Soest (Galerie)

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    • Soest (Galerie)

      Diese Luftbildaufnahme zeigt einen guten Überblick der Hansestadt Soest. Bausünden kann man praktisch keine ausmachen, mit Ausnahme der Häusergruppe neben St. Petri.

      In der Altstadt die Macht, im Kneiphof die Pracht, im Löbenicht der Acker, auf dem Sackheim der Racker.

      Hätt' ich Venedigs Macht und Augsburgs Pracht, Nürnberger Witz und Straßburger G'schütz und Ulmer Geld, so wär ich der Reichste in der Welt.
    • Vielen Dank für die Fotos meiner neuen Heimatstadt. Ich habe mir vorgenommen, auch noch einen größeren dokumentarischen Stadtrundgang durchzuführen, aber aktuell bin ich da noch nicht zu gekommen.

      Soest ist für mich der Inbegriff eines gelungenen Wiederaufbaus. Aufgrund des strategisch wichtigen Rangierbahnhofs, direkt vor der Stadtmauer gelegen sowie einer Akkumulatorenfabrik in der Altstadt wurde Soest schon recht früh Ziel allierter Bombenangriffe. Gegen Kriegsende lagen rund 60% der Stadt, vornehmlich im Zentrum und Bahnhofsbereich, in Schutt und Asche. Der darauffolgende Wiederaufbau hatte die Bewahrung der historische gewachsenen Straßenstruktur zum Ziel, zudem wurden nahezu alle Gebäude, die noch einigermaßen intakt waren sowie alle Kirchen wiederaufgebaut, die Neubauten wurden, ähnlich wie beim Münsteraner Prinzipalmarkt, in ähnlicher Kubatur und aus regionalen Materialien hergestellt, ohne vollständige Rekonstruktionen zu sein. Das Ergebnis kann man auf den obigen Bildern sehen, die alle im schwer zerstörten Stadtzentrum aufgenommen wurden. Bausünden sind eher aus jüngerer Zeit, allen voran die Stadtsparkasse neben St. Petri, die schon von Breslau06 erwähnt wurde und für die einige erhaltengebliebene Fachwerkhäuser weichen mussten. Weiterhin stört der ehemalige Woolworth-Bau, der auf obigen Bild nicht mehr abgebildet ist. Das dortige Umfeld besteht allerdings zu einem großen Teil aus angepassten Nachkriegsbauten.

      Wie gesagt, ich werde versuchen, in nächster Zeit weitere Bilder und Informationen aus der Altstadt mitzubringen. Der Wiederaufbau ist in meinen Augen der gelungenste in ganz NRW, so dass man Soest auch aus dieser Hinsicht (neben der weitgehend erhaltenen Stadtmauer) als westfälisches Rothenburg titulieren könnte. Diesen Titel geben sich jedoch schon Tecklenburg und Herten-Westerholt ;)
      Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten
      Karl Kraus (1874-1936)
    • So, ich hatte es ja versprochen und habe gestern am Tag des offenen Denkmals eine Kamera mitgenommen. Jetzt gibt es die ersten Bilder aus der nordwestlichen Altstadt rund um die Kirche St. Maria zur Wiese. Dieser Stadtteil wurde aufgrund der Nähe zum Bahnhof im zweiten Weltkrieg stärker zerstört als die südlichen und östlichen Teile der Altstadt, nichtsdestotrotz haben sich dort eine Menge Altbauten erhalten. Kernstück ist natürlich die großartige und kunsthistorisch wertvolle spätgotische Kirche St. Maria zur Wiese, auch Wiesenkirche genannt. Mit ihren Doppeltürmen ergänzt sie die durch die beiden romanischen Kirchen St. Petri und St. Patroklus definierte Stadtsilhouette perfekt. Die beiden Türme wurden übrigens zeitgleich mit dem Kölner Dom Ende des 19. Jahrhunderts errichtet.

