die richtige Farbwahl eines Jugendstilhauses

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    • die richtige Farbwahl eines Jugendstilhauses

      In diesem Sommer steht ein neuer Anstrich dieses alten Jugendstilhauses von 1902 an.



      Die alten Holzfenster blieben erhalten und wurden von innen durch ein zusätzliches doppelverglastes Fenster gedämmt. Das Fenster rechts im 1. Stock wurde vom Vorbesitzer durch ein Kunststofffenster ohne Sprossen ersetzt. Das Fenster soll auch wieder durch ein Holzfenster ersetzt werden. Die Sprossen habe ich nach altem Vorbild des Vorgängerfensters provisorisch aufgeklebt.

      Doch weiß ich noch nicht, wie ich die Fassade streichen soll. Ein einfarbiger Anstrich (alles Altweiß) wäre am einfachsten und sicher nicht verkehrt, doch wäre es sicher sehr schön, einen zweifarbigen Anstrich aufzubringen, oder?
      Auf jedenFall sollen es helle Farben werden. z.B. hell sandfarben und Altweiß für den Stuck.
      Mit GIMP habe ich mal etwas rumgespielt (natürlich nicht perfekt) aber es soll ja auch nur zur Anregung dienen:

      Erst mal die glatten Flächen in heller Sandfarbe:


      Dann die Verzierungen in Altweiß, Die drei Blüten über dem Erdgeschoßfenster in hellrosa mit einem goldenen Punkt in der Mitte und die Krone über dem Eingang ebenfalls mit Goldfarbe:


      Dann noch das Wappen oben am Giebel in Gold:


      Was meint Ihr? Wäre das zu viel des Guten? Wie würdet ihr das Haus streichen?
    • Danke für den Tipp. Ist der Gründerzeitler eher im Stil der Renaissance? Ich dachte zuerst immer an Jugendstil. Du meinst, die ursprüngliche Farbwahl (hellgrau und dunkles altweiß) wäre am besten?
      Es stimmt schon, zu helle Farben lassen die Ornamente undeutlich erscheinen. Außerdem werden sehr helle Fassaden schneller schmutzig, bzw. man sieht den Schmutz schneller.
    • Zuerst sollte man vielleicht die Fenster in einem dunklen Farbton (z.B. grün) streichen. Danach kann ein gelblich-sandfarbener Anstrich der Fassade sicher gut wirken.

      Du kannst ja auch mal dieses sehr schematische Dokument zu Rate ziehen:

      bauhandwerk.de/download/244454/Farbenkunde_historisch.pdf
      Wahre Baukunst ist immer objektiv und Ausdruck der inneren Struktur der Epoche, aus der sie wächst. Ludwig Mies van der Rohe
    • Danke für den interessanten Link. Den kannte ich noch gar nicht.
      Die Fenster in dunkelgrün?


      Etwa so? Sieht auch nicht schlecht aus. Ich glaube die Farbe für dunkelgrüne Türen und Fenster ist die Bootsfarbe. Die hat auch einen schönen Glanz.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Kaiser Karl ()

    • Bitte, bitte bitte... mach doch eine farbhistorische Untersuchung, wenn noch so viel Originalsubstanz da ist! Das muss ja nicht durch einen unbezahlbaren Kirchenrestaurator erfolgen. Ich würde diesbezüglich die Denkmalpflege anfragen. Evtl. würden sie sich an den Kosten beteiligen.

      Zur Farbigkeit:

      Zu helle Töne würde ichfür die Architekturelemente nicht nehmen, weil sie dann unsichtbar werden. Es sei denn, dass du für den Verputz eine dunkle Farbe verwendest. Dieses Schema - helle Architekturelemente auf dunklem Grund - war eine Mode in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts. Ist aber für dieses Jugendstilgebäude eher atypisch.

      Bevor du dich aber mit dem Farbton beschäftigst, solltest du dich zuerst entscheiden, welche Elemente denn zusammengehören. Auf der ersten Abbildung sind die Kontraste ein bisschen zu stark. Aber auf dieser Aufnahme werden zwei Dinge sichtbar: der mit Quadern eingefasste Giebel im Bereich 2. OG/DG erdrückt die unteren Geschosse, resp. er schwebt in der Luft oder baumelt über dem Rundbogenfenster. Dasselbe gilt auch für die Verdachung über dem Hauseingang.

