Tausenden Kirchen droht der Abriss

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    • Tausenden Kirchen droht der Abriss

      Vor wenigen Tagen lief im Fernsehen ein Bericht über diverse
      Kirchenabrisse in Nordrhein-Westfalen.
      So wie ich jetzt in einem Zeit-Artikel von 2004 gelesen habe,
      ist dies wohl in ganz Deutschland und sogar in anderen Ländern
      Europas so. Zehntausende Kirchen sollen den Besitzer wechseln
      oder sogar völlig abgerissen werden.
      Viele der Kirchen, die abgerissen werden sollen, sind aus der
      Nachkriegszeit. Es sollen aber auch ältere dabei sein.
      Vielleicht könnten wir hier ein paar Kirchen, die
      zum Abriß stehen, veröffentlichen.

      Hier der Artikel dazu:

      zeit.de/2004/11/Kirchenleerstand

      "Zeit" schrieb:

      ...

      Altar raus, Geldautomat rein

      So radikal hat das bislang noch niemand formuliert; lieber sprach man von Einzelfällen, die abgerissen werden müssten. Doch auch Matthias Ludwig vom Kirchenbauinstitut Marburg prognostiziert nun dramatische Schließungswellen: Er hält es für „durchaus realistisch“, dass jede dritte der 32000 Kirchen verkauft oder abgerissen werden muss. Es droht der Verlust unzähliger Denkmäler – was lange selbstverständlich war, löst sich auf.
      ...
    • Schlimm, aber kennzeichnend für die heraufbrechende Zeit des Nachwestlichen Europa. Ich frage mich, warum man, gerade bei den allerersten Notkirchen der Vierziger und Fünfziger, die sowohl in der DDR als auch im Westen errichtet wurden(unter Verwendung einfachster Mittel, sehr häufig mit einem hohen Satteldach, ohne Turm), keinen Denkmalschutzfaktor reinarbeitet.

      Das sind wichtige Zeugnisse der deutschen Geschichte und auch der Identität, auch wenn ihr religiöser Zweck gerne einer weltlicheren, eventuell musealen Nutzung weichen kann. Die vielen gotischen Vorstadtkirchen aus dem 19. Jahrhundert könnte man, zumindest im Osten(wo weder Christen- noch Ersatzgemeindenbedarf besteht) behutsam zu weltlichen Verantsaltungsorten umbauen oder, wenn sie allzu übel geraten sind, abreißen. Dürfte wohl nur wenige betreffen, die meisten sind doch ganz hübsch.

      Die typischen westdeutschen Kirchen der Wirtschaftswunderjahre, mit einfachem Campanile und Flachdach, ebenso wie die postmodernen DDR-Kirchen der Achtziger, können IMO natürlich weg, wenn sie nicht mehr gebraucht werden.
      Oder man wandelt sie zu gegebener Zeit in Moscheen um; die neuen Bevölkerungsmehrheiten in den westdeutschen Metropolen brauchen Raum zur religiösen und gesellschaftlichen Betätigung; immerhin dürften diese Gottesbunker dann wieder ornamentalen Schmuck tragen. In den hölländischen und britischen Großstädten ist diese Verfahrensweise im Moment en vougue.
    • Wissmut schrieb:
      Oder man wandelt sie zu gegebener Zeit in Moscheen um; die neuen Bevölkerungsmehrheiten in den westdeutschen Metropolen brauchen Raum zur religiösen und gesellschaftlichen Betätigung; immerhin dürften diese Gottesbunker dann wieder ornamentalen Schmuck tragen. In den hölländischen und britischen Großstädten ist diese Verfahrensweise im Moment en vougue.


      ZYNIKER! :daumenoben:
    • "Wissmut" schrieb:

      Das sind wichtige Zeugnisse der deutschen Geschichte und auch der Identität, ..


      Nein Mein Vetter aus der Zone,das sind Zeugen und Bauwerke des Glaubens!

      auch wenn ihr religiöser Zweck gerne einer weltlicheren, eventuell musealen Nutzung weichen kann


      Das ist pur Blasphemie!
      Bei keinem anderen art Bauwerk würde wie bei einer Kirche sagen:
      Nutzlos dann ABREISSEN,denn es ist jeden Gläubigen ein Jammer und Herzzereissend den Tempel des Herrn als Räuberhöhle zu sehen! :boese:
      Aber solche Befindlichkeiten sind wohl der säkularisierten Mehrheit des Forumspublikums fremd?

