Hechingen (Galerie)

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    • Wir haben das Hechinger Amtsgericht vor uns, das Ende des 19. Jahrhunderts errichtet wurde. Auch dies ist wieder eines jener Gebäude, die wegen ihrer großstädtischen Erscheinung überraschen.

      Der Bau befindet sich in der Nähe von St. Johannes, beinahe direkt neben dem schon gezeigten "Kindergarten" der Fürstin Eugénie und ist also in Hechingen recht zentral gelegen.

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    • Das ist nun das Hechinger Gymnasium, erbaut von 1907 bis 1909. Es steht in der Nähe des Amtsgerichtes.





      Warum konnte mein Gymnasium nicht so aussehen... Hätte sich sicherlich äußerst positiv auf mein Schulleben ausgewirkt. :D :D





      Über dem Portal wacht der Preußen-Adler.

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    • Bei meiner Autofahrt durch Hechingen kam ich an diesem wunderschönen Steinkreuz vorbei. Ich musste einfach anhalten und Fotos davon machen. Das Kreuz steht an der Zollernstraße, an der sich auch die Villa Eugenia befindet, in der Nähe des Stadtrandes.



      Ich mag es, wie sich der Katholizismus im Stadtbild manifestiert.



      Nun kommen wir zu einem weiteren Schmuckstück Hechingens, der Heiligkreuz-Kapelle, die sich am Rande des gleichnamigen Friedhofs befindet. Das Bauwerk steht im Zusammenhang mit einer bedeutenden Persönlichkeit, die uns im historischen Überblick am Anfang schon begegnet ist: Friedrich XII. von Zollern, welcher als der Öttinger in die Geschichtsbücher eingegangen ist. Das war jener Zollerngraf, der durch eine Koalition aus dem Schwäbischen Städtebund, Württemberg und seinem Bruder Eitel Friedrich I., mit dem er aufgrund von Fragen der Erbteilung im Streit lag, militärisch geschlagen wurde. Durch eine zehnmonatige Belagerung der Zollernburg konnten ihn seine Feinde 1423 bezwingen. Auf Anweisung von König Sigismund wurde die Stammburg der Zollern daraufhin geschleift und der Wiederaufbau untersagt. Aber damit war die Geschichte des Öttingers noch nicht beendet: Zwar konnte er sich mit seinem Bruder versöhnen, doch nur kurze Zeit später wendete sich das Blatt wieder: Von 1428/29 bis 1440 war Friedrich XII. Gefangener der Württemberger. In der Zwischenzeit regierte Eitel Friedrich I. über das zollerische Territorium, das sich in prekärer Lage befand. Nicht zuletzt aufgrund von Schulden hatte schon der Öttinger große Landstriche an die Erzrivalen seiner Dynastie, die Württemberger, abtreten müssen. Nach dem Tod Eitel Friedrichs I. 1439 gelang Friedrich XII. in Zollern noch einmal an die Macht. Sein bewegtes Leben endete 1443, als er auf einer Reise ins Heilige Land verstarb. An dem Bruderzwist zwischen Eitel Friedrich I. und Friedrich XII. sieht man, welches Konfliktpotential Erbteilungen bargen. Die Primogenitur war nämlich im damaligen Deutschland keineswegs die alleinige Nachfolgeregelung - das Beispiel des Öttingers und seines Bruder ist nur eines unter vielen von Aufteilungen des Erbes unter den Söhnen.

      Aber nun wieder zurück zu der Kapelle, um die es ja eigentlich geht:

      Um die Ursprünge des Bauwerks rankt sich eine düstere Sage: Ein Knappe habe hier, angestiftet vom Satan, der ihm im Gegenzug die perfekte Treffsicherheit versprach, mit der Armbrust drei Pfeile auf ein Kruzifix abgefeuert, woraufhin das Christusbild geblutet habe. Der Frevler sei in Folge zur Bewegungsunfähigkeit erstarrt und habe für seine Tat mit dem Leben bezahlen müssen. Daraufhin habe Graf Friedrich XII., der Öttinger, 1403 die spätgotische Kapelle zur Sühne gestiftet. Seit 1814 befindet sich hier der Hechinger Stadtfriedhof, der zuvor hinter der Stiftskirche gelegen hatte.

      Die finsteren Ursprünge lassen sich dem anmutigen Gotteshaus, das wunderschön zu Fuße des Zollerberges liegt, überhaupt nicht ansehen. Ich kam leider nicht ins Innere des Bauwerks, aber ich glaube, dass es auch nur selten geöffnet ist.





