Paulskirche

    • Die Paulskirche ist ein eingetragenes Kulturdenkmal des Landes Hessen und steht - wie sie steht und liegt - unter Denkmalschutz.

      Hier die Begründung der hessischen Denkmalbehörden:

      "Bewertung
      Als städtebauliche Dominante bestimmt die Kirche den Paulsplatz. Geschichtlich steht sie für die demokratische Tradition Deutschlands, die vom klar gehaltenen Wiederaufbau wirkungsvoll neu inszeniert wurde. Der prominent besetzten Planungsgemeinschaft glückte künstlerisch eine eigenständige Aneignung des klassizistischen Kirchenraums für eine schließlich vorwiegend kulturelle Nutzung. Damit vertritt die wiederaufgebaute Paulskirche einen Akt schöpferischer Denkmalpflege von bundesweitem Rang.
      "

      Damit ist doch alles gesagt, oder?
      „Wer sich der Vergangenheit nicht erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“ George Santayana (1863-1952), US-amerikanischer Philosoph spanischer Herkunft
    • Man kann aber nicht so ohne weiteres sagen wegen dem Denkmalschutz wäre eine Rekonstruktion ausgeschlossen. Schließlich wurden die abscheulichen Einscheiben-Verglasungen auch wieder durch Sprossenfenster ersetzt....da hatte der Denkmalschutz ja auch keine Probleme mit der Wiederherstellung des Vorkriegszustands :)
    • Der Denkmalschutz in Deutschland ist doch nur ein Papiertiger, nicht??

      Und diese neuen Sprossenfenster sind in ihrer Ausführung doch auch abscheulichster Art, mit Sprossen zwischen den Scheiben (mir gefällt einfach der Ausdruck "Sprossen in Aspik"; ich musste vor einigen Jahren mal Kardinal fragen, was denn "Aspik" eigentlich heisst. Wir sagen bei uns "Sulz"). Betrachtet mal die Fotos im ersten Beitrag dieses Stranges. Ich empfand das Innere dieses Bauwerks nebst allen Unterführungen und Rotlicht-Etablissements als eines der Schmuddeligsten in ganz Frankfurt!

    • Riegel schrieb:

      Betrachtet mal die Fotos im ersten Beitrag dieses Stranges. Ich empfand das Innere dieses Bauwerks nebst allen Unterführungen und Rotlicht-Etablissements als eines der Schmuddeligsten in ganz Frankfurt!
      Da hast du leider völlig recht. Ich schrieb ja bereits, dass man sich an ein drittklassiges Provinzmuseum aus den 70-er Jahren erinnert fühlt und das bei dem Museumsbau zur deutschen Demokratie schlechthin. Dass man sich so klein macht, ich verstehe es nicht.
      Man könnte aus dem Ort so viel machen, eine Rekonstruktion des Daches und des historischen Saals, gepaart mit einem Museumskonzept der Jetztzeit. Man sollte mal eine Delegations ins Imperial War Museum nach London schicken, um zu sehen, was Digitalisierung heute in Museen leisten kann, wie man Digitales und Exponate zu einer wirklich interessanten und lehrreichen Ausstellung kombinieren kann, die auch Jugendliche und Schüler anspricht, die eigentlich zu Hauf zu diesem Ort gehen sollten. Aber bei der Aufmachung, schlechter kann man es gar nicht machen, kein Wunder, dass solche Exkursionen jeder Schüler hasst. Diese Aufmachung ist sowohl eine didaktische wie auch historische und ästhetische Bankrotterklärung.
      APH - am Puls der Zeit
    • Zu viel der Ehre für drittklassige Provinzmuseen der 70er! Die schauen noch besser aus und sind vor allem oft liebevoll und unter mühen von Ehrenamtlichen eingerichtet.
      Was für ein schäbiges Loch! Ich kann wissen.de nur recht geben. Ich war mal vor einigen Jahren dort drin und meine Gefühle schwankten auch zwischen Fremdschämen und blanken Entsetzen. Den oberen Teil kannte ich von Fotos, wusste also, was mich erwartet und war dann trotzdem nochmal enttäuscht, den unteren Teil hatte ich zuvor auch noch nicht auf Bildern gesehen und konnte fast nicht glauben, was man dort an geistiger und materieller Armseligkeit geboten bekommt. An so einem bedeutenden Ort deutscher Geschichte!
      Es ist schon auch interessant: die Kirche war ja auch schon vor '45 äußerst schlicht und erst recht vor der Umgestaltung im 19. Jhd. Schlichtheit oder Bescheidenheit ist ja im 20 Jhd., aber besonders nach '45 zu dem Mantra, ja schon zur Ideologie der Architekten geworden. Aber das hat nicht gereicht, man wollte diese noble, klassische Schlichtheit noch weit unterbieten mit diesem vulgären Modernismus.

      Theoretisch sehe ich wegen des Denkmalschutzes auch keine Möglichkeit, das groß zu verändern. Allerdings, wie so oft spielt natürlich auch Geld eine große Rolle. In Frankfurt läufts finanziell trotz des Booms ja alles andere als gut. Sollte das noch ein paar Jahre so weiter gehen wird sich das natürlich auch auf die Substanz niederschlagen.
      Man bräuchte einen großzügigen Mäzen, der die Sanierung finanziert aber gleichzeitig auf einer Rekonstruktion des Inneren beharrt. :rolleyes: Wenn das Geld von außen kommt, könnte der Druck derart steigen, dass es eine politische Entscheidung gibt.

      Ist die Paulskirche eigentlich unterkellert?
      Die Moderne verleugnet ihre Herkunft, weil sie fürchtet, die Auseinandersetzung mit ihr könnte sie überfordern - oder ihr gar ihre eigene Banalität vor Augen führen. — Dr. Melanie Möller
    • Wir sind ein reiches Land.
      Wir haben uns Bürgerrechte erkämpft.
      Wir haben Mann und Frau gleichberechtigt.
      Wir haben den Tiefpunkt der Menschheitsgeschichte ertragen und mehrere Diktaturen überstanden.
      Wir leben jetzt endlich in Frieden und Freiheit.

      Und wir stellen die weiß getünchten Wände eines peinlichen Nachkriegsminimalkonsenses unter Denkmalschutz?
      Nein, nicht wir, sondern die Kriegskindergeneration.
      Die Generation, die durch Materialismus und Desinfektion gekennzeichnet ist.
      Die Generation, die sich dadurch reinzuwaschen glaubte von ihren Traumata.
      Die Generation, die deshalb einen Rekordschuldenberg anhäufte und den Nachkommen hinterlassen wird.

      Die Kriegsenkelgeneration darf sich davon nicht vereinnahmen lassen. Muss sich davon abgrenzen. Muss also die einem Denkmal wirklich gerechte Sanierung einfordern. Und diese ist der Originalzustand vor 1945. Nur indem wir heute mit den Verwirrungen unserer Vorgänger aufräumen, können deren Wunden ausheilen. Dazu bedarf es Engagement und Entschlossenheit. Die Sprachlosigkeit haben wir immerhin schon überwunden.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Goldstein ()