Zerbst/Anhalt - Schloss Zerbst

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    • Hallo Akanthus!
      Auch von mir Herzlich Willkommen!
      Ihr leistet da wirklich Pionierarbeit in Zerbst und ich kann euch nur alles gute für das Gelingen wünschen. Ich kann deswegen so gut nachempfinden, da ich mit den Altstadtfreunde Nürnberg am Samstag auch immer Schutt aus mittelalterlichen Häusern schleppe... :daumenoben:

      Habt ihr Kontakt zu lokalen Baufirmen, die euch mit Gerät und evt. Material unter die Arme greifen (Werkzeug, Schuttmulden, Gerüste)?

      Ich finde es beachtlich, das schon über 150 Personen Mitglied sind, vor allem hinsichtlich der Tatsache, dass ihr als Verein ja noch nicht so lange aktiv seid und das bei einer Einwohnerschaft von ca. 17.000.

      Freue mich, wieder Neuigkeiten und "Praxisberichte" zu hören!

      Grüße

      Jürgen
    • Herzlich willkommen hier im Forum Akanthus!

      Eine weitere Frage, diesmal zur Stadt. Auf Luftbilder sieht die Stadt nicht unbedingt hässlich aus. Natürlich gibt kaum alte Gebäude, aber sind ein grosser Teil der Nachkriegsbauten nicht aus dem 50er Jahren? "Richtige" Plattenbauten habe ich nur nördlich des Marktplatzes erkennen können.


      Und: wissen Sie, ob ein Wiederaufbau des Dessauer Stadtschlosses geplant ist? Dort steht ja schon der Johannbau...

      Claus
    • Ein Hallo an alle, die auf meinen Beitrag reagiert haben, und vielen Dank für den freundlichen Empfang.

      Gern möchte ich auf die Nachfragen antworten.

      Zu den Fragen von Antiquitus:
      Vom ehemaligen Adelsgeschlecht, den Fürsten von Anhalt, ist leider nichts zu erwarten. Das Auftreten vom Chef des Hauses Anhalt, Eduard Prinz von Anhalt, ist für mich sehr fragwürdig. Er war einer der sieben Antragsteller auf Rückübertragung. Doch er hat damit wissentlich falsche Ansprüche gestellt. Die Übereignung des Zerbster Schlossareals in eine Kulturstiftung ist per 30.12.1918 rechtskräftig belegt. Auch die spätere Übereignung an die Stadt Zerbst 1947 ist dokumentiert und wurde von der obersten Instanz bestätigt. Eduard stellt nur Ansprüche und hat in Dessau Grundstücke sowie etliche Kunstgegenstände aus den Schlössern Wörlitz und Mosigkau erhalten. Er hatte zwar gleich nach der politischen Wende geäußert, sich um die Region zu kümmern, doch mir ist keine Initiative bekannt. Auch in Zerbst ging es ihm wohl nur um das Grundstück mitten in der Stadt. Geld hat er nicht, denn es reicht nicht einmal für die Sanierung des kleinen Jagdschlösschens Röhrkopf in Ballenstedt. Das hat er vor vielen Jahren schon erhalten, doch passiert ist kaum etwas. Ein Verwalter von ihm wollte mich „aushorchen“, wo die Kunstgüter aus dem Zerbster Schloss verblieben sind. Doch hier halte ich mich mit meinem Wissen sehr zurück. Die Schwestern des Prinzen sind zwar reich, doch haben sie kein Interesse an der „ostdeutschen Ruine“.

      Der vorhandene Schlosstrakt wäre ideal für die Zerbster Stadtverwaltung. Eine seriöse Investorengruppe aus Schleswig-Holstein kam im Jahr 2000 nach der Abschlagung aller Ansprüche mit einem ausgereiften Konzept auf die Stadt Zerbst zu. Die komplette Verwaltung sollte als Mieter in das sanierte Haus ziehen. Die Pläne sahen nicht nur die Rekonstruktion des Schlosstraktes vor, sondern auch die Sanierung des Umfeldes. Leider zerredeten die Stadträte das Projekt. Es wäre eine kluge Entscheidung gewesen. Und das Vorhaben wäre kurzfristig realisierbar. Weitere makabere Details kann ich leider nicht preisgeben, da ich zwar als „Sachverständiger“ in die Verhandlungen einbezogen war, aber zum Stillschweigen verpflichtet wurde. Warum, kann wohl jeder erahnen. Im letzten Jahr ist die Verwaltung nun in ein anderes Gebäude gezogen. Damit ist auch diese Chance vertan. Ich hatte auch versucht, das Amtsgericht im Schloss zu etablieren. Doch das Justizministerium hatte sich für einen billigeren Neubau entschieden, der momentan gerade errichtet wird.