      Zunächst einmal jedoch ein paar Bilder von den Fachwerkhäusern um die Wiesenkirche herum. Am Tag des offenen Denkmals war die letztmalige Gelegenhheit, die nördliche Turmspitze auf 81m zu erklimmen, da ab heute das Gerüst am Nordturm abgebaut wird. Die Schlange, von der nur ein Teil auf dem Bild zu sehen ist, lässt erahnen, wie groß der Andrang war. Da ich am Sonntag leider etwas spät losgekommen war, habe ich nach einiger Zeit des Anstehens entschieden, stattdessen noch eine weitere Station anzusteuern, so dass ich leider nicht mit spektakulären Bildern von oben dienen kann (Dank Instagram kann man sich aber u.a. hier und hier ein Bild davon machen). Die Kreuzblume wurde im übrigen am letzten Freitag mit dem Hubschrauber aufgesetzt - hiervon habe ich aber leider ebenso keine Bilder.



      Dieses Fachwerkhaus wurde jünst saniert und weist im Gegensatz zu den meisten anderen Häusern in der Altstadt helle Fachwerkbalken auf, ein ganz interessanter Anblick.


      Die Häuserzeile an der Nordseite der Wiesenkirche ist noch vollständig erhalten. Bei den schweren Zerstörungen, die die Kirche im Krieg erlitten hat, eigentlich ein Wunder.


      Leider etwas überbelichtet, dennoch eindrucksvoll: Die Westfassade mit ihren beiden Türmen. Der Südturm konnte schon 2014 abgerüstet werden, der Nordturm wird es hoffentlich in ein paar Tagen auch sein (Bilder werde ich nachliefern). Als ich beide Türme (damals noch schwarz) das letzte Mal ohne Gerüst gesehen habe, war ich noch ein Kind, es muss irgendwann in den 90ern gewesen sein.


      Der Chor der Wiesenkirche mit den mittelalterlichen Chorfenstern. Der mittlere und untere Teil wurde, wie das Fenster über dem Nordportal sowie den Hauptmotiven in den Nordfenstern im zweiten Weltkrieg ausgebaut und überlebten. Alle anderen Kirchenfenster wurden zerstört. Seit einigen Jahren werden aber wieder verstärkt bunte Fenster eingebaut, gemalt vom Künstler Hans Gottfried von Stockhausen. Aber nochmal zurück zu den Zerstörungen. Auch wenn man es ob der Umgebung nicht glauben mag, die Wiesenkirche hat im zweiten Weltkrieg einige Treffer abbekommen. Neben den Fenstern wurde auch der Barockalter, die Orgel sowie die neugotische Kanzel und der neugotische Altar zerstört, drei der Gewölbefelder sind völlig eingestürzt. Der mittelalterliche Dachstuhl ist jedoch zum Glück erhalten geblieben.


      Das wohl berühmteste Ausstattungsmerkmal der Wiesenkirche ist das Westfälisches Abendmahl über dem Nordportal, was ca um 1500 entstanden ist und das Jesus und seine Jünger beim letzten Abendmahl zeigt - allerdings bei westfälischen Spezialitäten wie Bier, Schinken, Schnaps und westfälischem Brot. Es wurde zum Glück im Krieg ausgelagert.


      Die mächtige Westfassade - ursprünglich wie alle Soester Kirchen aus dem heimischen Grünsandstein erbaut, der hier in der Umgebung (z.B. in Werl und Anröchte) abgebaut wird und aufgrund von Glaukonit eine typische blau-grüne Färbung hat. Da sich dieser sehr anfällige Stein mit der neugotischen Bauweise nicht so richtig verträgt, hat man schon damals vorausahnend die durchbrochenen Turmhelme aus härterem Oberkirchner Sandstein gebaut, die restlichen Türme jedoch ebenfalls aus Grünsandstein. Ab ca. 1930 fielen dann die neugotischen Verzierungen herab und man begann mit der ersten Sanierung. Diese hielt nicht lange, in den 1980er Jahren waren die Türme aufgrund der hohen Verwitterung nahezu einsturzgefährdet. Die Dombauhütte wurde daraufhin 1985 wiedereröffnet (neben der Kölner Dombauhütte die einzige in NRW) und erst der Südturm, dann der Nordturm Stein für Stein aus Oberkirchner Sandstein neu gebaut. Daher haben die Türme leider nicht mehr die charakteristische Grünfärbung, langfristig gesehen ist dies jedoch wohl die bessere Lösung.


      Auf diesem Bild der Westfassade kann man die Verwitterung der Grünsandsteine gut erkennen, auch wenn ich mich wegen der schlechten Belichtung entschuldigen möchte.


