Bremen - Ansgarikirchhof

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    • Bremen - Ansgarikirchhof

      Die in ihrem eignen Strang thematisierte St. Ansgarii-Kirche in Bremen stand inmitten des nach ihr benannten Kirchhofes, der die bauliche Rahmung des imposanten Gotteshauses darstellte, sozusagen die Fassung des kostbaren architektonischen Edelsteins. Im folgenden Themenstrang soll nun dieser Rahmen einmal selbst im Vordergrund stehen. Dabei wird nicht nur der engere Bereich mit der Adresse 'Ansgarikirchhof' abgehandelt werden, sondern auch alle anderen Gebäude an Ansgaritorstraße, ehemaliger Langwedler Straße, 'An der St. Ansgarikirche', Obernstraße und Papenstraße, die gemeinsam das die Kirche umgebende Geviert bildeten.
      Der Strang möchte nicht nur dazu anregen, den vor mehreren Jahrzehnten in 'Hanseatenhof' umbenannten östlichen Teil des Ansgarikirchhofes zurückzubenennen, sondern auch dafür werben, einige besonders schöne, ehemals den Platz umstehende Häuser als 'Leitbauten' bei den aktuellen Umbauplänen für die Innenstadt einzubeziehen und damit für das Stadtbild zurückzugewinnen.
      Die Darstellung der einzelnen Gebäude wird gegen den Uhrzeigersinn, den aufsteigenden Hausnummern folgen und sich bemühen, jedes Gebäude zu porträtieren, soweit einschlägiges Material vorhanden ist.

      Bild 01

      Übersichtsplan der im Folgenden vorgestellten Gebäude.
      Die roten Ziffern bezeichnen Häuser mit der Adresse Ansgarikirchhof. Die grünen Ziffern werden für Bauten an Ansgaritor-, Hutfilter, Obern- und Papenstraße verwendet. Der rote Punkt symbolisiert das Ansgar-Denkmal.



      Bild 02

      Blick vom Lloydturm nach Westen (!) über den Ansgarikirchhof und die angrenzenden Straßen. Eine nicht geringe Zahl der in diesem Themenstrang vorgestellten Häuser ist auf dieser Photographie bereits zu sehen, wobei infolge der konkreten Perspektive oftmals natürlich nur einzelne Gebäudeteile erkennbar sind.

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    • Haus Nr.1 : 'Gesellschaft Erholung' und später 'Ansgarihaus'

      Den Auftakt macht das Haus Nr. 1 (welchem nach 1866 die beiden benachbarten Häuser Nr. 2 und 3 angegliedert wurden). Ursprünglich wurde es im Auftrag der Lesegesellschaft 'Erholung' um 1820 wohl von Ephraim Polzin erbaut. Die Gesellschaft mußte das Haus nach ihrer Auflösung 1866 veräußern. Von den 1930er Jahren bis zu seiner Zerstörung durch Krieg und 'Wiederaufbau' war es als Ansgarihaus bekannt.
      Es war ein vornehmer klassizistischer Bau in zurückhaltender aber dennoch einprägsamer Formensprache. Für mich einer der ganz starken 'Leitbauten'-Kadidaten !

      Bild 01
      Beschreibung und gezeichnete Ansicht des Hauses. Entnommen Rudolf Stein's 'Klassizismus und Romantik in der Baukunst Bremens (Bremen 1964), S.63.



      Bild 02
      Lage der Häuser Nr.1 - Nr.3 am Ansgarikirchhof



      Bild 03
      Ausschnitt eines historischen Katasterplans des Ansgarikirchhofes



      Bild 04
      Häuser Nr. 1 - Nr.3 im Luftbild



      Bild 05

      Luftbild



      Bild 06

      Luftbild



      Bild 07

      Giebel und Dach der 'Erholung' zeichnen sich unten links im Bild deutlich vor dem imposant aufragenden LLoydgebäude ab.



      Bild 07a

      Frontalansicht der Häuser Nr.1 (rechts) bis Nr.3 (links). Die Schmalseite von Nr.1 mit ihren fünf Achsen steht am Durchgang zur Papenstraße.



      Bild 08

      Frontansicht der Häuser Nr.3 bis Nr.1 Der Turmhelm des Lloydgebäudes scheint aus dem Dach der 'Erholung' herauszuwachsen.



      Bild 09

      Risalit von Nr. 1. Deutlich erkennbar die Lage der ehemaligen Eingangstür in der Gebäude-Mittelachse. Die Laterne des Lloydturms wirkt wie ein Dachreiter.



      Bild 10

      Die ausgebrannte Ruine während des zweiten Weltkrieges. Zum Aufnahmezeitpunkt ist der Turmhelm des Lloydgebäudes noch intakt. Bild-Quelle: Staatsarchiv Bremen.



      Bild 11

      Ein Querformat desselben ruinösen Zustandes - wohl auch am selben Tage aufgenommen. Über dem Portal links erkennt man die (links abgeschnittene und daher rudimentäre) Inschrift 'Ansgarihaus'.
      Bild-Quelle: Staatsarchiv Bremen



      Bild 12

      Blick vom Lloydturm auf das - weitestgehend noch intakte - Kirchenschiff von St. Ansgarii am Tage nach dem Turmsturz, also am 2. September 1944. An der unteren Bildkante erkennt man die ausgebrannte Ruine der 'Erholung', wobei man die vor der Zerstörung natürlich verdeckte Rückseite des Giebeldreiecks sehen kann.



      Bild 13

      Ein sehr bekanntes Bild von der Ruine der Ansgarii-Kirche unmittelbar nach Ende des Krieges. Zwischen all den Trümmern ragen die - selbst in ihrer Zerstörung - noch schneeweißen Gebäude Nr. 1 und 3 optisch hervor. Der Giebel scheint nach wie vor zu stehehn.



