Stadt- und Ortsbefestigungen in Bayern

    • Marktheidenfeld hat zweifellos eine Ortsbefestigung besessen, das ist nicht die Frage. Es geht jedoch um die Eigenschaft als Stadt:

      Noch 1889 ist vom Markt Heidenfeld die Rede; 1948 wurde Marktheidenfeld Stadt. Die Markterhebung war wohl auch erst 1750, während die Bezeichnung "Markt Heidenfeld" spätestens 1649 auftritt. Irgendwann muss dann auch die Zusammenschreibung üblich geworden sein.

      Dagegen spricht freilich, dass Heidenfeld 1397 als oppidum, als Stadt, bezeichnet wird. Offenbar war Marktheidenfeld dennoch und trotz gewisser städtischer Züge bis 1948 nicht Stadt. Möglicherweise hat es auch im Spätmittelalter vorübergehend Stadtrechte besessen. Insgesamt gesehen kann ich unter diesen Umständen Marktheidenfeld, das ja seine einstige Eigenschaft als Markt im Namen trägt, nicht als mittelalterlich-frühneuzeitliche Stadt sehen.

      Daher habe ich Marktheidenfeld aus der Liste gestrichen.

      stadt-marktheidenfeld.de/page2…ere-stadt/stadtgeschichte


      Ein anderer Fall einer unklaren Stadteigenschaft liegt bei Hals vor. Es mag wohl Stadtrechte besessen haben, gleichwohl ist davon die Rede, es sei Markt "geblieben".


      Grundsätzlich schwebt mir schon vor, die Liste auch auf weitere einstmals befestigte Orte zu erweitern, die nicht Stadt waren. Das geht aber nicht im Handumdrehen, zumal es dann wünschenswert ist, den Charakter eines Ortes zu nennen, wenn nicht die standardmäßige Altstadt vorliegt. Es gibt zum Beispiel eine Reihe einstmals befestigter Märkte oder Dörfer, denen man das heute nicht mehr ansieht, weil weder entsprechende Reste der Befestigung erhalten sind noch eine verdichtete Bebauung besteht.

      Dann werden auch Eggenfelden, Frontenhausen, Marktheidenfeld und diverse weitere Orte erscheinen.
    • Ich habe vor, in diese Liste auch die Orte aufzunehmen, die früher nicht Stadt waren, so dass im Ergebnis eine Liste entsteht, die alle einstmals befestigten Orte umfassen soll. Vollständig wird diese Liste freilich nicht sein, da wohl niemand von uns eine systematische Erfassung vornehmen wird und es auch möglich ist, dass von einigen Orten objektiv gar nicht bekannt ist, ob sie befestigt waren.

      Den Strang möchte ich nach der Erweiterung von "Altstädte in Bayern" in "Stadt- und Ortsbefestigungen in Bayern" umbenennen, durchaus mit Hinblick auf die ähnlichen Titel "Befestigungen von Klosteranlagen, Friedhöfen und Kirchhöfen in Bayern" und "Tortürme in Bayern". Beim Umfang des Verzeichnisses kommt es gleichwohl nicht darauf an, ob Reste der jeweiligen Befestigung noch vorhanden sind.


      Einige weitere "Zurückstufungen" wie bei Marktheidenfeld stünden noch an. Es handelt sich um heutige Städte, die seinerzeit noch nicht Stadt waren. Ich werde die Berichtigung in einem Zug mit der Aufnahme der weiteren Orte vornehmen.


      Gefehlt haben jedoch noch diese Städte, die ich jetzt in die Liste aufgenommen habe:
      Teuschnitz
      Windsbach
      Obernburg am Main
    • Habe die Liste jetzt um die Orte erweitert, die früher nicht Stadt waren. Es ist wahrscheinlich, dass noch viele Orte fehlen, zumal ich die Liste nicht systematisch erarbeitet habe.

      In folgenden Fällen habe ich von Stadt auf "ehem. Markt" zurückstufen müssen, da diese Orte kein altes Stadtrecht besessen haben:
      Schnaittenbach
      Oberviechtach
      Pressath
      Vohenstrauß
      Marktredwitz
      Marktbreit
    • Die folgenden Orte kann ich noch für den Landkreis Rhön-Grabfeld ergänzen:

      Gabolshausen (Stadt Bad Königshofen im Grabfeld), Dorf
      Hendungen, Dorf
      Heufurt (Stadt Fladungen), Dorf
      Heustreu, Dorf
      Mittelstreu (Gde. Oberstreu), Dorf
      Oberfladungen (Stadt Fladungen), Dorf
      Oberstreu, Dorf
      Saal a. d. Saale, Markt
      Sondheim v. d. Rhön, Dorf
      Stetten (Gde. Sondheim v. d. Rhön), Dorf
      Stockheim, Dorf
      Wülfershausen a. d. Saale, Dorf
    • Bei Waigolshausen und Zeuzleben bin ich mir wegen den Straßennamen Am Dorfgraben bzw. Graben und Am Oberen Tor bzw. Oberes Tor eigentlich ziemlich sicher, dass eine Befestigung vorhanden war.

