Litauen - Vilnius, Kaunas & das Memelland

    • Luxemburger schrieb:

      Willkischken wartet mit einem besonderen Überbleibsel auf - einem Kriegerdenkmal für die Gefallenen des 1. Weltkrieges, inklusive Eisernem Kreuz! Schön, dass sich so etwas erhalten hat!

      [...]

      "Herr, Du hast dem Volk allenthaleen (?) herrlich gemacht!"

      Sie haben überunnden (?) und ihr Leben nicht geliebt bis an den Tod!"
      Ich vermute fast, die Schrift ist mal von einer dem Deutschen nicht mehr so ganz mächtigen Person erneuert worden.
    • So ist es wohl.

      Luxemburger schrieb:

      "Herr, Du hast dem Volk allenthaleen (?) herrlich gemacht!"
      "Herr, Du hast dein Volk allenthalben herrlich gemacht."

      Aus der Luther-Bibel, Buch der Weisheit, wenn ich das richtig gefunden habe.

      Luxemburger schrieb:

      "Sie haben überunnden (?) und ihr Leben nicht geliebt bis an den Tod!"
      "Sie haben überwunden..."

      Letztere Aussage findet man (hier abgewandelt) in der Offenbarung des Johannes.


      Zu Willkischken eine sehr ausführliche Darstellung:
      Willkischken - GenWiki
      Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
      (Immanuel Kant)
    • Vielen Dank für die schnelle Korrektur, Vulgow.

      Kralle schrieb:

      Fährst du auch noch mal nach Ostpreußen rüber?
      Nun, mein nächster Beitrag wird tatsächlich ein kleiner Exkurs nach Ostpreußen sein, mit einer Fahrt "rüber" taten wir uns allerdings sehr schwer. Es gibt halt zu viele Probleme, z. B. durfte der Mietwagen nur in Litauen gefahren werden, außerdem fehlten uns das Russland-Visum ebenso wie schlichtweg die Zeit für einen weiteren Abstecher. Langfristig steht Ostpreußen genauso wie die Gegend um Danzig natürlich auf meiner Liste, dann aber mit eigenem Auto, gültigem Visum und genug Vorbereitungszeit. Die Exklave Kaliningrad ist zwar nochmal ein gutes Stück interessanter wie das Memelland (weil größer und bedeutendere Städte, Ordensburgen, etc.), sie ist allerdings meines Wissens nach auch deutlich heruntergekommener bzw. zerstörter. In Litauen (vor allem rund um Heydekrug) habe ich dagegen das Gefühl, dass man sich der deutschen Vergangenheit bewusst ist/wird und diese auch mit einer Art Stolz erhält. Ob das in Russland auch so ist, wage ich zu bezweifeln.
      Karl Marx 1818-1883 – Leben, Werk, Zeit
      Rheinisches Landesmuseum, Stadtmuseum Simeonstift & Karl-Marx-Haus Trier
      trier.de/karl-marx-jahr-2018
    • Im polnischen Teil Ostpreussens wird mittlerweile viel Wert auf das deutsche Kulturerbe gelegt. Als ich das letzte Mal dort war, hat man gerade das alte Lehndorff Schloss in Steinort begonnen zu sanieren. Das dortige ehemalige Jagdhaus wurde zwar abgetragen, aber mittlerweile in einem wunderbaren Hotelensemble der Familie Potocki (einigen hier im Forum vielleicht ein Begriff ;-)) saniert und wiederaufgebaut - kleiner Geheimtipp:

      zeit.de/2012/43/Polen-Gasthof-Galkowo

      oder

      polish-online.com/polen-ermlan…gestuet-renate-marsch.php

      Ein altes Stück Ostpreussen im Heute zum Wohnen und Genießen in situ:

      Jagdgut Galkowo



      Leider gibt es noch keinen Plan für das alte Stolberg Schloss in Dönhoffstädt, das einfach nur herrlich ist, aber der Eigentümer findet keinen Käufer.


      Auch die Anlagen der ehemaligen und noch sehr gut erhaltenen - im Gegensatz zur Wolfsschanze - Bunker und Gebäude des OKW in Mauerwald sind sehenswert.