      Bild 14

      Karte mit über die Stadtkarte aus den 1930er Jahren geblendeten aktuellen Plan (blassere Linien), der nicht nur die Umbenennung der östlichen Hälfte des Ansgarikirchhofes illustriert, sondern auch zeigt, daß die Papenstraße nach Westen hin verbreitert wurde, sodaß sich die östliche Hälfte der ehemaligen 'Erholung' heute im Straßenraum befindet.



      Bild 15

      Ein Luftbild der heutigen Bebauung. Die westliche Gebäudehälfte der 'Erholung' wird durch das C&A Gebäude (der rote Backstein-Kubus in der Bildmitte) überbaut.

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    • Haus Nr. 5: Ein Unikum

      Dieses kleine - wohl ehedem die Nummer 4 tragende - Haus bestand nur aus einer einzigen Achse und galt bis zu seinem Abriß 1930 als das schmalste Haus der Bremer Altstadt.

      Bild 01

      Lage des Hauses Nr.5 am Ansgarikirchhof



      Bild 02

      Ausschnitt eines historischen Katasterplans des Ansgarikirchhofes



      Bild 03

      Haus Nr. 5 im Luftbild (Aufnahme vor 1930)



      Bild 04

      Haus Nr. 5 (links im Bild) zwischen seinen großen Nachbarn



      Bild 05

      Frontalansicht von Nr. 5. In diesem Hause praktizierten (nacheinander ;) ) so verschiedene Gewerke wie eine Schlachterei oder ein Phrenologe... Man sieht, dieses Gebäude war somit in vielfacher Hinsicht ein Unikum. Leider wurde es schon 1930 durch einen, auch das Nachbargebäude 5a ersetzenden, Neubau verdrängt. Mit einem Wiederaufbau würde jeder Stadtplaner einen sympathischen Sinn für Skurilität und Humor offenbaren...

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    • Haus Nr.6: Haus 'Concordia'

      Dieses schlichte, dreiachsige Gebäude, schätzungsweise aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, diente lange Jahre (bis über die Jahrhundertwende hinaus) als 'Herberge zur Heimat Nr. 1' dem Domizil wohnungsloser Männer und war somit ein Ort praktizierter 'Caritas'. Die Einrichtung war auch als Haus 'Concordia' bekannt, allerdings nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen (leider erst jüngst abgerissenen) Vergnügungsetablissement an der Schwachhauser Heerstraße, oder dem 'Concordenhaus' (ehedem an der Großen Krummenstraße in der Steffensstadt und heute im Schnoor) der gleichnamigen studentischen Verbindung. Die unmittelbare Nähe zur Kirche gibt der langjährigen Funktion dieses Gebäudes eine gewisse Folgerichtigkeit...

      Bild 01

      Lage des Hauses Nr. 6 am Ansgarikirchhof



      Bild 02

      Ausschnitt eines historischen Katasterplans des Ansgarikirchhofes



      Bilder 03 und 04

      Luftbilder des Gebäudes













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    • Haus Nr. 7: Baptisten-Kirche

      Nur Wenigen dürfte heute noch bekannt sein, daß St. Ansgarii nicht das einzige Gotteshaus am gleichnamigen Kirchhof war. In Nr. 7 hatten nämlich die hiesigen Baptisten ihr Bremer Domizil. Die Bethel-Kapelle dieser Freikirche war im Innenbereich des Baublocks zwischen Ansgarikirchhof, Ansgaritorstraße, Spitzenkiel, Wegesende und Papenstraße errichtet worden und nur durch einen schmalen Durchlass zwischen Nr. 6 und Nr. 8 erreichbar. Das Gebäude bestand aus einem vorderen zweigeschossigen Querriegel, der von einem markanten Giebelkreuz bekrönt war und dessen östliche zwei Drittel von großen Fenstern erhellt wurden, die wahrscheinlich die Breite des hinter dem Vordergebäude belegenen Beetsaales hatten, der sich im Obergeschoss des Hintergebäudes befunden haben dürfte.

      Bild 01

      Lage des Hauses Nr. 7 am Ansgariikirchhof



      Bild 02

      Ausschnitt eines historischen Katasterplans des Ansgarikirchhofes



      Bild 03

      Luftbild mit markiertem Baukörper der Baptisten-Kirche. Deutlich erkennbar sind der vordere Querriegel und das dahinterliegende Satteldach des Beetsaales.



      Bild 04

      Luftbild mit markiertem Giebelkreuz des Vordergebäudes.



      Bild 05

      Zeichnung der Fassade des Vordergebäudes. Deutlich sichtbar die zwei großen Fenster rechts, die denen im dahinterliegenden Beetsaalgebäude - von der Breite her - entsprochen haben dürften. Möglicherweise beleuchteten sie den Vorraum zum Beetsaal.



      Bild 06

      Innenansicht des Beetsaales der Kirche






    • Haus Nr. 8: Wernicke's Privat-Handelsschule

      Der letzte Nutzer des Hauses Nr. 8 machte dieses zu einer Stätte, an der der kaufmännische Nachwuchs seine Fähigkeiten ausbilden und vervollkommnen konnte. Das Haus bildete den ersten der beiden markanten Versätze in der Bauflucht der Nordseite des Ansgarikirchhofs.

      Bild 01

      Lage des Hauses Nr. 08 am Ansgarikirchhof



      Bild 02

      Ausschnitt eines historischen Katasterplans des Ansgarikirchhofes



      Bild 03

      Frühes Foto des noch gründerzeitlich anmutenden Gebäudes (rechts im Bild) aus der Zeit vor Umbau zur Handelsschule.



      Bild 04

      Blick auf die markante Gebäudeecke nach dem Umbau.