      Blick von der Kapelle hinauf zum Zollern, wo der Begründer des Gotteshauses seinen Sitz hatte.









      Typisch deutsche Spätgotik





      Das ist der Blick von der Kapelle in Richtung Hechingen, das, wie man sieht, sich doch in einiger Entfernung befindet. Friedhof und Stadt werden auch durch die B27 getrennt, die man auf dem Bild erkennen kann und die der an sich besonderen Atmosphäre des Ortes nicht gerade zuträglich ist.

      Vom Friedhof lief ich nun nach Stetten, einem Hechinger Stadtteil mit ca. 2000 Einwohnern, der durch die Bundesstraße von der Kernstadt getrennt wird.



      Ja, ich weiß, das ist ein Architektur-Forum. :D Trotzdem werde ich noch einige Natur-Bilder posten, um die herrliche landschaftliche Lage Hechingens am Albtrauf begreifbar zu machen.





      Im Vordergrund ist der Friedhof Heiligkreuz zu sehen, der von der majestätischen Burg Hohenzollern überragt wird.





      Man muss sich einmal vorstellen, was vom Zollerberg alles ausging: Neben den Regenten von Sigmaringen und Hechingen waren Angehörige der Zollernfamilie auch die Burggrafen von Nürnberg und saßen als Könige auf dem Thron Rumäniens. Am weitesten brachten es die Hohenzollern jedoch in Brandenburg-Preußen, das sie zur europäischen Großmacht ausbauten und schließlich hierdurch den deutschen Nationalstaat schufen, dem sie als Kaiser vorstanden.

      Nun geht es zu einem weiteren Ort, der eng mit der Zollerndynastie verbunden ist: Dem Kloster Stetten.

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    • Über den Grund, warum die Kichhöfe/Friedhöfe vor die Städte verlegt wurden, habe ich Folgendes gelesen:
      Zum Ende des 18. bis zum Beginn des 19. Jh. war die überwiegende Zahl der Mediziner der Auffassung, dass den Gräbern "Verwesungsgase" entsteigen würden, die sich beim Einatmen schädlich auf die Gesundheit der Lebenden auswirken würden.

      Überall in Deutschland wurden in den Städten damals die alten Kirchhöfe um die Stadtkirchen geschlossen und neue Friedhöfe vor der Stadt angelegt. Als mir bekanntes Beispiel möchte ich die Stadt Köln anführen. In Köln, das damals ja von den Franzosen besetzt war und nominell zu Frankreich gehörte, hatten die Franzosen die Schließung sämtlicher alten Kirchöfe in der Stadt befohlen, wie auch die Anlage eines neuen, großen Friedhofs draußen vor der Stadt. Dieser neue Friedhof Melaten in Köln wurde daraufhin 1810 eröffnet.

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    • Nun haben wir den mächtigen Baukörper des Klosters Stetten im Gnadental vor uns. Für die Entwicklung des Konvents ausschlaggebend war das Jahr 1267, als der Zollerngraf Friedrich der Erlauchte das Frauenkloster, das vielleicht schon zuvor einige Jahre Bestand gehabt hatte, reichlich beschenkte. Er machte es auch zur Grablege seiner Familie und wurde hier 1289 beigesetzt. Das Kloster, das bald dem Dominikanerorden unterstand, erfuhr gegen Ende des 13. Jahrhunderts große bauliche Veränderungen: 1280/1290 wurde direkt neben der noch älteren Johanneskapelle die gotische Klosterkirche errichtet, deren edle Bettelordensarchitektur wir noch heute bewundern können. Das Kloster wurde in der folgenden Zeit vom Adel begünstigt und reich begütert, einge Frauen, die der Zollernfamilie entstammten, waren Teil des Konvents. Die Lage am Zollerberg brachte jedoch nicht nur Vorteile: Im Zuge der Belagerung des Hohenzollerns 1422/23 wurde das Kloster arg in Mitleidenschaft gezogen. Doch bald verging teilweise die Verflechtung mit den Grafen: Das Kloster blieb zwar bis 1488 Grablege der Zollern, als Jobst Nikolaus I. hier beigesetzt wurde. Dessen Sohn Eitel Friedrich II. hingegen fand seine letzte Ruhestätte in der Hechinger Stiftskirche, die fortan die Stellung als Familiengruft innehatte. Eitel Friedrich II. löste auch sonst die enge Verbindung der Zollern zum Kloster Stetten. 1502 entließ er das Konvent in die Freiheit und gab seine besonderen Herrschaftsrechte ab. Im 18. Jahrhundert wurden Teile der Klosterkirche barockisiert und auch ansonsten Umbauten unternommen. Durch den Reichsdeputationshauptschluss wurde das Kloster säkularisiert und Hechingen-Hohenzollern übergeben. Die verbliebenen Nonnen durften in dem Gemäuer verbleiben, jedoch keine neuen Schwestern mehr aufnehmen. 1867 verstarb dann die letzte Nonne namens Gundi Savla Utz, womit die alte Tradition des Klosters Stetten beendet war. Teile der Anlage waren schon anfangs des 19. Jahrhunderts profan genutzt worden, zum Beispiel als Kaserne, Wohnraum oder Lager. Nachdem der Versuch, hier ein Franziskanerkloster zu gründen nach kurzer Zeit am preußischen Kulturkampf gescheitert war, verblieben die Gemäuer in weltlichen Händen, später gab es hier sogar eine Schuhfabrik. 1898 war ein Unglückjahr für Stetten, als große Teile des Klosters niederbrannten. Nachdem die Kirche 1867 geschlossen worden war, nahm man sie 1902 wieder in "Betrieb".