      Oder man wandelt sie zu gegebener Zeit in Moscheen um;

      So wie die Hagia Sophia,Apostelkirche und viele mehr! :boese:


      In den hölländischen und britischen Großstädten ist diese Verfahrensweise im Moment en vougue


      Ein Katholischer Theologe schrieb einmal nicht zu unrecht,
      "Wenn der Teufel schüler sucht geht er nach Holland oder England" :zwinkern:
    • Katholische Kirche in Gatow wird zum Supermarkt umgebaut

      Berlin - Die katholische Sankt-Raphael-Kirche in Gatow ist an die Spandauer Projektentwickler Fleischer und Hohlfeld verkauft worden. Die Käufer wollen das Gotteshaus aus den 60er Jahren an der Straße Alt-Gatow zum Nahversorgungszentrum machen. Erstmals soll eine Berliner Kirche nun zum Einkaufstempel umgewandelt werden.

      Nach dem Zusammenschluß der Gatower mit der Kladower Kirchengemeinde wurde der rund 2500 Mitglieder zählende katholische Gemeinde im Spandauer Süden der Unterhalt für das Gatower Gebäude zu teuer. Kladow hat Kirche und Gemeindezentrum. Eine Veräußerung an andere Glaubensgemeinschaften, die die katholische Kirche für überflüssige Bauten favorisiert, sei an der schlechten Verkehrverbindung nach Gatow gescheitert, sagt der Kladower Pater [...] Kupitz. Der Verkauf an die Spandauer Bauträger, über dessen Erlös die Partner schweigen, sei "keine optimale, aber eine akzeptable Lösung". Gatow brauche ein Lebensmittelgeschäft, so der Pater. Die kirchlichen Gremien hätten "monatelang darüber diskutiert". "Wir haben nur zugestimmt, weil es in Gatow keine Einkaufsmöglichkeiten gibt", sagt auch Stefan Förner, Sprecher des Erzbistums Berlin, zu der kommerziellen Nachnutzung.

      Die Projektwickler Fleischer und Hohlfeld wollen das Kirchen-Gebäude nun entkernen und um einen Anbau ergänzen. Rund 700 Quadratmeter Verkaufsfläche sollen entstehen.



      Quelle: welt.de/data/2005/05/06/714962.html


      Meiner Meinung nach eine gute Lösung, ich weiß zwar nicht, wie das Gebäude aussieht, aber wenn es aus den 60ern stammt, hat es wahrscheinlich ohnehin mehr Ähnlichkeiten mit einem Supermarkt als mit einem Gotteshaus.
    • Wenn Kirchen, denen der Abriss droht, anderweitig nichtreligiös genutzt werden, finde ich das begrüßenswert.

      In Leipzig gibt es die Friedenskirche, eine sehr schöne Kirche, die jetzt von Künstlern, Kinder- und Schulvereine genutzt wird.


      Ich bin aber entschieden dagegen, dass aus ihnen Moscheen entstehen, in denen Hassprediger ihr Unwesen treiben, in denen junge Ausländer für den Dschihad rekrutiert werden, junge ausländische Frauen in ihren Rechten stark beschnitten werden und Repressalien bis hin zum Tod angedroht werden, falls man sich den Gesetzen des Korans widersetzt.

      Der Islam, so wie er momentan vielerorts auf den "Hinterhöfen" gelebt wird, hat meiner Ansicht nach nichts mehr mit religöser Freiheit zu tun, sondern stellt einen radikalreligiösen Fundamentalismus dar, der mit unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung längst nicht mehr in Einklang gebracht werden kann. Der Fall des Imamen von Berlin, der auf die übelste Art und Weise Hass gegen Ungläubige (wie es seiner Meinung nach auch Christen sind) predigte, dürfte kein Einzelfall in Deutschland sein.