      Bild 05

      Der Erker im zweiten Obergeschoß beweist, das das Gebäude kein kompletter Neubau, sondern ein Umbau war, denn er wurde von der gründerzeitlichen Gestaltung übernommen. Optisch tritt er aber gegenüber den dominierenden, die Etagen trennenden gesimsartigen Bäder stark zurück. Ein nettes Detail sind die prall gefüllten Fahrradständer vor dem Haus. Das Foto scheint somit während der Schulzeit aufgenommen worden zu sein...



      Bild 06

      Innenansicht eines Klassenraumes, allerdings ganz ohne Schüler, dafür aber mit umso mehr Schreibmaschinen , die sicherlich noch über keine Korrekturbänder verfügten ... :dichter:
      Hinter den Scheiben scheint man die Bäume auf dem Kirchhhof und auch schemenhaft ein Teil des Gotteshauses erkennen zu können.



      Bild 07

      Ein schauerliches Bild vom Tage nach dem Turmsturz (2. September 1944). Neben dem Trümmerberg erkennt man, eingerahmt von der östlichen Achse des Hauses Nr. 6, einem Kirchhofsbaum und dem Treppengewände des unheilvollen Tiefbunkers, das noch tadellos erhaltene Haus Nr. 8. (Bildquelle: Staatsarchiv Bremen).



      Bild 08

      Nachkriegsfoto des Ansgarikirchhofes. Fast ganz links im Bild erkennt man das ruinöse Erdgeschoss der Handelsschule, das immerhin noch seine markanten Gesimse behalten hat.



      Bild 09

      In den 1950er Jahren wurde die Handelsschule neu erbaut. Auf diesem Foto erkennt man sie oberhalb des noch stehenden Giebels des Ansgari-Schulhauses. Sogar der Schriftzug 'Wernicke' wurde wieder an der Seitenfassade angebracht.



      Bild 10

      Den Abbruch der Kirchenruine und den Neubau des Hertie-Kaufhauses überdauerte der Wernicke Bau noch, wie man hier links im Bild sehen kann. In den frühen 80er Jahren mußte er dann aber dem heute noch stehenden Lloydhof weichen.




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    • Haus Nr. 9 : Frühe 'Spolien-Architektur'

      Das im Kriege weitestgehend zerstörte Gebäude der Druckerei Guthe war ein frühes Beispiel der Verwendung von Spolien in Bremen und zwar an deren ursprünglichem Ort. Das ab 1910 errichtete Geschäftshaus verwendete nämlich die Portalumrahmung und die Umkränzung des Firstfensters des Vorgängerbaus aus der Zeit um 1765. Ein am Ansgarikirchhof wohl einmaliger Vorgang. Der Neubau verströmte großstädtisches Flair und war ein insgesamt qualitätvoller Bau, dessen Überleben man sich gewünscht hätte !

      Bild 01

      Beschreibung und gezeichnete Ansicht des Vorgängerbaus von ca. 1765. Entnommen Rudolf Stein's 'Bremer Barock und Rokoko' (Bremen 1960), S.320 ff.



      Bild 02

      Lage des Hauses Nr. 9 am Ansgarikirchhof



      Bild 03

      Ausschnitt eines historischen Katasterplans des Ansgarikirchhofs



      Bild 04

      Fotografie des ca. 1765 erbauten und 1910 abgerissenen Vorgängerbaus.



      Bild 05

      Der Neubau von 1910. Die Formensprache erinnert entfernt an das Kaufhaus Wertheim an Leipziger Platz und Leipziger Straße in Berlin...



      Bild 06

      Lufbild des neben dem Turm von St. Ansgarii sichtbar werdenden Hauses Nr. 9



      Bild 07

      Lokalisierung der Spolien vom Vorgängerbau an der Fassade des Neubaus.



      Bild 08

      Die wiederverwendete Portalumrahmung. Links: Foto vom Neubau. Rechts: Zeichnung des Vorgängerbaus.



      Bild 09

      Dieses Foto aus der Nachkriegszeit beweist, daß das - mit einer neuen ersten Etage versehene - Erdgeschoß, das Jahr 1944 - entgegen der Aussage von Rudolf Stein - tatsächlich doch überlebt hatte. Die Spolien dürften somit endgültig erst beim Bau des 'Lloydhofes' in den frühen 1980er Jahren verschunden sein.










    • Haus Nr. 10: Theologie, Frauenschutz und Schreibkultur

      Das Haus Nr. 10, welches den zweiten markanten Versatz in der Bauflucht der Nordseite des Kirchhofes bildete, hat seit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine Vielzahl sehr unterschiedlicher Nutzungen erfahren. Zunächst war es eines der Pastorenhäuser von St. Ansgarii, in dem in der Regel der Primarius, also der Vorsteher des Predigerkollegiums, mit seiner Familie lebte. So wirkte hier z.B. der berühmte Theologe Friedrich Adolf Krummacher, der seit 1824 Pastor an St. Ansgarii war und 1843 in Bremen verstarb. Seit dem ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts war es Domizil der 1902 von Magdalene Hachez (einem Mitglied der renommierten Bremer Schokoladenfabrikantenfamilie)' ins Leben gerufenen Stiftung 'Josephinenheim'. Diese hatte den Zweck "gesunden, alleinstehenden Frauen und jungen Mädchen, welche im Berufs- und Erwerbsleben tätig sind oder sich darauf vorbereiten, eine gemütliche Häuslichkeit und Ersatz für das Familienleben zu bieten". Letzer Nutzer des Gebäudes vor der Zerstörung war die Papier- und Schreibwarenhandlung Carl H. Grothe, die das Erdgeschoß - wohl in den 1930er Jahren - mit großflächigen Schaufenstern und einem verglasten Eingang versehen ließ.

