Schleifung von Denkmälern

    • Schleifung von Denkmälern

      Bismarck schleifen, Luther stürzen?


      In SWR2 Forum diskutierten

      Malte Lehming, "Der Tagesspiegel", Berlin
      Prof. Dr. Martin Sabrow, Direktor des Zentrums für Zeitgenössische Forschung, Potsdam
      Prof. Dr. Peter Steinbach, Historiker, Leiter der Gedenkstätte Deutscher Widerstand, Berlin
      Gesprächsleitung: Reinhard Hübsch

      über den Streit um antisemitische, martialische und kolonialistische Denkmäler.

      ...Streit um Denkmäler gibt es auch in Deutschland, wo sich zum Beispiel an Kirchengebäuden antisemitische Plastiken finden, sogenannte "Judensäue". Müssen die abgeschlagen werden? Dürfen die Luther-Statuen bleiben, obwohl der Reformator sich vernichtend über Juden äußerte? Sollen die Statuen des martialischen Kaiser Friedrich dem Großen geschleift, müssen die Grabstätten von Demokratie-Gegnern wie Bismarck dem Boden gleich gemacht werden? Und wie gehen wir mit dem Erbe aus der jüngsten deutschen Geschichte um, mit den Lenin- und Thälmann-Denkmälern aus der DDR?
      Quelle: swr.de/swr2/programm/sendungen…660214/10jl7wc/index.html


      Jeder, der sich die
      Fähigkeit erhält Schönes zu erkennen, wird nie alt werden.

      www.archicultura.ch

    • Ich habe das ja bereits in dem Faden über das "Konföderierten-Denkmal" geschrieben. Es ist durchaus wahrscheinlich, dass sich die "Antirassisten", "Politisch Korrekten" und "Vergangenheitsbewältiger" in solcher Weise radikalisieren, dass es noch zu einem massiven Bildersturm kommt. In den USA gröhlen sie, wenn sie die Statue eines Südstaaten-Soldaten umschmeißen können, hierzulande werde sie an die Luther- und Bismarck-Denkmäler heranwollen. Im Prinzip sieht man es ja schon bei den Sachbeschädigungen gegen viele Kriegerdenkmäler. Und der Furor gegen Hindenburg-Straßen gehört auch in diese Richtung. Diskussionsrunden wie diese mit Steinbach können eher dazu dienen, die Fanatiker erst auf die Idee zu bringen, ihr Interesse auf die Gedenkstätten zu richten.
      Letztlich wird nur massiver Widerstand das stoppen können, was dann allerdings so aussehen dürfte, wie zwischen den verfeindeten Gruppen in den USA. Dabei werden die Gegner klar sagen müssen: Ihr wollt an Luther, wir werden dann eine Eurer Gedenkstätten attackieren. Das geht dann Aug´ um Aug´. Allerdings werden sich dazu erst die Machtverhältnisse verschieben müssen. Derzeit haben die "Politisch Korrekten" klar die Oberhand. Und sie werden sich aus den Vergleichen mit dem Vorgehen der Taliban oder des "Islamischen Staates" herausreden. Sie werden sagen, der IS ging ja gegen Gebäude vor, sie aber gegen politisch-religiöse Denkmäler. Und wenn man auf die von den Taliban gesprengten Buddha-Statuen verweist, werden sie antworten, dass man doch ein solches Jahrhunderte altes Kulturdenkmal kunsthistorisch nicht mit minderwertigen Figuren des 19. oder frühen 20. Jahrhunderts gleichsetzen könne.
      Also, es muss nicht soweit kommen. Aber es ist alles bereits so vorbereitet, dass es soweit kommt.
    • Heimdall schrieb:

      dass es noch zu einem massiven Bildersturm kommt.
      Ist das wirklich ein reales Problem.

      In meiner näheren Umgebung werden jedenfalls sowohl die (allerdings wenigen) Denkmäler für Bismarck oder Wilhelm I als Zeugen der Geschichte geachtet. Die Denkmäler für die Gefallenen der Kriege werden/sind in mehreren Orten gerade saniert/worden. Allerdings ist hier in machen Orten ein "Trend" zu verzeichnen, die Denkmäler aus der Ortsmitte auf die Friedhöfe zu versetzen. Bei den mittelalterlichen antisemitischen Denkmälern ("Judensau" oä.) kommt meines Wissens ohnehin keiner auf die Idee, diese von den Kirchen zu entfernen, ohne dass damit ausgedrückt werden soll, man mache sich die den Denkmälern zu Grunde liegende Ideologie noch zu eigen.
    • Na, so einfach ist das alles leider nicht, zuminest bei uns in Österreich.

      Auf der Außenwand des Stephansdoms fand sich auch ein Türkenkopf mit der Inschrift: „Schau, Mahomet, du Hund“, die aber unter Kardinal König (eh kloar) entfernt wurde, weil die türkischen Einwanderer bei ihm vorstellig geworden sind.
      Das Deckenfresko in der Wallfahrtskirche zu Rinn
      de.wikipedia.org/wiki/Anderl_v…le:Judenstein_Anderl2.png

      wurde "fachmännisch übertüncht "- ob es -abgesehen von machtpolitischen Durchsetzbarkeit - je rekonstruierbar ist, erscheint fraglich.
      Die Figurengruppe am Hochalter wurde "entfernt".

