Die Paulinerkirche - Martin Luthers Wegweisung

    • Die Paulinerkirche - Martin Luthers Wegweisung

      Die Paulinerkirche



      Mit freundlicher Genehmigung Graphikantiquariat Koenitz graphikantiquariat-koenitz.de

      Vorwort

      Dieses Thema ist all jenen gewidmet, die sich dem Weltkulturerbe verpflichtet fühlen. Beispielhaft setzten sich Prof. Günter Blobel und 26 weitere Nobelpreisträger für den mit Spendengeldern zu schaffenden originalgetreuen Wiederaufbau der Leipziger Paulinerkirche ein. Zugleich gilt die Referenz all jenen, die stets aufrecht, standhaft und unerschütterlich selbst Haft und andere Mühsal auf sich nahmen und sich im Sinne von Martin Luther
      für die Paulinerkirche starkmachten. Stellvertretend für unsere Zeit seien hier Dr. Dietrich Koch, Benno Kny und Wolfgang Liebehenschel genannt.

      Die Paulinerkirche ist seit ihrer Weihe im Jahre 1240 nie entwidmet worden, und so setzte ihre Widmung wieder ein, als nach der Sprengung im Jahre 1968 ein Rohbau im Jahre 2009 einem Teil ihrer Fläche einnahm.

      Das bedeutet zugleich, daß die Planungen für ein "Paulinum" nicht nur rechtswidrig und geschichtsfälschend waren und sind, sondern verfassungswidrig,
      da sie gemäß ihrer Präambel nicht an die Tradition der sächsischen Verfassungsgeschichte anknüpfen und u.a. gemäß Artikel 5 nicht die Bewahrung der Identität sowie Pflege ihrer Sprache, Religion, Kultur und Überlieferung gewährleisten.

      Weitere Erläuterungen dazu fallen unter das Thema siehe "Neubau der Universität". Zugleich wird gebeten, daß - insofern entsprechende Genehmigungen vorliegen - nur das eigentliche Inventar der Paulinerkirche, das beispielhaft restauriert wurde, zu zeigen - ohne die derzeit verunstaltete Anbringung.

      Wie bereits das Bronzemodell vor dem jetzigen "Platzhalter" verkündet, steht der originalgetreue Wiederaufbau der Leipziger Paulinerkirche aus und damit ein Bauwerk, was wieder über 700 Jahre überdauern kann. Daß dieser Wiederaufbau umfänglicher und weit komplexer sein wird, als wir das gegenwärtig erahnen, ist Gegenstand dieses Themas. Denn wir wissen über die Paulinerkirche, über die bis 1968 in ihr Begrabenen, über ihre Ruhekämmerlein, historische Ausgestaltungen und das Wirkungsfeld für Rektoren, Dozenten, Studierende, Prediger und Komponisten sehr wenig.

      Dies sei der Vorspann und ein Anfang, um näher an das Leipziger Kultur- und Geistesleben in seiner Geschichte und mit der Leipziger Paulinerkirche in
      ersten Beiträgen vertraut zu machen.


      Die Leipziger Paulinerkirche - Die äußere Sicht

      Die bekanntesten ältesten Abbildungen Leipzigs in Chroniken des 16. Jahrhundert wie von Abraham Sauer und Sebastian Münster zeigen die Paulinerkirche eigentlich schon in etwas reduzierter Form.

      Mit freundlicher Genehmigung Graphikantiquariat Koenitz graphikantiquariat-koenitz.de

      Leipzig um 1570, mittig die Moritzbastei, links davon der Stadtzugang über das Peterstor, rechts der Stadtzugang des Grimmaischen Tores mit Paulinerkirche Denn aufgrund vieler kriegerischer Auseinandersetzungen wie hier im Detail der Ansicht von Matthäus Merian 1620 zu sehen, war der Lettner schon im Jahre 1543 der Stadtbefestigung geopfert worden.




      Detail von Matthäus Merian d.Ä. 1620 (hinter dem Stadtgraben links jetzige Moritzbastei, daneben die Klosteranlage mit Paulinerkirche und Grimmaischem Tor). Dem Künstler kam es (nach Vorbild einer Ansicht von Bretschneider 1615) mehr auf die kriegerische Szenerie an, so daß die Paulinerkirche arg kurz geriet. Der Gundriß gibt ein genaues Bild der gesamten Klosteranlage.



      Leipzig Paulinerkirche und Paulinerkloster Grundriß des Erdgeschosses



      Grundriß der Gewölbeebenen. Die Paulinerkirche selbst kommt damit auf Breite von 33 Meter ohne die zeitweise errichteten Kapellen, aber mit dem Kreuzgang. Die gesamte Länge betrug mit dem frühzeitig abgetrennten Teil beachtliche 72 Meter. D.h. die Grundplatte aus dem Jahre 1969 deckelte abgesehen von ihrer geringen Tiefe nur einen Teil der Kirche zu, ebenso ist es in dem gegenwärtigen Zustand, da auch die Tiefe der Grundmauern und der Grabkammern nicht bekannt ist. Für den Betrachter ist lediglich die Kirchturmspitze ein Wegweiser und Orientierung. Diese lag gemäß der Pläne von Rossbach bei 57 Metern.