      Falls sich jemand über die sich wandelnden Lichtverhältnisse der Bilder wundert: Ich bin nicht etwa Zeuge einer außergewöhnlichen Wetteranomalie geworden, sondern die Fotos sind schlichtweg Produkt zweier Besuche. Die bisherigen Bilder seit dem Amtsgericht und auch einige der Klosterkirche habe ich gestern gemacht. Heute Morgen bin ich jedoch noch einmal nach Stetten gefahren, wobei weitere Fotos entstanden sind. Danach habe ich heute Boll und Maria Zell besichtigt.



      Dieser Blick hat beinahe schon Allgäu-Flair... Wie für ein Gotteshaus des Bettelordens üblich, verfügt die Stettener Kirche nur über einen Dachreiter anstelle eines richtigen Turmes. Man sieht die in der Barockzeit umgestalteten Trakte des Sakralbaus in der Mitte, während der Ostteil noch in reiner Gotik erstrahlt.





      Schon ein mächtiger Komplex!



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    • Sehr beeindruckend! Im Osten die mächtige, schlichte Bettelordensarchitektur, im Westen der barockisierte Baukörper.



      Der Chor, erbaut um 1280/1290, damit ein Werk der Frühgotik









      Dieses Denkmal ist der schon erwähnten letzten Klosterfrau Stettens gewidmet.



      Hier haben wir die schon erwähnte Johanneskapelle vor uns, den ältesten erhaltenen Teil der Anlage, die schon vor der großen Klosterkirche bestand.


    • Der Kloster-Brunnen



      Blick vom Kloster zum Hohenzollern, den man beinahe als eine Art "Quelle" der Region betrachten kann, worin vieles hier seine Ursprünge hat.







      Der schon erwähnte Dachreiter, typisch für Bettelordenskirchen



      Da wir das Äußere der Kirche nun eingehend studiert haben, geht es nun durch ein schönes Barockportal hinein ins Innere.

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    • Die Barockzeit hat weitere Spuren hinterlassen. So hat dieser Stil vorallem dem Westteil der Kirche, wie wir schon von außen sehen konnten, seinen Stempel aufgedrückt.



      Man sieht die Empore mit der Orgel.



      Der Übergang vom gotischen Gewölbe zur barocken Decke.




      Der gotische Chor mit einem weiteren barocken Werk, dem Altar, der zwar dem Geist der schlichten Bettelordensarchitektur widerspricht, aber dennoch meiner Meinung nach sehr gut passt. Die Ausstattung der Kirche ist generell ziemlich beeindruckend und enthält Werke verschiedenster Kunstepochen.



      Der Altar gefällt mir sehr!







      Das spätgotische Sakramentshäuschen



      Das hier erinnert in seiner klassizistischen Erscheinung an die Hechinger Stiftskirche.



      Nun geht es in die kleine Johanneskapelle, dem ursprünglich ältesten Teil der Kirche. Die Kapelle ist zwar normalerweise kaum für Besichtigungen geöffnet, ich hatte jedoch Glück, da gerade (äußerst freundliche) wohl mit der Kirche verbundene Menschen da waren und in der Sakristei werkelten. Ein extrem netter und kundiger älterer Herr erzählte mir von der Geschichte des Bauwerks und konnte dabei auch auf persönliche Erlebnisse zurückgreifen.



