Pariser Platz

    • Entschuldige, Wissen, ich wollte Dein Berlin nicht madig machen - es ist aber auch mein Berlin, und so gerne ich hier seit fast 30 Jahren lebe, so tue ich dies doch eher trotz als wegen dem Grad der "Schönheit" dieser Stadt. Berlin ist groß, lebendig, überraschend, voller Merkwürdigkeiten der letzten zweihundert Jahre, ich liebe den trockenen Humor der Berliner, ihre Lässigkeit und Gelassenheit; die Weite in der Stadt (die zunehmend schwindet) ebenso wie ihre Dichte (die zunimmt). All das: gerne. Aber schön? Wo ist Berlin schön? Ich meine nicht einzelne Gebäude, großartige einzelne Gebäude gibt es viele in der Stadt, ich meine schön im Sinne dessen, was eine Stadt an Schönheit leisten kann, nämlich Raumbildung? Da fällt mir wenig ein, was selbst bei Regenwetter zu bezaubern vermag. Zugegeben, ich vergleiche B auch nicht mit HH, Frankfurt oder Köln, da ist es auch nicht besser - aber nimm Mailand, Prag oder Wien, ganz zu schweigen von Rom oder Paris - wo könnte unser B da mithalten?
    • Ich liebe Berlin doch auch, mein erster Berlinbesuch bleibt mir unvergessen. Damals war der Reichstag verhüllt, es war eine tolle Sommeratmosphäre in dieser Stadt. Das Brandenburger Tor stand noch ganz frei im Raum, der Pariser Platz war noch unbebaut. Damals träumte man davon, was hier wieder entstehen könnte, wie Berlin dadurch wieder aufblühen würde. Jahrzehnte später die Ernüchterung: Überall wurde Potenzial verschenkt, Gelegenheiten verpasst, Mittelmaß geschaffen. An keiner Stelle ist es gelungen, den Geist der Gründerzeit und der goldenen Zwanziger (eine Zeit, in der Berlin in meinen Augen die aufregendste Stadt der Welt war) fortzuschreiben. Und wenn nicht gerade die Sonne über Berlin lacht wirkt dieses ganze Mittelmaß umso freudloser. Im grauen Winter im Regierungsviertel, Leipziger Straße oder Alexanderplatz? Bitte nicht. Dazu kommt, dass es an vielen Stellen einfach versifft und verwahrlost aussieht. Ich leide mit dieser Stadt, deren Mythos man schon lange nicht mehr gerecht wird. Einzig das Stadtschloss bildet hier eine leuchtende Ausnahme.
      In dubio pro reko

      Früher war nicht alles besser, aber die Architektur schon.
    • Erst finde ich Pariser Platz gar nicht so schlecht aber klar, es ist kein Schonheit. Berlin lebt doch von seine massige Grunderzeitvierteln - teilweise auch wirklich schon. Um Bergmankiez sogar so schon wie jede andere Metropole aber im Gegensatz zu Munchen oder Hamburg liegt diese nicht im Zentrum sonderm ausgestreut.

      europeupclose.com/article/beautiful-bergmannkiez/
    • Dass überall Mittelmaß entstanden ist, kann man mE nicht behaupten. Der Potsdamer Platz ist heute noch für europäische Maßstäbe außergewöhnlich und besonders. An vielen Orten ist interessante postmoderne Architektur entstanden. Das Stadtmobiliar wurde rekonstruiert, man denke an Schupmann-Kandelaber und Wall-Utensilien. Der Schinkelplatz. Die Museumsinsel. Überhaupt die klassische Mitte... Also ich finde sehr viel Schönes und Eindrückliches an Berlin, auch in seinem Herzen. Der Pariser Platz ist ebenfalls sehr ansprechend, trotz seiner teils durchschnittlichen Architektur. Allein die Platzgestaltung selbst reißt sehr viel raus, und die Aura der beiden Highlights Brandenburger Tor (samt Kleihues-Bauten daneben) und Adlon.

      Und ich denke auch, dass eine neue Welle der imposanten Architektur erst wieder auf Berlin zurollen wird. Nach einem politischen Wechsel und weiterem wirtschaftlichen Aufschwung. Dann werden wir vieles erleben, was eher an London als an Bonn erinnert.
      Basis guter Architektur nach Vitruv:
      Schönheit ۩ Nützlichkeit ۩ Stabilität
      Schönheit wird von zu vielen Architekten ignoriert.