      Nachdem die Stadtmauern für kriegerische Konfliktfälle nicht mehr geeignet waren, änderte sich auch das Stadtbild. Den Befestigungsanlagen wichen nach allen Seiten Gärten.



      Leipzig 1746

      Dies ist auch ein symbolisches Bild. Es stellt die Stadt zu Lebzeiten von Johann Sebastian Bach dar, in seiner Überschaubarkeit, aber auch Beschaulichkeit in einer in friedlichem Leben und Treiben sich entfaltenden Stadt.

      Diese Idylle hielt nach Abriß der Stadttore und Befestigungsanlagen bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts an.


      Mit freundlicher Genehmigung Graphikantiquariat Koenitz graphikantiquariat-koenitz.de

      Unter dem Architekten Albert Geutebrück bekam die Paulinerkirche erstmals zum frei gewordenen Platz ein eigenes Gesicht zwischen dem neu erbauten Augusteum und dem späteren Café Felsche. Selbst Felix Mendelssohn Bartholdy zeichnete schon diese Szenerie, wo statt Grimmaischem Tor nun die Grimmaische Straße einen freien Weg ins Stadtzentrum bot.

      Im Zuge des unaufhaltsamen Wachstums der Stadt verschwanden aber die vorgelagerten Gärten wieder, um neuen Bebauungen und Transportwegen Platz zu machen.



      So sieht die Neubebauung um den nunmehrigen Innenstadtring im Jahre 1868 sogar noch etwas trist aus (neben der Paulinerkirche links Augusteum, dann Rentamt und Fridericianum), als die ersten Bäume gepflanzt waren.



      Einzelansicht der Paulinerkirche im Jahre 1880 (wenn auch nicht in bester Druckqualität)



      Coloriert und gehübscht wurden natürlich die ersten Farbpostkarten. Doch im Zuge des 500-jährigen Universitätsjubiläums waren auch diese Ansichten bald Geschichte, da nach Entwürfen von Arved Rossbach das Augusteum neu gebaut wurde und auch die Paulinerkirche eine andere Gestalt bekam.



      Farbpostkarte Universitätskirche St. Pauli um 1904

      Die Fassade entnahm der Architekt Vorbildern von Orvieto, was ausnahmsweise auch einmal gezeigt werden sollte:



      Orvieto - Le cuspidi della facciata del Duomo



      Die Architekturzitate von Rossbach waren bestimmt gut gemeint, aber leider waren u.a. die Fialen bald baufällig, so daß diese schon im Jahre 1932 gestutzt werden mußten.




      Auf ein sehr nachdenklich stimmendes Foto schrieb jemand die Jahreszahl 1944. Es zeigt in den Kriegsjahren einen weitgehend leergeräumten Platz, wo außer einem Pferdegespann, Straßenbahn und einem Stand mit Hakenkreuz wenig von der ursprünglichen Lebendigkeit der Stadt zu spüren ist. Es ist eine drückende Atmosphäre in Vorahnung dessen, was mit den Bombardierungen alles bis dahin Erdenkliche überstieg. Zu diesem Zeitpunkt waren vermutlich schon wichtige Epitaphien aus der Paulinerkirche ausgelagert worden.

      Die Paulinerkirche überstand die Bombenangriffe.



      Augusteum und Paulinerkirche im Jahre 1952



      Rückseite mit Glockenturm und Albertinum



      Der Augustusplatz als "Karl-Marx-Platz" in den 1960er Jahren



      Dieser Farblichtdruck gelangte noch im Jahre 1964 in den Verkauf. Die letzten Aufnahmen mit der Paulinerkirche kamen 1965 noch in den Handel, da man auch beim 800-jährigen Gründungsjubiläum der Stadt Leipzig im Jahre 1965 diese nicht vollends ignorieren konnte. Danach kam die Paulinerkirche auch in der DDR-Presse nicht mehr vor.

      Die Sprengung 1968 wurde somit auch durch langfristige wie gezielte Bildungsunterdrückung und Desinformation vorbereitet. Da dies hier nicht das Thema ist, kommen wir zu eigentlichen Grundlagen und Gründen.
    • Das Fundament - Die Grundlagen

      Die Paulinerkirche bildet in mehrfacher Hinsicht das Fundament der Universität Leipzig. Sie war ein Friedhof. Und sie ist es eigentlich immer noch, da davon auszugehen ist, daß sowohl unter der 1969 gesetzten Grundplatte als auch unter im Jahre 2007 gesetzeswidrig zugekippten Flächen weitere Gräber zu vermuten sind.

      Gehen wir davon aus, daß, wie der ehemalige Landeskonservator Dr. Hans Nadler feststellte, 800 Menschen in der Paulinerkirche begraben lagen, so bedarf dies der Erläuterung. Leipzig war im Mittelalter quasi eine städtische Insel.
      Sie war als südlichster Teil der norddeutschen Tieflandsbucht von Wäldern und Wiesen umgeben, geschützt durch einen rings um den Stadtkern mit Wasser gefüllten Stadtgraben, mit festen Stadtmauern und Stadttoren.