      Auf jeden Fall eine Reise Wert!
      "Lieber Gott, schütze uns vor Dreck und Schmutz,
      vor Feuer, Krieg und Denkmalschutz!"

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Exilwiener ()

    • Das Memelland - Übermemel/Tilsit

      Nun, auch wenn wir kein Russland-Visum hatten, haben wir es uns natürlich nicht nehmen lassen, einen Blick auf Tilsit ("Sovetsk") zu werfen, welches von der litauischen Seite (Übermemel / Panemune) möglich ist. Architektonisch zwar nicht wirklich ein Hingucker, aufgrund des legendären Friedens von Tilsit 1807 trotzdem einen Umweg wert. Vor dem Krieg muss es dort sehr schön gewesen sein, leider wurden weder Rathaus noch Deutsche Kirche von Zerstörung und Abriss verschont. Es haben sich wohl noch einige Bürgerhäuser aus der Jahrhundertwende erhalten, vom anderen Memelufer erkennt man jedoch nur das südliche Brückentor der alten Königin-Luise-Brücke sowie ein kleines Fachwerkensemble direkt am Fluss.

      Die Königin-Luise-Brücke (1960) mit Brückentor (1907), wären die drei Hochhäuser nicht, wäre es zumindest ein einigermaßen erträglicher Anblick.




      So nah - und doch so weit weg..




      Wir sind sogar extra aus der EU ausgereist, um die Brücke betreten zu können. Aufgrund des fehlenden Visums mussten wir zwar in der Mitte wieder umkehren, gelohnt hat es sich irgendwie trotzdem. Dies hat aber wiederum zu Problemen bei der Einreise nach Litauen/in die EU geführt, da wir ja kein Visum für Russland hatten und uns keiner der Grenzbeamten so richtig abkaufen wollte, dass wir nur auf die Brücke wollten.. wäre die EU-Außengrenze nur überall so geschützt...




      Blick memelabwärts auf das Zentrum von Tilsit...







      ... und flussaufwärts in Richtung des 10 Kilometer entfernten Ragnit.




      Noch ein letzter Blick zur Brücke...




      Karl Marx 1818-1883 – Leben, Werk, Zeit
      Rheinisches Landesmuseum, Stadtmuseum Simeonstift & Karl-Marx-Haus Trier
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    • Ganz schön deprimierend, der Blick nach Tilsit.

      Eine Ansicht der Königin-Luise-Brücke und ihres großartigen, doppeltürmigen Portals vom russischen Ufer gesehen.

      Bildquelle: Wikimedia, Urheber 'Metastabil01', CC BY-SA 3.0

      Hoffentlich bereitet der offenbar erhebliche Schwerlastverkehr über die Brücke dem Bauwerk nicht Schäden.

      Eine großformatige Aufnahme von ein wenig näher

      "Ordensland - Tilsit" mit weiteren Informationen und schönen Bildern
      Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
      (Immanuel Kant)
    • Ja, ja, der Blick hinüber... Hier ist er noch zu erleben, auch heutzutage, da es (fast) nichts Unerreichbares mehr gibt. Heute ist in Laa an der Thaya eine Ausstellung über - Znaim, so als würde man diese Stadt nicht problemlos und völlig frei betreten können (sogar Tschechen sollen sich angesagt haben). Beinahe schwingt da etwas Nostalgie mit, etwas Sehnsucht an die Zeit, als Sehnsucht noch unerfüllt und daher Sehnsucht war. Irgendetwas fehlt uns heute. Wir sind zu frei geworden.