      Die Südfassade der Wiesenkirche. Man erkennt sehr gut den Unterschied zwischen den hellen Türmen aus Oberkirchner Sandstein und dem Kirchenschiff aus heimischen Grünsandstein. Auf diesem Bild, das ich im Netz gefunden habe, kann man die Wirkung der alten, grünen Türme erahnen.


      Hier noch ein Bild der Wiesenstraße. Einige Häuser entstammen wohl der Heimatschutzarchitektur der 1950er Jahre, dennoch sind enorm viele Altbauten in einem sehr guten Zustand erhalten. Ich würde behaupten, der Wiederaufbau von Soest war der beste von ganz NRW.
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      Karl Kraus (1874-1936)

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    • Von der Wiesenkirche kann man dann rechts in die Schwarzeborngasse einbiegen - eine der typischen Soester Gassen mit Grünsandsteinmauern, die angeblich aus den steinernen Häusern des mittelalterlichen, reichen Soest gebaut wurde und zu Zeiten des Niedergangs, als man nur noch mit Fachwerk gebaut hat, als Mauern wiederverwertet wurden. Von diesen Gassen gibt es wirklich einige, man übersieht sie schnell, aber wenn man durch sie hindurchgeht ist es wie eine andere Welt.


      Denselben pittoresken Blick gibt es, wenn man in die Gegenrichtung blickt.

      <br /> <br /> Und hinter der Sandsteinmauer findet gerade der Abriss des ehemaligen Kolpinghauses statt. Die historische Villa bleibt erhalten, die Anbauten aus den 1980er-Jahren, die eigentlich gar nicht mal so schlecht waren, wurden abgerissen (der Soester Anzeiger ist für [url='https://www.soester-anzeiger.de/lokales/soest/bauarbeiten-kolping-gelaende-sollen-laut-investor-matthias-buerger-sommer-2016-beginnen-6138677.html']Bilder[/url] immer eine gute Quelle). Die Neubauten greifen die Kubatur auf, haben aber leider nicht mehr das für Westfalen so typische Krüppelwalmdach. Außerdem habe ich aufgrund der [url='http://www.immobilien-buerger.de/de/AKTUELLES/Wohnen-an-der-Teichsmuehle-Soest/']Visualisierungen[/url] die Befürchtung, dass die nicht denkmalgeschützte Villa eine fiese Wärmedämmung erhält.<br />



      Am Ende der Schwarzeborngasse kreuzt man den Soestbach, der an dieser Stelle Loerbach heißt aufgrund der hier ansässigen Lohgerber. An dessen Ufer sind in den 1950er Jahren zwei ansehnliche Einfamilienhäuser entstanden, dessen Besitzer durchaus zu beneiden sind.


      Das Nachbarhaus ist zwar aufgrund der sprossenfreien Fenster nicht ganz so ansehnlich, weist jedoch mit den grünsandsteinernen Fensterfassungen einen ortstypischen Bezug auf.


      Gegenüber der Fachwerkhäuser hat sich eine Häuserzeile mit ehemaligen Gerberhäusern erhalten, die mittlerweile sehr schön restauriert sind.


      Dazwischen gibt es einige schöne Durchblicke wie hier, auf den Südturm der Wiesenkirche.


      Auf der anderen Seite der Schwarzeborngasse, also hinter dem ehemaligen Kolpinghaus, wurde der Soestbach, der hier auch wieder Soestbach heißt, jüngst freigelegt. Für den Bau der grünsandsteinernen Umfassungsmauern wurden die Steine, die von den Türmen der Wiesenkirche abgenommen wurden, wiederverwendet.


      Vom Loerbach aus kann man wieder zurück zur Wiesenkirche.


      Gegenüber der Wiesenkirche steht dieses interessante Gebäude, das ich bauzeitlich nicht ganz einordnen kann. Ich kann mir jedoch gut vorstellen, dass eine Restaurierung in den Originalzustand durchaus lohnenswert wäre.


