Litauen - Vilnius, Kaunas & das Memelland

    • Litauen - Vilnius, Kaunas & das Memelland

      Schon seit längerem spiele ich mit dem Gedanken, einen Galeriestrang über Litauen zu eröffnen. Einerseits, weil ich das Land aufgrund seiner Geschichte und des wechselnden Einflusses der umliegenden (Groß-) Mächten (im Besonderen natürlich Preußen/Dt. Orden, aber auch Russland und die poln.-litauische Union zwischen 1569 und 1795) sehr interessant finde, andererseits weil ich seit Mitte letzten Jahres auch genug eigene Bilder habe, um es in einem angemessenen Rahmen zu präsentieren.

      Nachdem wir in den letzten Jahren bereits Tallinn und Riga besucht haben, war es eigentlich nur logisch, auch der übrig gebliebenen baltischen Hauptstadt einen Besuch abzustatten. Da jedoch das Memelland sowie die Kurische Nehrung eine große Anziehungskraft auf uns hatten, entschieden wir uns, den Städtetrip zu einer in Eigenregie geplanten zehntägigen Rundreise auszuweiten. Diese führte uns schließlich von Vilnius über Kaunas, weiter an der Memel entlang über Silute (dt. Heydekrug) bis nach Klaipeda (dt. Memel). Von dort aus haben wir Ausflüge bis nach Nida (dt. Nidden) sowie Palanga unternommen, bevor wir zum Berg der Kreuze und von dort wieder zurück nach Vilnius gefahren sind.

      Diese wenigen Sätze aus dem Reisetagebuch, ab jetzt folgen Bilder. Ich hoffe es gefällt :)


      P. S. Ich habe mich bewusst dazu entschieden, das Land in einer einzigen Galerie vorzustellen, da ich so am besten den zeitlichen und räumlichen Zusammenhang darstellen kann. Zur Übersichtlichkeit folgt natürlich ein

      Inhaltsverzeichnis

      • folgt
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      Karl Marx 1818-1883 – Leben, Werk, Zeit
      Rheinisches Landesmuseum, Stadtmuseum Simeonstift & Karl-Marx-Haus Trier
      trier.de/karl-marx-jahr-2018
    • Kaunas - Das Burgviertel

      Unser erster Stopp ist Kaunas, mit 310.000 Einwohnern zweitgrößte Stadt des Landes. Verkehrsgünstig am Zusammenfluss von Neris und Memel gelegen, wurde die litauische Burg erstmals 1361 erwähnt. Diese wurde in den Litauerkriegen mehrmals vom Deutschen Orden zerstört, jedoch immer wieder aufgebaut. 1408 erlangte die Stadt das Magdeburger Stadtrecht, 32 Jahre später wurde ein Hansekontor eröffnet. Seit dem 16. Jahrhundert war es ein bedeutendes jüdisches Zentrum, noch Anfang des 20. Jahrhunderts lag der Anteil der Bevölkerung bei über einem Drittel. Zwischenzeitlich an Russland gefallen, wurde es zwischen den Weltkriegen die provisorische Hauptstadt Litauens, da die traditionelle Hauptstadt, Vilnius, von polnischen Truppen besetzt war. Heute besitzt die Stadt eine sehr gut erhaltene Altstadt sowie mit dem Vilniaus Gatve eine zweieinhalb Kilometer lange Fußgängerzone, an dem sich ein historisches Gebäude an das nächste reiht.

      Die Burg Kauno Pilis wurde übrigens zu Sowjetzeiten rekonstruiert, in den 1950ern sah sie noch so aus.




      Aus einer anderen Perspektive




      Die St. Georgskirche




      Im Innern




      Weitere Eindrücke aus dem angrenzenden Viertel







      Das Priesterseminar




      Weiter geht's mit dem Rathausplatz...
      Karl Marx 1818-1883 – Leben, Werk, Zeit
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    • Kaunas - Der Rathausplatz I

      Der Rathausplatz ist das historische Zentrum der Stadt. Er ist - bis auf eine kleine Ausnahme - noch komplett erhalten. Den Mittelpunkt bildet das namensgebende alte Rathaus von 1542, welches wegen seines 53 Meter hohen Turmes und der weißen Fassade im Volksmund auch Weißer Schwan genannt wird. Heute beherbergt es ein Standesamt.
