      Die Wände der Johanneskapelle sind mit Stuck aus der Renaissance geschmückt und wecken Erinnerungen an St. Luzen.







    • Ich denke, die Bilder machen meine Begeisterung für diese Kirche nachvollziehbar. Nun geht es leider schon wieder nach draußen.







      Stetten wirkt recht idyllisch.



      Hier sieht man, wie markant der mächtige Baukörper Stettens Silhouette dominiert.





      Die Landschaft ist traumhaft, wie sie da im goldenen Oktoberlicht erstrahlt.





      Blick zum Hechinger Stadtteil Boll, wo es jetzt hingeht.

    • Als ich da mit dem Auto durch Boll fuhr, das ein ca. 1300 Seelen zählender Stadtteil Hechingens ist und direkt zu Fuße des Hohenzollerns liegt, fiel mir die imposante Dorfkirche auf, also beschloss ich spontan, auch sie zu besichtigen.



      Die Kirche überrascht angesichts des doch recht überschaubaren Dorfes durch ihre Größe.



      Die Ortschaft Boll gehörte im Mittelalter zum Einzugsbereich der Pfarrei von Zell, einem im Laufe der Zeit abgegangenen Dorf, von dem heute noch die Wallfahrtskirche zeugt, die wir noch sehen werden. Mit der Zeit wurde Boll jedoch immer wichtiger, sodass 1488 selbst der Pfarrer von Zell hierher zog. Das Boller Gotteshaus St. Nikolaus, wohl aus dem späten 15. Jahrhundert stammend, rückte immer mehr ins Zentrum des religiösen Lebens, sodass man es 1864 zur Pfarrkirche machte. Da das alte Gebäude jedoch morsch und auch zu klein war, wurde 1908 - 1909 die heutige Kirche im Jugendstil errichtet. 1994 - 1995 wurde der Innenraum umgestaltet, aus dieser Zeit stammt auch das große Gemälde in der Apsis, das den Namen "Geöffneter Himmel über Boll" trägt und von Diether F. Domes stammt.









      Der Chor der Kirche





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    • Das Deckengemälde von Domes





      Typisch Jugendstil. Ich fand es interessant, da ich solche Ästhetik selten in einem sakralen Kontext gesehen habe. Es wirkt recht ungewöhnlich.







      Die Boller Dorfkirche St. Nikolaus hat durchaus ihren Reiz und ich muss sagen, dass sie mir gefällt.

      Mir ist aufgefallen, dass Hechingen mehrere Kirchen aus Stilepochen zu bieten hat, die sonst wenig Sakralarchitektur hinterließen. Während bei uns die meisten Kirchen entweder barock oder spätgotisch sind, gibt es in Hechingen Gotteshäuser aus den Epochen der Renaissance (St. Luzen), des Klassizismus (St. Jakobus) und des Jugendstils (St. Nikolaus), die damit alleine aufgrund ihrer Erbauungszeit bemerkenswert sind.



      Brunnen in Boll
    • Wir verlassen Boll und machen uns auf den Weg zu St. Maria Zell.



      Blick hinab auf Boll. Im Hintergrund sieht man Hechingen, das Gymnasium und St. Jakobus stechen als prägende Bauten deutlich hervor.



      Die Landschaft, in die Boll eingebettet ist, wirkt paradiesisch schön.





      Links sieht man die Kirche Maria Zell, die wir besichtigen werden. Menschengemachte Schönheit und landschaftliche Schönheit gehen Hand in Hand.



      Wir sehen die mächtig aufragende Schwäbische Alb.





      St. Maria Zell ist umrahmt von herrlichster Natur.

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    • Triforium schrieb:





      Der Altar gefällt mir sehr!
      Vielen Dank für die wunderbare Galerie von Hechingen und Umgebung, sie hat mir sehr gefallen.

      Beim Anblick des barocken Altars der Klosterkirche frage ich mich nur: Sind die Säulenschäfte aus Marmor? Diese Farbe (grün oder blau?) wirkt nämlich sehr schön und ich wüsste nur zu gern, um welches Gestein es sich dabei handelt.


    • Ein Kreuzweg führt hinauf zur Kirche.





