Bremen - Umbau- und Renovierungsarbeiten in der östlichen Vorstadt

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    • Bremen - Umbau- und Renovierungsarbeiten in der östlichen Vorstadt

      Ich war mal wieder mit der Kamera in der östlichen Vorstadt unterwegs. Es folgen ein paar gemischte Bilder zum aktuellen Geschehen dort. Zunächst zwei bereits gezeigte Bremer Häuser, deren Renovierung jetzt vollendet ist. Das erste ist leider ein Beispiel, welches typisch für Bremen die Chancen, die sich ergeben haben, konsequent nicht nutzt und nun den Charme eines Siedlungsreihenhauses von 1988 bekommen hat:

      Vorher war es ein übles, verklinkertes Bremer Haus, welchem das gesamte Dachgeschoss fehlte (wohl Kriegsschaden?) und das nur ein Flachdach aufwies. Auf dem Foto war es bereits aufgestockt und die alten Fensterproportionen unten wiederhergestellt:



      Nun renoviert zwar besser, aber weit unter den Möglichkeiten einer solchen Renovierung:



      Das zweite Beispiel hatte ich auch schon gezeigt, es ist nun fertig und insgesamt als gelungen zu bezeichnen: Klinker weg, horizontalisierte Fenster weg und im Stile des Hauses aufgestockt, dabei vorsichtig wiederbestuckt. Viel mehr ist hier leider nicht zu erwarten:

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    • Ein zweites großes Thema im Viertel ist das alte Klinikgelände des Klinikums Bremen-Mitte. Das alte, extrem unwirtschaftliche Pavillon-System wird zugunsten eines Teilersatzneubaus aufgegeben und sehr viel Fläche, teils bebaut, teils unbebaut, freigegeben zur Wohnbebauung. Das ganze firmiert unter dem Arbeitsnamen Hulsberg-Quartier.

      Hier eine abfotografiert Umgebungskarte:

      Der blau umrandete Bereich wird auch zukünftig zum Kliniksgelände gehören und enthält v.a. den Neubau und die alte Klinik für Innere Medizin, einen Klinkerbau aus den 1910er Jahren.

      Die grün umrandeten Gebäude stellen architekturhistorisch relevante Gebäude dar und sollen erhalten blieben (links unten die unten erwähnte Kinderklinik).

      Die rot umrandeten Gebäude sind ebenfalls historisch, ihr Schicksal ist aber ungewiss.



      Zum neuen und alten Hauptgebäude der Klinik, der Inneren Medizin (rechts unten auf der Karte): Diese hatte ein sehr schönes expressionistisches Eingangsportal, das so aussah:



      Nach einem Bombentreffer wurde es als typisches 50er-Jahre-Provisorium wiederaufgebaut:


      Dieses wiederum ist nun im Zuge der Bauarbeiten ebenfalls abgerissen worden und eine "moderne Interpretation" des Ursprungszustandes gebaut worden, die visualisiert so





      und, fast fertig, in natura nun so aussieht:



      Ich bin geneigt, den Jetztzustand milde zu bewerten, auch da der Eingang nun der neue Haupteingang zur Klinik wird und die eine Tür im Original doch zu klein gewesen wäre und natürlich nicht behindertengerecht. Warum nun heller Beton und nicht das Originalmaterial gewählt wurde, keine Ahnung.

      Als letztes noch die erst im letzten Jahr und auf vielfachen Protest im Rahmen der Bürgerbeteiligung gesicherte Kinderklinik (vorher Abrisskandidat), ein regional- und zeittypisch (frühe 1920er Jahre) zwischen Backsteinexpressionismus und neuer Sachlichkeit changierender Zweckbau, der aber doch einen ganz eigenen, strengen Charme hat und zu Wohnungen umgebaut werden soll. Bemerkenswert sind die horizontalen Fenstergliederungen als erster Gruß der Moderne:



      Alles bei schlechtem Wetter nochmal ne Nummer trister, aber ich hoffe trotzdem, es hat gefallen.
    • Und wieder eine kleine Runde durch die östliche Vorstadt:

      In der Lessingstraße zeigt sich, wie gut die Wiederherstellung zumindest der Proportionen einer Bremer Hausfassade einem ganzen Ensemble tun können. Zunächst der Vorzustand, mangels Fotos via googleearth:

      Link zu GoogleEarth

      Hier sieht es nun so aus:



      Das zweite Haus von vorne hat seine alten Proportionen wiederbekommen (und hat leider ein WDVS bekommen), beim Haus vier weiter hinten ist nur der schreckliche Vorbau weggekommen, die Spaltriemchen übermalt worden und eine bescheidene Wiederbestuckung der Fensterumrahmung erfolgt. Zumindest eines der Fenster ist bereits ersetzt worden, weitere werden wohl folgen.