      Vergegenwärtige ich mir noch die unsägliche Debatte in Berlin, den Religionsunterrichts aus den Schulen zu verbannen, während in Kreuzberg die Moscheen wie Pilze aus dem Boden schießen und gleichzeitig diskutiert wird, ob für muslimische Schüler ein separater Koranunterricht eingeführt werden solle, wird mir wirklich übel bei.
    • Also eigentlich wäre es doch gar nicht so schlecht, ungenutze Kirchen als Moscheen zu nutzen, vorrausgesetzt dass sich optisch an dem Gebäude nicht wirklich was verändert.
      Große Moscheen sind meistens nicht so fundamentalistisch geprägt und lassen sich daraufhin auch leicht kontrollieren.

      ... ich weiß gar nicht, wieso der Islam hier so verhasst ist, schließlich haben wir ja ähnliche Wurzeln und beide nur einen Gott... im Gegensatz z.B. zum Buddhismus oder Hinduismus.
      Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten
      Karl Kraus (1874-1936)
    • Re: Blasphemie

      >>
      Nein Mein Vetter aus der Zone,das sind Zeugen und Bauwerke des Glaubens!<<


      Und ?

      Glaube ändert sich. Ich z.B. glaube, aber nicht an einen der mosaischen Wüstenkulte. Dennoch achte ich die künstlerische und technische Leistung unserer Vorfahren, welche für ihre Zeit Grandioses vollbrachten. Alte Kirchengebäude(bis Barock) sind unersetzliche Kulturdenkmäler, selbst wenn Wohnungen, Supermärkte oder Konzerhallen dort untergebracht sind. Sicherlich sind protestantische und gotisch-romanische Kirchen in ihrer spartanischen Inneneinrichtung eher für eine weltliche Umnutzung geeignet als die Katholischen Ornamentfeuerwerke Süddeutschlands - bei denen verbietet sich ein Umbau.

      >>
      Das ist pur Blasphemie!<<

      Gern geschehen

      >>Bei keinem anderen art Bauwerk würde wie bei einer Kirche sagen:
      Nutzlos dann ABREISSEN,denn es ist jeden Gläubigen ein Jammer und Herzzereissend den Tempel des Herrn als Räuberhöhle zu sehen! :boese: <<

      Das ist mir schnurz, was Christengläubige denken. Ich bin kein christ - aber in diesem Sinne auch kein Atheist. Es ist aber keineswegs schnurz, was mit den Gebäuden als Kulturdenkmälern geschieht. Ebenso wie bei Profangebäuden kann man, bis zu einer gewissen Grenze, innere Umbauten vornehmen - ein Vorgang, der sich in vielen Jahrhunderten in vielen Kirchen abgespielt hat. Das äußere dagegen blieb zumeist unberührt, abgesehen vom 19. Jahrhundert und den "Versachlichungen" der Nachkriegszeit.


      >>Aber solche Befindlichkeiten sind wohl der säkularisierten Mehrheit des Forumspublikums fremd?<<

      Jo, jo dat

      >>
      Oder man wandelt sie zu gegebener Zeit in Moscheen um;

      So wie die Hagia Sophia,Apostelkirche und viele mehr! :boese: <<

      Was in fernen Ländern geschah, interessiert mich nicht. Auch, wenn es sich um sogenannte Heilige Stätten handelt, deretwegen sich Menschen seit drei oder noch mehr Jahrtausenden abgeschlachtet haben.

      Ich kanns nicht ändern oder ungeschehen machen. Für die Christen ist derlei natürlich eine Angstvorstellung; Substanzverlust usw. Kann ich nachvollziehen, auch die Furcht vor dem Islam(wobei ich den nicht aus theologischen Gründen ablehne)

      >>>
      Ein Katholischer Theologe schrieb einmal nicht zu unrecht,
      "Wenn der Teufel schüler sucht geht er nach Holland oder England" :zwinkern:<<

      Oder Sachsen. Schließlich trägt Obersachsen/Mitteldeutschland die historische Schuld an der Reformation, am Aufstieg der pragmatisch-wirtschaftsorientierten Denkweise in Deutschland, der antiklerikalen Variante der Nationalbewegung, der Initialisierung der Reichskirche und schlußendlich der Entchristianisierung des eigenen Landes. ;)
    • "Booni" schrieb:

      Also eigentlich wäre es doch gar nicht so schlecht, ungenutze Kirchen als Moscheen zu nutzen, vorrausgesetzt dass sich optisch an dem Gebäude nicht wirklich was verändert.
      Große Moscheen sind meistens nicht so fundamentalistisch geprägt und lassen sich daraufhin auch leicht kontrollieren.