      Die Unterstützung der lokalen Medien ist sehr gut. Vorrangig berichtet die lokale Presse über Neuigkeiten. Aber auch in überregionalen Printmedien gibt es Meldungen, eine war sogar in der englischsprachigen Prawda. Auch im Radio und Fernsehen konnte ich auf den Verein und seine Aktivitäten hinweisen. Die lokalen Politiker stehen hinter dem Projekt – quer durch alle Parteien. Vor Gründung des Vereins gab es einen von mir herbeigeführten Beschluss, in dem sich der Stadtrat und damit die Vertreter der Parteien zum Verein und seinen Vorhaben bekannt haben. Wenn es jedoch um Geld geht, sind die Stadträte sensibel. Die Kämmerin möchte den „alten Kasten“ am liebsten abreißen lassen. Zum Glück steht sie mit dieser Meinung etwas allein da.

      Zu den Fragen vom Sauerländer:
      Das Kellergeschoss des Westflügels scheint noch komplett vorhanden zu sein. Allerdings haben sie nicht mehr ihre vollständige Höhe. Es fehlen die Deckengewölbe und mindestens ein Meter. Ich schätze die vorhandene Raumhöhe aber immer noch auf ca. drei Meter. Vom Corps de logis ist nur noch die südliche Außenmauer vorhanden. Vielleicht existieren auch noch einige Ansätze, mehr aber nicht. Die Idee, die Fundamente des Westflügels ausgraben zu lassen, trage ich schon länger mit mir herum. Ich erwarte in diesem Trakt noch historische Fragmente aus den Räumen und von der Fassade. Darüber hinaus vermute ich im Bereich der fürstlichen Gruft Überreste der Särge. Einige waren verschüttet und wurden nicht geborgen. Doch der Schlossgarten ist ein Flächenbodendenkmal. Damit müsste die Ausgrabung beantragt und von Experten begleitet werden. Die kann ich aber nicht bezahlen.

      Zur Frage von Booni:
      Auf Grund der großen Hitze beim Brand des Schlosses 1945, der über drei Tage währte, wurde der meiste Stuck vernichtet. Der noch verbliebene war über sehr viele Jahre Wind und Wetter ausgesetzt und ist somit abgeplatzt. Es gibt aber noch Stuckreste an drei Kaminen sowie an einigen Deckenvouten. Für die Verhältnisse recht gut erhalten ist er im Treppenhaus. Dort existieren partiell noch die Pilaster in Stucco lustro sowie die dazugehörigen Kapitelle. Die vorhandenen Elemente lassen es zu, das Treppenhaus originalgetreu zu rekonstruieren.

      Zur Frage von Jürgen:
      Danke für das Lob.
      Kontakte zu lokalen Baufirmen bestehen selbstverständlich. Eine Firma hat uns die offenen Fenster zugemauert, um den Vandalismus einzuschränken. Eine weitere hat uns eine Schuttrutsche zur Verfügung gestellt, um den Unrat und den Schutt aus dem ersten Obergeschoss zu beseitigen. Das hat uns sehr geholfen, liegt es doch in ca. 12 Metern Höhe. Auch den Container inklusive Abfuhr hatten wir bekommen. Eine andere hat uns in einem Raum, der für Veranstaltungen genutzt wird, einen Betonfußboden eingebracht. Auch Gerüste wurden uns bereits zur Verfügung gestellt. Schachtarbeiten wurden durch eine Tiefbaufirma erledigt. Der Hausanschluss wurde von einer Elektrofirma gelegt. Bei der Auflistung habe ich bestimmt etwas vergessen. Die ortsansässigen Firmen haben uns aber schon sehr geholfen. Diese werden wir bei Ausschreibungen, wenn dann auch mal Geld zu verdienen ist, entsprechend berücksichtigen. Doch es wird zunehmend schwieriger, Firmen zu animieren, da es der Baubranche immer schlechter geht. Werkzeug usw. haben wir zum Teil selbst angeschafft bzw. bringen es die Helfer bei Arbeitseinsätzen mit.

      Zu den Fragen von Däne:
      Nur einige wenige Bauten in der Altstadt wurden in den 1950er Jahren errichtet. Diese haben noch Charakter und wurden der Umgebung, soweit sie noch da war, angepasst. Die vielen Blöcke dazwischen stammen aus den 1960er, 1970er und 1980er Jahren. Die sehen dagegen aus wie in jeder ostdeutschen Stadt. Sie sind über das gesamte Stadtgebiet verteilt. Das große Neubaugebiet nördlich des Marktes entstand ab um 1976.
      In Dessau war nur die Rekonstruktion des Johannbaus aus der Renaissancezeit vorgesehen. Die Arbeiten sind äußerlich auch abgeschlossen. Weitere Teile des Stadtschlosses, darunter die Trakte von Knobelsdorff, sollen nicht rekonstruiert werden.

