Neubau des Hauptgebäudes der Uni Leipzig

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    • Danke für die Information, aber aufregendes scheint da ja nicht zu passieren. Die beiden Gebäude (das abgerissene sowie das neue) scheinen sich nicht wesentlich zu unterscheiden. Warum also der Abriss? Wird das schmale Gebäude auch abgerissen (da wo früher NewYorker drin war)? Noch sieht es nicht danach aus. Dieses finde ich ja um Längen abrissfälliger als das schon bearbeitete Haus. Naja...
    • Interessanter Bericht in der LVZ: http://www.lvz.de/aktuell/content/160770.html\r
      www.lvz.de/aktuell/content/160770.html

      Kurz zusammengefasst - der Architekt des Unigebäudes sowie der Paulineraula am Augustusplatz van Egeraat möchte, dass Mauercafe, Milchtöpfe und Tiefgarageneinfahrt verschwinden, damit die neuen Bauten besser wirken können und der Platz insgesamt an Aufenthaltsqualität gewinnt. Ich finde diese Idee ausgezeichnet. Aus heutiger Sicht kann man die Umgestaltung des Augustusplatzes Ende der 90er Jahre getrost als eine der größten städtebaulichen Fehleistungen des letzten Jahrzehnts in Deutschland bezeichnen. Mit dem Neubau der Uni besteht vielleicht die Chance, dass nun noch einmal Bewegung (wie schon nach unmittelbarer Fertigstellung) in diese Angelegenheit kommt.
    • Wirklich interessanter Artikel. Aber folgt man den Worten van Egeraats, so scheint es, als wolle er die Zufahrten komplett überarbeiten. Diese kostenschwere Eingriffe wird doch sehr wahrscheinlich keiner finanzieren wollen.

      Einem Platz ein Gesicht zu geben, ohne dass man den Körper drumherum sieht ist sowieso vollkommen dämmlich. Schon damals hab ich es überhaupt nicht verstanden, wie jemand ein Arrangement erstellen kann, welches blind mit späteren Bauten harmonieren wird.

      :x
    • In der Dezemberausgabe der Washington Times stand ein hochinteressanter Artikel über den Wiederaufbau der Paulinerkirche drin.


      Es ist immer noch nicht klar, ob die Universitaet und die Stadt sich fuer dieses Design entscheiden oder nicht doch fuer eine weitere seelenlose modernistische Sruktur der Art, wie sie Deutschland seit dem Zweiten Weltkrieg ueberall verschandelt.
      Es wird interessant sein zu beobachten, welche der beiden deutschen Seiten sich durchsetzen wird. Werden es die Funktionalisten sein, die von der Geschichte der Nation beschaemt zu sein scheinen, insbesondere der christlichen Geschichte, der sie aus politischen Gruenden keine Verdienste zuschreiben koennen? Oder wird es jene fluegge gewordene Bewegung sein, die versucht, die Deutschen daran zu erinnern, dass ihre Geschichte aus mehr besteht als aus Hitler?
      Wie der Komponist Krzysztoff Penderecki sagt, “Eine solche Debatte waere unmoeglich in Polen.” Nun ist Leipzig nicht in Polen, obwohl Polen und Sachsen waehrend ihrer architektonischen Bluete im 18. Jahrhundert beide unter der Herrschaft Koenig August des Starken standen.
      Um eine lange Geschichte kurz zu machen, Leipzig liegt im Herzen Deutschlands, einer Nation, welche geradezu hysterisch mit einem Identitaetskampf beschaeftigt ist, ein Kampf, der mit jeder weiteren Generation mehr und mehr unaufrichtig erscheint. Um es mit den Worten Tanias, der bulgarischen Absolventin der Universitaet Leipzig, zu sagen, “degeneriert zu einem Feigenblatt aus Mittelmaessigkeit und schlechtem Geschmack.”


