Visualisierung vs. Realität

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Visualisierung vs. Realität

      Liebe Forensiker,

      uns alle hat dieses Thema schon einmal beschäftigt und es tauchte in vielen einzelnen Forenbeiträgen auf: die Diskrepanz zwischen anfänglich veröffentlichten Visualisierungen von Bauprojekten, deren Veränderung während der Umsetzung und dem Endprodukt der Baumaßnahme. Bisweilen wurde sehr analytisch und mit viel Hintergrundwissen vorgegangen.
      Um nun eine Sammlung und evtl. auch ein stichfestes Mittel gegenüber zukünftiger Argumentationen zu haben, möchte ich hier gern Beiträge generieren. Meine These würde nämlich lauten, dass Bauprojekte in Dresden gern mit falschen Vorraussetzungen angegangen werden und alle später vor meist schlechteren visuellen Ergebnissen stehen. In der Sammlung kann man damit durchaus das Stadtplanungsamt geballt konfrontieren und evtl. auch etwas Staub aufwirbeln. (In der BILD *schauder* Zeitung war das sogar schon einmal Thema - ich hätts gern etwas stichfester und weniger populistisch)
      Diese Sammlung sollen Bauprojekte erfassen, die von den Visualisierungen abweichen, und wenn das Wissen dazu vorhanden ist, gern auch die Erklärung dazu liefern. Oder auch die eigene Einschätzung. Genauso können aber auch Projekte eingefasst werden, die in der Frage "Visu gegen Realität" in besonderer Art gut abschneiden - ungeachtet des eigenen ästhetischen Anspruchs.
      In gewisser Weise könnte man hier sogar jedes einzelne Bauprojekt von der ersten Visualisierung bis zum Resultat begleiten und dieses hier danach in einem eigenen Beitrag posten.

      Also fühlt euch frei und viel Spaß.




      *die Karikatur wurde freundlicherweise von `Stadtbildd-das Korrektiv` zur Verfügung gestellt
    • Da fällt mir so dann sofort das von der Max Wießner GmbH geplante Viertel zwischen Ufer- und Hafenstraße ein.

      Oder die miese Umsetzung des Hauses an der Frauenkirche 22 am Neumarkt im QIII/1, von der sich sogar der Architekt Wörner später distanzierte.

      neumarkt-dresden.de/image1/quartier3/woerner.jpg
      "We live in the dreamtime-Nothing seems to last. Can you really plan a future, when you no longer have a past." Dead Can Dance - Amnesia

      "Why not reinventing something from the past, something combining, nature and art." Lebanon Hanover - Fall Industrial Wall
    • Um was für Bauvorhaben soll es hier eigentlich gehen? Falls sich diese nämlich nicht allein auf Dresden konzentrieren - was ich für sinnvoll halte - sollte der Strang aus dem Dresden-Forum verschoben werden.
      Wahre Baukunst ist immer objektiv und Ausdruck der inneren Struktur der Epoche, aus der sie wächst. Ludwig Mies van der Rohe
    • Ich hatte vorrangig Dresdner Baugeschehen im Blick. Wobei ich den Beitrag von snitch sehr treffend finde - es ist genau das, was ich gemeint habe. Sehen wir es als Beispiel. So erfährt man hier auch mal, dass es woanders doch noch sehr viel schlimmer kommen kann.

      Ein Beitrag aus Dresden kommt ja sicher auch. Wie zum Beispiel JETZT.


      Das Kulturkraftwerk Mitte - kurz: KKM



      Ich hab bereits schon im KKM Strang darauf hingewiesen, dass ich mit der Umsetzung des Entwurfs nicht wirklich zufrieden bin und dass es Enttäuschungen beim Betrachten gibt. Ganz besonders auffallend ist eben die angesprochenen Technikaufbauten, welche den Gesamteindruck doch ganz schön ins negative drückt. Und weit schlimmer finde ich, dass man das durchaus vermeiden kann/könnte. Ob das nun an fehlenden Mitteln oder Streichungen liegt, finde ich daran zweitrangig, bzw. nur eine Ausrede. Denn diese Technik scheint ja notwendig - also kann man sie doch als Architekt gleich bei der Planung mit einbeziehen - und nicht alles den Bauingenieuren überlassen.
      Aus dieser Perspektive sieht man auch, dass auf dem Hauptturm/Hauptwürfel etwas fehlt: ein/der Staffelaufsatz/Quadratkuppel/Dach. Ein für mich doch sehr ästhetisches Element, was dem Bau sehr gut getan hätte. Weil es das Gebäude nach oben verjüngt und es einen Höhenunterschied zu den anderen Gebäudequadern darstellt - welcher die Gleichförmigkeit etwas auflockert und ansprechender für das Auge macht.