      Der Heimatschutzstil wurde in Soest übrigens nicht nur in der Nachkriegszeit angewendet sondern bereits in den 1920er und 1930er Jahren. Die Nationalsozialisten haben Soest als "Stadt des deutschen Mittelalters" sehr gefördert und viele Neubauten und Restaurierungen angestoßen, so dass meines Erachtens sehr schwer das Alter eines Hauses aufgrund seiner Optik zu bestimmen ist. Doch dazu später bei Gelegenheit einmal mehr.
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    • Von der Wiesenkirche aus geht es nun Richtung Bahnhof - einen Teil der Altstadt, der von Touristen eher weniger frequentiert wird und bezüglich der Altbausubstanz durchwachsen ist - wobei durchwachsen relativ zu sehen ist - hier gibt es halt den ein oder anderen Neubau zwischen den Altbauten.

      An der Wiesenstraße, Ecke Walburger Straße steht dieser Fachwerkbau zwischen zwei Gründerzeithäusern. Grundsätzlich habe ich übrigens das Gefühl, dass Gründerzeitbauten in Soest noch nicht so hoch wertgeschätzt werden wie andernorts. Immer wieder werden auch nicht-denkmalgeschützte Bauten abgerissen, zudem sieht man wesentlich häufiger, dass diese durch Kunststofffenster oder andere Bauten beeinträchtigt sind.


      Die Walburger Straße verläuft in Blickrichtung zum Walburgertor, das wie 8 andere von 10 Stadttoren nicht mehr existiert. Die Straße ist vor allem durch Gründerzeitler geprägt, einige davon stehen leer und werden hoffentlich in nächster Zeit wachgeküsst (linke Seite). Hinter der Grünsandsteinmauer auf der rechten Seite hat die Soester Dombauhütte ihren Sitz.


      Es stehen aber auch noch ein paar Fachwerkhäuser, wie hier zu sehen, an der Walburger Straße.


      Auf dem Eckgrundstück zwischen Walburger Straße und Ritterstraße steht das große Fachwerkhaus der Brauerei Christ. Der riesige Biergarten dahinter ist urgemütlich und sehr schön gestaltet. Bier wird hier jedoch nicht mehr gebraut.


      Dieses pittoreske Ensemble findet sich ebenfalls an der Walburger Straße.


      Von der Walburger Straße zweigt die Armesündergasse ab, wie die oben gezeigte Schwarzeborngasse ebenfalls ein Beispiel für die typischen Soester Gäßchen. Hier steht ein winziges Gebäude, das ich spontan auf das 19. Jahrhundert datieren würde. Oben und unten scheinbar nur einen Raum, aber immerhin eine gemütliche Dachterasse.


      Die Armesündergasse führt auf die Stiftstraße, wo sich neben Neubauten auch ein paar Gründerzeitler erhalten haben. Der eher schmucklose Bau im Vordergrund trägt eine historische Laterne, das top restaurierte Haus, was ich fotografiert habe, ist dagegen ein wahrer Blickfang.
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    • Ich hatte ja versprochen, dass noch mehr Fotos kommen. Heute geht es bei bestem Wetter (die Fotos sind schon ein paar Tage alt) rund um den Großen Teich. Der Große Teich ist eines der Herzstücke in Soest und nicht nur durch dort angeblich ansässige Pokespots zum Treffpunkt der hiesigen Bevölkerung geworden. Aufgrund einer Vielzahl von Quellen friert der Große Teich niemals zu und angeblich waren um den Großen Teich auch die sechs Urhöfe, aus denen die sechs Hofe, in die Soest im Mittelalter untergliedert war (hier eine Karte auf Wikipedia) ansässig. Dies ist jedoch nicht historisch belegt.

      Alle weiteren Informationen verbinde ich mit der nachfolgenden Galerie:

      Zunächst einmal biegen wir am Ende der Schwarzeborngasse aus Beitrag #9 links ab in Blickrichtung von Bild 8. Nach einem kurzen Spaziergang am Soestbach kommen wird an der Wiesenstraße wieder heraus:

      Dieses urige Stück wurde erst vor kurzem gestaltet, ein Teil des Steinmaterials für die Grünsandsteinmauern stammen aus dem Turmwerk der Wiesenkirche, das durch den härteren Oberkirchner Sandstein ersetzt wurde (s.o.).