      Der ganze Artikel, der vom Webmaster der Paulinerkirche ins Deutsche übersetzt wurde.
      http://f15.parsimony.net/forum25088/messages/5047.htm\r
      f15.parsimony.net/forum25088/messages/5047.htm

      Originalquelle: http://www.washtimes.com/upi-breaking/20041213-070316-7002r.htm\r
      www.washtimes.com/upi-breaking/2 ... -7002r.htm
    • Über Sinn und Chance von Wiederaufbauten

      Hier einige wenige Zitate aus Friedrich Dieckmanns gerade erschienenen, höchst lesenswerten Essay "Erneuerung und Erbe. Über Sinn und Chance von Iterationen" (SINN UND FORM, 2005, Zweites Heft, S. 276 - 282):

      "Heilen ist, auf Architektur bezogen, ein Anthropomorphismus und insofern nicht das richtige Wort. Aber auch die Stadt ist ein Organismus, und wie man Städte verwunden und bis zur Unkenntlichkeit beschädigen kann, so kann man sie auch heilen, durch Neubauten und durch Wiederaufbauten des kulturhistorisch und städtebaulich Unersetzlichen. Es an den Brennpunkten der Stadt- und Architekturgeschichte wiederherzustellen bedeutet ja nicht, die Wunden zu leugnen und den Anschein zu erwecken, als habe es sie nicht gegeben. Im Gegenteil: das radikale Abräumen des Alten ist es, was diesen geschichtsleeren Eindruck erweckt [...].
      Es braucht den langen Atem geduldiger Arbeit, um solche Hauptstücke des architektonisch-städtebaulichen Erbes wiederzugewinnen und mit ihrer Hilfe die Eigenart des Ortes, einer Stadt [...] zu erneuern und zu befestigen. Dasselbe ist in Dresden mit der noch viel dramatischer zerstörten Frauenkirche Georg Bährs geschehen, und eine Freude war es mir, zu bemerken, wie ein kritisch-sensibler Beobachter wie Dieter Bartetzko seine abwehrende Haltung gegenüber solchen Wiederaufbauten angesichts des überwältigenden Eindrucks des Neubaus revidierte. Nicht nur bei ihm siegte der sinnliche Eindruck über die reservatio mentalis, jenes verinnerlichte Dekret aus dem Reich der abstrakten Vernunft, das verfügte, dergleichen sei "nicht erlaubt". [...]
      Es läßt sich theoretisch wie praktisch erhärten: die Neuerrichtung zerstörter oder bereits abgetragener Bauwerke von besonderem architektonischen und stadtkompositorischen Wert ist ästhetisch legitim. Das Primat des Schöpferischen haftet in der Architektur an dem Entwurf des Architekten, an dessen Vorstellung von dem Bau, wie sie sich aus Zeichnungen, Aufmaßen und anderen Dokumentationen, photographischen etwa, erschließt. [...] Dieser ideelle Primat der Notierung vor der Realisierung - in der Musik haben wir ein ähnliches Verhältnis in dem Gegenüber von Notenbild und Klangverwirklichung - macht es zulässig, Architektur zu wiederholen, falls ihre Qualität den Aufwand rechtfertigt; das ist in der Architektur auch immer wieder vorgekommen. Die bedeutendsten Baumeister haben sich nicht davor gescheut."



      geschrieben von T. Reich, Leipzig



      Die Unikirche hat aber ein zusätzliches, politisches Alleinstellungsmerkmal
      Zum politisch begründeten Alleinstellungsmerkmal unter allen anderen historischen Bauten:
      Die Unikirche wurde Opfer eines politisch-ideolgischen Terroraktes, und zwar des sichtbar größten an einer der tradionsreichsten, weil zweitältesten deutschen Universität, der die geistige und geistliche Herkunft genommen werden sollte, was offensichtlich bei vielen Universitätsangehörigen zum Mankurtsyndrom geführt hat. Sie töten ihre Mutter (nach Anstiftung), als die ihren Kindern ihr kulturhistorische Gedächtnis wiedergeben wollte.