      Daher und aufgrund ihrer Ausmaße diente die Paulinerkirche gleichzeitig als Begräbnisstätte. Als Diezmann, der Markgraf zu Meißen und im Osterlande sowie Herr zu Landsberg, während der Christmetten in der Thomaskirche (sowie meist ungenannt) und seine Gemahlin Gräfin Judith zu Henneberg von einem Attentäter tödlich verletzt wurden, veranlaßte der Bruder, Markgraf Fridrich ein fürstliches Begräbnis, daß diese am 26. Dezember 1307 zu Erden in der Paulinerkirche bestattet wurden und ein Epitaphium errichtet wurde.

      Im Jahre 1841 wurde von Ernst Rietschel ein Kenotaph für Diezmann geschaffen, der im Altarraum stand und gegenwärtig in der Thomaskirche "abgestellt" ist.



      Dietrich von Wettin, genannt Diezmann



      Zu den früh Begrabenen der Universität Leipzig, die im Jahre 1409 gegründet wurde, zählte ihr erster Rektor, Johann Otto von Münsterberg, der am 24. März 1416 verstarb und dem sowohl ein Epitaphium in der Paulinerkirche an der Wand als auch ein Grabstein im Chor gewidmet war.

      Weitere Universitätsangehörige folgten wie der Professor der Theologie M. Andreas Rüdiger, wobei hier die Quellenlage bezüglich der auswertbaren Dokumente derzeit noch unzureichend ist.

      Jedenfalls ließ Herzog Albrecht zu Bayern seine Tochter Elisabeth (zugleich Ehefrau von Kurfürst Ernst zu Sachsen) in der Mitte der Leipziger Paulinerkirche begraben, die am 5. März 1484 in Meißen gestorben war und der zu Ehren nicht nur die Administrationen mehrerer Grafschaften nach Leipzig kamen, sondern auch die Bischöfe von Meißen, Naumburg und Merseburg. (Im Jahre darauf wurde das erst flach gedeckte Langhaus der Paulinerkirche mit einem Sternengewölbe versehen.) Ihr Epitaph befindet sich weiterhin in der Thomaskirche.



      Weitere Begräbnisse aus diesen Zeiten sind inzwischen nachweislich.

      Eine für die Zukunft herausragende Rolle nicht nur für die Universität Leipzig kam Martin Luther zu, der die Stadt oft besuchte und vom erstmaligen Kennenlernen im Jahre 1512 bis zum Jahre 1545 deren Entwicklung stets im Blick hatte.



      Wir wissen zwar nicht, wie die damals frisch renovierte Paulinerkirche im Jahre 1545 innen aussah, aber Rektor Caspar Borner hatte bereits 1542 begonnen, die Kirche reformieren zu lassen, indem er "die überflüssigen Päbstischen Altäre abbrechen, darinnen befindliche und eingesetzte Schantz-Körbe hinausschaffen, eingeworfene Fenster ausbessern, die Wände und Pfeiler weissen und roth anstreichen, etliche Bilder wie auch steinerne und höltzerne Statuen und Grabmahle zur Zierde der Kirche renoviren und repariren" ließ. (Über weitere bauliche Veränderungen bezüglich der Stadtmauern wird noch explizit gesprochen werden müssen.)

      So wurde die Kirche nach geendeter Reformation bereits im Jahre 1544 mit Musik und Predigten von Alexandro Alesio und Bernhard Ziegler eingeweiht - vor dem geschichtsträchtigen Datum des 12. August 1545.

      An diesem Tage weihte Martin Luther die erste evangelische Universitätskirche Deutschlands.

      Gleichnishaft stand für Martin Luther das Thema der Heimsuchung 'Mein Haus sol ein Bethaus heissen, Ir aber habts zu einer Mördergruben gemacht', als er im Jahre 1546 die Paulinerkirche als Universitätskirche weihte: "darumb, sagt Chrystus, kome ich und wil dir von sulcher abgötterey, lügen und kremerey helffen, du solt auch ganß loß davon werden. Do schmucken syes den so fein und sagenn: Traun, dyese Iher wil ich nicht. Ist doch das unser alter her gebrochter glaube und gewanheyt, also wollen sie nicht, das yst yh der Teuffell sc."

      Den Studierenden in Leipzig gab er u.a. mit auf den Weg: "Darumb lasst uns allesampt, beide, Lerer und Schüler, auch zur zeit dieser Heimsuchung Gotte helffen seine kärnlin zusamen bringen, ehe denn der endliche Zorn angehe, der die sprew ewiglich anzunden und verbrennen wird."

      Im festen Glauben sollten die Körnlein des Wissens neue Früchte tragen. Und sie taten es mit bisher ungekannten Formen und Folgen. Denn damals in der Mehrzahl "arme leuthe, so nicht lesen können, auch zcum glauben kome mögen" gab es in der Folge so nicht mehr. Mit dem Lesen und Schreiben als Allgemeingut entwickelten sich auch in diesem Glauben die Wissenschaften, Wirtschaft etc. mit zunehmenden Fortschritten und stetigen Erweiterungen in ihren Disziplinen der Medizin und den naturwissenschaftlichen Fächern, der Pädagogik und der Geschichtswissenschaften, der Philologie, der Rechtswissenschaft, den Künsten etc.