      ... ich weiß gar nicht, wieso der Islam hier so verhasst ist, schließlich haben wir ja ähnliche Wurzeln und beide nur einen Gott... im Gegensatz z.B. zum Buddhismus oder Hinduismus.



      Die Ablehnung des Islams hat bei den meisten Leuten sehr weltliche und gute Gründe. An sich ist der Islam eine überaus erfolgreiche Religion; identitätsstiftender als diverse Christenkulte und auch ehrlicher - auch seine Architektur ist nicht zu verachten; viele islamische Sakralbauwerke zählen IMO zu den Schönsten Bauwerken dieser Welt, selbst heutige! Aber gleichzeitig ist der Islam auch eine Bedrohung für den gesellschaftlichen Frieden in Deutschland und Westeuropa; ein historisches Unglück, verursacht durch unsere eigenen politischen Eliten der damaligen Zeit.

      In den neuen Bundesländern muß man sich übrigens keine Sorgen über eine eventuelle Übernahme der bestehenden Kirchen machen. Die Zahl an aktiv glaubigen Moslems ist immer noch weniger als die der gläubigen Christen, also vernachlässigbar. D.h., hierzulande wirds in den nächsten Jahren viele neue Veranstaltungszentren, Exquisitwohnungen und Konzertsääle geben, mit vergleichsweise geringen Kosten. Gelebter Pragmatismus eben. ;)
    • ich weiß gar nicht, wieso der Islam hier so verhasst ist


      Ich glaube, das war eine rhetorische Frage. Sonst müßtest Du eine ganze Debatte verpaßt haben, die seit Jahren tobt. Wir sollten diese Diskussion aber in den Keller verlagern, wenn daran Interesse besteht. Ein paar Stichworte:

      Zwangsverheiratungen, Ehrenmorde, Bildungsarmut, religiöse Eiferei, Unterdrückung der Frau, geringe Integrationswilligkeit, archaische Ehrbegriffe (v.a. bei Kritik am Islam)
    • Für die Erhaltung von Bauwerken ist wichtig, das sie genutzt werden. In welcher Form auch immer. Ich bin zuversichtlich, das (sofern sich die Menschheit noch solange hält) in kommenden Jahrzehnten oder Jahrhunderten wieder eine Rückbesinnung kommt, und dann werden auch die Kirchen wieder gebraucht. Zwei Beispiele: In der Zeit nach der französischen Revolution wurden unzählige Kirchen, auch im damals größtenteils französisch besetzten deutschen Gebieten, säkularisiert - auf Deutsch gesagt: sie wurden zu Kasernen, Pferdeställen, Lagerhäusern oder sogar zu einer Chemischen Fabrik (Altenberger Dom) umgewandelt. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurden dann viele Kirchen wieder ihrer ursprünglichen Funktion zugeführt. Dasselbe gilt für das postkommunistische Russland, in St. Petersburg sind bereits einige Kirchen, die seit den 30er Jahren z. B. als Turnhalle oder Schwimmbad genutzt wurden, wieder eröffnet worden.
      Weder der verblichene Kommunismus noch der momentan grassierende brutale Kapitalismus (den Vergleich mit einer Heuschreckenplage fand ich sehr treffend...) kommen in ihrer Bestandszeit dem mittlerweile über 2000 Jahre wirkenden Christentum nahe oder werden ihm nahekommen- oder auch dem Bestand anderer Weltreligionen. Diese Systeme arbeiteten letztlich egoistisch und sind nicht auf die Dauer mehrerer Generationen angelegt. Und die Götter "Wirtschaftswachstum" und "Rendite" lassen uns ja nun schon seit Jahren im Stich...
    • "Ein_Hannoveraner" schrieb:

      Für die Erhaltung von Bauwerken ist wichtig, das sie genutzt werden. In welcher Form auch immer. (...)Diese Systeme arbeiteten letztlich egoistisch und sind nicht auf die Dauer mehrerer Generationen angelegt. Und die Götter "Wirtschaftswachstum" und "Rendite" lassen uns ja nun schon seit Jahren im Stich...