      Die Südseite wird von der Jesuitenkirche (1720 erbaut) und dem angeschlossenen Jesuitengymnasium dominiert. Bei der letzten Renovierung wurden der Dachstuhl des Gymnasiums sowie die historische Farbgebung rekonstruiert, bis vor kurzem war die Kirche noch komplett weiß.







      Weitere Eindrücke von der südlichen Platzseite.




      Die südwestliche Ecke ist modern bebaut worden. Ob bzw. was hier vorher stand weiß ich nicht. Wirklich auffallen tut dies jedoch zum Glück nicht, da die Ecke von den meisten Standpunkten aus vom Rathaus verdeckt wird oder der Blickwinkel sein Übriges tut (siehe vorheriges Bild). Schade ist's trotzdem.




      Die Westseite ist als einzige nicht durchgehend mit Bürgerhäusern bebaut, hier reihen sich mit dem Bischofspalast und der Dreifaltigkeitskirche zwei große Einzelbauwerke mit eigenen Innenhöfen nebeneinander.







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    • Kaunas - Der Rathausplatz II

      Die Nord- und Ostseite des Rathausplatzes bilden mittelalterliche Kaufmannshäuser, die einzeln betrachtet größtenteils eher unspektakulär sind, als Ensemble aber dennoch überzeugen.

      Die Nordseite zunächst als Panorama




      Einzelne Häuser an der Nordseite







      Die alte Apotheke, heute ein Museum










      Die Ostzeile, eingerahmt von Dom und Jesuitengymnasium













      Und zu guter letzt...

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    • Kaunas - Der Rathausplatz III

      Das Perkunashaus, direkt südlich an den Rathausplatz anschließend, ist ein Meisterwerk der Spätgotik. Im 15. Jahrhundert als Hansekontor erbaut, wurde es anschließend viele Jahrhunderte lang von den Jesuiten genutzt. Seinen Namen erhielt es durch den Fund einer Wandmalerei im Innern, die angeblich den baltischen Donnergott (lit.=Perkūno) darstellen soll. Die im oberen Teil üppig verzierte Fassade wurde aus 16 (!) verschiedenen Ziegelarten erbaut.







      Gegenüber befindet sich die Vyautaskirche, welche um 1400 errichtet wurde. Für damalige Verhältnisse monumental, sollte sie die vergleichsweise spät christianisierten Litauer beeindrucken.




      Im Norden des Rathausplatzes, schon teilweise am Vilniaus gatve gelegen, befindet sich die Kathedrale St. Peter und Paul. Um 1410 wurde mit dem im Kern gotischen Bau begonnen, die äußere Gestalt hat sich seitdem jedoch auch aufgrund von Krieg- und Brandschäden immer wieder verändert. Die reiche barocke Ausstattung zeugt vom früheren Reichtum der Stadt. Der 41 Meter hohe Glockenturm ist jedoch eher schlicht gehalten. Sie ist Bischofskirche des Erzbistums Kaunas und hat den Rang einer Basilica minor.
















      Und nochmal in etwas besserer Qualität...


      von Diliff (Eigenes Werk) [CC BY-SA 3.0 (creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0) oder GFDL (gnu.org/copyleft/fdl.html)], via Wikimedia Commons



      von Zairon (Eigenes Werk) [CC BY-SA 4.0 (creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)], via Wikimedia Commons
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    • Kaunas - Die Vilniaus Gatve

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      Der Vilniaus Gatve (Vilniusser Straße) ist die zentrale Straße der Altstadt. Früher war sie der Beginn der Handelsstraße nach Vilnius, heute ist sie Fußgängerzone und Einkaufsstraße. Die alte Bausubstanz ist noch komplett erhalten, jedoch auch von Verfall geprägt. Zum Glück wurde und werden die teilweise aus dem 16. Jh. stammenden Bürgerhäuser in den letzten Jahren sukzessive gesichert und restauriert.