      Viele Grüße an alle.
    • "Akanthus" schrieb:

      ...
      Der vorhandene Schlosstrakt wäre ideal für die Zerbster Stadtverwaltung. Eine seriöse Investorengruppe aus Schleswig-Holstein kam im Jahr 2000 nach der Abschlagung aller Ansprüche mit einem ausgereiften Konzept auf die Stadt Zerbst zu. Die komplette Verwaltung sollte als Mieter in das sanierte Haus ziehen. Die Pläne sahen nicht nur die Rekonstruktion des Schlosstraktes vor, sondern auch die Sanierung des Umfeldes. Leider zerredeten die Stadträte das Projekt.
      ...


      Hört sich irgendwie nach ECE an. Wollen die jetzt alle Schlösser in
      Deutschland rekonstruieren und Einkaufszentren, Landtage oder
      Stadtverwaltungen dort einziehen lassen ?
      Ich jedenfalls wäre dafür. Besser ein Schloß als gar kein Schloß ! :D

      Akanthus, ich finde es super, wie Du und Dein Verein sich für
      den Erhalt des Schlosses einsetzen.
      Hervorragend ! :applaus:
    • Mal wieder ein wichtiger Artikel zum Zerbster Schloss( allerdings sind auch die anderen lesenswert, man sieht, wie engagiert der Verein ist):



      Arbeitseinsatz und Führungen im Zerbster Schloss

      Zahn der Zeit nagt am Ostflügel: "Eigentlich ist es schon 5 nach 12"


      Doppelveranstaltung beim Zerbster Schlossverein am Sonnabend: Erst wurde im Ostflügel geputzt und gewerkelt. Dann konnten sich Besucher in Führungen auf einer neuen Route in dem Bau umsehen. Die 136 Vereinsmitglieder zeigen viel Einsatzbereitschaft. Sorgenfrei sind sie nicht. Der Zahn der Zeit nagt am Schloss.

      [...]


      Noch am Vormittag hatte der am 7. März 2004 gegründete Zerbster Schlossverein seine von 44 auf inzwischen 136 Köpfe angewachsene Mitgliedschaft zu einem Arbeitseinsatz in den Schlosskomplex gerufen. Zahlreiche Helfer kamen. Es wurde gefegt, gewischt, gehämmert und ausgebessert. Die großen Bildtafeln, die verschiedene Räume vor der Zerstörung des Schlosses 1945 zeigen, wurden für die Führung aufgehängt. Vereinsvorsitzender Herrmann dankte erfreut allen für ihre Einsatzbereitschaft.
      Dem Verein ist es gelungen, Fachhochschulen für die Schlossruine zu interessieren. Wesentlichstes Projekt war das im vorigen Jahr abgeschlossene Vorhaben mit Studenten der Fachhochschule Magdeburg-Stendal. Dabei geht es vor allem um Planungen für die Rekonstruktion des Ostflügels. Danach könnte hier eine private Schule oder Hochschule eingerichtet werden. Eine Studentin der Fachhochschule Rosenheim in Bayern arbeitet an einer Diplomarbeit mit dem Thema "Katharinentherme". Sie kann sich vorstellen, aus dem Schloss eine Beauty- und Wellnessfarm zu machen.

      Der Verein hat beim Land Fördermittel beantragt. In Aussicht stehen 100 000 Euro. Zehn Prozent müsste der Verein als Eigenanteil selbst aufbringen. Werden diese Gelder bewilligt, soll eine Zwischendecke im Bereich der Schlosseingangshalle eingezogen werden. Die Notdächer müssten erneuert werden.
      Das ist auch dringend nötig. Sorgenfrei sind Herrmann und der Verein nicht. Zwei Innenwände im Obergeschoss sind kürzlich eingestürzt. "Eigentlich ist es schon fünf nach 12, obwohl es erstaunlich ist, wie der Bau die 60 Jahre seit der Zerstörung überstanden hat."