      Insgesamt ist dieses Projekt eigentlich eines der Wenigen in dieser Stadt, welches ich gut zu verteidigen finde und wo ich sagen kann, dass es durchaus meinen persönlichen Rückhalt hat. Allein diese kleinen (vermeidbaren) Details, die das Gesamtbild stören, lassen mich nicht zu 100% mit der Umsetzung des KKM warm werden.

      URTEIL

      Visualisierung: 9 von 10 Punkten
      Umsetzung: 5 von 10 Punkten

    • Bist du sicher, dass das auf der Visualisierung ein zurückgesetzter Aufsatz auf dem Bühnenturm des TJG's sein soll?

      Meiner Ansicht nach handelt es sich vielmehr um eine perspektivische Überschneidung der Bühnentürme von TJG und Operette, wobei Letzterer im Hintergrund den im Vordergrund überragt und dadurch den Eindruck eines zusätzlichen Aufsatzes erweckt. Für mich handelt es sich hier also um keine Planungsänderung, sondern vielmehr um eine optische Täuschung.
      Wahre Baukunst ist immer objektiv und Ausdruck der inneren Struktur der Epoche, aus der sie wächst. Ludwig Mies van der Rohe
    • bilderbuch schrieb:

      Meiner Ansicht nach handelt es sich vielmehr um eine perspektivische Überschneidung der Bühnentürme von TJG und Operette, wobei Letzterer im Hintergrund den im Vordergrund überragt und dadurch den Eindruck eines zusätzlichen Aufsatzes erweckt.
      Das kann natürlich auch sein - würde sich auch mit der Visualisierung auf dem Bauschild decken, wo dieser "Aufsatz" auch nicht zu sehen ist. Wenn dem so ist, und das scheint auch so zu stimmen, dann ist die Visu eeeeeeecht ganz schön gepatzt. Zumal der hintere Turm in real ja nun wirklich nicht in diesem Maße den vorderen überhöht. Auf die Schnelle würd ich sagen, da sind beide gleichgroß, was aus dieser Perspektive der Visualisierung nicht zu einem so deutlichen Höhenunterschied führen kann. So gesehen: weiß nur der Grafiker. :cool:

      Kann natürlich auch sein, dass der unnatürliche Standpunkt des Betrachters der Visu irritiert und deswegen meine Fehlinterpretation raus kommt. Was ja wiederum auch gern mal eine Schwäche von Visualisierungen ist: falsche oder verzerrte Perspektive bei unmöglichen Betrachterstandpunkten.

      Würde in dem Fall aber nichts an meiner Einschätzung ändern: so ein "Aufsatz" hätte dem Würfel gut getan - hätt man ja die Technik drin unterbringen können. ;)
    • Wie es der "Zufall" so will, ist heute in der SäZ (leider online nur in der Exklusiv-Version) ein Artikel von Lars Kühl dazu erschienen. Er versteift sich da zwar eher auf die verwirklichten Einkaufszentren, aber im Kern trifft er genau das, was schon sehr lange Thema unter uns und auch den Dresdnern (wenn auch weniger offensiv) ist.
      Kopfschütteln erzeugt die mittlerweile symptomatische Reaktion der Politik dazu: Arme hochreissen, "wir wussten von nix", können nichts dran ändern, die bösen Vorschriften (die man ja als Mandatsträger ändern könnte), usw... Ich weiss nicht, ob es das Versagen oder das Desinteresse unserer Amtsinhaber dokumentiert, aber es zeigt, dass wir von "denen" allein nicht viel zu erwarten haben und deswegen eine Einmischung und konstruktive Kritik und Zuarbeit wichtiger denn je sind und werden.

      Der Artikel ist dazu eins der wenigen öffentlichen Anzeichen, dass der Focus sich langsam verengt und das Thema keine Nische mehr von Meckerern und Schwarzmalern ist - denn die bewahrheiten sich leider allzu oft. Deswegen: Jetzt ist die Zeit sich noch mehr reinzuhängen und was zu bewirken!