      Zwar dauerte es noch eine gewisse Zeit, daß man wegen Handels mit lutherischen Schriften an manchen Orten nicht mehr enthauptet wurde, aber schließlich wandelten sich die Formen der Auseinandersetzung nebst Rechtsnormen, Formen von Ethik und Moral.

      So wuchs die Stadt über die Jahrhunderte weiter einschließlich ihres Wissenschaftsbetriebes nebst Studentenzahlen.
      Das bedeutet, daß auch die Anzahl der in der Paulinerkirche Begrabenen stetig anstieg (insbesondere so lange die Gebiete außerhalb des Stadtkerns vor Kriegsschäden und Plünderung nicht sicher waren). D.h. wer der Universität, der Stadt Leipzig und Sachsen letztlich zu internationalen Bekanntheit und Anerkennung verhalf, wurde zumeist auch in der Paulinerkirche begraben. Wie gesagt schließt es alle Fachgebiete ein wie Ärzte



      Paul Luther, Sohn von Martin Luther (in der Paulinerkirche begraben am 11. März 1593)

      Eine erste Übersicht der Mediziner:

      paulinerkirche.org/Projekte/Kulturgut/Wien/aerzte.html

      Daß viele Persönlichkeiten zugleich auch Verantwortungsträger waren als Rektor, Bürgermeister und sonstige ranghohe Funktionen hatten in Sachsen oder darüber hinaus, kann in den Lebensläufen nachgelesen werden.

      Genannt sei hier unter den Theologen Zacharias Schilter (in der Paulinerkirche begraben am 6. Juli 1604)


      Mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Nationalbibliothek onb.ac.at

      Eine erste Übersicht von Theologen:

      paulinerkirche.org/Projekte/Kulturgut/Wien/theol.html

      Von den Juristen sei Paul Wagner erwähnt (begraben in der Paulinerkirche am 14. April 1697)


      Mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Nationalbibliothek onb.ac.at

      Eine erste Übersicht von Rechtswissenschaftlern:

      paulinerkirche.org/Projekte/Kulturgut/Wien/juralips.html

      Von den Pädagogen und Schriftkundigen sei Johann Christoph Gottsched hervorgehoben (begraben in der Paulinerkirche im Dezember 1766)



      Eine erste Übersicht zu Historikern, Philologen ...

      paulinerkirche.org/Projekte/Kulturgut/Wien/histor.html

      Unter den Räten sei das Porträt von Wilhelm von Ryssel gezeigt (begraben in der Paulinerkirche am 17. Juni 1703)


      Mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Nationalbibliothek onb.ac.at

      Eine erste Porträtsicht zu Ratsherren, Kaufleuten ...

      paulinerkirche.org/Projekte/Kulturgut/Wien/wirt.html

      Gänzlich unterrepräsentiert sind derzeit die Porträts der Frauen, die in der Paulinerkirche begraben wurden. Zu ihnen zählt z.B. Gottscheds Gattin, Luise Adelgunde Victorie Kulmus. Sie kam am 29. Juni 1762 in der Paulinerkirche in ihr Ruhebettlein.



      Erste Beispiele hierzu:

      paulinerkirche.org/Projekte/Kulturgut/Wien/frauen.html

      Nachdem in der Mitte des 18. Jahrhunderts die Beisetzung in der Kirche (auch aus hygienischen Gründen) eingeschränkt wurde, fanden die letzten Begräbnisse mit der Beerdigung von Dr. Karl Gottfried von Winkler und Dr. Sattler am 23. April bzw. 19. September 1790 statt.

      D.h. über 500 Jahre währten hier Begräbnisse und fanden Bestattete wie oft beschrieben ihr Ruhekämmerlein bzw. ihr Ruhebettlein. Auch dies bedarf der Erläuterung. Während in Kirchen anderen Orten gemäß geologischer Gegebenheiten und sonstiger baulicher Verhältnisse (man denke an die Grablegung von Kardinal Meißner im Kölner Dom im Jahre 2017) große Grabgewölbe geschaffen und mit prunkvollen Särgen versehen werden konnten, bestand - wie auch Gottsched es beschrieb - eine Grabkammer in der Regel aus einem kleinen Raum, in dem die Verstorbenen geschmückt und namentlich beschriftet, aber ohne Sarg in drei getrennten Schichten übereinander gelegt wurden. Die Räume waren zum Teil bunt bemalt und wundervoll ausgestaltet. Nachdem in einem Raum drei Bestattete ihre Ruhe gefunden hatten,
      wurde der Raum verschlossen und zugemauert.


      Mit freundlicher Genehmigung Forschungsbibliothek Gotha der Universität Erfurt
      uni-erfurt.de/bibliothek/fb/

      Elisabeth Lindner am 15. September 1650 "in Ihr Ruhebettlein beygesetzet worden"

      Da im Gegensatz zur Nikolaikirche und Thomaskirche in der Paulinerkirche nur im vorderen Bereich des Altarraums im 19. Jahrhundert Umbauten zwecks Heizung stattfanden, blieben die meisten Gräber erhalten.

      Was bedeutet das für einen originalgetreuen Wiederaufbau? Auch hier sind Erläuterungen geboten, da der Unterbau der Paulinerkirche wesentlich umfangreicher ist und sorgfältig geplant werden muß, denn - "es ist noch alles da" und nichts konnte sich in Luft auflösen.