      Und schon sieht der Straßenzug ganz nett aus.

      Es folgt ein heißer Kandidat für eine Wiederherstellung der Fassade (die -wer weiß?) vielleicht sogar noch hinter der billigen vorgeklatschten Kunststoffassade schlummert. Man fragt sich wieder und wieder, was die Leute geritten hat damals. Und ich könnte ganze Galeriebeiträge mit derartig verunstalteten Häusern füllen, tlw. ganze Straßenzüge. Ich verstehe es einfach nicht:



      Für diesen belanglosen, überdimensionierten Schrott (6 Stockwerke in Bremen!) ist erst letztes Jahr ein etwas runtergekommenes, aber intaktes, großes Bremer Haus abgerissen worden (in etwa dem rechts angeschnittenen entsprechend). Solche Nachrichten sind zwar selten geworden, aber dass es sie überhaupt noch gibt, ist einfach schlimm:



      Das wärs ersma.

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    • So, das Wetter ist heute deutlich besser und der Onkel war nochmal unterwegs in der östlichen Vorstadt. Es werden auch noch Erweiterungen der Galeriestränge erfolgen, fürs Erste gibt es aber nur ein paar Fotos zum Thema Renovierung/Wiederherstellung von Bremer Häusern:

      Das erste Bild aus der sonst sehr schönen Braunschweiger Straße zeigt hier drei Bremer Häuser. Links angeschnitten die aufgestockt-verklinkerte Hassvariante, wie sie immernoch vielfach vorkommt und auch vielfach von mir dokumentiert wurde.

      In der Mitte eigentllich das gleiche, nur wurde hier mit einer Renovierung begonnen: Die alten Fensterproportionen wurden zuungunsten des "horizontalisierten", breiten Fensters wiederhergestellt, wie die fehlenden Spaltriemchen zwischen den neuen Wohnzimmerfenstern zeigen. Auch die Haustür hat wieder die Ausmaße ihrer Nachbarin rechts. Rechts davon ist ein nicht verhunztes Haus angeschnitten, es gibt keinen Grund anzunehmen, dass die beiden linken Häuser nicht mal genauso aussahen. Es bleibt zu hoffen, dass die Eigentümer des mittleren Hauses weitergehen auf ihrem Pfad und die Fassade komplett überholen und im Idealfall wiederbestucken (warum sie sich für diese seltsame Mischung aus Holzfarbe und schwarzgrau bei den Rahmen entschieden haben, bleibt aber wohl ihr Geheimnis):



      Der Vorzustand ist hier zu erahnen (hinter dem Busch):



      Das nächste Foto zeigt eine prachtvolle wiederhergestellte Westfassade eines Hauses in der Heidelberger Straße: Leider ist der Vorzustand mit einer vorgeklebten grauen PVC-Klinkerimitatfassade auch bei Google StreetView nurmehr zu erahnen (weil das Haus verpixelt wurde), aber Ihr könnt mir glauben, der Istzustand ist eine 300%ige Verbesserung gegenüber vorher:



      Als letztes ein Haus in der Mozartstraße, welches ich schon länger "auf dem Kieker" habe, weil es als einziges im weiten Umkreis noch unrenoviert war. Es war bis vor einigen Jahren noch bewohnt, wohl von den letzten Resten der Hausbesetzerszene (?), die einen gewichtigen Anteil daran haben, dass es das Viertel und die Straße überhaupt noch gibt. Genau durch die Mozartstraße sollte nämlich die aufgeständerte Mozarttrasse geführt werden, vier Spuren Verkehrshölle und drumherum ordentlich "Flächensanierung". Gottseidank wurde das Projekt 1974 gegen den erbitterten Widerstand der Handelskammer, der CDU und der Architektenkammer gestoppt, nachdem innerhalb weniger Monate die Stimmung innerhalb der SPD gekippt war:



      Ich habe mit einem der Bauarbeiter gesprochen, das Haus soll erhalten werden (meine Sorge waren Abrissvorbereitungen). Die abgerissene Veranda soll wiederhergestellt werden und die Fassade behutsam renoviert werden. EIn WDVS o.ä. ist gottseidank nicht geplant. Der Zustand muss grauslich gewesen sein, der gesamte Dachstuhl ist vergammelt, es hat jahrelang reingeregnet, man geht wohl nicht fehl in der Annahme, dass dies das erste Mal seit weit vor dem zweiten Weltkrieg ist, dass in dieses Haus investiert wird.

