Zerbst/Anhalt - Schloss Zerbst

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    • Zerbst/Anhalt - Schloss Zerbst

      Schloss Zerbst



      Ort: Sachsen-Anhalt

      Geschichte:


      31. Mai 1681: Gundsteinlegung

      1746: Vollendung (als Residenzschloss des Fürstenhauses Anhalt-Zerbst)


      16. April 1945: das Residenzschloss wurde durch Bomben schwer getroffen und brannte vollständig aus


      Dezember 1947: Übereignung des Schlossgartens inklusive Schlossruine an die Stadt Zerbst

      Folge:

      die endgültige Vernichtung der barocken Dreiflügelanlage, obwohl eine Sicherung der Ruine einen späteren Aufbau ermöglicht hätte (politische Entscheidung, kunsthistorische Argumente zählten nicht).



      Quelle: schloss-zerbst-ev.de



      Heute (nur ein Flügel erhalten):


      Quelle: schloss-zerbst-ev.de

      Der Förderverein möchte die die bestehende Osthälfte des Schlosses bewahren und originalgetreu restaurieren.


      Links:

      schloss-zerbst-ev.de

      schloss-zerbst.de/
    • Ich kenne diese Projekt schon länger und bin natürlich auch für eine originalgetrue Rekonstruktion des Ostflügels. Nur sehe ich ein ganz großes Problem, was bei den meisten Schlössern und Herrenhäusern besteht. Was soll man nach einer Sanierung mit diesem riesigen Gebäude machen? Irgendwie muss ja wieder Geld in die Kassen kommen.
      Auf der Homepage des Vereins sprechen die nur von "kultureller Nutzung" und einer "Einbringung von Schloss und Park in das touristische Konzept der Stadt Zerbst und der Region". Aber was heißt das konkret?
      Das würde ich gerne mal wissen.
    • "der_Sauerländer" schrieb:


      Ich weiß nicht wie es euch geht, aber mir ist der Ostflügel zu wenig! Gerade der Mittelteil ist doch interessant!


      In der Tat ist der Mittelteil sehr imposant und sogar interessanter als der Ostflügel. Aber wenn man den Mittelteil aufbauen wöllte, müsste man auch noch den Westflügel und somit das komplette Schloss aufbauen - der Symmetrie wegen. :D

      Wo liegt Zerbst eigentlich genau? Gibt es dort irgend etwas Kulturelles, was mit dem Schloss zu verknüpfen wäre, um so eine Nutzung zu gewährleisten?
    • Man müsste mal wissen, in wie weit das Schloss Zerbst vom Ortskern entfernt steht.
      Steht es zu sehr abseits, so mag es schwer fallen, es in das Ortsleben einzubinden,
      und es muß auf Touristeninteresse gesetzt werden.

      Die übriggebliebene Ruine des Ostflügels scheint mir aber ein sehr guter Ausgangspunkt
      für eine Komplettrekonstruktion zu sein, da, nach Sicherung & Restaurierung dieses Teils,
      es als Vorlage für den gegenüberliegenden Teil dienen kann, ohne daß man mit schlech-
      ter Dokumentation gegenargumentieren kann.
      Der Mittelflügel ist zudem, bis auf den Risalit, schmucklos, und der Turm könnte zu einem
      späteren Zeitpunkt hinzugefügt werden.

      Wenn Berlin und Potsdam Erfolg haben, so wird sich das sicher günstig auf die Situation
      in Zerbst auswirken.
    • Auf der Homepage der Stadt gibt es einen Stadtplan unter "Tourismus" und "Stadtportrait". Das Schloss und der Schlosspark scheinen etwas am westlichen Rand der Stadt zu liegen, jedoch ist das Rathaus nur einen Steinwurf entfernt.

      Scheint ein nettes Örtchen zu sein, das leider kurz vor dem Ende des Krieges zerstört wurde. Auf der Homepage ist zu lesen, dass der Marktplatz einst sehr schön gewesen sein muss, jedoch vom einstigen Prunk nur noch wenige Häuser übriggeblieben sind.
    • Ich sehe gerade, dass die ehemalige Reitbahn (Nummer 23 auf diesem Bild) perfekt restauriert wurde und heute die Stadhalle von Zerbst ist.
      Also im Grunde könnte man das Schloss ja doch gut in das Stadtleben einbeziehen. Ich dachte nämlich erst, die Ruine würde ewig weit ausserhalb der Stadt liegen. Deswegen meine Bedenken bezüglich der Nutzung. Obwohl... so ganz aufgelöst haben sie sich immer noch nicht.
    • "Jürgen" schrieb:

      ...Vor allem das Wort "Sicherung" deutet für mich auf Befürchtungen hin, dass evt. sogar der Teil noch abgerissen werden könnte...