      Besser ging es den gotischen Tafelgemälden in Pulkau, welche die Hostienschändung zeigen, zu deren Sühnung die Kirche immerhin errichtet worden ist. Sie dürfen nur nicht gezeigt werden.
      ... dass jeder troglodytischen Lebensart, beruht sie nur fest in sich selbst, etwas schlechthin faszinierendes eignet, überhaupt für solche, die einen Ansatz dazu schon besitzen und mitbringen, der dann nur noch einer gewissen Entwicklung bedarf. (HvD)
    • In Freiburg steht demnächst die Entfernung der Alban-Stolz-Büste in der Herrenstraße an. Zuvor war von der Erzdiözese schon das „Alban-Stolz-Studentenwohnheim“ auf Wunsch der Bewohner in „St.-Alban-Haus“ umbenannt worden. Hintergrund ist die Diskussion über die Überprüfung der Freiburger Straßennamen. Der Theologe Alban Stolz (1808-1883) war von der „Kommission von Expertinnen und Experten“ in die Kategorie „schwer belastet, nicht haltbar“ eingeordnet worden. Grund dafür sei sein „aggressiver Antisemitismus“ (hier nachzulesen). Leider muß ich zugeben, noch keines seiner Werke gelesen zu haben und das Urteil daher nicht ernsthaft kommentieren zu können.

      Die Erzdiözese hat indes auch beim Denkmal eine „elegante“ Lösung gefunden: Laut Bericht der Badischen Zeitung (im "privaten Modus" evtl. auch ohne Registrierung lesbar) wird es durch einen Brunnen von 1755 ersetzt, der einst einige Meter weiter im Innenhof des Andlaw’schen Hauses stand (rechts im Bild) und zuletzt ein Dasein im Hof der katholischen Hochschule für Sozialpädagogik fristete. Ihn wieder im Hof des geplanten Neubaus des Andlaw’schen Hauses aufzustellen, kam wohl leider nicht infrage. Ob das Alban-Stolz-Denkmal zerstört werde, habe die Bistumssprecherin nicht sagen können, so die Badische Zeitung. Es werde aber sicherlich nicht mehr aufgestellt.
    • Andreas schrieb:

      Ist das wirklich ein reales Problem.
      (...) Die Denkmäler für die Gefallenen der Kriege werden/sind in mehreren Orten gerade saniert/worden.

      Manchmal frage ich mich wirklich, in welcher Welt Du eigentlich lebst. Oder regelmäßige Zeitreisen in die 50er? Nun gut, vielleicht ist das in Wetzlar gerade so. Auf dem Land ist ja teils noch die Idylle vorhanden, was ich selbst bei Ausflügen in die Provinz immer mal wieder feststelle. Andernorts aber sieht es teils schon lange anders aus. Hier nur mal ein paar wenige, rasch zusammengestellte Beispiele für ganz viele derartige Fälle:

      wuerzburgerleben.de/2014/07/28…l-mit-parolen-beschmiert/

      merkur.de/lokales/garmisch-par…-beschaemend-2848262.html

      haz.de/Hannover/Aus-der-Stadt/…er-mit-Farbe-verunstaltet

      regio-news.de/ka/blaulicht-pol…al.html?openInSafari=true

      swp.de/ehingen/lokales/ehingen…-beschaedigt-8509432.html

      wochenblatt.de/nachrichten/reg…eschaedigt;art1172,440789

      idowa.de/inhalt.moosburg-poliz…80-ae94-a40d79a88cda.html

      ...und hier hat sich beispielsweise ein selbst ernannter "Aktionskünstler" (oder sollte man Wichtigtuer sagen?) an einer Hindenburg-Büste abreagiert. Und natürlich wurde seinem Ansinnen nachgegeben:

      merkur.de/lokales/wolfratshaus…nburg-bueste-3668685.html

      merkur.de/lokales/wolfratshaus…punkt-setzen-8393358.html

      Heute Hindenburg, morgen Bismarck, übermorgen Luther... Das muss nicht so kommen, wird aber nur dann nicht so kommen, wenn Leute mit Mumm diesen Bilderstürmern offen entgegentreten.
    • @Heimdall, die von Dir zitierten Beispiele betreffen aber alle keine Fälle wo von offizieller Stelle Denkmäler entfernt wurden oder in Erwägung gezogen wurde diese zu entfernen. Vielmehr sind diese von Privaten mutwillig beschädigt worden, was nicht nur eine Straftat darstellt, sondern auch nicht hinzunehmen ist.

      Das Denkmäler aus politischen Gründen von Menschen beschädigt werden, kommt sicher immer wieder vor. Dem muss selbstverständlich entgegengetreten (auch strafrechtlich) werden. Hier bei sollte auch den Tätern nicht Verständnis oder gar Sympathie entgegengebracht werden, was sicher manchmal geschieht. Dies betrifft im Übrigen alle extremen politischen Lager.

      Ein Fall, in dem in Wetzlar ein Denkmal mutwillig beschädigt wurde betrifft das Denkmal für (den in Wetzlar aufgewachsenen) August Bebel. Dies geschah Anfang der 80iger Jahre des letzten Jahrhunderts. Die Täter konnten, so weit ich mich erinnere, nicht ermittelt werden.

      spdldk.de/meldungen/22386/1146…l-Denkmal-in-Wetzlar.html