      Vorbemerkend muß man darauf hinweisen, daß die Etzoldsche Sandgrube im Leipziger Stadtteil Probstheida im heutigen gesetzlichen Sinne als Deponie keinen Bestand hat und somit deren Öffnung auch aus Sicherheitsgründen früher oder später, aber zwangsläufig erfolgen muß. Voruntersuchungen mit dem Ergebnis der Machbarkeit gab es schon vor Ort.
      Nun muß man die Verfüllweise kennen, denn zuerst kamen nach der Sprengung der Paulinerkirche zum Abtransport mit den größten verfügbaren Baggern und Fahrzeugen ihre Trümmer dort zu liegen, anschließend die danach gesprengten Teile des Augusteums, des Albertinums und des Johanneums. Erst danach erfolgte ab Sommer 1968 die Ausbaggerung. Das bedeutet, daß (neben weiterem, was noch später in die Etzoldsche Sandgrube gekippt wurde, bevor sie geschlossen wurde) zuoberst die Kellerbereiche von Johanneum, Albertinum und Augusteum nebst Inventar liegen, bevor man auf die buntbemalten Teile der Grabgewölbe trifft. Auch u.a. Gebeine insbesondere französischer Soldaten, die bei der Völkerschlacht 1813 verstarben (als die Paulinerkirche als Lazarett diente), werden sich anfinden, und zur Debatte steht u.a. auch der Zinnsarg von Johann Tetzel, der als Pestopfer im Hohen Chor der Paulinerkirche begraben wurde. Dieser bauliche Teil wurde jedoch oberirdisch zugunsten der Stadtbefestigung und in Vorahnung kriegerischer Auseinandersetzungen im Jahre 1544 abgetragen, so daß sich Tetzels Grab zu Erden damit außerhalb der Kirche befand.

      Es wird zwar nicht möglich und sinnvoll sein, nach der Öffnung und archäologischen Bergung sämtliche Grabkammern wieder herzustellen, aber an einigen Beispielen bietet es sich förmlich an, in musealer Form diese wieder herzurichten und damit Gebräuche vergangener Jahrhunderte und damit die Haltung zu Leben und Tod auch künftigen Generationen näherzubringen.

      Zahlreiche Grabkammern wurden nach ihrer rechtswidrigen Öffnung am Wochenende vor der Sprengung fotografiert.

      Das heißt zugleich, in einem unvergleichlichen Akt von SED- und damit DDR-Staatskriminalität wurden alle Toten systematisch ihres Schmuckes und aller Wertgegenstände beraubt, der dann separat verbracht wurde. Gleich, unter welchen Lügen der bzw. die "Käufer" animiert wurden und gleich, wo er gegenwärtig außer Landes sinnlos gebunkert wird, diese Zeugen nationalen Kulturgutes gehören wieder in die Paulinerkirche. Dies gilt auch unabhängig der Haager Konvention, die in bestimmten Fällen ein Rückgaberecht bei Kulturgut von 75 Jahren vorsieht.

      Es sei angemerkt, daß einer von den vergatterten Arbeitern, dem Haft angedroht wurde bei Teilnahmeverweigerung, und der angesichts des daumendicken Goldschmuckes und vieler Kostbarkeiten fragte, wer die Toten waren, von einem der Befehlsgeber gesagt bekam: "Hier war mal ein Kloster. Das hat nichts mit der Universität zu tun!"

      Jener Arbeiter und Zeitzeuge hatte u.a. die Aufgabe, jeweils mit zwei Nägeln Kindersärge zu schließen, nachdem die sterblichen Überreste teils in diese gestopft werden mußten, weil noch farbenprächtige Kleidungsstücke erhalten geblieben waren und überhingen. Und auch seine Frage nach dem Verbringungsort wurde nicht beantwortet.

      So ist heute im Jahre 2017 festzustellen, daß die sterblichen Überreste der wie oben zu sehenden Berühmtheiten weiter unweit der Paulinerkirche eingemauert und in Kindersärgen verstaut sind und versteckt gehalten werden.

      Daß es sich hier im Jahr 1968 um das größte unaufgeklärte Kulturverbrechen in Deutschland nach dem II. Weltkrieg handelt, daß die SED so etwas natürlich nicht getan haben konnte, daß damit verständlich wird, warum alle Hebel in Bewegung gesetzt wurden, diese Verbrechen um jeden Preis mit einem Neubau zu deckeln, und daß man den Begriff "Abendländische Kultur" nicht in den Mund nehmen sollte, wenn man Wegbereiter der Wissenschaft sowie Persönlichkeiten Leipzigs und Sachsens nicht ehrt, sondern wie Sondermüll oder Aussätzige behandelt, ist nicht Gegenstand des Themas Paulinerkirche, sondern kann unter dem Thema "Neubau der Universität" erläutert und diskutiert werden.

      Hier geht es im nächsten Beitrag um die Innengestaltung der Paulinerkirche.
    • Das Innere
      Bevor wir uns dem Inneren der Paulinerkirche zuwenden, sei ein Vergleich gebracht, auch um sich am praktischen Beispiel
      zu orientieren, wie sich Kirchen im Laufe der Zeit zu heute verändert haben. Hier sehen wir die Thomaskirche am 8. Februar 1867 aus Richtung der jetzigen Gottschedstraße aufgenommen.