      Eine ungewohnte, aber nicht minder eindrückliche Ansicht von Burg Hohenzollern



      Wer genau hinschaut, kann das Kloster Stetten und auch St. Luzen erkennen.



      Da haben wir nun die Kirche Maria Zell vor uns, deren Turm gerade renoviert wird.



      An diesem schönen Flecken hat es wohl schon im frühen Mittelalter eine St. Gallener Mönchszelle gegeben, die sich schließlich zum Ort Zell entwickelte, der jedoch im Laufe des 15. Jahrhunderts abging. Die Herren von Zell sollen nach einer Theorie die Vorfahren derer von Stauffenberg gewesen sein, die nach ihrer gleichnamigen, auch in der Nähe Hechingens gelegenen einstigen Burg benannt sind. Wie dem auch sei, wohl hauptsächlich durch Abzug der Einwohner hinab ins Tal verschwand Zell von der Landkarte. Einer Sage nach hätten sie dabei auch die Kirche mit nach Boll genommen, diese sei jedoch von Engeln zurück an den alten Standort hier oben getragen worden. Als die alte Zeller Kirche im Dreißigjährigen Krieg niederbrannte, soll ein Soldat ein Bild der Mutter Gottes den Flammen übergeben haben. Das Gnadenbild sei jedoch wundersam von dem Feuer unbeschadet geblieben und der Frevler habe für die Tat (wie der Knappe bei Heiligkreuz auch) sterben müssen. Nach der Zerstörung wurde das Bauwerk als Boller Pfarrkirche wiedererrichtet und war 1655 vollendet. 1757 wurde die Kirche grundlegend umgebaut, wodurch das heutige Aussehen Maria Zells zustandekam. Immer wieder war die Kirche in der Vergangenheit durch Erdbeben beschädigt worden, was aber wieder behoben wurde.

      Die Kirche hatte leider geschlossen, weswegen ich auf Bilder von einem früheren Besuch vor drei Jahren zurückgreifen muss.



      Im Inneren der Kirche kann man typisch barocke Illusionsmalerei bewundern. Alle drei großen Altäre existieren lediglich als Gemälde.



      Das Gnadenbild der Mutter Gottes. Aus der Nähe kann man sofort erkennen, dass der Altar, abgesehen von diesem Gestell um die Skulptur herum, gemalt ist.







      Deckengemälde





      Die beiden "Seitenaltäre", die Produkt von Illusionsmalerei sind.

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    • Man kann wieder St. Luzen ausmachen, wo unsere Hechingen-Besichtigung begann.



      Die größere Stadt, die man im Hintergrund sieht, ist Tübingen. Die Ortschaft vorne ist Boll, wie an der Kirche unschwer zu erkennen ist.





      Hier oben stand auch in früheren Zeiten die Burg der Herren von Zell, die, wie schon geschrieben, die Ahnen des Adelsgeschlechts von Stauffenberg gewesen sein könnten, dessen berühmtester Abkömmling natürlich Claus Schenk Graf von Stauffenberg ist, der Hitler-Attentäter vom 20. Juli 1944.

      So, nun noch ein letztes Bild vom Panorama Hechingens:



      Auf dem Bild kann man Maria Zell rechts über Boll als hellen "Punkt" im Wald erkennen.

      Ich hoffe, begreifbar gemacht zu haben, woher meine Begeisterung für die Stadt Hechingen kommt. Für eine Kleinstadt von solch geringer Einwohnerzahl hat es wirklich außerordentlich viel zu bieten. Wenn man einmal auf dem Hohenzollern ist, sollte man es nicht verpassen, auch einen Blick in die (oft übersehene) Stadt zu seinen Füßen zu werfen! Zwar ist bei uns in Deutschland vorallem in den Großstädten im Zweiten Weltkrieg und im Wiederaufbau einiges an alter Bausubstanz verloren gegangen, aber gerade auf dem Land gibt es noch so viele Juwelen, die leider relativ unbekannt sind. Unsere Kleinstädte haben oft noch extrem viel an beeindruckender alter Architektur zu bieten, was natürlich in der föderalen Vergangenheit des Landes wurzelt. Ich hoffe, euch hat die Galerie gefallen. So möge beim nächsten Mal, wenn ihr etwas vom Hohenzollern hört, auch ein Gedanke für die Stadt übrig sein, die historisch so sehr mit ihm und der ihm entspringenden Geschichte verbunden war. So, jetzt habe ich die ausklingenden Semesterferien immerhin für etwas produktives verwendet. :D

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