      Wir beginnen an der Ecke zum Rathausplatz, linke Hand liegt die im letzten Beitrag vorgestellte Kathedrale.




      Der Block aus der entgegengesetzten Richtung







      Dieses gotische Haus wurde bereits zu Sowjetzeiten restauriert.













      Ein erster Blick zurück




      Hier wäre eine Restaurierung dringend notwendig.







      Das ehemalige Dominikanerkloster, beim genauen Hinsehen erkennt man noch den Schriftzug "Garnison-Kirche". Die Fassade wurde seitdem wohl auch nicht mehr erneuert.




      Ein letzter Blick zurück in Richtung Rathausplatz

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    • Kaunas - Die Neustadt

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      In der Neustadt finden sich - so wie es der Name schon vermuten lässt - vorwiegend Gebäude aus dem späten 19. und frühen 20. Jh. Die zentrale Achse bildet hierbei die Laisves aleja (Freiheitsallee) als Verlängerung der Vilniusser Straße. Endpunkte der beiden Straßen bilden der bereits vorgestellte Rathausplatz im Westen und die Kirche des Erzengels Michael im Osten, dazwischen rund zweieinhalb Kilometer Fußgängerzone mit vielen Cafés, Restaurants und Bars.

      Die historische Präsidentur Litauens war in der Zwischenkriegszeit Regierungssitz der Ersten Litauischen Republik.




      Nicht weit entfernt davon liegt die Choral-Synagoge (1871). Der neobarocke Bau ist die letzte erhaltene von ehemals 25 Synagogen und Betstuben in der Stadt.




      In einem Hinterhof versteckt sich die kleine Gertrudenkirche aus dem 15. Jh. Ein Abriss konnte Ende der 1980er Jahre glücklicherweise verhindert werden.





      von Diliff (Eigenes Werk) [CC BY-SA 3.0 (creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0) oder GFDL (gnu.org/copyleft/fdl.html)], via Wikimedia Commons


      Nicht weit entfernt ein Überbleibsel der Stadtbefestigung




      Das Musiktheater von 1891.




      Ein interessanter Bau ist das gegenüberliegende Hauptpostamt von 1932.

      Am Ende der Allee befindet sich die neobyzantinische Kirche des Erzengels Michael. Sie wurde ursprünglich als russisch-orthodoxe Militärkathedrale erbaut. Unter den Sowjets zwischenzeitlich als Kunstgalerie genutzt, ist sie mittlerweile katholisch geweiht.




      Leider befindet sie sich äußerlich in einem schlechten Zustand, in Deutschland würde man sicherlich von einem "Schandfleck" sprechen.







      Der Unabhängigkeitsplatz, der Klotz rechts ist ein Museum für moderne Kunst.




      Und ein Blick zurück zur Freiheitsallee, welche übrigens von fast 600 Linden gesäumt wird.

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    • Kaunas - Zaliakalnis

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      Zaliakalnis ist der Höhenstadtteil von Kaunas, der rund 50 Meter über der Stadt thront. Erreichen kann man ihn mit einer der Standseilbahnen, welche in Litauen sehr populär sind. Neben der Standseilbahn in Zaliakalnis gibt es noch eine weitere in Kaunas-Aleksoto und in Vilnius. Diese hier ist jedoch die älteste und wurde 1930/31 von der Firma Curt Rudolph aus Dresden errichtet. Die Strecke ist 142 Meter lang und hat eine maximale Neigung von 25,9%.




      Oben angekommen erblickt man die monumentale Christi-Auferstehungskirche. Diese wurde von 1932-40 erbaut als Denkmal des unabhängigen Litauen erbaut, finanziert aus Spenden der Bevölkerung. 2005 wurde schließlich auch im Innern vollendet. Der 70 Meter hohe Turm kann bis zum Erreichen der Panoramaplattform auf dem Dach bestiegen werden.







      Der moderne Innenraum, noch 2002 sah es hier so aus.