      Quelle: schloss-zerbst-ev.de/html/presse/2005_06_13.htm
    • Letztendlich sehe ich das auch so: Vereine, Seiten, Diskussion, große Reden: das ist alles schön und auch wichtig, aber was am Ende zählt ist die Tat.
      Eine der vorzüglichsten Eigenschaften von Gebäuden ist historische Tiefe.
      Die Quelle aller Geschichte ist Tradition. (Schiller)
      Eine Stadt muss ihren Bürgern gefallen, nicht den Architekten.
    • Gute Neuigkeiten:



      Fördermittel sind bewilligt: Möglichst ab September soll gebaut werden


      Es kann gebaut werden am Zerbster Schloss. Insgesamt stehen 100 000 Euro zur Verfügung. Zu 90 Prozent werden sie vom Land Sachsen-Anhalt gefördert. Der entsprechende Bewilligungsbescheid liegt dem Förderverein Schloss Zerbst e. V. seit Ende vergangener Woche vor.
      Solche Post macht sogar ein Urlaubsende angenehmer. Als Dirk Herrmann, Vorsitzender des Fördervereins Schloss Zerbst, in der vergangenen Woche nach Hause zurückkehrte, lag des Schreiben des Landesverwaltungsamtes vor. Der Bewilligungsbescheid über Mittel "zur Erhaltung und Pflege von Kulturdenkmalen" - konkret für das "Projekt Schloss Zerbst".
      Von den 100 000 Euro, die in "Sicherungsmaßnahmen zur Abwehr des weiteren Verfalls des Schlosses" fließen sollen, sind 90 000 Fördermittel. 10 000 Euro muss der Förderverein selbst aufbringen. Diesen Eigenanteil übernimmt die Zerbster Partnerstadt Nürtingen, die dazu ihre Aktion "Schloss Zerbst" ins Leben gerufen hat und in diesem Rahmen gerade den "Zerbster Schloss-Sommer" mit verschiedenen Veranstaltungen durchführt.
      Vor fast auf den Tag genau einem Jahr trafen sich die Vertreter des Fördervereins mit den Vertretern der zuständigen Landesbehörden im Schloss, um potenzielle Fördermöglichkeiten zu prüfen. Zwischenzeitlich gab es Signale, dass es mit der Förderung klappen könnte. Dass sie jetzt wirklich und schwarz auf weiß bewilligt ist, "darüber sind wir sehr froh", sagt Dirk Herrmann.
      Es gehört zu den wesentlichen Vereinsanliegen, den erhaltenen Zerbster Schlossflügel nicht nur mit Führungen und Veranstaltungen der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, sondern sich besonders auch um den Erhalt und die Sanierung der historischen Bausubstanz zu bemühen.
      Erste wesentliche Schritte dazu sind jetzt möglich. Bereits im Juni hatte der Förderverein den so genannten vorzeitigen Maßnahmebeginn bewilligt bekommen. "Darauf basierend wurde der Bauantrag erarbeitet, der gemeinsam mit dem notwendigen Umnutzungsantrag derzeit beim Landkreis in der Bearbeitung ist", so Dirk Herrmann. Mit der Bauauftragerarbeitung wurde das Architektenbüro Brosig & Mengewein beauftragt.
      Bei den Arbeiten im Schloss sind natürlich bestimmte denkmalpflegerische Aspekte zu beachten. Speziell dazu gab es einen Vororttermin mit dem zuständigen Gebietskonservator Kleinschmidt. Auf einvernehmlicher Basis. Auch in diesem Bemühen um einen guten Konsens von Seiten der Denkmalpfleger erfährt der Förderverein eine Würdigung seines Engagements um das Schloss.
      Im Vorfeld der geplanten Arbeiten wurden statische Prüfungen im Bereich der Eingangshalle vorgenommen. Die Ergebnisse der durchgeführten Kernbohrungen werden dieser Tage erwartet.
      Was aber soll gemacht werden bei diesen ersten wirklich großen Maßnahmen am Zerbster Schloss seit Jahrzehnten?
      Umfangreichstes Vorhaben ist das Einziehen einer Zwischendecke in der großen Eingangshalle in Höhe der einst originalen Raumdecke. "Hierbei geht es die statische Stabilisierung des Mittelrisalits und das angrenzenden Treppenhauses", erklärt der Fördervereinsvorsitzende. Der Mittelrisalit mit seinem plastischen Bauschmuck gehört zu dem Wertvollsten, was vom Schloss noch erhalten ist. Da ist die statische Sicherung von besonderer Bedeutung. Das Treppenhaus ist ebenfalls in seinen historischen Strukturen erhalten und soll es bleiben und möglichst in seiner Ursprungsform wieder erstehen.
      Ein weiteres Vorhaben innerhalb der jetzigen Mittelbewilligung ist die Erneuerung der 1954/55 aufgebrachten Notdächer, um unliebsame Witterungseinflüsse künftig besser ausschließen zu können.
      "Unser Ziel ist, ab September zu bauen", sagt Dirk Herrmann. Der bereits ausverkaufte 2. Zerbster Schlossabend sowieso, aber auch der "Tag des offenen Denkmals" am
      11. September sollen vor Beginn der Bauarbeiten noch im Schloss stattfinden.
      Der bundesweite "Tag des offenen Denkmals" steht in diesem Jahr unter dem Thema "Krieg und Frieden". Besucher im Schloss werden dabei unter anderem jenen Bereich kennenlernen, in dem sich der Zerbster Stadtkommandant im April 1945 verschanzt hatte, dessen Widerstand gegen eine Kapitulation kurz vor Kriegsende zur schweren Zerstörung der Stadt führte. Und des Zerbster Schlosses.