      Bild 01

      Lage des Hauses Nr. 10 am Ansgarikirchhof.



      Bild 02

      Ausschnitt eines historischen Katasterplans des Ansgarikirchhofes.



      Bild 03

      Ansicht des Hauses Nr. 10 (Bildmitte hinter der Pappel) aus dem Jahre 1839, als Friedrich Adolf Krummacher dort wohnte.



      Bild 04

      Der bekannte Theologe und Primarius von St. Ansgarii, Friedrich Adolf Krummacher.



      Bild 05

      Das Gebäude in der Nutzung als Wohnstätte erwerbstätiger, lediger Frauen. Der Schriftzug 'Josephinenheim' ist über der Eingangstür zu erkennen.



      Bild 06

      Luftbild des Gebäudes aus den frühen 1940er Jahren



      Bild 07

      Das Gebäude in der Nutzung durch den Schreibwarenhändler und Büroeinrichter Carl H. Grothe. Blick nach Osten.
      Im Hintergrund sind die Häuser Nr. 1 bis 3, sowie (angeschnitten) der Neubau von Nr. 5 zu erkennen.



      Bild 08

      Der Blick in die Gegenrichtung nach Westen. Im Hintergrund ist ein Teil der Bebauung an der Ansgaritorstraße zu erkennen.






    • Haus Nr. 11: 'Lesehalle' mit Einlieger

      Dieses Gebäude, welches auch die Nr. 12a sowie das Haus Nr. 4 der Ansgaritorstraße umfaßte, beheimatete die 'Leserhalle' der Volksbücherei und war somit der Ursprungsort der heutigen Stadtbibilothek (deren Hauptstelle nach dem Kriege am Schüsselkorb ansässig wurde und mittlerweile im alten Polizeihaus am Wall untergekommen ist). Sie ist nicht zu verwechseln mit der 'Städtischen Bibliothek', die in einem Neo-Renaissance Gebäude am Breitenweg untergebracht war und heute als 'Staats- und Universitätsbibliothek' bekannt ist, die auf dem Campus der Universität angesiedelt ist. Das dreiteilige Gebäudeensemble der 'Lesehalle' hatte als charakteristische Eigenheit ein 'Einlieger-Gebäude' an der Ansgaritorstraße, welches nicht nur anderweitig genutzt wurde, sondern auch in Farbe und Formensprache der Fassade deutlich von der Lesehalle abstach. Es wurde durch einen hochaufragenden - noch zur Lesehalle gehörenden - Südgiebel optisch von der Lesehalle getrennt. Der Gebäudeteil der Lesehalle an der Ansgaritorstraße nahm mit der rustizierten Erdgeschoßgestaltung und dem kleinen Giebel Motive des Hauptbaus am Kirchhof auf und gab sich damit als zu diesem gehörig zu erkennen. Mit diesem Gebäudeensemble schloß die Bebauung der Nordseite des Ansgarikirchhofes ab. Gegen eine Rückkehr dieser schönen Fassade hätten Viele sicherlich nichts einzuwenden.

      Bild 01

      Lage des Hauses Nr.11 (sowie der Häuser Nr. 12 a und Ansgaritorstraße 4) am Ansgarikirchhof.



      Bild 02

      Ausschnitt eines historischen Katasterplans des Ansgarikichhofes.



      Bild 03

      Luftbild der drei Gebäudeteile von Südwest. Man erkennt deutlich die drei Giebel.



      Bild 04

      Luftbild der drei Gebäudeteile von West. Der Giebel an der Ansgaritorstraße und das 'Einliegerhaus' heben sich klar ab.



      Bild 05

      Schrägansicht des Ensembles - inklusive des (dunklen) Einliegers. Unter dem großen Giebelfenster des Hauses Nr. 11 ist das Wort 'Lesehalle' zu erkennen. Der Lesesaal im Parterre begann gleich links neben der Eingangstür. Er wurde von sieben Fenstern erhellt. Bildquelle: Staatsarchiv Bremen.



      Bild 06

      Innenansicht des großen Lesesaals der Lesehalle. Er befand sich im Parterre des Südflügels direkt am Ansgarikirchhof und erstreckte sich über dessen gesamte Breite durch die Häuser Nr. 11 und 12a. Der durchfensterte, hölzerne Raumteiler mit der Uhr über dem Durchgang stand sehr wahrscheinlich auf der alten Grundstücksgrenze zwischen Nr. 11 und 12a.



      Bild 07

      Luftbild aus der Kriegszeit vom schon teilzerstörten Gebäudeensemble. Während das Nebengebäude an der Ansgaritorstraße 4 und das 'Einliegergebäude' durch Notdächer provisorisch gesichert sind, ist das Hauptgebäude am Kirchhof schon total ausgebrannt und ohne Dach.



      Bild 08

      Luftbild aus der Nachkriegszeit. Blick von Osten auf die Ruinen. Das Nebengebäude an der Ansgaritorstraße Nr. 4 ist mittlerweile verschwunden. Nr. 11 und 12a sind total ruinös. Nur der 'Einliegerbau' hat noch sein Notdach und scheint noch genutzt zu werden.



      Bild 09

      Spätestens mit der Erbauung des heute noch stehenden Lloydhofes mußten alle Ruinen an dieser Stelle weichen. Der Kopfbau des Lloydhofes am Ansgarikirchhof scheint an derselben Linie vom rückwärtigen Trakt optisch getrennt zu sein, wie vordem die Nr. 12a vom 'Einliegergebäude'.