      Zwischen dem Großen Teich und dem Soestbach steht ein ansehnlicher, wenn auch relativ schmuckloser Gründerzeitler, dahinter lugt die Teichsmühle hervor, auf die ich später noch zu sprechen komme:


      Jetzt gibt es den vollen Blick über den Großen Teich, im Hintergrund der Theodor-Heuss-Park. Dieser Park entstand erst in den 1950er Jahren, als der im Krieg zerstörte "von Köppen'sche Hof", ein Adelssitz, nicht wiederaufgebaut wurde und nach und nach verfiel. Später entstanden auf dem Gelände noch ein Kunstpavillon, dann ein Restaurant. Seit 2011 steht das Restaurant leer und wird aktuell erneuert, so dass ab kommenden Jahr wieder mit Gastronomie in diesem kleinen aber feinen Park zu rechnen ist:


      Etwas weiter nach links geblickt ahnt man, dass es im Krieg nicht mit der Zerstörung des von Köppen'schen Hofs geblieben ist:


      Schon 1941 fielen in diesem Gebiet die ersten Bomben und vernichteten einige kleinere Gebäude. Nach dem Krieg wurde hier, im Gegensatz zu anderen Gebieten der Stadt, nur rudimentär wiederaufgebaut, zudem entstanden mit der Stadtbibliothek und dem Hallenbad in den 1960er Jahren zwei Großbauten. Doch eins nach dem anderen.

      Direkt am Großen Teich und nicht zu übersehen steht die Teich-Apotheke, ein Bau, vmtl. aus den 1960er Jahren und leider überhaupt nicht in das sonstiger Soester Altstadtbild passend:


      Eine Besonderheit ist jedoch die an der Seite rekonstruierte Soester Wippe. Von nicht-Eingeweihten wird sie häufig für eine Ententreppe gehalten, bevölkern diese doch den Teich mittlerweile in Scharen. Doch in Wirklichkeit präsentiert sich hier ein Stück Soester Stadtgeschichte. Kleine Vergehen (z.B. ein Bäcker, der Sägemehl hinzubackt) wurden mit dem Wippen als Ehrenstrafe bestraft, der Delinquent musste die Wippe hinauflaufen, bis ihn die Schwerkraft in den Teich wippen ließ. Heute lassen die Soester Bürgerschützen diesen Brauch wiederaufleben, während des Schützenfest müssen ein Schützenbruder sowie zwei Prominente der Stadt die Strafe über sich ergehen lassen:


      Mit einem letzten Blick auf die Wiesenkirche schließe ich diesen Beitrag zum Großen Teich mit dem Versprechen, noch einmal wiederzukommen:
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      Karl Kraus (1874-1936)
    • Während meines letzten Beitrags bin ich schon auf die Kriegszerstörungen im Bereich des Großen Teichs zu sprechen gekommen. Das Viertel zwischen Severinenstraße, Wiesenstraße und Filzenstraße wurde meines Wissens nahezu vollständig zerstört. In diesem Bereich muss auch das berühmte Bügeleisenhaus gestanden haben, eins von wenigen Soester Postkartenmotiven, die es so in dieser Form heute nicht mehr gibt (zerstört am 13. Juni 1941).

      Auf der entstandenen Kriegsbrache wurde im hinteren Teil (vom großen Teich aus gesehen) die heute denkmalgeschützte Stadtbibliothek im Stil der damaligen Moderne erbaut:

      Hier noch ein Blick von der Seite:


      Im vorderen Teil stand ein Wasserwerk (schon vor dem Krieg?) und das ebenfalls aus den 1960er Jahren stammende Hallenbad, das vor 25 Jahren abgerissen wurde und sicher mit der Stadtbibliothek ein schönes Ensemble der 1960er Jahre abgegeben hätte. Im Netz habe ich nur dieses und dieses Bild des Hallenbads gefunden. Seit dem Abriss ist die Fläche ein Parkplatz, der seit diesem Jahr auch vernünftig gepflastert wurde. Ursprünglich wurde auch darüber nachgedacht, dieses Gebiet wieder zu bebauen, aber zum einen ist der Parkplatz aufgrund seiner Altstadtnähe bei Anwohnern sehr beliebt, zum anderen steht hier bei der Soester Allerheiligenkirmes ein Karussel. Ich selber finde es so wie es ist auch gar nicht so schlecht.