      Das halte ich für unwahrscheinlich, da es zwar in den letzten Jahren Fälle von Vandalismus gab, aber bereits erste Arbeitseinsätze von Freiwilligen erfolgt sind:


      August 2003:

      - Fenstersicherung gegen Vandalismus


      16. August 2003:

      - Säuberung: südlicher Bereich bis zum Treppenhaus (Erdgeschoss)
      - nördliches Kellerfenster auf der Ostseite vermauert, um weiteren Vandalismus zu verhindern


      30. August 2003:

      -nördlicher Teil des Erdgeschosses beräumt (-> Räumung des gesamten Erdgeschosses)


      06. September 2003:

      - Teilreinigung der Kellergeschosse.
      - am ehemaligen Treppenhaus im Südbereich in Höhe des Parterre wurden Gitter angebracht, um mögliche Absturzstellen bei Besichtigungen im Vorfeld zu sichern
      - der Außenbereich wurde von Unrat befreit


      17. April 2004:

      -Reinigung des Erdgeschosses und des nördlichen Teils des oberen Kellergeschosses
      -die Außentreppe, die bei Führungen als Hauptzugang zum Schloss dient, wurde von Bewuchs befreit


      08. Mai 2004:

      Im ersten Obergeschoss wurden Säuberungsarbeiten zur Beseitigung von Schutt und Unrat begonnen.


      05. Juni 2004:

      -weitere Säuberungsarbeiten im 1. Obergeschoss

      "Parallel ging es im oberen Keller einer Mauer "an den Kragen", die erst nach 1945 eingezogen wurde. Mit ihrer Beseitigung wurde das ehemalige Küchengewölbe wieder in seiner kompletten Ausdehnung erlebbar."


      Mehrere Monate (ab 21. September) standen dem Förderverein fünf Arbeitskräfte vom VHS-Bildungswerk zur Verfügung.
      Durch ihre Arbeit konnte das erste Obergeschoss komplett von Schutt und Unrat (etwa 20 Kubikmeter) befreit werden. Außerdem mauerten sie ein Loch in einer Wand, das durch Vandalismus entstand, zu, verlegten Steinplatten im Keller und erneuerten eine Kellertür.


      November 2004: Einsetzen erster Fenster


      Nächste Ziele (2005):


      Für den Förderverein ist eines der nächsten Ziele, die Schlosshalle weiter zum Veranstaltungsraum zu gestalten.

      Fördermittel sind beantragt, bei Genehmigung sollen von Mitte April bis Mitte August auch das Wiedereinziehen der Decke in der Schlosshalle gehören.

      Geplant ist die Sanierung der Eingangstreppe, um einen sicheren Zugang zum Schloss zu schaffen. Weiterhin soll ein Fassadenteil auf der Südseite saniert werden.


      - Ende August 2005: 2. Schlossabend in völlig wetterunabhängigem Ambiente geplant


      Quelle: schloss-zerbst-ev.de
    • Nach der interessanten Diskussionsrunde möchte ich mich, der Vorsitzende des Fördervereins Schloss Zerbst e. V., gern zu Wort melden.

      Der Förderverein wurde am 7. März 2003 gegründet und hat damit die Obhut über ein riesiges Objekt übernommen. Die späte Gründung, um Irritationen schon im Vorfeld zu vermeiden, hing mit sieben Rückführungsansprüchen zusammen, die über mehr als ein Jahrzehnt sämtliche Aktivitäten und Investitionen verhinderten. In der kurzen Zeit seit der Gründung bis heute konnten bereits viele Maßnahmen umsetzt werden, auch wenn sie im Verhältnis zur Größe des Gebäudes sehr klein sind. Doch die Möglichkeiten eines auf ehrenamtlicher Basis agierenden Vereins mit 126 Mitgliedern dürfen nicht überschätzt werden. Darüber hinaus ist zu berücksichtigen, dass Zerbst in einem der ärmsten Bundesländer mit der höchsten Arbeitslosigkeit liegt! Riesensprünge sind hier momentan nicht möglich.

