich vom Unteren Turm (mit den vorherigen Fotos war ich nicht zufrieden), von St. Jakobus und der protestantischen Kirche, die dieses Mal zu meinem Glück geöffnet hatte. Auch zu St. Luzen und zur Altstadt habe ich ein paar wenige neue Fotos eingestellt. Ich habe mich dazu entschlossen, die neuen Eindrücke schon gezeigter Örtlichkeiten in die bisherige Galerie einzubauen, damit der als Rundgang konzipierte Charakter der Bilderserie nicht verloren geht. Wen also die neuen Innenansichten von St. Jakobus und St. Johannes interessieren, der muss eben etwas nach oben scrollen.

      Heute werde ich noch ein paar Fotos von anderen Gebäuden in Hechingens Zentrum darbieten, während der Rundgang am morgigen Tage die Kernstadt verlassen wird, was jedoch keineswegs einen Abfall der Qualität bedeuten muss. Seid nicht angesichts der überschaubaren Anzahl heute präsentierter Örtlichkeiten enttäuscht, es wird durch ein letztes Highlight, dem Kloster Stetten, morgen entgolten.

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