      Leider gibt dieser Blick nach Sovetsk nichts her außer der Sehnsucht nach längst Vergangenem. Da sein wir bei unseren seinerzeitigen Blicken über den Vorhang doch weit mehr auf unsere Rechnung gekommen!
      de.wikipedia.org/wiki/S%C3%BCd…g_Aussicht_Nikolsburg.jpg
      ... dass jeder troglodytischen Lebensart, beruht sie nur fest in sich selbst, etwas schlechthin faszinierendes eignet, überhaupt für solche, die einen Ansatz dazu schon besitzen und mitbringen, der dann nur noch einer gewissen Entwicklung bedarf. (HvD)
    • Das Memelland - Rucken & Plaschken

      Nach unserem kleinen Abstecher ans Memelufer folgen wir weiter der Straße in Richtung Heydekrug. Die nächste Ortschaft, die wir passieren, ist Pogegen (Pagegiai). Die Kleinstadt weist leider nur wenige erhaltene Bauten aus der Vorkriegszeit auf, da sie einerseits bei Rückzugsgefechten der Wehrmacht stark zerstört wurde, andererseits erst spät Bedeutung erlangte. Die hatte vor allem zwei Faktoren: Die Eröffnung der Kleinbahn nach Schmalleningken 1902 und die Errichtung des Landkreises Pogegen 1920 aus den Teilen der Altkreise Tilsit und Ragnit, die rechts der Memel lagen. So wurde z. B. die erste Kirche der Stadt erst 1933-38 errichtet.

      Da stand die Kirche des kleinen Nachbarortes Rucken (Rukai) schon fast ein halbes Jahrhundert. Diese befindet sich an einer kleiner Abzweigung an der Hauptstraße in Richtung Heydekrug, abseits des heutigen Ortszentrums. Da ich im Vorfeld Bilder der verfallenen Kirche auf Google Earth gesehen habe, war ich sehr überrascht eine intakte, weil 2011 frisch sanierte, Kirche vorzufinden.










      Ein gänzlich anderes Bild bietet sich im Nachbarort Plaschken (Plaskiai). Dieser zählt heute nur gut hundert Einwohner und ist über einen Lehmweg zu erreichen. Es wurde 1639 erstmals erwähnt, ab 1695 war es Kirchspiel. Die heutige Kirche wurde 1897 erbaut, da ihr Vorgänger für die Gemeinde zu klein geworden war. In der heutigen Zeit kaum vorstellbar. Der ruinöse Anblick schmerzt umso mehr, wenn man bedenkt, dass es noch viele weitere ehemalige Kirche in Ostpreußen gibt, die ein ähnliches Dasein fristen oder Krieg, Sowjetzeit oder den Zahn der Zeit nicht überlebt haben. Die einzige gute Nachricht ist, dass dies im litauischen Memelland die absolute Ausnahme ist, die restlichen mir bekannten Kirchen sind zumindest gesichert oder, oft mit deutscher Hilfe, restauriert worden. Dass dies bei der Kirche von Plaschken bisher ausgeblieben ist, liegt wohl am Standort, der weit ab vom Schuss ist.







      Noch erhaltene Umzäunungen der alten Gräber







      Oben im Kirchturm nisten mittlerweile Störche













      Grab für Otto Schulz ( * 26.02.1844, † 10.01.1887), Pfarrer in Plaschken.

      Karl Marx 1818-1883 – Leben, Werk, Zeit
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    • Das Memelland - Heydekrug I

      Heydekrug ist mit heutzutage etwas mehr als 20.000 Einwohnern die -nach Memel- größte Stadt des litauischen Memellandes. Mit Klaipeda teilt sie auch das Schicksal, nach der Abtrennung vom Deutschen Reich keinen an den alten Ortsnamen angelehnten neuen Namen, sondern mit Šilutė eine völlige Neukreation erhalten zu haben. Man muss an dieser Stelle jedoch Litauen auch zugute halten, dass dies bei 90% der alten Ortschaften nicht der Fall ist und dort der alte deutsche Name in anderer Form weiterbesteht.
      Nun zum Ort selbst: Dieser wurde 1511 erstmals erwähnt und geht, wie es der Ortsname vermuten lässt, auf einen alten Dorfkrug zurück. Obwohl dieser sich zum bedeutendsten Ort zwischen Memel und Tilsit entwickelte und ab 1818 Kreisstadt war, wurden die Stadtrechte erst 1941 von den Deutschen verliehen. Ende des 19. Jh. hatte Heydekrug ca. 800 Einwohner, in den 20ern waren es derer fast 5000. Im Zweiten Weltkrieg brannte zwar der Nachfolger des alten Dorfkrugs, das Hotel Germania, ab, u.a. blieben jedoch das Amtsgericht, die Herderschule, das Landratsamt, das Kreiskrankenhaus, das Postamt sowie die evangelische Kirche erhalten.