      Quelle: schloss-zerbst-ev.de/html/presse/2005_08_02.htm


      @ Akanthus:

      Meinen Glückwunsch zu diesem schönen Zwischenerfolg.

      Sollte nicht auch eine Außenfassade wieder hergerichtet werden? (Ich meine so etwas gehört zu haben.) Das dürfte das Spendenaufkommen doch erheblich steigern.
      Wie sieht es eigentlich mit der Deutschen Stifung Denkmalschutz aus? Sind da keine Gelder zu erwarten?
    • Neue Treppenkonstruktion, die viele Jahre nützlich sein wird

      Voraussichtlich Mitte Oktober beginnen die ersten größeren Bauarbeiten zur Sanierung des Zerbster Schlosses. Sicheren Zugang zum Gebäude wird dann auch eine neue Treppe bieten, die vor kurzem am Zugang von der Schlosshofseite montiert wurde. Ihre erste Bewährungsprobe erlebte und bestand die Treppe zum "Tag des offenen Denkmals", wie Dirk Herrmann, Vorsitzender des Fördervereins Schloss Zerbst, informiert.
      Die originale Treppe an dieser Stelle ist in einem so schlechten Zustand, dass sie aufgrund zu hoher Unfallgefahr zwischenzeitlich als Eingang zum Schloss nicht mehr genutzt werden konnte. "Jetzt geht die Unfallgefahr gegen Null", freut sich Dirk Herrmann über die auch mit beidseitigen Handläufen versehene Stahlkonstruktion.
      Der Förderverein hatte zu Spenden für die Treppensanierung aufgerufen. Ausschließlich aus Spendengeldern wurde auch die neue Treppe bezahlt. "Unser Dank gilt dabei allen, die bei Veranstaltungen und Führungen gespendet haben", so der Fördervereinsvorsitzende. Da aber die zur Verfügung stehenden Gelder nicht ausreichend waren und vor allem die Zeit mit Blick auf die Bauarbeiten nicht ausreichte, entschied sich der Vorstand für diese Lösung. [...]
      Das Vorhaben, die originale Sandsteintreppe wiederherzustellen, verfolgt der Verein dennoch weiter. Ist weiterhin auch dafür für Spenden dankbar.
      Aber auch die stählerne Treppenkonstruktion "wird uns noch viele Jahre begleiten". Wenn das Sandsteinoriginal, das sie derzeit überspannt, saniert ist, soll sie "weiterwandern" zum Mittelrisalit am erhaltenen Schlossflügel. Dirk Herrmann blickt voraus: "Sie passt auch dorthin und im Zuge des Ausbaus des Mittelrisalits soll dort ein neuer Hauptzugang zum Schloss entstehen."


      Quelle: schloss-zerbst-ev.de/html/presse/2005_10_07.htm
    • Bauarbeiten am Zerbster Schloss unmittelbar vor dem Start

      Fast minütlich wird sie vom Förderverein Schloss Zerbst erwartet, die Baugenehmigung. Der Startschuss für die ersten umfangreichen Sanierungsmaßnahmen am historischen Haus seit Jahrzehnten. Ende Juli waren die Fördermittel bewilligt worden. Umfangreiche 90 000 Euro stellt das Land zur Verfügung. Weitere 10 000 Euro sind Eigenanteil des Fördervereins. Hier hat die Zerbster Partnerstadt Nürtingen ihre Unterstützung zugesagt.
      Im jetzt bevorstehenden Bauabschnitt am Schloss sollen die Mitte der 50er Jahre aufgebrachten Notdächer erneuert werden. Hauptvorhaben aber ist das Einziehen einer Zwischendecke in der mittlerweile für viele Veranstaltungen genutzten großen Eingangshalle. Diese neue Zwischendecke entsteht in Höhe der einst originalen Raumdecke und wird vor allem auch Mittelrisalit und Treppenhaus statisch stabilisieren.
      Neben einigen notwendigen Voruntersuchungen und neben der Berücksichtigung denkmalpflegerischer Aspekte, waren im Vorfeld der Baubeantragung auch Naturschutzbelange zu beachten. Das Schloss ist in Kellerbereichen auf Grund hier vorhandener Fledermausbestände so genanntes Flaura-Fauna-Habitat-(FFH)-Gebiet.