      "Erst staunen, dann Bauklötze" Artikel heute, Mittwoch, 13.07.2016 in der Sächsischen Zeitung, Dresdner Teil, Printausgabe
    • RobBerg schrieb:

      Kopfschütteln erzeugt die mittlerweile symptomatische Reaktion der Politik dazu: Arme hochreissen, "wir wussten von nix", können nichts dran ändern, die bösen Vorschriften (die man ja als Mandatsträger ändern könnte), usw...

      Als Lokalpolitiker kann man an diesen Vorschriften leider wirklich nichts ändern. Insofern ist es immerhin ein gutes Zeichen, dass den "Bauexperten" im Stadtrat eine mit wirklichen Experten besetzte Gestaltungskommission zur Seite gestellt wird. Das hat in einigen Städten bereits vieles zum Positiven verändert.
      Wahre Baukunst ist immer objektiv und Ausdruck der inneren Struktur der Epoche, aus der sie wächst. Ludwig Mies van der Rohe
    • Prager Carree - ehem. Wiener Loch

      Der visuelle "Echteindruck" des Baukomplexes kurz vor seiner Fertigstellung hält sich doch arg mit Begeisterung zurück. Und obwohl ich meine Hand ins Feuer gelegt hätte, weicht der Bau nicht so sehr von der Visualisierung ab, wie ich mir das vielleicht sogar gewünscht hätte - nur um zu sagen: "HA! - Seht ihr!". Nichtsdestotrotz gibt es einiges zu erwähnen:

      Die Front ist doch weniger luftig gelungen, als dass es uns die Visu vorgemacht hat. Die vermauerten Flächen sind größer und breiter, als man anhand der Visu hätte ausmachen können. Das führt dann dazu, dass das "Fassaden/Rechteck-Band" etwas zurück tritt und dessen Wirkung fast verpufft. Was ich persönlich schade finde, da es noch das einfallsreichste Element der Gestaltung an diesem Baukomplex war. Ebenso wurde die Fensteraufteilung verändert - was aber wohl an den Zuschnitten der Wohnungen gelegen haben wird und manchmal eine notwendige Maßnahme darstellt. Ansonsten ist die Schaufassade nahezu der Visualisierung entsprechend umgesetzt worden, was dem optischen Eindruck aber dennoch wenig schmeichelt.



      Die Fassade zur Prager Straße hingegen ließ schon in der Visualisierung keine wirkliches Highlight erkennen und so wurde sie auch umgesetzt: schlicht, glatt, anspruchslos, unruhig und unkreativ. Die zu erkennenden Bäume in der in der rechts abbiegenden Seitenstraße zwischen dm und dem Carree zeigt Bäume, welche bis heute aber kein Bestandteil dieses Wegezuges sind - ich hoffe wirklich, dass diese noch kommen.
      Und besonders bemerkenswert an der Visualisierung dieser Blickrichtung ist eigentlich, dass man die Technikaufbauten doch tatsächlich angedeutet erkennt. Aus der Perspektive mögen sie vielleicht wirklich nicht zu sehen sein, fehlen sie doch aber auf der Draufsicht komplett.



      Auf der Draufsicht nämlich sieht man von derlau Aufbauten und auch diesen wunderschönen Grünteppichen garnichts. Auch bei den Gebäuden drumrum ist die Flachdachebene so wunderbar ausgegrünt. Ein offenes "wir wollen das so" der Umweltbürgermeisterin, welches unter anderem diesen Flachdachideologismus fördert, schreibt nämlich solche Begrünung vor. Wie das umgesetzt, bzw. so ganz und garnicht umgesetzt wird, wird mal ein anderes Thema sein, was ich noch angehen möchte.
      Wichtig auch in Richtung des Pfeiles zu sehen, wo ein erheblicher Teil des gestalteten Innenhofes, der mit riesiegen Toren abgesperrt wird, mit Technikbauten (wohl für die TG) versehen ist. Das ist aber schön zu sehen, wenn man da mal vorbeiläuft und in den Hof reinschaut. Man muss da nicht mal reingehen, das kleine "Trafohaus" ist nicht zu übersehen (allerdings wurde mir das fotografieren mal schnell vom Bauleiter untersagt)

      p.s.: es ist auch in der Draufsicht-Visu kein Baum in der hinteren Nebenstraße auszumachen