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    • Und noch eine frisch beendete Sanierung: Dieses für die bremische Version des ausklingenden Historismus sehr typische Eckhaus an der Lüneburger Straße wurde hochwertig saniert. Das einzig Unstimmige ist das Dach des Eckerkers, hier vermute ich eine verloren gegangene Turmspitze, zumindest aber eine etwas anspruchsvollere Gestaltung. So oder so aber ein absoluter Gewinn:

    • Ja, müsste man mal auf die Suche gehen... kann aber durchaus auch was Einfacheres gewesen sein. Ich werde mal stöbern...

      Und gleich noch eine erfreuliche Nachricht aus der Ilsenburger Straße in der Östlichen Vorstadt (im Prinzip um eine etwas weitere Ecke von dem oben abgebildeten Haus). Hier wurde eines der schrecklich horizontalisiert renovierten Häuser wieder in den Ursprungszustand zurückversetzt, eine sich doch langsam zu einem Trend entwickelte Korrektur einer der entstellendsten "Renovierungsformen" aus dem Gruselkabinett der 60er Jahre-Sanierungen:

      Hier der Vorzustand:



      Und hier der Zustand aktuell:



      Man sieht die offenkundige Wertminderung dieser Form von Umgestaltungen noch am direkten Nachbarn.... wahrscheinlich auch ein Beispiel für den Dominoeffekt - wenn ein Besitzer erstmal mit diesem Blödsinn begonnen hatte damals, mussten es die anderen auch machen. Die Östliche Vorstadt ist noch recht weitgehend verschont geblieben von diesem entstellenden Sport, in anderen Gegenden sind ganze Straßen so "umgekippt". Aber das Gute ist, diesen Effekt gibt es auch umgekehrt, nun beginnen ausgelöst durch einzelne gelungene Renovierungen auch die Nachbarn in ihre Häuser zu investieren.

      Trotzdem erscheint mir auch bei diesem Beispiel keine echte Wiederherstellung der alten Proportionen vorzuliegen, die Fenster im ersten Stock wirken auf mich zu niedrig. Immer ärgerlich, wenn eine im Prinzip richtige Entscheidung, die auch mit erheblichem finanziellen Aufwand einhergeht, dann nicht gleich ganz richtig gemacht wird, sondern auf halbem Wege stecken bleibt. Hier in Bremen fehlt einfach eine verbreitetere Expertise im Umgang mit diesen Häusern, jeder macht ein bisschen so, wie er kann. Man kann wohl nur im Osten wirklich alles haben bei Altbausanierungen...
    • Heinzer schrieb:

      Trotzdem erscheint mir auch bei diesem Beispiel keine echte Wiederherstellung der alten Proportionen vorzuliegen, die Fenster im ersten Stock wirken auf mich zu niedrig. Immer ärgerlich, wenn eine im Prinzip richtige Entscheidung, die auch mit erheblichem finanziellen Aufwand einhergeht, dann nicht gleich ganz richtig gemacht wird, sondern auf halbem Wege stecken bleibt. Hier in Bremen fehlt einfach eine verbreitetere Expertise im Umgang mit diesen Häusern, jeder macht ein bisschen so, wie er kann. Man kann wohl nur im Osten wirklich alles haben bei Altbausanierungen...
      Es wäre natürlich zu hinterfragen, ob das zweite OG nicht eine Aufstockung darstellt oder die Ursprungshöhe nicht doch, wie bei den anderen Häusern in der Straße, niedriger war. In diesem Fall wäre es so eine Sache mit den alten Proportionen, der Rückbau eines ganzen Geschosses wäre vom Hausesitzer wohl nur schwerlich erwartbar, auch mit einem "überausgebauten" Dachgeschoss mit überdimensionierten Gauben wie bei den Nachbarn wäre der Raumverlust nur unzureichend auszugleichen.
      Denkbar wäre aber noch ein vormaliges Mezzaningeschoss, bei Bremer Häusern aber sehr selten. Hier wären die neuen Fenster aber nicht zu niedrig sondern zu hoch. Mezzaninfenster sind entweder als ein breiteres liegendes Rechteck ausgeführt (ggf. durch zwei kleinere quadratische Fenster nebeneinander dargestell) oder aber ein dem Quadrat angenähertes stehendes oder liegendes Rechteck (ggf. auch dargstellt durch zwei kleineren nebeneinanderliegende hochformatige Fenster, die zusammen ein Quadrat bilden).
      "Schönheit wird die Welt retten" - Dostojewski