      Der Bereich um die beiden Rundbogenfenster scheint noch den originalen Verputz mit einer Quaderimitation zu besitzen. Ich denke, dass diese ursprünglich im gleichen Ton wie die Sandsteinelemente gestrichen waren, allenfalls ein bisschen heller. Beim restlichen Verputz (KIeselwurf?) sieht man nicht, ob es der ursprüngliche ist oder ein jüngerer.

      Bei dunkel gestrichenen Fenstern geht das feine Sprossenbild verloren. Bei den Gründerzeitbauten waren dunkle Töne die Regel, nicht aber bei Jugendstilgebäuden. Auch hier unbedingt die älteren Farbschichten untersuchen und dokumentieren!

      Die Blüten, Krone und Wappen können durchaus einen Farbton erhalten, aber auf keinen Fall zu grell!
    • Vielen Dank für die Informationen. Ich werde, wenn das Gerüst steht, die obersten Farbschichten abkratzen um nachzuschauen was darunter ist. Bei den Fenstern hatte ich mal eine Stelle bis aufs Holz abgeschliffen. Das Holz war dunkel, fast Mahagoni gebeizt. Die unterste Farbschicht, also die älteste, war bereits weiß.
      Bei der Fassade werde ich noch nachschauen müssen.
    • So stelle ich mir das Haus nach einer kurzen Pinselrenovation mit Photoshop vor:





      So wie der Türsturz "schwebt", ist das auch beim Fenstersturz im Giebelfeld der Fall. Möglicherweise war das ursprünglich schon so. Ich denke kaum, dass man mit Farbe zusätzlich noch Architekturelemente zum Schein aufgemalt hatte, die diese Stürze "trugen".
    • Als Laie mit Schönheitsempfinden finde ich diesen Anstrich bisher am schönsten:



      Das Dachfenster würde ich allerdings weiß belassen. Die Ranken unterm "Balkon" würde ich auch grün
      streichen in der Farbe der Fenster und das Gold auf jeden Fall so wie hier zu sehen einsetzen.

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von Henry ()

    • Riegel schrieb:

      So stelle ich mir das Haus nach einer kurzen Pinselrenovation mit Photoshop vor:


      Riegel hat meiner Meinung nach richtig erkannt, dass der rustizierte Teil des Erdgeschosses die gleiche Farbe tragen sollte wie die Fenstergewände und die Mauerung um das Stockwerk des Giebels. Nur bei dem Mintgrün bin ich mir nicht so sicher. Vielleicht eher wieder in grau/weiß?
    • Wirklich ein wunderschönes Haus das du da hast! Allerdings ist es, wenn man nicht weiß wie die umgebenden Häuser aussehen, mmn ziemlich schwierig die passenden Farben zu finden (Das Haus soll ja auch hinterher einigermaßen in die Umgebung passen).

      Da ich persönlich ein Freund von etwas farbenfroheren Häusern bin, reiche ich mal folgenden Vorschlag ein:
    • Vielen Dank für die vielen tollen Anregungen. Es macht Spaß mit den Farben ein wenig rum zu spielen. Das ist sozusagen die Phase der Farbfindung :)

      Die Nachbarhäuser sind nicht so berauschend. Zur Rechten ein ähnliches Haus, das vom gleichen Architekten zur gleichen Zeit gebaut wurde. Zur linken ein wärmegedämmtes Haus ohne Stuck. Auf die Wärmedämmung wurden Styroporprofilleisten geklebt, um ein wenig die Fassade zu "verschönern" aber naja.... Jedenfalls wurde es erst vor wenigen Jahren gestrichen und überall ist die Fassade schon durch Moos verdreckt. Liegt bestimmt an der dicken Wärmedämmung