      Viele, die in der DDR keinen nachhaltigen Schaden erlitten haben, sondern wie auch immer profitierten, können das aber offensichtlich nicht so sehen.


      geschrieben von Henrike Dietze, Leipzig

      Quelle: http://f15.parsimony.net/forum25088/messages/5057.htm\r
      f15.parsimony.net/forum25088/messages/5057.htm
    • Pauliner streiten sich mal wieder

      Koch sieht weiterhin Chancen, so viel wie möglich von der einstigen Kirche - etwa die Roßbach'sche Fassade und den Kreuzgang - in den neuen Bau zu integrieren. Im gotischen Innenraum müsste alle gerettete Kunst wieder ihren Platz finden und nicht, wie von der Universität angedacht, ein historisch geordnetes Museum entstehen. Koch: "Ich kann mir dabei auch nicht vorstellen, dass die Gemeinde der Thomaskirche wirklich darauf besteht, den Altar aus St. Pauli für sich zu beanspruchen. Er gehört zurück."


      Auszug aus dem Artikel der LVZ
      http://www.lvz-online.de/lvz-heute/905.html\r
      www.lvz-online.de/lvz-heute/905.html
    • Ist denn schon 100%ig sicher, dass dieser dekonstruktivistische "Wir-müssen-alles-anders-machen" Müll gebaut wird oder kann man noch auf ein Umdenken hoffen? Ich mein, irgendwann müssen auch Sozialisten aussterben.
      Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten
      Karl Kraus (1874-1936)
    • Nö, dass ist nur der Architekt. Sozialistisch sind die Leute in den leitenden Positionen der Uni die sich weigern, das grandiose Augusteum und die Paulinerkirche zu rekonstruieren und stattdessen solch destruktivistische Neubauten beauftragen...
      Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten
      Karl Kraus (1874-1936)
    • @booni

      hab gerade dein statement vom 21.10.04 zum thema rathäuser in deutschland gelesen. dir zur info: in leipzig steht keine marktkirche verloren rum und das alte rathaus wurde auch nicht abgerissen. vielmehr wurde es zu beginn des 20. jahrhunderts umfassend saniert, nach dem krieg als eines der ersten gebäude (von sozialisten) wieder aufgebaut und seit der wende fliessen erneut millionen in den umbau dieses gebäudes, dessen festsaal die "gute stube" der stadt ist. ein zentrum, welches die uni mit ihren inzwischen 30 000 studenten schmerzlich vermisst. wundert es dich da, dass sie im zuge der campus-neubebauung diese chance nutzt? die evangelische kirche (keine sozialisten) nicht, sie konnte sich angesichts leerer kirchen von anfang an nicht mit dem gedanken einer rekonstruktion anfreuden. die damalige cdu-alleinregierung (keine sozialisten) als geldgeber letztendlich auch nicht. und das beste: durch die jahrelange diskussion kam ein projekt zustande, welches alle beteiligten als erfolg ansehen können. die erinnerung an die kirche (und deren sprengung) wird wach gehalten, gleichzeitig erhält die uni ein neues zentrum, welches ihrer 600-jährigen traditon und den anforderungen der zukunft gleichermassen gerecht wird. und dieses ergebnis braucht sich doch dann weder vor ruhrpott-unis (nicht von sozialisten erbaut), noch vor betonschachteln mit angeklatschten barock-ornamenten wie am dresdner neumarkt (erst recht nicht von sozialisten erbaut) verstecken. oder?
      aber das beste wäre vielleicht, du würdest selber mal vorbei schauen. gut wäre 2006, wenn es nicht mehr so viele baustellen in der city gibt. oder noch besser wäre 2009, wenn die neue uni mit ihrem markanten "dekonstruktivistischen" dach zu einem neuen wahrzeichen leipzigs geworden ist.
    • "rakete" schrieb:

      @booni

      hab gerade dein statement vom 21.10.04 zum thema rathäuser in deutschland gelesen. dir zur info: in leipzig steht keine marktkirche verloren rum und das alte rathaus wurde auch nicht abgerissen. vielmehr wurde es zu beginn des 20. jahrhunderts umfassend saniert, nach dem krieg als eines der ersten gebäude (von sozialisten) wieder aufgebaut und seit der wende fliessen erneut millionen in den umbau dieses gebäudes, dessen festsaal die "gute stube" der stadt ist.