      Der Förderverein hat völlig bei Null angefangen. Damit ist es augenblicklich natürlich noch nicht möglich, ein rundherum perfektes Sanierungs- und Nutzungskonzept vorzulegen. Wir müssen uns erst einmal orientieren, was machbar und realisierbar ist. Der Förderverein hat (aus heutiger Sicht) jedoch nur vor, die Sicherung und teilweise Rekonstruktion der vorhanden Substanz zu betreiben. Die komplette Rekonstruktion würde die Möglichkeiten des Vereins übersteigen. Aber wir bemühen uns natürlich um seriöse Investoren und wollen das Projekt auch dann inhaltlich weiter begleiten.

      Auf unsere Initiative hin wurden / werden von drei Hochschulen Konzepte entwickelt; Magdeburg-Stendal: private Schule/Hochschule mit bundesweitem Einzugsgebiet, Kiel: Reitzentrum mit Internat und Rosenheim: „Katharinentherme“ sprich Wellnesszentrum. Mit diesen Lösungsansätzen haben wir eine Basis und können auf die Suche gehen. Die Projekte aus den 1970er Jahren, die ein kulturelles Zentrum bzw. ein Gymnasium im Schloss vorsahen, sind heute nicht mehr umsetzbar.

      Momentan scheint nur die Rekonstruktion des östlichen Schlossflügels sinnvoll. Für die oben genannten möglichen Nutzungen ist die Nutzfläche – der Trakt umfasst fünf Etagen zuzüglich des Dachbereiches – völlig ausreichend. Unabhängig davon habe ich bei den Lösungen immer vorgegeben, die Bruchstelle des Corps de logis so zu behandeln und zu schließen, dass die Rekonstruktion der beiden nach der Zerstörung abgebrochenen Trakte möglich ist. Somit sind alle Möglichkeiten offen, wenn mehr Raumbedarf und genügend Geld zur Verfügung stehen. Natürlich habe ich Visionen und könnte mich für eine Rekonstruktion der kompletten Dreiflügelanlage begeistern. Doch bin ich Realist genug, um das momentan nicht zu forcieren.

      Die Beschränkung auf den Ost- und Haupttrakt ist genau so partiell, wie nur den Ostflügels zu sanieren. Da stimme ich „Harmonica“ gänzlich zu: wenn dann alles. Ansonsten wäre die barocke Harmonie völlig gestört.

      Zur Vermutung von „Jürgen“ kann ich Folgendes sagen: „Sicherung“ heißt für uns, die vorhandene barocke Bausubstanz zu bewahren. Das ist in Bezug auf den Ostflügel auch umsetzbar. Dagegen gestaltet sich die Situation an der Nordseite des Gebäudes problematisch. Dort existiert noch ein Fünftel des Corps de logis, des ältesten Bautraktes von 1681. Dieser Teil steht auf dem alten Burggraben und bricht völlig auseinander. Die Nordostecke (zwischen zwei Fenstern) steht bereits mehr als 30 Zentimeter außer Lot! Bei den enormen Mauernstärken (Schalmauerwerk) von bis zu 1,7 Metern ist diese Ecke wohl kaum zu halten. Erste Vorstellungen sehen vor, die Ecke komplett abzutragen und neu hoch zu mauern.

      Die Stadt Zerbst war tatsächlich das Rotenburg Mitteldeutschlands. Leider ging die Pracht, die von der Gotik bis zum Hochbarock reichte, noch am 16. April 1945 fast komplett verloren. Zerbst wurde von den Nazis zur Festung erklärt und demzufolge völlig platt gemacht. Den verbliebenen Rest haben die kommunistischen Machthaber vernichtet oder verunstaltet. Nur das Veto des Landeskonservators hat verhindert, dass 1952 nicht auch noch der letzte Schlossflügel gesprengt wurde. Die für die Zeit enorme Summe für die Sprengung in Höhe von 200.000,00 DM hatten die „Kunstbanausen“ in der Stadt- und Kreisverwaltung schon längst bereit gestellt. Es wurde fast alles aufgeboten, um Geschichte durch Abriss auszulöschen.