      [...]

      Der offizielle Baustart am Schloss soll im kleinen festlichen Rahmen am 25. Oktober um 16 Uhr gegeben werden. Die Mitglieder des Fördervereins Schloss Zerbst sind dazu herzlich eingeladen.


      Quelle: schloss-zerbst-ev.de/html/presse/2005_10_13.htm / 13. Oktober 2005


      Gestern offizieller Baustart am historischen Gebäude


      "Die Geschichte des Zerbster Schlosses wird fortgeschrieben"

      Seit gestern ist das Zerbster Schloss offiziell eine Baustelle. 60 Jahre nach der schweren Zerstörung und 50 Jahre nach den letzten größeren Vorhaben sind erstmals wieder grundlegende Sicherungsmaßnahmen möglich.
      Wo für Dirk Herrmann und seinen Förderverein Schloss Zerbst das "Abenteuer" erst richtig beginnt, kann Walter Tharan schon auf ein gerüttelt Maß an Erfahrung verweisen. Mit dem Förderkreis St. Nicolai hat er derzeit die 14. große Sanierungsmaßnahme "beim Wickel". Weiß um die Überraschungen des Bauens an historischen Gebäuden und auch davon zu erzählen, "dass ein Großteil dieser Überraschungen Schwierigkeiten sind". Möglichst wenige von Letzteren wünschte Walter Tharan gestern für die Vorhaben am Schloss.
      Zahlreiche Gäste, Vereinsmitglieder, aber auch Landrat Holger Hövelmann (SPD), Bürgermeister Helmut Behrendt (FDP), Gebietskonservator Harald Kleinschmidt, konnte Dirk Herrmann gestern zum Auftakt der "Sicherungsmaßnahmen I", so die offizielle Bezeichnung, im Schloss begrüßen.
      Als Baustelle ist das Zerbster Schloss seit einigen Tagen bereits auszumachen. Von der Hofseite hat es ein Gerüst bekommen, Technik und Fahrzeuge der Baufirmen stehen davor, das Bauschild hängt an der Rüstung. (Hier hofft der Förderkreis im Übrigen auch auf aufmerksame Bürger, damit Unbefugte sie nicht benutzen.)
      Die letzten Sicherungsmaßnahmen am Schloss liegen 50 Jahre zurück, erinnerte Dirk Herrmann. Das am 16. April 1945 ebenfalls schwer zerstörte Bauwerk, später auch Opfer weiteren politisch motivierten Abbruchs, war Dank des Engagements von Landeskonservator Dr. Schubert seiner für 1953 geplanten endgültigen Auslöschung entgangen. Der Ostflügel blieb erhalten, bekam 1954/55 unter anderem Notdächer.
      50 Jahre wurde es still im Schloss, so der Fördervereinsvorsitzende. Relativ still. Das Objekt sei Aufenthaltsort Jugendlicher geworden, die "dem wehrlosen Gebäude arg zusetzten". Wie es auch die Witterung über all die Jahre tat. Vieles von der erhaltenen Substanz ging so noch verloren. Aber: "Auch wenn sich der Zustand des Gebäudes permanent verschlechterte, so übt es trotzdem noch eine große Ausstrahlungs- und Anziehungskraft aus."
      Dirk Herrmann erinnerte an Investorenpläne und Rückführungsansprüche nach der politischen Wende. Alle scheiterten und am 7. März 2003 wurde die Gründung des Fördervereins Schloss Zerbst möglich. Ein Glücksumstand für das Gebäude und ebenso für die Stadt als ihre Eigentümerin, den auch Bürgermeister Helmut Behrendt im Volksstimme-Gespräch in den höchsten Tönen zu würdigen weiß.