      Man sollte die Götter des Mammon nicht mit gesundem Menschenverstand, Pragmatismus, Rationalität verwechseln. Die letzten drei haben uns den Wohlstand ermöglicht, von dem wir noch einige Jahre lang zehren werden. Deutschland konnte nur deswegen so stark werden, indem es den kalten Grundgesetzen der wirtschaftlichen Notwendigkeiten einen Schuß einer ganz anderen, ebenfalls progressiv und weltlich orientierten Religion beimengte, die sich zeitweise als Christentum tarnte. Schon im wilhelminischen Kaiserreich war doch der Unterschied vom mittelalterlichen, wirklichen Christentum zum -damals- modernen, nationalen Christentum nicht mehr zu übersehen. Schon damals verlor dieses "Christentum" die Berechtigung einer ideologischen Führerschaft über die moderne Industriegesellschaft.
      Selbst der -expansiv orientierte- preußisch-deutsche(später der völkisch-deutsche) Nationalismus als damals zeitgemäße Religion war mit so vielen Mängeln und Widersprüchen behaftet, daß er auf Dauer nicht die ideologische Oberherrschaft bilden konnte - er war darauf ausgelegt, sich früher oder später selbst zu vernichten, in einer Niederlage(1945) oder in einem angenommenen Endsieg seine schreckliche Auflösung zu finden. Nur ein ausdrücklich nicht expansiver, missionierender Nationalismus hätte eine dauerhafte Chance haben können, aber das haben weder Wilhelministen, Militaristen noch Nazis je begriffen.
      Gerade die Protestanten haben sich von dieser Niederlage nie richtig erholen können - die "deutsche Kirche" war eigentlich ihr Projekt, die Pragmatiker und Vernunftmenschen ihre geistigen Nachkommen. Insofern haben die Protestanten bereits ihren historischen Zweck erfüllt(so sollte es eigentlich auch sein). Die einzigen, die jetzt wieder am Erstarken sind, sind die Katholiken.

      In der frühen DDR waren sie es, welche neue Notkirchen gebaut haben - die Katholiken; dank Unterstützung und Emissäre aus dem Ausland, die der Protestantismus nicht hatte. Vielleicht auch deshalb die Bereitwilligkeit zur Rekonstruktion historischer Kirchenbauten - im Notfall konnte man mal eben "Rom" anpumpen.
    • @ wissmut:

      wenn das mittelalterliche christentum das "wirkliche" war, soll dann das vormittelalterliche christentum - ohne papst und zölibat - etwa unwirklich gewesen sein?

      auch die evangelische kirche in der ddr wurde vom ausland unterstützt. so stellte zum beispiel schweden drei forderungen, bevor sie die ddr diplomatisch anerkannte: die pflege der grabeskapelle von könig gustav II. adolf von schweden, die wiedererrichtung des goldenen "lutherkreuzes" auf der wartburg und den wiederaufbau alter backsteinkirchen im norden der republik. auch neubauten - zum beispiel in leipzig-grünau - hat es gegeben.

      und im verhältnis deutsche katholiken - vatikan ist auch bekannt und unbestritten, wer wem geld abführt.

      deshalb kann ich weder deinen annahmen noch den sich daraus ergebenden schlussfolgerungen zustimmen.
    • Wenn Kirchen sterben

      In Nordrhein-Westfalen stehen bis zu 120 Gotteshäuser auf der Abschußliste - Bochumer Gemeinden rebellieren

      von Dankwart Guratzsch
      Eine der vorzüglichsten Eigenschaften von Gebäuden ist historische Tiefe.
      Die Quelle aller Geschichte ist Tradition. (Schiller)
      Eine Stadt muss ihren Bürgern gefallen, nicht den Architekten.
    • Die rostocker innenstadtgemeinde ist im Besitz gleich dreier mittelalterlicher Gotteshäuser, von denen nur 2 für Gottesdienste genutzt werden. Die dritte kirche steht nicht etwa leer, nein sie dient als Veranstaltungssaal für Konzerte, Aufführungen, Ausstellungen etc. Und das, ohne dass sie entwidmet wurde. Meiner Auffassung nach ein gutes Beispiel.