      @Bohnenstange:
      meinst du so?
    • Kaiser Karl, erstmal: Kompliment für Ihr schöned Haus!
      ich an Ihrer Stelle nähme die Farbgebung des von Ihnen selbst eingestellten zweiten Fotos, würde aber das dunkelgrau noch weiß akzentuieren (also: helle Sandfarbe, dunkelgrau und weie Umrahmungen).
      Ist natürlich Geschmackssache, aber auf irgendwelche kräftigen Farbtöne verzichtete ich lieber.
      Viel Spaß beim renovieren!;-)
    • Hallo, ich habe mich auch mal daran versucht. Ich finde, dass bis auf das Ornament oben im Giebel das Haus wenig von der blumigen Leichtigkeit eines Jugendstilhauses hat. Ohne dieses Ornament mit dem weiblichen Maskaron wirkt es eher gotisch bzw französisch im Flamboyant-Stil. Die Stuckteile würde ich in einem rötlichen Sandstein-Farbton streichen und die glatten Rücklagen in einem sandig-gelben Ton, der wie naturbelassener Sandputz aussieht. Die Fenster könnten in weinrot sehr schön aussehen. Allerdings würde ich sie seidenmatt streichen und nicht glänzend, weil man dann nicht jede Unebenheit sieht. Außerdem wirken die Fenster dann eher wie Teile der sandsteinfarbenen Fassade und damit wie gotisches Maßwerk eines stattlichen Bürgerhauses. Vielleicht findet die Idee ja Gefallen :thumbsup:
    • Diesen letzten Vorschlag finde ich jetzt toll! Das ist auch eine Farbgebung, wie sie vor gut hundert Jahren typisch war. Im Jugendstil (in der Schweiz wird der Begriff "Gründerzeit" nicht verwendet, sondern für Bauten bis etwa 1900 Historismus, und danach Jugenstil) waren die normalen Bauten in dezenten Farbtönen gestrichen, und nur in Ausnahmen mal grell; vor allem wenn es sich um Bauten handelte, die in Verbindung mit Kunst standen. Süssliche Farben wie Rosa oder Lila kenne ich für diese Zeit nicht, ebenso auch nicht hell/weiss gestrichene Architekturglieder. In keinem der Vorschläge sind die Fenster dunkelgestrichen, was eine Übereinstimmung all deiner "Farbberater" bezeugt. :)

      In welche Richtung schaut die Fassade? Falls wenig Licht auf die Hausfront fällt, sei es durch Nordostlage oder Alleebäume, dürfen die Farben ruhig ein bisschen, aber wirklich nur ein bisschen, leuchtender ausfallen.
    • Für sich genommen wirken die meisten der hier vorgestellten Farbgebungsvarianten sehr schön und gelungen.

      Man muß aber unbedingt die Nachbarschaft berücksichtigen. Neben einem solch knallig roten Gebäude, wie es zur Linken von Kaiser Karls schönem Hauses steht, würden Grün- oder Rosatöne einfach ganz schrecklich aussehen.


      Überhaupt verursacht das Nebeneinander von kräftigem Grün und intensivem Rot bei empfindlichen Personen Schwindel, Übelkeit und Kopfschmerz und steht bei langfristiger Einwirkung auf die Augen unter dem Verdacht einer cancerogenen Wirkung. Das ist wissenschaftlich fast erwiesen ;)
      Deshalb: zu Risiken und Nebenwirkungen von Grün/Rotkombinationen: fragen Sie Ihren Maler oder Restaurator.

      Mir gefällt die Variante von Werderhof am besten. Sie nimmt die Warmtonigkeit des Nachbarhauses auf, ohne im Kontrast dazu zu stehen, ist jedoch stilgerecht zurückhaltend, zudem faßt sie die verschiedenen Gliederungselemente der Fassade schön zusammen, betont jedoch zugleich die Einzelheiten.

      Interessant aber an insgesamt allen Beispielen zu sehen, wie unterschiedlich ein Gebäude nur durch die Farbwahl wirken kann.
    • Wow, die letzten beiden Visualisierungen finde ich sehr gelungen. Die Fassade ist genau Richtung Norden ausgerichtet. Den vorletzten Entwurf finde ich fast ein bißchen schöner,als den Letzten, aber die Innenfenster sind in weiß gestrichen, daher würde das Dunkelrot der Außenfenster zu sehr im Kontrast dazu stehen. Wären die Innenfenster nicht und stünde der Giebel nicht direkt Richtung Norden, wäre der Anstrich sicher der beste. Der letzte Vorschlag ist heller und auch die Fenster sind weiß gehalten. Daher würde ich fast den als Favoriten auswählen.