      Die Thomaskirche. Es stehen noch die Alte Thomasschule mit Nebengebäuden. Auch die Nordseite hat Anbauten, die heute nicht mehr existieren. Auch ein Blick in den Innenraum verdeutlicht Veränderungen zur heutigen Situation.



      Die Thomaskirche. Hallenlanghaus und Chor nach Osten, undatiert, vermutlich vor 1880. Man sieht mit den diversen Holzeinbauten, daß die Kirche "wohnlicher" eingerichtet scheint als jetzt.

      Auch bei der Paulinerkirche können diese Unterschiede problemlos festgestellt werden. Doch bevor dies verdeutlicht wird, sehen wir erst einmal einige Aufnahmen der Fotografin Gudrun Vogel, die sie damals noch als Lehrling im Jahre 1968 vor der Sprengung anfertigte. Denn viele Bürger, die die Kirche vor der Sprengung kannten, empfanden sie in ihrer Erinnerung als "alte graue Kirche", da sie nicht nur in DDR-Zeiten nicht saniert wurde, sondern seit Arwed Rossbachs kaum Erneuerungen erfuhr.
      Glücklicherweise ist es in den Zeiten des Nationalsozialismus nach 1933 auch nicht dazu gekommen, obwohl bereits Pläne dafür 1936 vorlagen. Dies gehört daher in das Thema "Neubau der Universität" und ist dann dort gelegentlich nachzulesen.

      Einige Fotos zum Einstieg mit freundlicher Genehmigung von Gudrun Vogel:



      Blick von der Orgel in das Mittelschiff zum Altarraum



      Südwand des Hauptchores



      Treppenaufgang zur Südempore (über dem Kreuzgang)



      Blick vom Hauptchor in Richtung Kreuzgang und Südempore



      Südempore, unter der sich der Kreuzgang befand



      Blick zur Orgel



      Orgelspieltisch

      Die Paulinerkirche wurde nach 1945 auch wieder für katholische Gottesdienste genutzt, da die Propsteikirche St. Trinitatis an der West- bzw. Rudolphstraße im Krieg zerstört war.



      Abschiedsgottesdienst von Bischof Dr. Otto Spülbeck als Propst am 25. September 1955 Foto: Siegfried Adler, Leipzig

      Doch weshalb ist nun das Aquarell von Carl Sprosse eines der meistgedruckten Motive vom Inneren der Paulinerkirche auch und gerade, wenn es um Fragen des Wiederaufbaus geht?



      Die Abbildung zeigt den Innenraum um 1870 nach einem Aquarell von Carl Sprosse
      Original Stadtgeschichtliches Museum Leipzig stadtgeschichtliches-museum-leipzig.de

      Hierzu die fotografische Innenansicht von 1897:



      Blick vom Altarraum zum Mittelschiff und zur Orgel

      Es ist nicht etwa eine Frage von Nostalgie, denn es gibt sicherlich weitere Zeichnungen wie diese aus dem 19. Jahrhundert:



      Blick vom Mittelschiff mit der mittig orientierte Bestuhlung in den Altarraum im 19. Jahrhundert

      Der Grund liegt einfach darin, daß unter der Gestaltung von Albert Geutebrück noch die Atmosphäre des Umbaus der Paulinerkirche von 1710 - 1712 zu spüren ist.

      Das bedeutet, daß der Innenraum wie auch bei der Thomaskirche mittig zur Gemeinde ausgerichtet war. Dies betrifft auch die Kanzel von Valentin Schwarzenberger (eingebaut im Jahre 1738), die im Mittelschiff am sechsten Pfeiler der nördlichen Reihe angebracht war.

      D.h. es gab noch nicht die Frontalausrichtung des Raumes gemäß Arwed Rossbach u.a. mit Verschiebung der Kanzel, um mehr Platz zu schaffen. Zudem boten die Holzemporen (auch wenn diese unter damaligen technischen Bedingungen bestimmt für ein Knarren bzw. unliebsame Geräusche sorgten) ein intensives Erlebnis bei Musik, Predigt oder akademischen Disput.

      Und damit steht diese Gestaltung für die Zeit von Johann Sebastian Bach, Johann Christoph Gottsched, Gotthold Ephraim Lessing, Christoph Friedrich Gellert, Johann Adam Hiller, Johann Gottfried Schicht, Felix Mendelssohn Bartholdy, Friedrich Schinkel und z.B. selbst für Richard Wagner, der noch als Student in der Paulinerkirche an der Orgel probte.

      Und zugleich geht dieses Atmosphärische in die Richtung, die auch Martin Luther in seiner Weihepredigt als "Bethaus" ansprach, auch wenn dies heute anders interpretiert und formuliert werden kann und sollte. Denn im Kern geht es weiter um einen Ort der Besinnung, des "sich Sammelns", der Erkenntnis und Selbsterkenntnis. Das "Bethaus" dient dazu, jenseits des angeeigneten Wissens meditieren und dieses nach seiner Wahrhaftigkeit prüfen zu können. Und es ist zugleich der Platz, über die Verheißungen und Herausforderungen zu sinnieren, um bei Selbstachtung und Wahrheit zu bleiben. Und dies gemeinsam mit anderen Menschen, gleich ob im Anhören und Sprechen des Wortes, im Gesang oder im musischen Verständnis ...

