Neumarkt in der Oberpfalz (Galerie)

    • Wenn es auch beständig eine Verschlechterug des Stadtbilds durch mehr oder weniger moderne Neubauten gibt, so muss man doch sagen, dass die Modernisierungen noch relativ harmlos waren. In der Summe besitzt Neumarkt damit eine Altstadt, die trotz Kriegszerstörung mindestens genausogut gepflegt ist wie die Altstädte anderer, nicht kriegszerstörter Klein- und Mittelstädte. Wenn allerdings großzügig viele der kleinen 50er-Jahre-Häuser fallen, dann droht ein Wandel des Charakters dieser Teile der Innenstadt vom Einfamilienhausgebiet zum Mehrfamilienhausgebiet.

      Meine Hoffnung ist, dass Glasergasse 9 und Kastengasse 10 erhalten bleiben und saniert werden.

      In diesem Jahr vollzieht sich auch ein Wandel in der Geschäftswelt: Im Herbst soll der Neue Markt vor dem Unteren Tor eröffnet werden; bereits vorher schließt das Kaufhaus Hackner. Der Inhaber will dem Untergang des Hauses nicht tatenlos zuschauen müssen, sondern nimmt das Schicksal selber in die Hand, fährt das Unternehmen kontrolliert runter und zieht damit die Konsequenzen aus dem gestiegenen Internet-Handel und der Konkurrenz des Neuen Marktes. Das Kaufhaus Hackner war damit 50 Jahre lang, seit 1965, ein Einzelhandelsschwerpunkt in der Neumarkter Altstadt.
    • Vielen Dank für diese sehr gute und informative Galerie! Ich muss aber sagen, dass ich ziemlich enttäuscht bin. Ich habe mir von Neumarkt doch deutlich mehr erwartet - zumindest was die Menge an historischer Substanz betrifft. Man hat doch die längste Zeit aus Stein, nicht in Fachwerk gebaut, was die große Zahl an Neubauten noch weniger rechtfertigt. Herausragende Einzelbauten gibt es leider auch nur sehr wenige.

      Wirklich schade, dass uns auch die meisten alten Gebäude nach der architektonischen Vergewaltigung in den 70ern heute als charakterlose universalbayerische Giebelhäuser mit querrechteckigen Plastikfenstern und dicker Wärmedämmung erscheinen.

      Nichtsdestotrotz muss ich dir zustimmen, dass man sich hier wirklich deutlich besser um das Stadtbild kümmert, als in den meisten anderen Städten. Die meisten Neubauten sind angepasst und fügen sich gut ein, auch wenn mir viele von ihnen im Detail nicht gefallen (v. a. die Ladeneinbauten und Fenster sind häufig störend, was aber leider auch auf die meisten Altbauten zutrifft). Aber das Untere Tor und vor allem das großartige Rathaus sind und viele weitere Objekte zeigen, dass den Neumarktern ihr historisches Stadtbild wichtig ist.

      Was hat es denn mit dem Haus auf sich? Das könnte doch in Steyr stehen!

    • Neumarkt hat eine großartige Stadtanlage und der Altstadtbereich ist auch nicht gerade klein. Aber die Bebauung ist insgesamt doch recht enttäuschend und ein Großteil der jetzigen Gebäude an der Oberen und Unteren Marktstraße wird dem ganzen überhaupt nicht gerecht. Ein Vergleich mit vor 1945 tut sein übriges.
      Mir gefällt der Blick von der Hallertorstraße auf die Stadtpfarrkirche. Eindrucksvoll und an den Ingolstädter Herzogskasten erinnernd ist das offenbar um 1980 wiederaufgebaute Kastengebäude am Residenzplatz (wenn auch jüngst verschandelt). Hoffentlich wird das Hitzhaus noch saniert. Wenn eh schon so wenig 1945 überlebt hat, sollte man doch zumindest die paar wenigen älteren Gebäude noch erhalten können. Erfreulich dagegen die Sanierung vom Schreiberhaus (das Gebäude kannte ich bis dato gar nicht) und der Wiederaufbau des Unteren Tores.

      Vor 2 Jahren war ich mal bei der Wallfahrtskirche Maria Hilf oberhalb von Neumarkt. Von dort hat man einen tollen Ausblick nicht nur auf die in den letzten 20 Jahren gewaltig geboomte Stadt. Den Altstadtbereich selbst kenne ich dagegen nur ziemlich oberflächlich.
    • Markus schrieb:

      das offenbar um 1980 wiederaufgebaute Kastengebäude am Residenzplatz (wenn auch jüngst verschandelt)

      Genau so ist es. Alles Wichtige zum Reitstadel steht in de.wikipedia.org/wiki/Reitstadel.

      Einen Überblick über die Oberpfälzer Boomtown kriegt man auch von der Burgruine Wolfstein sowie dem nahegelegenen Krähentisch. Von dort fällt vor allem die großstädtisch anmutende Bebauung an der EFA-Straße auf.
    • Für mich als jemanden, der mit der Region nicht vertraut ist (einziger Bezug: Als Wehrpflichtiger 1986 ein paar Wochen in Hohenfels - von der Umgebung haben wir leider fast nichts mitbekommen) - ist es sehr schwer, die mehrheitlich verputzen, schlichten Altstadthäuser zeitlich einordnen zu können. Nachkriegszeit 50er, frühe 60er, oder 19. Jahrhundert - vielleicht noch viel älter? Wenn alt, wie sahen die Gebäude zur Enstehungszeit aus?

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von HelgeK ()

    • In Bayern sind die Altstadthäuser üblicherweise aus dem 14. bis 18. Jahrhundert. Natürlich hat man auch zur Jahrhundertwende gebaut.

      Da die Altstadt von Neumarkt im Krieg fast völlig zerstört worden ist (mittelbayerische.de/imgserver/…39600/2739609/779x467.jpg), sind die meisten Häuser aus den 50er-Jahren. Bei so manchem in meiner Galerie abgebildeten Haus wie etwa Kastengasse 10 dürfte klar sein, dass sie den Krieg überlebt haben. Auf dem Bild 3891 b sehen wir Klostergasse 9 aus dem 16. Jh..
    • HelgeK schrieb:

      Danke für die Antwort!

      Warum wurde eine Kleinstadt wie Neumarkt derart zerstört?

      Angesichts des Ausmaßes des Beschädigungen erscheint der Wiederaufbau sensibel und vorbildlich.
      Das Zerstören kannte am Ende dieses Krieges kein Ende , schon gar nicht hatte man Mitleid mit dem Feind , den Deutschen ;( ! Die Briten hatten Bomben in Hülle und Fülle , und die wurden auch abgeworfen. Ja der Wiederaufbau war sensibel und vorbildlich , aber man könnte jetzt dieses Häuser noch Lieblicher wirken lassen , mit etwas nachträglichem Bauschmuck , Sprossenfenster usw.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Manometer ()

    • Manometer schrieb:

      man könnte jetzt dieses Häuser noch Lieblicher wirken lassen
      Ich bin schon froh, wenn sich nichts weiter ändert. Denn auch die Altstadt Neumarkts ist bedroht durch unangepasste Bauten. Wenn man die Altstadt außerhalb der beiden Marktstraßen anschaut, muss man sagen, dass da viele 50er-Jahre-Bauten stehen, deren Lebenszeit wohl bald zu Ende ist. Da besteht natürlich die Gefahr einer Verschlechterung. Zum Beispiel in der Hallertorstraße.