      Zu Fuß folgen wir die Tilsiter Straße / Prinz-Joachim-Straße (heute Lietuvininku Gatve) von Ost nach West.

      Die Bibliothek, an der Außenwand haben sich alte Reklamen erhalten. Vor 10 Jahren sah sie noch so aus.










      Ein dreistöckiger Gründerzeitler; eine Restaurierung wäre wünschenswert.




      Im Giebel kann man die Bezeichnung 'erb. 1910' erkennen.




      Das ehemalige Amtsgericht










      Die 1911 erbaute Feuerwache ist bis heute als solche in Betrieb, der Anstrich ist nichtdestotrotz gewöhnungsbedürftig.







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    • @Luxemburger
      Vielen Dank für die Bilder. Was die Ortsnamen betrifft ist es so, dass die Litauischen die ursprünglichen sind und nicht umgekehrt. Daher kommen die für deutsche Verhältnisse sehr komischen Namen (Stallupönen usw). Tilsit kommt vom Lt 'Tilse' oder ähnliches. Das Nördliche Ostpreußen ist auch als Klein Litauen gekannt und hier wurde bis 1700 oder später Litauisch gesprochen. Die Nazis haben Ende der 30er Jahren einige Städte deshalb umgetauft. Nach 1945 hätte Litauen Nordostpreußen bekommen können, so weit ich weiß haben die sich dagegen entschieden.

      Siehe auch de.m.wikipedia.org/wiki/Preußisch_Litauen
      Unsere große Aufmerksamkeit für die Belange des Denkmalschutzes ist bekannt, aber weder ökonomisch noch kulturhistorisch lässt es sich vertreten, aus jedem alten Gebäude ein Museum zu machen. E. Honecker
    • Die gewöhnungsbedürftige Farbe an der alten Feuerwache ist aber derzeit top-modisch, auch bei uns! Dieses wässrige Türkis kam vor ca. 10 Jahren auf, und ich bemerkte es an diversen neugestrichenen Historismus- und Jugendstilgebäuden, z.T. auch an Neubauten, sowohl in Berlin, als auch in Südbaden.
      Und Weiß plus diverse Graus sind momentan der letzte Schrei, vor allem bei Neubauten.

      @Däne: daß Stallupönen auf eine andere Sprache als Deutsch zurückgeht (vielleicht auch auf das verschollene Pruzzisch?), glaube ich sofort, aber Heydekrug? Wenn das erst ab 1500ff. überhaupt eine Ortschaft wurde?
    • Das Memelland - Heydekrug II

      Vielen Dank für die Korrektur, lieber Däne. Da Heydekrug eine deutsche Gründung war, gehe ich davon aus, dass dies der ursprüngliche Name war. Aus der bereits im 18. Jh. üblichen prussisch-litauischen Schreibweise Szillokarszmo (Silas = Heide; karcemo = Krug, Dorfgaststätte) wurde dann vermutlich nach der Abtrennung kurz Silute.

      Naja, wie dem auch sei. Das Gebäude mit dem größten Wiedererkennungswert ist sicherlich die evangelisch-lutherische Kirche. Mit ihrem Bau wurde 1913 im Deutschen Reich begonnen (geplant als Kaiser-Wilhelm-Jubiläumskirche) und konnte kriegsbedingt erst 1926 in der litauischen Republik fertiggestellt werden. Der 50 Meter hohe Turm der neogotischen Kirche ist weithin sichtbar. Im Gegensatz zu den bisher gezeigten Kirchen und Amtsgebäuden ist die Fassade weiß verputzt.

      Blick vom Vorplatz der gegenüberliegenden Feuerwache.




      Wir nähern uns langsam an...




      "Eine feste Burg ist unser Gott!" (Kirchenlied Luthers)




      "Das Wort sie sollen lassen stahn", eine Zeile aus o. g. Kirchenlied







      Sogar mit deutschsprachigem Aushang, vom Besichtigungsangebot konnten wir leider keinen Gebrauch machen...