      Zu „Johan“ möchte ich gern noch sagen, dass trotzdem noch ein paar schöne Gebäude und Straßenabschnitte der totalen Zerstörung entgangen sind und dass entgegen Ihrer Meinung viele Touristen nach Zerbst kommen. (Ich selbst habe die ortsansässigen Stadtführer mit ausgebildet.) Natürlich sind die Besuche meist mit anderen Zielen wie Wörlitz, Leitzkau, Magdeburg etc. verknüpft. Darüber hinaus wird das Andenken an die berühmt-berüchtigte Zarin Katharina II. von Russland in Zerbst hochgehalten. Sie stammte aus dem Fürstenhaus Anhalt-Zerbst und hat auch für einige Zeit im Zerbster Schoss gelebt. Die zum heutigen Museum gehörige Sammlung Katharina II. kann über Besuchermangel nicht klagen.

      Die Arbeitseinsätze des Vereins beschränk(t)en sich darauf, die vorhandenen Schuttberge zu beseitigen. Und das waren bereits sehr viele Kubikmeter! Darüber hinaus beschäftige ich jetzt sieben Arbeitskräfte (Ein-Euro-Jobs). Sie richten Räume her, die für Veranstaltungen im Haus genutzt werden sollen. Denn eins ist für uns ganz wichtig: Das Schloss muss wieder ins Bewusstsein der Menschen und in die Mitte der Stadt gerückt werden. Das Haus führte für mehr als 50 Jahre ein absolutes Schattendasein. Es war zwar da, doch dufte nicht weiter darüber gesprochen werden. In dieser Richtung konnten wir schon große Erfolge erzielen.

      Im letzten Jahr haben wir einen Fördermittelantrag gestellt, um eine Decke in einen großen Saal einziehen und sämtliche Notdächer mit einer neuen Abdeckung versehen zu können. Dann wären die Räume weitestgehend vor Feuchtigkeit geschützt. Ich habe große Hoffnung, dass der Antrag Mitte Februar positiv beschieden wird.

      Für Anfragen stehe ich Ihnen jederzeit gern zur Verfügung.
    • Herzlich willkommen hier im Forum Akanthus!

      Mich würde noch interessieren, inwieweit mit einer Unterstützung der Adelsgeschlechter, die das Haus bewohnten vielleicht gerechnet werden könnte. Bisher wurde ja viel über Investoren geredet und die einzelnen erarbeiteten Konzepte sehen mehr oder weniger kommerzielle Nutzung vor. Könnte sich vielleicht nicht unter den Nachfahren des örtlichen Adels ein nicht rein kommerzieller Investor z.B. für den Mitteltrakt finden lassen, der einen Teil dessen beispielsweise als Museum nutzt?
      Oder gibt es vielleicht Platzbedarf seitens der Stadt für den anderen Seitenflügel (für Ämter, Kultur, etc.)?
      Und als Letztes: wie gut ist die Unterstützung seitens der lokalen Politik und Medien?
      Eine der vorzüglichsten Eigenschaften von Gebäuden ist historische Tiefe.
      Die Quelle aller Geschichte ist Tradition. (Schiller)
      Eine Stadt muss ihren Bürgern gefallen, nicht den Architekten.
    • Auch von mir ein herzliches Willkommen!


      Vielen Dank für die Informationen!

      Ich wollte mal fragen, ob es noch Kellerfundamente der anderen beiden Flügel gibt?
      Wenn ja, könnte man diese eventuell ausgraben und sichern (beispielsweise vorerst größtenteils mit Sand verfüllen und nur den oberen Teil zugänglich lassen), so könnte man das öffentliche Interesse stärker auf einen Wiederaufbau dieser Schlossteile lenken!

      Grüße, Sauerländer
    • Ich heiße dich auch Herzlich Willkommen bei uns.

      Immer schön, wenn sich hier auch Leute melden die in unserem Sinne bereits was lenken.
      Ich hoffe mal, dass ihr in Zukunft eine größere finanzielle Unterstützung bekommt.
      Gibt es eigentlich im Innern sehenswerte Restbestände wie Stuck etc. oder sind alles ausgebrannte Mauern?