      In dem Statement hab ich ja auch nicht von Leipzig sondern von Essen gesprochen, hatte Leipzig nur als Vergleich zur Rathaushöhe herangezogen aber die Marktirche und das abgerissene Rathaus, das war Essen.
      Allerdings frage ich mich, wieso du das hier wieder auftreibst? Das hat doch nix mit der Diskussion zu tun!


      "rakete" schrieb:


      und das beste: durch die jahrelange diskussion kam ein projekt zustande, welches alle beteiligten als erfolg ansehen können. die erinnerung an die kirche (und deren sprengung) wird wach gehalten, gleichzeitig erhält die uni ein neues zentrum, welches ihrer 600-jährigen traditon und den anforderungen der zukunft gleichermassen gerecht wird. und dieses ergebnis braucht sich doch dann weder vor ruhrpott-unis (nicht von sozialisten erbaut), noch vor betonschachteln mit angeklatschten barock-ornamenten wie am dresdner neumarkt (erst recht nicht von sozialisten erbaut) verstecken. oder?
      aber das beste wäre vielleicht, du würdest selber mal vorbei schauen. gut wäre 2006, wenn es nicht mehr so viele baustellen in der city gibt. oder noch besser wäre 2009, wenn die neue uni mit ihrem markanten "dekonstruktivistischen" dach zu einem neuen wahrzeichen leipzigs geworden ist.


      Wo erinnert denn das neue Zentrum an die 600-jährige Tradition der Stadt? Warum würde ein äußerlich rekonstruiertes Augusteum den Anforderungen der Zukunft nicht gerecht werden? Und soweit ich weiß, wird eine Rekonstruktion von dem größten Teil der Bevölkerung gewollt - das ist doch das wichtigste - und sich darüber hinwegzusetzen ist sozialistisch.
      Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten
      Karl Kraus (1874-1936)
    • "rakete" schrieb:

      [...]noch vor betonschachteln mit angeklatschten barock-ornamenten wie am dresdner neumarkt (erst recht nicht von sozialisten erbaut)


      So gesehen kann man das Pantheon auch als Betonbude mit vorgesetzten Säulen + Betonkuppel umschreiben.
      Von solchen generalisierenden Urteilen ist wenig zu halten. Vielmehr gilt es zu differenzieren, da in einem Land mit 82 mio Einwohnern Bauqualitäten aller Stufen zu finden sein werden.
      Im Folgenden ein Negativbeispiel aus Leipzig:

      Lützner Straße 51 - 2005

      Lützner Straße 51 - 1910

      Nachsatz: Aufgrund der Strassenbahnkabel übersieht man bei der Aufnahme leicht, daß es sich um einen unverfugten Plattenbau handelt. Die Proportionen sind meiner Meinung nach ein Albtraum, und das Dach spielt eine wenig dominante Rolle, da es sich um kein Eckgebäude handelt, wie z.B. bei dem hier zeitgleich diskutierten dresdener Haus Töpferstraße 2 ( Prisco ). D.h. man wird es selten komplett mit Dach frontal sehen, ohne den Kopf in den Nacken zu werfen.
    • ...auf dieser Website finden sich manches interessante. Ich habe mal den Kommentar eines wohl prominenten polnischen Professors (?) gelesen, der sagte "ich verstehe die Diskussion hier bei Ihnen nicht - bei uns würde die Kirche schon längst wieder stehen!"

      Das ist es eben. In Ländern wie Polen gibt es offensichtlich nicht so viele Leute, die den Blick in die Vergangenheit scheuen. Wenn ein schönes Bauwerk durch Krieg oder Abriß fehlt und von erheblicher Bedeutung für die Stadt war und eine Rekonstruktion aufgrund ausreichender Dokumention möglich erscheint, dann macht man es eben. Ohne daß sich ein Dutzend kluger Leute zu Wort meldet und rumjammert, daß man sich heute zeitgenössische Architektur bedienen muß, daß eine Kopie des Originals ein Falsifikat ist, das den Betrachter täuscht und was weiß ich noch was...