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    • Häuser Nr. 12 und Nr. 13 – Das ‚Uhrmacherhäuschen’

      Die Doppelhäuser Nr. 12 und Nr. 13 schmiegten sich direkt an die Nordseite der Kirche. Während die kleinere Nr. 12 sich dabei lediglich an die nördliche Außenwand des zwischen Turm und nördlichem Seitenschiff gelegenen ‚Kirchensaalbaus’ anlehnte, umlagerte die Nr. 13 auch den westlichsten Strebepfeiler des Nordschiffwand und ragte bis an das westlichstes Fenster des Letzteren heran. In Nr. 13 war über mehrer Jahrzehnte und unter wechselnder Inhaberschaft eine Uhrmacherwerkstatt angesiedelt - daher der Name. Dieser kleine Gebäudekomplex mit seinem pittoresken Mansardendach und dem Rankenbewuchs gehörte zum Malerischsten was der Ansgarii-Kirchhof zu bieten hatte. Leider ging er schon am 1. September 1944, dem Tag des Turmsturzes, verloren. Selbstredend wäre er bei einem Wiederaufbau der Kirche ebenfalls zu rekonstruieren ! Ich denke, daß die beiden traditionellen Bremer Wurstbratereien vom Liebfrauenkirchhof sich über Dependancen am Ansgariikirchhof freuen würden, die im Uhrmacherhäuschen ein perfektes Domizil hätten...

      Bild 01

      Lage der Häuser 12 (lila) und 13 (rot) am Ansgarikirchhof.



      Bild 02

      Ausschnitt eines historischen Katasterplans des Ansgarikirchhofes.



      Bild 03

      Ansicht der Westseite der Kirche aus dem zweiten Drittel des 19. Jahrhunderts. Links vom Turm erhebt sich der Giebel des 'Kirchesaalbaus' und wiederum links von diesem ist die westliche Schmalseite des 'Uhrmacherhäuschens' zu erkennen. Wenn es sich bei dem üppigen Grün des Kirchhofes nicht lediglich um künstlerische Staffage handeln sollte, so war dieses Areal zum damaligen Zeitpunkt somit noch eine Oase der Abgeschiedenheit innerhalb der betriebsamen Handelsstadt, auch wenn seit der Franzosenzeit keine Bestattungen auf dem Kirchhof mehr stattfanden.



      Bild 04

      Nordwestecke des Gotteshaues mit Eingang zum Kirchensaal und Schmalseite des Uhrmacherhäuschens.



      Bild 05

      Uhrmacherhäuschen von Nordwesten. Im Vordergrund Haus Nr. 12



      Bild 06

      Die östliche Schmalseite von Haus Nr. 13 um 1890.



      Bild 07

      Der gesamte Komplex von Nordosten. Hinter dem zwischen Ostwand von Nr. 13 und dem Strebepfeiler gespannten Metallzaun befand sich ein malerischer Miniaturgarten, der sogar eine Sitzbank enthielt !



      Bild 08

      Der Ansgarikirchhof war bis zur Zerstörung 1944 durch einen reichen Baumbestand gekennzeichnet. Es wäre schön, wenn er nach der Rekonstruktion der Kirche wieder zu einer solchen grünen Lunge für die Altstadt werden könnte...



      Bild 09

      Ein besonderes Schmankerl ist dieses Deckblatt eines US-Amerikanischen Reisemagazins aus dem Olympia-Jahrgang 1936, welches mit dem Uhrmacherhäuschen an der Ansgarii-Kirche aufmacht. Vielleicht eine Hommage an die vielen über Bremen nach Berlin anreisenden amerikanischen Sportler und Olympia-Gäste ? Jedenfalls bemerkenswert, daß das unscheinbare Gebäude somit in den USA sogar zum 'Cover-Girl' avancierte... ;)



      Bild 10

      Zum Vergleich die heutige Situation an ungefähr derselben Stelle. Das Uhrmacherhäuschen (rechts im Bild zu denken) hat städtebaulicher Ödnis Platz gemacht. Welch ein Abstieg ! (Eigenes Foto)

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    • Haus Nr. 14 - Ansgarii-Kirchspiels-Schule

      Das Haus Nr 14 war am Kirchhof insofern etwas Besonderes, als es als einziges eine eigen Hausnummer tragendes Gebäude eigentlich ein Teil der Kirche war. Es war nämlich nicht - wie das Uhrmacherhäuschen oder die Gebäude auf der Südseite der Kirche - lediglich an das Gotteshaus angebaut, sondern sozusagen aus diesem 'herausgewachsen'. Von der ursprünglichen Funktion her bestand es aus den beiden nördlichen Chorseitenkapllen von St. Ansgarii. Es bildete somit ehedem die baulichen Entsprechung der - heute als Zütphen-Kapelle bekannten - südlichen Chorseitenkapelle. Das Gebäude gliederte sich in einen älteren - westlichen - und einen jüngeren - östlichen - Teil, die beide in den Jahren zwischen 1385 und 1399 erbaut worden waren. Spätestens seit der Reformation war hier die Kirchspielssschule angesiedelt. Nach der Auflösung der Kirchsspielsschulen war im Hause eine Handarbeitsschule für Knaben untergebracht und seit dem Umbau in den 1930er Jahren befand sich hier die Wohnung des Organisten von St. Ansgarii. Nach dem 2. Weltkrieg war der Ostgiebel dieses Gebäudes der letzte Giebel am Gotteshaus, der aus dem Stadtbild verschwand.

      Bild 01

      Lage des Hauses Nr. 14 am Ansgarikirchhof.



      Bild 02

      Ausschnitt eines historischen Katasterplanes des Ansgarikirchhofes.



      Bild 03

      Ansicht der Kirche von Osten. Die Kirchspielsschule ist rot hervorgehoben.



      Bild 04

      Grundriß der Kirche. Die Kirchspielsschule ist rot hervorgehoben.