      Die jetzigen Bauarbeiten sind ein wichtiger, ein Abschnitt neuer Qualität. Einen eindrucksvollen Einblick in das so viele, was aber seit Gründung des Vereins auch schon für das Schloss getan wurde, gab der Vorsitzende gestern ebenfalls. Allein 2004 erbrachten Vereinsmitglieder und Arbeitskräfte über ABM bzw. Ein-Euro-Jobs mehr als 10 000 Arbeitsstunden und unbare Leistungen im Wert von 135 000 Euro. 10 000 Euro wurden in den letzten zehn Monaten allein ins Schloss investiert, zum Beispiel für Sicherheitstüren, die Herstellung eines neuen Zugangs von der Gartenseite, die Installation zweier Toilettenanlagen, eine neue Treppe von der Hofseite, die bauliche Herrichtung der einstigen Weinstuben … Vieles, erklärt Dirk Herrmann dankend, war nur möglich durch die Unterstützung von Sponsoren und privaten Spenden.
      Maßnahmen sind das, die für den Substanzerhalt, für die Nutzung des Schlosses wichtig sind. "Sichernde Bautätigkeiten sind aber nur mit entsprechender Finanzausstattung und durch professionelle Firmen umsetzbar", betont der Vereinsvorsitzende.
      Sie werden jetzt möglich, nach langer Vorarbeitung vom Verein und dank umfangreicher Landesförderung. Dirk Herrmann lässt die Stationen Revue passieren von der ersten Begehung mit den Landesvertretern im August 2004 über die Fördermittelbewilligung von 90 000 Euro am 22. Juli 2005 bis zur Baugenehmigung, die seit Donnerstag vergangener Woche vorliegt. Aus der Partnerstadt Nürtingen ist der zu den Fördermitteln nötige Eigenanteil von 10 000 Euro zugesagt.
      Dass das Bauen am historischen Objekt Überraschungen und Schwierigkeiten bereit hält, kann auch Dirk Herrmann schon belegen. Da war das Veto der Naturschützer kurz vor Erteilung der Baugenehmigung und mit Blick auf das Fledermausschutzgebiet im Schloss. Vor Ort gab es die "für beide Seiten akzeptable Einigung, die auf den Erhalt des Schlosses ausgerichtet ist". Und auf eine langfristige konstruktive Zusammenarbeit. Eine Tatsache, über die sich auch Landrat Holger Hövelmann in Bezug auf die involvierte Behörde seines Hauses besonders freut. Konfliktfrei von Beginn an war die Zusammenarbeit mit den Denkmalpflegern.
      Gemeistert wurden auch die notwendigen Voruntersuchungen des Mauerwerks in der Eingangshalle, wo als eines der Vorhaben eine Stahlbetondecke eingezogen werden soll. Der andere Schwerpunkt der "Sicherungsmaßnahmen I" ist die Erneuerung der Notdächer, um weitere witterungsbedingte Schäden auszuschließen. Dazu wird auch eine Dachentwässerung installiert. Beide Maßnahmen sind an Zerbster Firmen vergeben, die Arbeiten am Dach an die Firma Naul GmbH, die an der Zwischendecke an die Firma Heidetor Zerbst GmbH. Lutz Mengewein vom Architekturbüro Brosig/Mengewein begleitet die Arbeiten planerisch.
      Mit den Sicherungsmaßnahmen, die in diesem Jahr noch abgeschlossen werden sollen, "wird die Geschichte des Schlosses weitergeschrieben", sagt Dirk Herrmann im Namen des Fördervereins. Der Stolz darauf ist mehr als berechtigt.