      Zur Wiesenstraße hin wurde am Parkplatz auch der Soestbach vor Kurzem wieder freigelegt und mit Grünsandstein gefasst:


      An der Severinenstraße stehen auch noch einige Altbauten:


      Von hier geht es auch hoch zu Maria zur Höhe, auch Hohnekirche (als Abgrenzung zur Wiesenkirche) genannt. Diese steht auf einer ca. 90m hohen, spürbaren Anhöhe und wird Teil eines späteren Beitrags von mir sein:


      Auf der anderen Seite, an der Filzgasse, hat sich wiederum die altstädtische Bebauung erhalten. Dieses Viertel zwischen Filzgasse, Wiesenstraße und Osthofenstraße, durchschnitten von der Siechenstraße, bringt wieder viel altstädtisches Flair mit sich:


      An der Wiesenstraße wurde auch hier der Soestbach (der eigentlich in diesem und auch im vorigen Bereich Kolk heißt) freigelegt und verschwindet danach wieder unter der Straße:


      Rechts der Wiesenstraße, mit der Hausnummer 6 steht ein großartiges Fachwerkhaus. 1585 errichtet wurde es im zweiten Weltkrieg stark zerstört, aber wie viele Soester Fachwerkhäuser wiederaufgebaut. Leider steht es seitdem etwas solitär neben der Teichsapotheke und einem blau verkleidetem Elektromarkt. Bei letzterem bin ich mir nicht mal sicher, ob darunter sogar noch ein historischer Bau steckt:


      Geschlossen wird dieser Beitrag mit einem Blick auf St. Patrokli-Dom und Petrikirche, die ja weiter oben in den Fotos von Neußer schon abgelichtet wurden.
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      Karl Kraus (1874-1936)
    • Einen weiteren Beitrag gibt es noch für heute, diesmal mit dem stadtzugewandten Teil des Großen Teichs.

      Auf dem zweitletzten Bild des vorigen Beitrags sieht man ein blaues Haus. Hierin ist ein inhabergeführter Elektrofachmarkt zuhause, das Haus selber ist alles andere als ansehnlich. Da ich die Galerie jedoch auch dokumentarisch sehe, habe ich das Haus dennoch abgelichtet. Immerhin verfügt es über einen Grünsandsteinsockel, der irgendwie nicht zu der Qualität des restlichen Baus passen mag (und den man leider auf den Bildern nicht sieht, da er zur rechtsgelegenen Wippgasse sichtbar wird). Dies lässt für mich darauf schließen, dass das Haus entweder stark modernisiert wurde oder auf den Grundmauern eines im zweiten Weltkrieg zerstörten Hauses steht.

      Die Seite von der Straße "Am Seel" ist hier leider auch nicht aufschlussreicher:


      Auf der anderen Seite der Straße "Am Seel" steht dieses schöne Fachwerkhaus, dass den Krieg überlebt hat.

      Hier auch noch ein Bild des Giebels von der Wiesenstraße aus, der dahinterliegende Giebel gehört schon zur Adresse "Am Vreithof 1"

      Und wenn ich schon vom Vreithof spreche, dem schönsten Platz in Soest, dann will ich wenigstens mal hineinspieken. "Neußer" hat weiter oben ja schon weitere Fotos veröffentlicht, sobald ich mehr recherchiert habe, werde ich dem Vreithof sicher auch noch einen Beitrag widmen:


      Doch nun noch einmal zurück und rechts vom blauen Haus in die Wippgasse eingebogen. Hier finden wird einen Altbau vor, der leider in der Nachkriegszeit fürchterlich entstellt wurde und hoffentlich eines Tages wieder rekonstruiert wird:


      Wenn man dann weitergeht wird von der Wippgasse aus der typische Soester Postkartenblick sichtbar. Die Teichsmühle im Vordergrund, dahinter die Wiesenkirche. Das bunte Kunstwerk im Vordergrund ist nur temporär im Rahmen der SoestArt installiert:

      Ich hoffe nur, dass die Neubauten, die bald an Stelle des alten Kolpinghauses (s.o.) hinter der Teichsmühle entstehen, den Blick nicht beeinträchtigen. Dieselbe Ansicht aus verschiedenen Jahren bietet eine Google-Bildersuche., stark ist auch diese Ansicht von 1909 inkl. des von Köppen'schen Hofes. Ich bin sehr gespannt, ob die Türme der Wieskirche schneller abgerüstet sind als die Neubauten hinter der Teichsmühle entstehen.