      Bild 05

      Totale der Kirchspielsschule (Ausschnitt aus Bild Nr. 03)



      Bild 06

      Der Ostgiebel der Kirchspielsschule links vor und rechts nach dem Umbau in den 1930er Jahren.



      Bild 07

      Die Nordseite des Schulgebäudes in der Fassung vor dem Umbau der 1930er Jahre. Das große spitzbogige Portal in der westlichen (älteren) Gebäudehälfte bildete den Nordzugang zum Kircheninnern.



      Bild 08

      Ansicht der Schule vor dem Hintergrund von Schiff und Turm von St. Ansgarii.



      Bild 09

      Der Turmsturz vom 1. September 1944 zog das Schulgebäude in keiner Weise in Mitleidenschaft.



      Bild 10

      Ansicht des Schulhauses bei Kriegsende.



      Bild 11

      Von allen Giebel St. Ansgariis hat lediglich der Giebel des Schulhauses die 1950er Jahre noch erlebt.



      Bild 12

      Blick auf die Ostseite des Bremer Carrees. Die Kirchspielsschule würde rechts aus dem Gebäude herausragen, da ihre Grundfläche größtenteils vom Carree nicht überbaut wurde.



      Bild 13

      Der Abgleich der Grundrisse von Kirche und Carrree (rot) beweist die Tatsache, daß das Areal der ehemaligen Schule heute größtenteils zum Straßenraum zählt.

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    • Haus Nr. 16-17 - Küster- und Pastorenhaus

      (Wohl aus Gründen der postalischen Vereinfachung erfolgten folgende Adressänderungen:
      Bis 1912: 'Ansgarikirchhof 16-17'
      Ab 1912: 'An der St. Ansgarikirche 1 - 2'
      Ab 1930: 'Obernstraße 57 -59')

      Das 1802 in edlen klassizistischen Formen errichtete Gebäude mit der doppelten Hausnummer gehörte mit seinem harmonischen Erscheinungsbild zum Edelsten was der Stadtraum um St. Ansgarii zu bieten hatte. Ob für seine Erbauung 'Gottesbuden' oder gar Kanoniker-Kurien des vorreformatorischen Ansgarii-Kapitels weichen mußten, bleibt noch zu klären. Das Gebäude enthielt Wohnungen der 'einfachen' Prediger (während der jeweilige Primarius des Prediger-Kollegiums ja in der Nr. 10 residierte) und des Küsters. Die mittlere seiner neun Gebäudeachsen umfaßte in ihrem Erdgeschoß einen Tordurchgang, der den Südzugang zur Kirche bildete. Der einzige Nachteil des Gebäudes war, daß es das romanische Portal des südlichen Querhauses der Kirche verdeckte. Letzteres war nach der Zerstörung von Nr. 16-17 bis zur Abtragung der Kirchenruine wieder von der Obernstraße aus einsehbar.

      Bild 01

      Lage des Hauses Nr.16-17 am Ansgarikirchhof.



      Bild 02

      Beschreibung des Hauses Nr. 16-17. Entnommen Rudolf Stein's 'Klassizismus und Romantik in der Baukunst Bremens I', (Bremen 1964), S.242.



      Bild 03
      Gezeichnete Ansicht des Hauses Nr. 16-17. Entnommen Rudolf Stein's 'Klassizismus und Romantik in der Baukunst Bremens I', (Bremen 1964), S.247.



      Bild 04

      Photographie des westlichen sechs Gebäudeachsen. Der dreiachsige Mittelrisalit mit dem Portal zum Südeingang der Kirche ist klar erkennbar.



      Bild 05

      Wirkung des Gebäudes im Kontext des umgebenden Stadtraumes.



      Bild 06

      Nr.16-17 und 'der Turm'



      Bild 07

      Farbphotographie aus den späten 1930er Jahren, die sehr schön die farblich abgesetzten Fensterumrahmungen im Obergeschoß der sechs nicht zum Risalit gehörenden Gebäudeachsen zeigt.



      Bild 08

      Detailansicht des westlichen Gebäudedrittels.



      Bild 08a

      Detailansicht der östlichen Gebäudehälfte. Nebenbei bemerkt: Hier wurde offensichtlich in fast unmittelbarer Nähe einer christlichen Kirche der heidnischen 'Fortuna' gehuldigt und überdies in einem Gebäude, welches der Gemeinde gehörte... So etwas ist wieder einmal nur in Bremen möglich !



      Bild 09

      Eine der seltenen Aufnahmen, die alle neun Gebäudeachsen zeigt. Leider offensichtlich schon aus der Kriegszeit



      Bild 10

      Eine Luftaufnahme - ebenfalls aus der Kriegszeit - verdeutlicht, wie schmal das Gebäude war.



      Bild 10a

      Die ausgebrannte Ruine von Nr. 16-17 gegen oder kurz nach Kriegsende.



      Bild 11

      Ruinenlandschaft der Nachkriegszeit. Durch das Verschwinden von Nr. 16-17 ist das romanische Rundbogenportal in der Südwand des südlichen Querhauses der Kirche wieder sichtbar geworden. Ein Teil der ehemaligen Grundfläche von Nr. 16-17 wird von einer provisorischen Verkaufsbude eingenommen.



      Übrigens: Die ehemals in der Nr. 16-17 ansässige Firma der Schirmfabrik Rudolf Oertel gibt es bis heute, wie dieser kleine Dokumentarbeitrag von Susanne Brahms von Radio Bremen beweist. In diesem sind sogar von min 02:11 bis min 02:23 die Kirche und auch das Stammhaus von Oertel zu sehen...