      Im angrenzenden Park das Denkmal für Hermann Sudermann, der 1857 im benachbarten Matzicken geboren wurde. Das Denkmal selbst wurde in den 1990er Jahren nach Vorbild des alten, nach 1945 verschollenen Denkmals wiedererrichtet. Auffällig ist, dass als Inschrift der deutsche Name und nicht die litauische Übersetzung Hermanas Zudermanas verwendet wurde (welche allerdings als Tafel auf dem Boden liegt.




      Noch ein letzter Blick auf die wahrlich schöne Kirche...

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    • Das Memelland - Heydekrug III

      Ein paar letzte Impressionen aus Heydekrug...

      An der Fassade der ehemaligen Bücherei findet sich noch der alte Ortsname, was in Ostpreußen generell sehr selten ist.







      Ein sanierter Gründerzeitler




      Die Prinz-Joachim-Straße, Blick zurück in Richtung Kirche




      Das Gutshaus Adlig Heydekrug von 1818 wurde in den letzten Jahren vorbildlich renoviert. Im Innern befindet sich die Tourist-Info mit einer hilfsbereiten, deutschsprachigen Fremdenführerin. Davor das Denkmal für den Mäzen und Großgrundbesitzer Hugo Scheu, welches 1999 vom ansässigen Rotary-Club gestiftet wurde. Scheu gilt als Symbolfigur für die gute Beziehung zwischen Deutschland und Litauen.










      Die Gartenseite




      Ein paar Nebengebäude, die vermutlich kirchlich genutzt wurden/werden







      Im Gegensatz dazu herrscht am Fischmarkt ganz in der Nähe noch Sanierungsbedarf...




      Nur noch 47 Kilometer bis Memel...

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    • Das Memelland - Ruß

      Der Ort Ruß (Rusne) ist vor allem bekannt, da sich dort die Memel in ein Delta verzweigt, bevor sie ca. 15 Kilometer später ins Kurische Haff mündet. Auch aufgrund der verkehrsgünstigen Lage war die Gemeinde bereits um 1500 Verwaltungssitz für die Orte der näheren Umgebung. Noch Mitte des 19. Jh. war Ruß an der Memel mit rund 2.500 Einwohnern der größte Ort im Kreis Heydekrug, aufgrund des Eisenbahnbaus verlor Ruß jedoch an Attraktivität. Die wohl schon 1419 errichtete und damit älteste Kirche des Memellandes brannte Ende des 18. Jh. aus und wurde bis 1809 wiederaufgebaut. Sie kam vergleichsweise gut durch den Zweiten Weltkrieg, was man auch daran sehen kann, dass sie bis zur Schließung durch die Sowjets auch weiterhin für Gottesdienste genutzt werden konnte. Danach verfiel sie jedoch, wurde aber schon 1994 wiedereröffnet. In der Ortslage haben sich noch ein paar Holzhäuser erhalten, das alte Rathaus wurde in der Sowjetzeit übel umgestaltet und das Pfarrhaus sowie die Schule stehen auch noch. Das, was ich davon gesehen habe, war aber leider nicht so berauschend, dazu gesellte sich die ein oder ander Platte, sodass ich vom eigentlichen Ortskern keine Bilder habe und mich von der Kirche direkt zum Fluss begeben habe.










      Die Memel teilt sich in ihre Mündungsarme, links Atmath, rechts Skirwieth.







      Der litauische Grenzstein, im Hintergrund der Nachfolger der 1944 gesprengten Petersbrücke über die Atmath.




      Die Skierwieth und der kleine Hafen von Ruß.




      Zum Abschluss noch ein Panorama der Verzweigung. Rechts, auf der anderen Flussseite gelegen, befindet sich der nördlichste Zipfel vom Oblast Kaliningrad. Früher befand sich dort das Gut Brionischken, welches verwaltungstechnisch schon zum Kreis (Elch-)Niederung gehörte. Heute kann man höchstens noch einen Beobachtungsturm der Grenztruppen erkennen.

      Karl Marx 1818-1883 – Leben, Werk, Zeit
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