      Im Querformat sieht es im Übrigen nicht ganz so idyllisch aus, da Garagenbauten rechts in das Bild hineinragen. Andererseits waren an dieser Stelle immer schon Schuppen o.ä., so dass ich es nicht ganz so tragisch finde. Schließlich bieten innerstädtische Garagen auch ein Stück Lebensqualität (und schaffen Autos von der Straße). Etwas Efeu würde ihnen vielleicht noch guttun:


      Der verunstaltete Altbau sieht von der Wippgasse wie folgt aus:


      Und hier noch einmal ein Blick über den Teich:


      An der Wippgasse stehen neben einem riesigen Fachwerkbau noch weitere Gründerzeitler, die unspektakulär aber irgendwie auch nett sind. Dem rechten wünsche ich, dass er irgendwann einmal seine alten Fenster zurückerhält.


      An der Wippgasse, Ecke Georgsgasse gibt es auch einen Zugang zum Großen Teich. Früher wurde hier (am Großen Teich, ob an dieser Stelle vermag ich nicht zu sagen) auch die Wäsche gewaschen.


      Die Verlängerung der Wippgasse in Richtung Markt heißt Ressourcengasse aufgrund des rechts außerhalb des Bildes stehenden Gesellschaftshaus Ressource. Die Linke Seite der Gasse ist mit Fachwerkbauten bebaut, davor geht es links durch die Georgsgasse zum Vreithof.


      Weiter am Großen Teich entlang geht es durch die Georgsgasse, von der jedoch kein direkter Zugang zum Theodor-Heuss-Park besteht. Stattdessen landet man auf dem Schweinemarkt, der jedoch Bestandteil eines späteren Galeriebeitrags von mir wird.


      Stattdessen gibt es noch ein weiteres Foto der Teichsmühle. Die Teichsmühle ist laut Wikipedia die älteste urkundlich erwähnte Mühle der Stadt und wurde im 30jährigen Krieg zerstört. 1654 wurde der heutige Bau begonnen und im Jahre 1938 im Heimatschutzstil erweitert. Seit einiger Zeit ist in ihr das Touristeninformationsbüro ansässig.




      Wenn man vor der Teichsmühle steht, hat man diesen Ausblick in Richtung Dom. Mit der fast abgeschnittenen Teichsapotheke sind dort nur Altbauten zu sehen, was sich wiederum recht gut mit alten Postkarten wie dieser und dieser vergleichen lässt. Hier wird auch noch einmal deutlich, was ein Gewinn eine Fassadenwiederherstellung des Gründerzeitlers, der in den Teich hineinragt, wäre.


      Und hiermit verabschiede ich mich für heute...
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    • Mittlerweile ist es fast ein Jahr her und ich habe die Bilder des damaligen Rundgangs immer noch nicht vollständig eingestellt... ich sehe schon, es wird Zeit, dass ich hier wieder aktiver werde.

      Dafür gibt es heute mal losgelöst vom Rundgang zwei Fotos vom Wall, der Soester Stadtmauer, immerhin noch zu drei Vierteln erhalten:




      Booni schrieb:

      Gegenüber der Wiesenkirche steht dieses interessante Gebäude, das ich bauzeitlich nicht ganz einordnen kann. Ich kann mir jedoch gut vorstellen, dass eine Restaurierung in den Originalzustand durchaus lohnenswert wäre.

      Mittlerweile konnte ich in Erfahrung bringen, dass das Gebäude sowie der links angrenzende Teil das alte Soester Finanzamt von 1925 ist - also früher Heimatstil anstatt Wiederaufbauarchitektur (was in Soest nahezu gleich aussieht). Dem Finanzamt folgten im übrigen ein Bau von 1952 in der Waisenhausstraße, der leider 2011 abgerissen wurde (aktuell entsteht dort Soest's zweitgrößte Bausünde der Altstadt, das Modecenter Kress) sowie

      Der linke Gebäudeteil wurde ja saniert und moderat umgebaut - bis auf größere Dachgauben ist es vor allem eine großzügig verglaste Ecke im 1. Stock, die neu hinzugekommen ist. Mieter ist die Diakonie. Nachdem, was ursprünglich mal geplant war, kann man jedoch froh sein, dass es nur so gekommen ist.
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