      [\media]

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    • Haus Nr.18 - Das 'Zweigiebel-Haus'

      (Wohl aus Gründen der postalischen Vereinfachung erfolgten folgende Adressänderungen:
      Bis 1912: 'Ansgarikirchhof18'
      Ab 1912: 'An der St. Ansgarikirche 3'
      Ab 1930: 'Obernstraße 61')

      Das Haus Nr. 18 bestand eigentlich aus zwei bescheidenen Giebelhäusern die nicht in einer Fluchtlinie standen, sondern mit einem leichten Winkel aneinander grenzten. Anders als das benachbarte Nr. 16-17, welches einen schmalen Zwischenraum zum Baukörper der Kirche freiließ, war dieses Haus - insofern dem Uhrmacherhäuschen an der Nordseite ähnlich - direkt an die Außenmauer des Südschiffs angebaut. Es nahm die Breite des gesamten westlichsten Jochs des Letzteren ein und verstellte die unter Hälfte des großen Südfensters dieses Jochs. Das Gebäude erhielt - wohl in den 1920er Jahren im Erdgeschoßbereich eine Fassaden-Erneuerung, wobei große Schaufenster hereingebrochen wurden. Nutzer zu dieser Zeit war ein Laden für christliche Kunst und Literatur, eine - wie ich finde - recht adäquate Verwendung. Den Turmsturz hat das Haus noch unbeschadet überstanden. Den folgenden Bombenangriffen im Winter 1944/45 ist es dann aber zum Opfer gefallen.

      Bild 01

      Lage des Hauses Nr. 18 am Ansgarikirchof.



      Bild 02

      Das 'Zweigiebel-Haus' vor dem Fenster des westlichsten Jochs des südlichen Seitenschiffs.



      Bild 03

      Das 'Zeigiebel-Haus' nach dem Umbau der 1920er Jahre.



      Bild 04

      Auf diesem Luftbild erkennt man sehr deutlich, wie insbesondere das flache Verbindungsdach zwischen den beiden Satteldächern den unteren Teil des großen Südfensters des westlichsten Kirchenjochs verdeckt.



      Bild 05

      Diese Photographie vom Tage nach dem Turmsturz beweist, daß das Zweigiebelhaus wohl keine nennenswerten Schäden erlitten hat. Der Geröllberg, der die Obernstraße versperrt, türmte sich wohl erst in sicherem Abstand von dem Gebäude auf. Das Gerüst vor dem Haus, scheint schon zeitlich vor dem 1. September 1944 gestanden zu haben.



      Bild 06

      Auf dieser Ansicht (ebenfalls vom 2. September 1944), welche den Blick in die Obernstraße in Richtung Markplatz zeigt, kann man den noch unbeschadeten größeren der beiden Giebel erkennen, der sogar noch den runden Knauf der Giebelbekrönung trägt.

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    • Obernstraße Nr. 63 - Haus Köppe

      Dieses den Anschein eines Renaissance-zeitlichen Giebelhauses erweckende Gebäude, war tatsächlich das jüngste von allen Bauten am Platz und wurde erst 1924 knapp zwanzig Jahre vor der Zerstörung errichtet. Es entstand auf einer bis dato eingemauerten Brachfläche im Winkel zwischen Turm und Westwand des südlichen Seitenschiffes der Kirche. Erbauer und einziger Nutzer des Gebäudes war die Firma Köppe. Der einstürzende Turm zerschmetterte dieses anmutige kleine Haus am 1. September 1944.

      Bild 01

      Lage von Obernstraße Nr. 63 in Bezug zum Ansgarikirchof.

      (Dieses und alle von hier ab in diesem Themenstrang folgenden Häuser lagen nicht mehr am 'Ansgarikirchhof' im Adressen-mäßigen Sinn, auch wenn sie tatsächlich diesen Platz umstanden. Deshalb werden sie in den Karten mit grünen (und nicht wie die Häuser, die die Adresse 'Ansgarikirchhof' führten, mit roten) Ziffern belegt.)



      Bild 02

      Die leere, eingemauerte Fläche zwischen Turm und südlichem Seitenschiff von St. Ansgarii auf der 1924 das Haus Köppe enstehen sollte.



      Bild 03

      Luftbild von Obernstraße Nr. 63 mit der engeren Umgebung.



      Bild 04

      Luftbild des Hauses.



      Bild 05

      Ansicht des Hauses von Südosten. Links im Hintergrund einer der beiden Giebel des Gewerbehauses, des Sitzes der Bremer Handwerkskammer.



      Bild 06

      Adreßbucheintrag der Firma Köppe.



      Bild 07

      Briefkopf der Firma, mit Angabe der Adresse 'Obernstraße 63'.



      Bild 08

      Eine Firmenchronik aus der Nachkriegszeit bezeichnet das ehemalige Geschäftshaus an der Ansgarikirche als 'idyllisch gelgen'.



      Bild 09

      Ansicht der gesamten Häuserzeile an der Südseite der Kirche, inklusive der Nr. 63. Beim Betrachten dieses majestätischen, mehrteiligen 'Giebel- und Turmgebirges' wird einem geradezu schmerzlich bewußt, welche ein urbanes Juwel Bremen mit dieser vernichteten Platzgestaltung verloren hat und wie dringend nötig eine Rekonstruktion ausnahmslos aller dieser Gebäude wäre !


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    • Ansgaritorstraße 21 - Haus Ebeling

      Dieses Haus steht zwar nicht mehr direkt am Ansgarikirchhof, ragt aber dennoch optisch herrein und ist zudem neben dem Gewerbehaus das einzige Gebäude der historischen westlichen Begrenzung des Platzes, welches - wenn auch rudimentär - bis in die Gegenwart überlebt hat. Das Gebäude wurde kurz nach der Jahrhundertwende in Formen des Jugenstils erbaut und ersetzte damals ein älteres Giebelhaus. Den meisten Bremern ist der Bau heute als Domizil eines alten, ortsansässigen Schuhladens bekannt.