      In Rostock ist derzeit keine der 4 katholischen und 11 protestantischen Kirchen in ihrem Bestand bedroht. Die Kirche St. Johannis im Walde , eine 1951 errichtete eigenwillige Konstruktion mit Backsteinwänden und einem tragenden Holzstrebenwerk im Inneren und die 1983-85 nach Plänen Ludwig Mies van der Rohes errichtete paritätische St. Thomas Morus Kirche wurden sogar unter Denkmalschutz gestellt.

      Und um die Josephkirche, die Mersternkirche und die Christuskirche am Haektweg, die aufgrund ihrer Gemeindegrößen wohl als erste auf die Streichliste kommen würden, wärs aus architektonischer Sicht nicht schade. Zumal St. Joseph und St. Maria meerstern sowiso umgewidmete ehemalige Wohnhäuser sind.

      Was die Betonkirchen der 60ger und 70ger Jahre angeht, die dürften schon aus Materialverschleissgründen bald das Ende ihrer "Haltbarkeit" erreicht haben und auch kunsthistorisch nicht sonderlich wertvoll sein.
    • Was die Betonkirchen der 60ger und 70ger Jahre angeht, die dürften schon aus Materialverschleissgründen bald das Ende ihrer "Haltbarkeit" erreicht haben und auch kunsthistorisch nicht sonderlich wertvoll sein.


      Letzteres sehen die Denkmalpfleger wohl anders. Zumindest bei uns werden nahezu alle Kirchen, die bis 1970 gebaut wurden, als Baudenkmal behandelt. In Erlangen hat eine solche Kirche ("Ronchamp für Arme") sogar einen Denkmalpflege-Preis erhalten.
      http://www.baukunst-nuernberg.de/ - Architektur in Nürnberg vom Mittelalter bis zur Gegenwart
      Nürnberger Bauernhausfreunde e. V.
    • Aktueller Artikel von Dr. Guratzsch:

      welt.de/data/2005/12/23/821734.html

      Besonders interessant sein Bezug zur Architektur:


      Welche Rolle spielt die Architektur? Tatsächlich läßt sich eine erstaunliche Kongruenz zwischen dem Verfall der Kirchenbaukunst im 20. Jahrhundert und der Umwidmungseuphorie erkennen. Neuerbaute Kirchen nehmen immer befremdlichere Formen an und sehen jenen Funktionsgehäusen immer ähnlicher, zu denen leerstehende Gotteshäuser mit dem Segen ihrer Geistlichkeit "umgewidmet" werden. Turnhallen, Bunker, Hörsäle, Wartehallen, Unterstände, Garagen - kein anderer Bautyp hat im 20. Jahrhundert eine vergleichbare Entwürdigung wie der Kirchenbau erlebt. Was sich da austobt, sind Saturnalien und Hanswurstiaden einer von keiner noch so bescheidenen Sinngebung mehr gezügelten Baulust - nur noch selten findet man Orte der Kontemplation, der Verinnerlichung und mitreißenden Offenbarung.

      So könnte es scheinen, als wolle sich in den Umwidmungsprojekten wie in den Neubauten etwas unfreiwillig Sinnbildhaftes ausdrücken: der Verlust der Mitte, der das kirchliche Leben in einer Epoche der Veräußerlichung und Zerstreuung zunehmend geprägt hat. Diesen Prozeß - das legen Kirchentage, Papstfeiern und das Auferstehungssymbol der Frauenkirche nahe - haben die Gemeinden offenbar nicht mitvollzogen. Ihr Festhalten an Gebäuden, die einmal die identitätsstiftende Mitte von Quartieren, Städten und ganzen Regionen bildeten, stellt die Kirchen unserer Zeit vor die Frage des Selbstverständnisses.

      Kann Kirchenbau, Kirchenrettung, Kirchenerneuerung auch heute noch "Gemeinde bauen"? Die Wiedergeburt der Frauenkirche ist ein Hoffnungszeichen dafür. Wenn Kirche wieder Leben binden und entfalten soll, muß sie dieses Zeichen ernstnehmen. Mit Umwidmungen und Sprengungen geht sie einen anderen Weg.