      Hierzu sind nochmals einige Fotos von Hermann Walter aus der Zeit der (auch damals lang nicht mehr restaurierten) Paulinerkirche zusammengestellt:

      paulinerkirche.org/tmp/geutin/vor1897.html

      Eigentlich schließen sich an dieser Stelle mehr als ein Dutzend weitere Teilthemen an. Doch als Einstieg in die Thematik der Leipziger Paulinerkirche möge dies erst einmal genügen.

      Selbst der Mönch, wie er noch 1890 im Nordchor der Paulinerkirche zu sehen war, ist trotz seines Erhalts in dieser Form nicht mehr existent.



      (aus Gurlitt, C., Beschreibende Darstellung d. älteren Bau- u. Kunstdenkmäler d. Königreiches Sachsen. Heft 17: Stadt Leipzig.)

      Dazu und zu weiteren Punkten gelegentlich mehr.


    • LEIPZIG , PAULINERKIRCHE
      Bemalte Holzfigur des hlg. Dominicus Anf. 15. Jahrh.
      Aufn: Erich Kirsten Leipzig / Deutscher Kunstverlag, Berlin W 35

      Diese Aufnahme von Erich Kirsten entstand vermutlich 1942. Und auch dazu gibt es eine Geschichte zu erzählen.

      Nach der Wende (also nach 1989) standen plötzlich anonym abgestellt zwei Kartons mit Fotos auf Pappe vor der Kustodie der ehemaligen "Karl-Marx-Universität" Leipzig (während die Aufnahmen des Epitaphs von Caspar Borner und dem Mönch im Stadtgeschichtlichen Museum zu finden sind).

      Diese Fotos (die im Jahre 2001 digitalisiert werden konnten), zeigten nicht nur diverse Details der Paulinerkirche im Bodenbereich, Holzeinbauten historische Kleinteile etc., sondern auch die Auslagerung wertvoller Epitaphien aus dem Hauptchor im II. Weltkrieg.

      Im Unterschied dazu ging es im Jahre 1968 nicht vordergründig um die "Rettung" des sichtbaren Inventars, sondern die Epitaphien wie im Kreuzgang wurden deshalb herausgerissen, weil die SED-Beauftragten dahinter entsprechende Gemälde vermuteten. Sogar nach einen Silberschatz wurde (vergeblich) gesucht, so daß selbst tragende Säulen angebohrt wurden. Damit war die Paulinerkirche bereits am Sonntag vor der Sprengung instabil und einsturzgefährdet. D.h. die ständig wiederholten Sprengungsfotos geben insofern einen falschen Eindruck wieder, da nicht die intakte Kirche gesprengt wurde, wie sie noch die letzten Gottesdienstbesucher erlebten.


      Fortsetzung folgt.
    • @ Dr. Mises, auf den Grundrissen der Paulinerkriche ist ein 3/8-Polygonalchor zu erkennen. Auf den Fotos, gleich welcher Zeit fehlt dieser Chorbau. Wann wurde dieser abgerissen? Vielleicht habe ich die Information auch in den Texten der posts übersehen!?
      Auf dem Außenfoto der Thomaskirche schließt das Hauptschiff flach, ohne Choranbau. In den Innenraumbildern ist aber ein Polygonalchor zu erkennen. Die Thomaskriche hat doch auch jetzt einen 3/8 -Chorschluß!? Bitte auch hier um Aufklärung!
    • Ja, leider ist es mir bisher noch nicht gelungen, einer Leipziger Stadtansicht vor 1540 habhaft zu werden bzw. irgendwo käuflich zu erwerben - trotz Suche bei vielen Antiquariaten. Denn im Text (d.h. u.a. in Vogels Annalen) ist nachzulesen, daß dieser Teil in den Jahren zwischen 1542 und 1544 der Leipziger Stadtbefestigung geopfert wurde, was gemäß der frühesten Abbildungen auch verständlich ist. Also wer etwas Früheres hat *handheb* - bitte gern.

      Bei der alten Ansicht der Thomaskirche sehen wir den Westgiebel. Die dem Stadtkern zugewandte Ostseite ist auch nicht so oft fotografiert worden aufgrund der Umbauung. Erst nach den Kriegszerstörungen (Steckners Hof) und schändlichen Abrissen zu DDR-Zeiten hatte und hat man einen freien Blick vom Markt aus auf die Ostseite der Thomaskirche. Aber ausnahmsweise (da nicht direkt zum Thema gehörend) aus dem Bestand zum versöhnlichen Abschluß die andere Innenansicht zur außen abgebildeten Westseite:



      Foto leider ohne weitere Angaben, vermutlich um 1910
    • Neu

      Beispiel Johanniskirche und ein Beispiel zur Grablegung

      In Sichweite der Paulinerkirche gab es auch bei der Johanniskirche grundsätzliche bauliche Veränderungen.