      Bild 01

      Lage von Ansgaritorstraße 21 in Bezug zum Ansgarikirchhof.



      Bild 02

      Links der Vorgängerbau am selben Ort und rechts das heute noch stehende Jugendstilgebäude.



      Bild 03

      Luftbild der westlichen Häuserzeile am Ansgarikirchhof. Das Haus Ebeling ist rot hervorgehoben.




      Bild 04

      Auf diesem Photo aus der Kriegszeit ist das Haus Ebeling direkt links neben der durch Bomben gerissenen Lücke in der Straßenzeile zu erkennen.



      Bild 05

      Diese Nachkriegsansicht zeigt das Haus Ebeling, welches seinen markanten Giebel eingebüßt hat, direkt nördlich des ehemaligen Einliegergebäudes der Lesehalle auf der gegenüberliegenden Seite der Ansgaritorstraße.



      Bild 06

      Das giebellose Haus Ebeling, eingeklemmt zwischen Nachkriegsbauten. Ein trauriges Bild. Ein wiederhergestellter Giebel würde hier schon viel zur Verbesserung des Straßenbildes beitragen.


      Bild 07

      Architekt Axel Spellenberg hat sich übrigens - im Zusammenhang mit dem Masterplan zu Ansgari-Viertel und Ansgari-Kirche - auch Gedanken über die Verbesserung der Situation am Hause Ebeling gemacht und schlägt eine Integration dieses Altbaus in ein größeres, neues Gebäude vor, das viele Elemente der Gestaltung des 'Ebeling' aufnimmt. Ein - wie ich finde - sehr schöner und bedenkenswerter Vorschlag !

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    • Herr "Pagentorn", ich mag ihre Hausgeschichten sehr, total nach meinem Geschmack! Nun interessiert mich aber, wie Sie sich dazu stellen würden:

      Falls die Ansgarikirche jemals rekonstruiert würde, sollte man dann die direkt an sie gebauten Gebäude Nrn. 16 - 18 und vor allem das erst(!) 1924 errichtete Haus 63 (siehe zweit- bis viertletzten Beitrag) ebenfalls rekonstruiert werden? Es gehört ja zum mittelalterlich anmutenden Bild einer gotischen Stadtkirche, dass sie nicht frei steht, sondern eben "zugebaut" ist. Dieses Bild ist heute den meisten natürlich unbekannt, weil das 19. Jahrhundert die Kirchen gern frei stellte. Die Problematik des "Freistellens" ist die, dass man den Urzustand der verdeckten Kirchenfassaden nicht kennt, und diese nur durch Analogien wiederhergestellt werden könnten. Eine Ausnahme ist natürlich das im letzten Bild dieses Beitrags sichtbar gewordene roanische Portal des südlichen Querhauses.
    • Sehr geehrter 'Riegel', vielen Dank für die freundliche Resonanz !

      In der Tat würde ich für die Rekonstruktion aller an die Kirche 'angelehnten' Bauten plädieren - ja, auch des 'Köppe'schen Hauses' - denn durch diese bauliche Rahmung, erhält das Gotteshaus recht eigentlich erst seinen ihm zukommenden Maßstab. Viele der seit dem 19. Jahrhundert freigelegten Kirchen wirken oft wie 'verloren' - das krasseste Beispiel hiefür ist sicherlich die arme Marienkirche in der Berliner Altstadt. Was Bremen angeht, so hat lediglich die Kirche Unser Lieben Frauen sich wenigstens noch einen kleinen Anbau erhalten können (nachdem das vor dem Nordturm dieser Kirche ehedem stehende Gebäude der Kirchspielsschule schon zur letzten Jahrhundertwende weichen mußte). Gerade dieser kleine Anbau trägt sehr viel zur Wirkung von 'ULF' bei. Bestimmt würden der St. Petri Dom und auch St. Martini noch wesentlich monumentaler erscheinen, wenn deren Gottesbuden nicht sämtlich beseitigt worden wären. Sie sehen also, meine Meinung zu der von Ihnen aufgeworfenen Frage ist klar. Und mal ganz ehrlich: wenn man sich das letzte Photo im Beitrag 16 (zum Hause Köppe) ansieht, mit den zwei hintereinander gestaffelten Giebelreihen, die wie Höhenzüge - oder bessere wie Alpenvorland und Hochgebirge - wirken, überragt von dem hochaufragenden, ehrfurchtgebietenden 'Ausrufungszeichen' des Turmes, der förmlich zu deklamieren scheint: 'Hier stehe ich für Bremen - wie eh und je - ich kann nicht anders'...., ja, dann wünscht man sich hier genau dieses Stadtbild zurück !
    • Es war nämlich genau dieses Bild, welches mich besonders beeindruckte und mich zum Verfassen des Beitrags veranlasste (ich sehe gerade jetzt, dass Sie schon da die ausnahmslose Rekonstruktion aller dieser Gebäude forderten)! Deshalb nochmals als Zitat dieses Bild. Die Rekonstruktion des gesamten Ensembles würde diese Kirche authentischer erscheinen lassen, als wenn man vor einer nigelnagelneuen, freigestellten Kirche stehen würde. Bei der Dresdener Frauenkirche ist das was anderes, da diese als freistehender Zentralbau konzipiert worden war.

      Pagentorn schrieb:

      Bild 09

      Ansicht der gesamten Häuserzeile an der Südseite der Kirche, inklusive der Nr. 63. Beim Betrachten dieses majestätischen, mehrteiligen 'Giebel- und Turmgebirges' wird einem geradezu schmerzlich bewußt, welche ein urbanes Juwel Bremen mit dieser vernichteten Platzgestaltung verloren hat und wie dringend nötig eine Rekonstruktion ausnahmslos aller dieser Gebäude wäre !