      Und ein paar Etagen höher...







      Blick über die Neustadt; unten die Bergstation der Standseilbahn, in der Mitte die Kirche des Erzengel Michaels.




      Blick in Richtung Altstadt




      Hat schon was, bei schönem Wetter natürlich noch mehr...

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      Gute Galerie. War leider noch nie im Baltikum, wie ich von der ehem. UdSSR nur die Westukrainie (vor allem Lemberg, das ein ganz anderes Kaliber ist) betreten haben. Abseits der Glanzlichter dürfte der kulturelle Raubbau sehr stark gewesen sein. Bei dieser Ausführlichkeit können wir uns schon auf Wilna freuen, der wahrscheinlich schönsten Stadt des Baltikums.
      Kaunas selbst wirkt sehr eigenartig. Das sehr kleinstädtische (andererseits durchaus reizvolle) Ambiente kommt bei Regen wahrscheinlich ein wenig trostlos rüber. Die Stadt ist natürlich ungleich besser erhalten als zb Zeitz, dennoch sehnt man sich irgendwann nach den dortigen architektonischen Glanzlichtern.
      ... dass jeder troglodytischen Lebensart, beruht sie nur fest in sich selbst, etwas schlechthin faszinierendes eignet, überhaupt für solche, die einen Ansatz dazu schon besitzen und mitbringen, der dann nur noch einer gewissen Entwicklung bedarf. (HvD)

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      Tallin auch, aber ich lasse mich trotzdem von Wilna nicht abbringen, schließlich bin ich 100% objektiv, da ich von allen drei Städten gleich wenig Ahnung habe.
      ... dass jeder troglodytischen Lebensart, beruht sie nur fest in sich selbst, etwas schlechthin faszinierendes eignet, überhaupt für solche, die einen Ansatz dazu schon besitzen und mitbringen, der dann nur noch einer gewissen Entwicklung bedarf. (HvD)
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      Noch zwei Anmerkungen:

      Kaunas wirkt tatsächlich von der Qualität der Baudenkmäler etwas kleinstädtisch, vor allem abseits des Rathausplatzes. Wie schon weiter oben beschrieben ist die Ensemblewirkung von Reiz. Ob das bei gutem Wetter besser wird weiß ich nicht, da , gerade wenn die Sonne draufscheint, die Makel an den Fassaden noch mehr zur Geltung kommen.

      Da ich - im Gegensatz zu Ursus - schon das Glück hatte, in allen drei baltischen Hauptstädten gewesen zu sein, versuche ich mich mal an einer halbwegs objektiven Bewertung, ohne Reihenfolge (da die zugegebenermaßen schwierig ist, da jede Stadt reizvoll, aber nicht makellos ist).

      Tallinn:
      + gut erhaltene mittelalterliche Stadtbefestigung, reizvolle Lage mit Ober- und Unterstadt, Olaikirche, Rathaus und Kaufmannshäuser
      - Kriegszerstörungen südlich des Rathausplatzes, außerhalb der Altstadt nicht besonders sehenswert, verbauter Zugang zum Meer (durch Linnahall und Fährhafen), Hochhäuser in Altstadtnähe

      Riga:
      + großes Jugendstilviertel, Schwarzhäupterhaus, beeindruckende Einzeldenkmäler und Plätze, Lage an der Düna
      - durch Kriegseinwirkungen Verlust von viel Originalsubstanz in der südlichen Altstadt, Radisson Blu Hotel

      Vilnius:
      + komplett erhaltene, 360 ha. große Altstadt mit fast 1500 denkmalgeschützten Gebäuden, viele barocke Kirchen, nur sehr, sehr vereinzelt moderne Architektur, anscheinend keine Kriegszerstörungen
      - oft "nur" durchschnittliche Architektur, teilweise stark historistisch überformt

      Insgesamt spürt man, dass Tallinn nordeuropäisch und hanseatisch beeinflusst wurde, Vilnius eher osteuropäisch bzw. polnisch und Riga sowohl hanseatisch/deutsch als auch osteuropäisch.
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