      Die Johanniskirche um 1880, noch vor der Bebauung am Johannisplatz mit dem Hotel Sachsenhof, rechts eine der ersten Bürgerschulen.



      Die Innenansicht dazu aus dieser Zeit. Einige weitere Aufnahmen nach dem Umbau bzw. zur städtebaulichen Einbindung heute:

      paulinerkirche.org/tmp/matth/bach5.htm

      Das Beispiel sei deshalb hervorgehoben, weil hier auch u.a. die Famlie Bach und Gellert begraben waren. Das gesamte Gebiet war in vorherigen Jahrhunderten der Gottesacker. Und wenn dort insgesamt gebaut werden sollte, gibt es hier ein umfangreiches Grabungsfeld.

      Bezüglich Bach und Gellert wurde eigens eine Gruft geschaffen, allerdings etwas "neben der Kirche". Vor einigen Jahren wurde diese auch kurzzeitig wieder geöffnet. D.h. man hätte diese nicht leeren müssen, da sie im Kriege nicht zerstört wurde. Nur mit der Sprengung des erhaltenen und sanierten (!) Johanniskirchturms und der Beräumung des Geländes sollte zu DDR-Zeiten jede Erinnerung daran getilgt werden. So kam der Sarkophag von Christian Fürchtegott Gellert in die Paulinerkirche und der Sarkophag von Johann Sebastian Bach in die Thomaskirche.



      "Die Bachgruft in der Johanniskirche zu Leipzig" um 1930

      Wie zu sehen ist, war diese Gestaltung mit dem Umbau der Johanniskirche nach 1900 vielleicht zeitgemäß und "klinisch rein", aber natürlich hatte dies nicht mehr die Atmosphäre einer geschichtlich würdigen Begräbnisstätte, selbst wenn damals die "Übernahme in den Ehrenschutz der Neuen Bachgesellschaft" erfolgte.

      Immerhin war es aber noch würdiger als die folgende Gestaltung in der Thomaskirche, die sich bis heute erhalten hat.

      Wie gesagt, waren die Begräbnisse in der Paulinerkirche angelegt wie oben beschrieben. Bürgermeister wie zu sehen mit Leonhard Schwendendörffer (1652) bekamen ihr entsprechendes "Ruhebettlein". So ist es auch mit Leonhard Herrmann, ebenfalls u.a. Bürgermeister, Jurist und - wie man heute sagen würde - Chef vom St. Georg.



      Leonhard Herrmann, geboren am 17. Mai 1590 Nürnberg, gestorben am 10. November 1646
      (/ und hierauf den 16 dieses darauff bey volckreicher Versamlung in der Pauliner Kirche beerdigt worden.)

      mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Nationalbibliothek
      Bildarchiv Austria: data.onb.ac.at/rec/baa3941254
    • Neu

      Die Grabungsaktion war mir nicht bekannt. Dennoch kam ich zufällig vorbei, als ich ein Vergleichsfoto am Schumann-Haus Inselstraße anfertigte, wo einige Außenelemente verschwunden sind. Aber das ist ein anderes Thema. Jedenfalls sah ich, wie fast alles wieder zugekippt wurde ...



      Baggeraktion am 16. Dezember 2014

      Zurück zum Thema und damit zu Nickel Pflugk.


      Was in die Paulinerkirche gehört, ist dieses Grabmal für Nickel Pflugk 1482. Es befindet sich ebenfalls in der Thomaskirche.
      Und wenn man kein Blitzlicht hat, kann man es wie auch Diezmann und Elisabeth nur abgedunkelt in Augenschein nehmen.
      Dabei gibt es hierzu noch gute historische Quellen. Nachdem die Kapellen teilweise entfernt wurden, stellte man Epitaphe im Kreuzgang auf. Eine Abbildung (Original im Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig) mit Nickel Pflugk gibt es noch aus Geutebrücks Zeiten:

      upload.wikimedia.org/wikipedia…42px-Pflugk_Kreuzgang.jpg

      Und selbst bei Gurlitt wurde es ganzseitig aufgenommen:



      Nach dem Umbau durch Rossbach verlief der Kreuzgang dann bis zum Augustusplatz:



      Gegenwärtig besteht es zu den Kapellen (wer darin begraben im Einzelnen begraben war, wie mit den Gräbern umgegangen wurde u.a.) noch Unklarheit. Auf jeden Fall wurde im Jahre 1968 alles, was außerhalb der Paulinerkirche war, unbesehen abgebaggert, wobei die Anweisung bestand, nichts anzufassen (vermutlich weil es sich bei vielen Begrabenen wie Johannes Tetzel um Pestopfer handelte).

      Während nun im II. Weltkrieg diverse Epitaphe aus dem Hauptchor ausgelagert wurden, geschah dies im Kreuzgang nicht.
      Hier wurde nur Erich Kirsten beauftragt, Epitaphien zu dokumentieren. Da diese Fotos vermutlich kaum bekannt sind,
      seien sie hiermit auch einmal verlinkt.

      paulinerkirche.org/objekte/kreuzgang.html

      Nun kann es keinem gefallen, was anschließend hier zu sehen ist, aber ich hoffe doch, daß die Sachdarstellung korrekt ist.

      paulinerkirche.org/tmp/s1968/vogel/kreuzgang1968.html