      Quelle: schloss-zerbst-ev.de/html/presse/2005_10_26.htm / 26. Oktober 2005
    • Abschluss des ersten Bauabschnittes am Zerbster Schloss

      Sicherung soll fortgesetzt werden: Weitere Decken notwendig

      Ganz neue Schlosseinblicke gab es gestern für Landrat Holger Hövelmann (SPD), den Zerbster Bürgermeister Helmut Behrendt (FDP) und weitere Vertreter der Zerbster Stadtverwaltung. Dirk Herrmann, Vorsitzender des Fördervereins Schloss Zerbst, hatte eingeladen, das bei den ersten großen Sicherungsmaßnahmen der vergangenen Monate Entstandene anzusehen.
      Am 25. Oktober war offizieller Baustart für den ersten Bauabschnitt am Schloss. Die allerletzten Arbeiten sind am 27. Januar abgeschlossen worden.
      100 008,88 Euro wurden ganz genau verbaut, wie Dirk Herrmann berichtet. Mit 100 000 Euro waren die Vorhaben veranschlagt. 90 000 Euro waren Landesfördermittel. 10 000 Euro hatte der Verein als Eigenanteil aufzubringen. Konnte es dank der schnellen Unterstützung der Stadt Zerbst, da die eigentlich zugesagte Hilfe aus Nürtingen bisher ausblieb.
      Die Erneuerung der Notdächer und das Einziehen dreier Zwischendecken wurden mit der Firma Naul und der Heidetor GmbH an Zerbster Firmen vergeben, wie Dirk Herrmann hervorhebt. Einheimisch ist auch das mit den Planungen beauftragte Architekturbüro Brosig/Mengewein. Hier ging der Dank des Vereinschefs an Lutz Mengewein für sein zusätzliches Engagement. Dadurch standen mehr Mittel für Baumaßnahmen zur Verfügung.
      So konnte zu den ursprünglich geplanten zwei Decken, davon eine über der großen Eingangshalle, eine weitere Decke über dem ersten Obergeschoss in diesem Bereich eingezogen werden. Beide haben jeweils eine Fläche von 125 Quadratmetern. Wichtig sind diese Decken vor allem auch, um die statische Sicherung des historisch noch besonders wertvollen Treppenhauses zu gewährleisten.
      Andererseits sind neue Raumeindrücke entstanden, wie auch die gestrigen Besucher sie wahrnahmen. Doch möglich ist jetzt ebenfalls der Weg zuallererst in das erste Obergeschoss mit weiteren interessanten Räumen.
      Und mit noch jeder Menge Arbeit, die zu sehen und leisten ist - in diesen und den weiteren Schlossbereichen. Darum blickt Dirk Herrmann zugleich voraus. Auch für dieses Jahr sind Fördermittel beim Land beantragt, hat die Stadt Gelder in den Haushalt eingestellt. Weitere substanzsichernde Zwischendecken sind geplant.


      Quelle: schloss-zerbst-ev.de/html/presse/2006_02_28_a.htm
    • "der_Sauerländer" schrieb:

      Neuigkeiten zum Zerbster Schloss:


      schloss-zerbst-ev.de/html/presse/2005_11_08.htm

      schloss-zerbst-ev.de/html/presse/2005_11_23.htm


      Es geht voran!


      Mir persönlich fehlt allerdings die Öffentlichkeitsarbeit für das restliche Schloss.


      Wahrscheinlich, weil es im Moment einfach völlig illusorisch ist.
      Eine der vorzüglichsten Eigenschaften von Gebäuden ist historische Tiefe.
      Die Quelle aller Geschichte ist Tradition. (Schiller)
      Eine Stadt muss ihren Bürgern gefallen, nicht den Architekten.
    • Nun laßt die doch erstmal den einen verbliebenen Schloßflügel wiederherstellen! Das wird aufwendig, langwierig und teuer genug, und wenn dieser Flügel tatsächlich eines Tages fertig ist und in alter Pracht wieder dasteht, dann kann man anfangen, über das Rest-Schloß zu sprechen. Vorher ist das relativ sinnlos.
    • Das ist zwar eine nette Idee - aber auch "gärtnerische Mittel" (Buchsbaumhecken, Rasen, Blumen?) kosten Geld, und für den Wiederaufbau des Ruinenflügels wird bestimmt jeder Cent dringend gebraucht, so daß ich jegliche Spende im Zweifel lieber da hineinstecken würde.

      Grundsätzlich stimme ich Dir zwar zu, eine Erinnerung an den Rest des Schlosses wäre gut, aber erst muß das Hauptprojekt gelingen. Erst muß die Butter auf's Brot, bevor man an die Wurst denken kann...
    • ich bringe keine Neuigkeiten, die nicht auch auf der Webseite des Fördervereins stehen, dennoch möchte ich den Fokus der Forenleserschaft doch mal auf die jüngste Sicherungsmaßnahme beim verbleibenden Flügel des Zerbster Schloßes lenken.
      Ein Provisorium mit Stil wie ich finde.

      Das Projekt ist sowieso immer schön mitanzusehen, vor allem weil es aus kleinen Mitteln heraus entsteht...und dann wird hier mal 'ne Originaltür gefunden, dort Leben ins Schloß geholt, alles mit einem gewissen Elan.
    • Danke für den Link. Es tut gut, auch einmal andere Fortschritte zu sehen. Ich habe mir die Homepage erstmals vollständig angesehen. Es muss ein schrecklicher Schmerz gewesen sein, dieses Kleinod brennen zu sehen. Auch wenn Krieg war, aber das wär nimmer notwendig gewesen. Dass aber die eigenen Leute dann nach dem Krieg darangehen, den wichtigen, wiederaufbaufähigen Rest zu sprengen, das wird einem kulturinteressierten und gebildeten Menschen wohl nie beizubringen sein. OK, die SEDler waren weder das eine noch das andere und man kann nur hoffen, dass solche Leute nie mehr ans Steuerruder gelangen.
      "Lieber Gott, schütze uns vor Dreck und Schmutz,
      vor Feuer, Krieg und Denkmalschutz!"