      Ein paar weitere Orte habe ich noch anhand der Denkmalliste gefunden:
      Kleinwallstadt, Markt, Lkr. Miltenberg
      Großwallstadt, Dorf, Lkr. Miltenberg
      Niedernberg, Dorf, Lkr. Miltenberg
      Gnadenberg (Stadt Neumarkt i. d. OPf.), Dorf
      Mainstockheim, Dorf, Lkr. Kitzingen
      Seinsheim, Markt, Lkr. Kitzingen
      Oberthulba, Markt, Lkr. Bad Kissingen
      Karlburg (Stadt Karlstadt), Dorf, Lkr. Main-Spessart
    • Danke, Michael! :applaus:

      Bei Mainstockheim habe ich eigentlich gedacht, es wäre unbefestigt gewesen. Freilich hat es eine ausgesprochen enge Bebauung, aber das haben andere Weindörfer auch (man vergleiche auch die mainfränkischen Weindörfer mit denen an der Pfälzer Weinstraße, die geradezu stadtartig erscheinen). Anlass für das Annehmen einer Ortsbefestigung war wohl das Torhaus Hauptstraße 144.

      Seinsheim habe ich auch schonmal in Verdacht gehabt (ist ja schließlich ein Markt).

      Bei Gnadenberg, das übrigens zur Gemeinde Berg bei Neumarkt in der Oberpfalz gehört, habe ich die beiden Tore eigentlich immer nicht als Teil einer Befestigung verstanden (sondern eher so wie das Bamberger Tor in Ebrach), die Denkmalliste spricht aber von einer Ortsbefestigung.

      Waigolshausen ist ja wegen des Ortsgrundrisses äußerst verdächtig. Auch Rieden (Gde. Hausen bei Würzburg) mit dem Straßennamen "Eßleber Thor". Es gibt aber offenbar auch Dörfer zwischen Würzburg und Schweinfurt, die nicht befestigt waren. Unterpleffld zum Beispiel, wenn jemand weiß, wo das ist :biggrin:. Dafür ist Markt Retzbach wahrscheinlich.
    • Rottenburg an der Laaber (Lkr. Landshut) geht m.E. noch ab. Im Wikipedia-Artikel steht zur Stadt u.a.: " Im 15. Jahrhundert begann man mit dem Bau der Marktbefestigung."

      Ebenso Geiselhöring (Lkr. Straubing-Bogen), da gab es bis 1811 noch u.a. ein Straubinger Tor.

      Zu Bogen steht im Wikipedia-Artikel: "Am Südende des Stadtplatzes bildete ehemals ein Tor, am Nordende die Bogenbachbrücke den Abschluss der Marktbefestigung".

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Markus ()

    • Danke, Markus, für Deine Nachforschungen und Mitteilungen!

      Bei Bogen und Geiselhöring bin ich auf schon auf die Idee gekommen, dass sie befestigt waren, aber bei beiden Orten habe ich keine Hinweise gefunden.

      Für wahrscheinlich habe ich es aber schon lange bei Plattling gehalten, aber bis dato ebenfalls noch keinen ausreichenden Hinweis gefunden. Die "Liste der Baudenkmäler in Plattling" spricht vom "ehemaligen Abschluss der Schmalseiten durch Tore". Damit gehört auch Plattling in diesen Kanon.

      Habe die Orte in die Liste aufgenommen.
    • Hm, hm. Das stellt langsam mein Weltbild auf den Kopf. Seit unvordenklicher Zeit habe ich immer zwischen befestigten, eben den "richtigen" Städten, und den früher nicht befestigten unterschieden. In Nordschwaben sind wir ja verwöhnt, aber bereits in Mittelschwaben hat es für mich mit Illertissen, Ichenhausen, Krumbach (Schwaben), Schwabmünchen und Buchloe "künstliche" Städte gegeben. Weiter südlich dann noch Marktoberdorf, Sonthofen und Lindenberg im Allgäu. Gersthofen und Königsbrunn sowieso. Und die größte Pseudostadt Schwabens ist mittlerweile Neusäß, hat in dieser Hinsicht Senden abgelöst.

      In die Liste aufgenommen.