Angepasste Neubauten in Süddeutschland (Galerie)

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Das meine ich doch. Es passt nur in eine Großstadt. Und zwar in eine mit diesem Stil, also nicht allzu weit weg von Mainz. Wie es im Detail aussieht, kann ich nicht beurteilen. In Aschaffenburg, das im Mainzer Einflussgebiet liegt, stehen in der Altstadt, so in der Herstallstraße, hohe Gebäude rum, die irgendwo im Bereich von Historimus oder Neubarock oder was weiß ich anzusiedeln sind. Da hat das kleine Aschaffenburg zuviel Großstadtarchitektur abbekommen. In meinen Augen ist es dort einfach nur zum Davonlaufen. Ich erinnere mich hier eher an den Neubau an der Landingstraße mit den Arkaden neben der vielbefahrenen Straße. Der ist nicht neubarock und besteht nicht aus Buntsandstein.
    • Nein, Zeno, hier geht es nicht um "Kontraste", wie du mir unterstellt hast. Ich gebe zu, dass ich dieses Mittel in arg kriegszerstörten Städten für einen gangbaren Weg halte, aber hier geht es eher um die Verschandelung oder Marginalisierung erhaltener Städte wie Landshut, Landsberg und Aalen. Ich bin nicht für Kontraste, sondern für Erhalt. Allerdings ist es mir wurst, ob ein Kontrast entsteht oder eine misslungene Lückenschließung durch einen Kitschbau.
      Tübinger hat die Sache sehr schön formuliert. Das Wertheimer Beispiel bringt es auf den Punkt. Dass dir der Neubau nicht so zusagt, tut nichts zur Sache (er ist meiner Meinung nach hundert mal besser als alles von dir Angebotene, aber das tut ebensowenig zur Sache). Worauf es ankommt, ist, dass dadurch der UNWIEDERBRINGLICHE SUBSTANZVERLUST erst ermöglich worden ist (und damit ein weiterer, und bald darauf wieder ein weiterer-- es geht ja alles durch, keiner regt sich drüber auf).
      Dieser missglückte Strang sollte ja so etwas wie dein Credo werden, Zeno. Du hast es ja oft genug gesagt: wir in Süddeutschland lieben es sauber. Uns sind saubere Neubauten lieber als vergammelte Altbauten, weshalb wir Letztere in aller Stille entsorgen und durch gute angepasste Neubauten ersetzten - zum Gewinn des Stadtbildes. So hast du irgendwo (des Öfteren) schon argumentiert, ich glaube beispielsweise anlässlich des Landshuter Dreifaltigkeitsplatz
      panoramio.com/photo/24138774
      der durch zwei überaus plumpe Kitschbauten, die du gelobt hast, fürchterlich entstellt wird. Bei aller Freundschaft, hier ist Widerspruch vonnöten. Natürlich will ich an dieser Stelle keine Glaskästen, aber, wie Tübinger schreibt, die wären nicht durchgegangen. Und wie ich sage: dieses ungenaue Hinsehen desensibilisiert.
      Der Vorgang wäre auch nicht zu billigen, wenn qualitativ hochstehende Neubauten errichtet worden wären, nicht einmal im Falle von Rekos. Davon ist man hier jedoch meilenweit entfernt. Landshut ist ein Beispiel dafür, dass die Abrisswut mit einer enormen geschmacklichen Verrohung einhergeht.
      Und diese deine Meinung geht einfach nicht an. Irgendwer, ich glaube, es war RMA, hat zu Alsfeld geschrieben, dass ein gewisser Leerstand und momentaner Verfall zu einer Altstadt einfach gehört, dass es derlei zu allen Zeiten gegeben hat. So ist es auch in allen Ländern, nur in Deutschland, vor allem Süddeutschland ist man da sofort mit der Abrissbirne zur Hand.
      Und genau dieses Denken ist Gift. Daher ist auch dieser Strang Gift. Man sollte den Altstadtvernichtern nicht Applaus dafür spenden, dass sie alles vernichtet haben. "Gelungene Beispiele eines nicht rekonstruierenden Wiederaufbaus"- das wäre interessant und auch nützlich.
      Aber ein derartiges, spezifisch süddeutsches Barbarentum zu verniedlichen oder gar zu loben, geziemt sich nicht für unsereins. Auch nicht für dich, Zeno. Von dir und deinem Geschmack habe ich viel gelernt, von deinem feinen Verständnis für die Städte Süddeutschlands und ihre Stile. Es ist klar, dass durch die fürchterlichen Kriegszerstörungen viel relativiert, ja nivelliert wurde, aber dennoch solltest du dich bemühen, nicht auf derartig einschmeichelnde Beispiele hereinzufallen. Du wirst zum Opfer deines Harmoniebestrebens. Und das ist nicht gut so.
      ... dass jeder troglodytischen Lebensart, beruht sie nur fest in sich selbst, etwas schlechthin faszinierendes eignet, überhaupt für solche, die einen Ansatz dazu schon besitzen und mitbringen, der dann nur noch einer gewissen Entwicklung bedarf. (HvD)
    • Zeno schrieb:

      In Aschaffenburg, das im Mainzer Einflussgebiet liegt, stehen in der Altstadt, so in der Herstallstraße, hohe Gebäude rum, die irgendwo im Bereich von Historimus oder Neubarock oder was weiß ich anzusiedeln sind. Da hat das kleine Aschaffenburg zuviel Großstadtarchitektur abbekommen. In meinen Augen ist es dort einfach nur zum Davonlaufen.


      Das sehe ich gar nicht so, und die Aschaffenburger, die ich kenne, sind alle auch sehr zufrieden mit ihrer Stadt. Mir gefällt zum Beispiel die Magistrale der Friedrichstraße sehr gut. In Aschaffenburg finden sich Fachwerkhäuser, historistische Großbauten und moderne Komplexe in einem relativ harmonisch verbundenen Gefüge. Klar ist das keine vormoderne Idealstadt, aber der Ort zeichnet sich durch eine für seine Größe (etwas über 65.000 Einwohner) beachtliche Urbanität aus. Dort ist im Zentrum in manchen Nächten optisch mehr los, als in Frankfurt mit seinen weit zerstreuten Nachtleben-Lokalitäten.
    • Eine interessante Diskussion (obwohl die Galerie ja eigentlich nicht zum breiten Diskutieren gedacht ist).

      Es ist eben leider ein himmelweiter Unterschied, ob Altbauten - ob Barock, Mittelalter, Gründerzeit -

      a) bereits vor 70 Jahren durch alliierte Bomben pulverisiert wurden bzw. in den barbarischen 50er und 60er Jahren abgerissen und durch Betonklötze ersetzt wurden, die nun ihrerseits fällig sind

      oder ob sie

      b) erst in jüngerer Zeit nach langer, oft gezielter Vernachlässigung, abgerissen wurden - weil eine Sanierung "nicht wirtschaftlich darstellbar" sein soll.

      Im Falle von a) kann ich mich auch an solchen Neubauten wie einigen der von Zeno gezeigten Beispielen erfreuen, da sie doch, obwohl sie recht banal aussehen und nicht mit einer Rekonstruktion mithalten können, zu einer Stadtreparatur beitragen.

      Im Falle von b) sehe ich den "angepassten Neubau" dann natürlich auch mit ganz anderen Augen und kann die Position von ursus carpaticus durchaus nachvollziehen. Mit solchen gefälligen Neubauten wird dem unkundigen Betrachter vorgegaukelt "Guck mal, so schlimm ist das doch gar nicht mit dem Abriss, schaut doch auch ganz nett aus, passt doch" - eine Art bauliche Beruhigungspille.

      In Wiesbaden gibt es auch ein Reihe von angepassten und eigentlich ganz ordentlichen Neubauten, bei denen ich aber lieber nicht wissen will, was dort vorher stand und bis wann. Da aber, wo ich es inzwischen weiß bzw. selbst mitbekommen habe (z.B. das hier im Forum schon vorgestellte Eckhaus Kirchgasse/Kleine Schwalbacher Straße anstelle des abgerissenen "Pfeifenhauses") kann mir der angepasste Neubau gestohlen bleiben. Wenngleich natürlich an anderen Stellen - in WI wie auch in allen anderen deutschen Städten - anstelle des frisch abgerissenen Altbaus ein richtig fieser Klotz hinkommt. Besser ist das auch nicht - ehrlicher und entlarvender, ja - aber besser?
    • Ich weiß es nicht, weiß von dem Neubau ja ohnehin erst seit kurzer Zeit. Wahrscheinlich hast Du Dir die Antwort selber schon gegeben, denn viel tiefgründiger, habe ich das Gefühl, ist der ganze Vorgang nicht:

      Ravensberger schrieb:

      Ich denke, man will die alten Häuser einfach los werden, da man das Grundstück anderweitig, sprich gewinnbringender nutzen will. Außerdem wollen sich die beauftragten Architekten nicht wirklich mit historischen Bauten auseinandersetzen, das Gespür dafür fehlt völlig.
    • @ UC:

      Aber das ist doch genau meine Sicht der Dinge. Ich war doch schon immer dafür, möglichst alle Gebäude in einer Altstadt zu erhalten, soweit es sich um Bausünden oder vollkommen Belangloses gehandelt hat oder um Fabrikanlagen, also alles Objekte, die in einer Altstadt nichts zu schen haben. Ich habe doch faktisch jeden Neubau nach einem Abbruch als eine Verschlechterung wahrgenommen. Während Du, Ursus, an dieser Stelle aber die Diskussion als erledigt betrachtest, mache ich mir halt auch Gedanken, wie man am besten neubaut, wenn es dennoch vorkommt. Der Grund dafür ist doch kein anderer als der, dass ich eben auch feststellen habe müssen, dass eben nicht regelmäßig nicht nur nach dem zutiefst ursianischen, sondern auch zenoischen Grundsatz verfahren wird, möglichst alles zu erhalten, sondern die Lebenserfahrung leider lehrt, dass es tatsächlich Abbrüche gibt - und manchmal auch Freiflächen, die bebaut werden können. Und für diese Fälle bin ich eben seit Jahrzehnten dafür, dass man Neubauten gut gestaltet und nicht schlecht. Ist denn das nicht auch und gerade das Thema dieses Forums, wie Neubauten aussehen sollen? Hier in diesem Forum wird doch eben gerade nicht einfach nur gesagt, es sei gleichgültig, wie Neubauten aussähen, weil mit dem Verlust des Altbaues eh schon egal sei.
    • Tübinger schrieb:

      Sehe ich das richtig, daß man sogar dieses Prachtexemplar eines Fachwerkhauses durch einen verschi**enen angepaßten Neubau ersetzt hat???

      Das hört sich ja gerade so an, als ob Dir hier so ein Exemplar lieber wäre, das man als nicht angepasst bezeichnen muss:

      Bild 3263

      Aichach, Tandlmarkt 4

      Dass Du angepasste Neubauten so zu apostrophieren übst, scheint mir der Hinweis auf ein Luxusproblem, will heißen, offenbar ist es in Tübingen nicht so leicht möglich, mit der Alltäglichkeit des Abbruchbaggers leben zu lernen und den darauf in großer Regelmäßigkeit folgenden, nicht angepassten Neubauten. Es ist doch nicht so, dass nur abgebrochen wird, wenn angepasst gebaut werden soll. Vielmehr sind an der Moderne orientierte Neubauten in Baden-Württemberg die Regel und die angepassten Neubauten Anlass zur viel zu seltenen Freude.
    • Zeno schrieb:

      Tübinger schrieb:

      Sehe ich das richtig, daß man sogar dieses Prachtexemplar eines Fachwerkhauses durch einen verschi**enen angepaßten Neubau ersetzt hat???
      Dieser Satz, dessen Formulierung ich in gewissen Details bereue, stammt aus diesem Zusammenhang. Der Neubau ist dem abgerissenen Fachwerkhaus sehr ähnlich. Die Künzelsauer, oder wer immer für den Abriß verantwortlich war, scheinen gemerkt zu haben, daß das nicht irgendein beliebiges Fachwerkhaus war, sondern ein besonders wertvolles und auffallendes. Ich vermute schon, daß der Abriß mit dem Argument "Der Neubau wird ganz ähnlich aussehen" leichter durchzusetzen war. Aber wir beide haben unsere Positionen zum Thema "angepaßte Neubauten" schon hinreichend deutlich dargelegt und wir sollten uns nicht wiederholen. In der Hauptsache sind wir uns ja einig: Erhalten ist besser als abreißen.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Tübinger ()