Kleinere Sehenswürdigkeiten in Baden-Württemberg (Galerie)

    • Schloss Obernau (Stadt Rottenburg am Neckar, Lkr. Tübingen)

      5km westlich von Rottenburg liegt im Neckartal die heute ganz dörflich wirkende ehemalige Zwergstadt Obernau. Sie besaß einst eine Stadtmauer mit zwei Toren, umfaßte aber nur drei Gassen mit etwa 30 Wohnhäusern. Obernau war der Stammsitz der Freiherren von Ow (gesprochen Oh, früher Owe geschrieben = Aue), deren am Ortsrand gelegene Burg noch in Teilen erhalten ist.

      Obernau von Osten. Links neben der Kirche der Bergfried der Ortsburg.




      Neben dem mittelalterlichen Bergfried der Herren von Ow errichteten um 1750 die Freiherren von Rassler ein kleines Barockschloss.




      Ein echtes Landschloss mit Enten...




      ... und Hühnern. Sehe ich richtig, daß die Hühnerleiter direkt ins Schloss führt?!

    • Man beachte den hochgelegenen Eingang des Bergfriedes




      Die eher bescheidene Schloßscheuer




      Schloss Obernau vom Ort her gesehen, durch Bäume und Gegenlicht. Vorne rechts ein Gedenkstein für den Minnesänger Hartmann von Aue, der vielleicht aus der Familie von Ow und somit aus Obernau stammt.




      Der Bergfried, auch Eselsturm genannt, aus der Mitte des 13. Jahrhunderts. Knapp 17 Meter hoch. Auffallend ist das verschiedene Mauerwerk: unten einfacher Bruchstein, darüber repräsentativere Tuffsteinquader. Die Burg war ursprünglich eine klassische Turmhügelburg (Motte), errichtet auf einem künstlichen Hügel mit einem Wassergraben ringsherum. Der Hügel war vermutlich einst höher und reichte bis zum Beginn des Mauerwerks aus Tuffsteinquadern.




      Das denkbar schlichte Portal des Schlosses. Die Mauern im Erdgeschoss sind sehr dick; wahrscheinlich steckt noch mittelalterliches Mauerwerk im Schlossbau von 1750. Die Schießscharte dürfte auch älter sein.

    • Das Schlössle in Salzstetten (Gemeinde Waldachtal, Lkr. Freudenstadt)

      Das Schlössle ist eines der vielen Schlösser, die fast niemand kennt und dies, obwohl es sogar einmal "Denkmal des Monats" der Denkmalstiftung Baden-Württemberg gewesen ist. Mir gefällt es sehr, unter anderem weil es zeigt, wie sich Schlösser im Laufe der Zeit fast bis zur Unkenntlichkeit verändern können.

      Salzstetten liegt am Ostrand des Schwarzwaldes, am Übergang zum Heckengäu.




      Die Hauptstraße von Salzstetten. Wer würde hier auf den ersten Blick ein Schloss erkennen?




      Erbaut wurde das Schlössle 1514, wohl an Stelle einer mittelalterlichen Anlage, als Sitz der Ortsherrschaft. Mehrfache Besitzerwechsel, Umbauten und Teilungen verwandelten es in bäuerliche Wohnhäuser. Erhalten geblieben sind im wesentlichen die in Stein ausgeführten unteren zwei Geschosse. Vermutlich besaß das Schloss ursprünglich ein drittes Geschoss aus Fachwerk, das heute verschwunden ist. Informationen zur Baugeschichte findet man bei bauforschung-bw




      Der östliche Teil wurde vor einigen Jahren denkmalgerecht restauriert.

    • Die Buckelquaderecke verwundert mich. Ich hätte sie für einen Rest des Vorgängerbaues gehalten, aber laut Bauforschung ist das ganze Schloss 1514 neu errichtet worden. Der vorspringende Teil rechts stammt von 1564.







      Die in einem Hinterhof versteckte Ostseite, die ihren schlossartigen Charakter bewahrt hat.




      An dem schmalen Gang zwischen der Nordseite und einer Scheune blieb ein Kreuzstockfenster erhalten.



      Das wars!
    • Besten Dank, Tübinger! Solche Beiträge wie diese hier über das einstige Schloss in Salzstetten sind in meinen Augen sehr wertvoll. Denn sie machen uns aufmerksam auf weniger bekannte Denkmäler, deren Pflege und Erhaltung uns wichtig sein sollte. Nur die großen und allseits bekannten Denkmäler zu betrachten, ist ja wenig hilfreich. Die kennt ja sowieso jeder. Aber wir hier sind doch viel tiefer an den erhaltenen Bauwerken der Vergangenheit interessiert.
    • Zu den Buckelquadern die wurden bis ins 17. Jahrhundert immer gerne verwendet. Oftmals wurden sie in Zweitverwendung, von abgebrochenen Vorgängerbauten, verwendet. Teilweise wurden aber wohl auch neue gefertigt. Dass Buckelquader in die Stauferzeit datieren ist mittlerweile als Mär enttarnt worden. Zwar beginnt ihr Auftreten in dieser Zeit, doch endet ihre Zeit (abgesehen vom Historismus) erst im 16./17. Jahrhundert.
    • Da hast Du wohl Recht. Buckelquader wurden z.B. noch 1667 beim Fünfeckturm des Tübinger Schlosses verwendet. Andererseits habe ich Buckelquader in der weiteren Region um Tübingen bisher eben doch ganz überwiegend bei hochmittelalterlichen Bauwerken gesehen. Spätere Verwendungen sind, zumindest in dieser Gegend, selten. Mit scheint auch, dass die Buckel der nachmittelalterlichen Buckelquader meistens sehr regelmäßig gearbeitet sind. Die Buckelquader in Salzstetten dagegen machen auf mich einen eher altertümlichen Eindruck. Vielleicht sind es ländliche Nachzügler. Den Rundturm an der Ecke hätte ich nach Augenschein auch früher als 1514 datiert.
    • Das Amtshaus des Klosters Muri ("Murischloss") in Dettingen (Stadt Horb am Neckar, Lkr. Freudenstadt)

      Dettingen liegt im Neckartal, ungefähr 5 km südwestlich von Horb. Nach dem Aussterben des Ortsadels kam Dettingen in den Besitz des Klosters Muri, das 1746 in Oberdettingen ein schlossartiges Amtshaus errichten ließ.

      Das "Schloss" ist eine dreigeschossige Vierflügelanlage mit größeren Trakten im Westen und Osten, die durch schmalere Flügel verbunden sind.




      Das Schloss macht außen wie innen einen wohlgepflegten Eindruck.




      Das Schloss steht an der Stelle einer der alten Ortsburgen; die Burg von Unterdettingen ist noch in Resten erhalten.



      Die Nordseite mit dem Portal

    • Das Portal ziert das Wappen des Fürstabts von Muri, Gerold I., der das Schloss hat erbauen lassen.




      Im Schloss sind Wohnungen und die Ortsverwaltung untergebracht. Dank letzterer sind der Hof und einige Innenräume zugänglich. Eine Wohnung wird zur Zeit für 660.000 Euro angeboten. Infos des Maklers hier (interessant auch wegen der Bilder). Das Schloss hat einiges von seiner originalen Innenausstattung wie Böden, Türen und Stuckdecken bewahrt.