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    • Das zweite OG stellt sogar sicher eine Aufstockung dar, die aber kein Problem ist, denn es gibt auch viele original 3-geschossige Bremer Häuser, dass das 2. OG dann etwas kleinere Fenster und eine niedrigere Geschosshöhe hatte, war sogar normal. Und eine gut gemachte Aufstockung ist immer besser als die billigere Riesengaube, die hier leider auch sehr verbreitet ist. Der Flächenhunger ist gerade in den sehr beliebten Stadtteilen einfach groß und die Häuser eben klein.

      Mein "Problem" liegt im ersten OG, welches original dieselbe Geschoss- und Fensterhöhe wie EG/Hochparterre hatte. Nun ist auch noch das Foto sehr unglücklich, da es das Gerüst unmöglich macht, die echte Fensterhöhe einzuschätzen, insofern werde ich da demnächst einfach nochmal vorbeigehen müssen.

      Vielen Dank für die Rückmeldungen, ich werde weiter berichten.
    • Durch das Viertel zieht sich gerade eine ganze Welle von Wintergartenrekonstruktionen. Diese für Bremer Häuser typischen Wintergärten hatten in den 60er und 70er Jahren einen harten Stand und wurden entweder einfach abgerissen und die Fläche zu einer Art Terrasse (hat die Feuchtigkeitsprobleme im Souterrain oft noch verschärft) oder als Wohnzimmererweiterung genutzt, was aber zu einer deutlichen Verdunklung der Erdgeschosszimmer geführt hat.

      Hier mal ein Beispiel, wie man es nicht machen sollte:



      Mit erheblichem Aufwand wurde hier zuvor der alte gelbe Klinker abgeschlagen - ich war schon großer Hoffnung -, dann aber eine Dämmung vor das Souterrain gesetzt und dieses mit noch hässlicheren Spaltriemchen wiederverkleidet. Da hilft auch die hilflose Imitation des Musters der angrenzenden Veranden nichts mehr, a lost case. Auch der sonst lobenswert und gut gemachte/angepasste Wintergarten (vorher war hier gar nichts) geht in dieser Gestaltung des Souterrains leider ein wenig unter. Warum wird so etwas gemacht?

      Abgesehen von der fragwürdigen farblichen Gestaltung des Hauses hier ein weiterer Wintergarten, der gerade wiederaufgebaut wird:



      Die bereits oben gezeigte Reihe von Häusern in der Hildesheimer Straße hat im letzten Jahr immerhin 3 wiederhergestellte Wintergärten bekommen. Warum der Besitzer des mittleren Hauses, der es sonst extrem geschmackvoll saniert/wiederhergestellt hat (ehemals gelb verklinkert mit verkleinerten Fenstern) nun mit seiner anthrazitfarbenen Veranda aus der Reihe tanzen muss, verstehe ich hingegen weniger. Insgesamt aber trotzdem eine schöne Entwicklung.



      Ich bin jetzt auch dabei, die verloren gegangenen Fotolinks wiederherzustellen, ein Anfang ist in den Galerien gemacht, falls jemand Lust hat, reinzuschauen.

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    • Schick das Bild doch mal dem Eigentümer Heinzer, vielleicht kennt er den Ursprungszustand gar nicht so genau...
      Mitunter beruhen solche Entscheidungen ja auch auf Unwissen.
      Basis guter Architektur nach Vitruv:
      Schönheit ۩ Nützlichkeit ۩ Stabilität
      Schönheit wird von zu vielen Architekten ignoriert.